Bewertet: "Der alte Mann und der Tod"

Hier könnt ihr die einzelnen Folgen bewerten bzw. die Meinung der anderen Mitglieder lesen.

Wie gefällt euch "Der alte Mann und der Tod" ?

1/5 schlecht
32
52%
2/5 passabel / "na ja"
11
18%
3/5 gut
8
13%
4/5 sehr gut
5
8%
5/5 überragend
5
8%
 
Abstimmungen insgesamt : 61

Beitragvon CapsFoxx » Mo, 03.03.2008 21:24


Hallo zusammen...

Ich hatte mir vor einigen Tagen diese Folge seit langer Zeit mal wieder angeschauen. Anfangs dachte ich, wahrscheinlich weil ich die Folge schon lange nicht mehr gesehen hatte, dass die meisten Kritikpunkte vor allem was das Auftreten von Columbo angeht, etwas übertrieben waren. Nachdem ich mir die Folge aber wieder angesehen habe, muss ich nun doch sagen, dass ich meinen Vorrednern nur zustimmen kann. Die Art und Weise, wie sich Columbo in manchen Szenen verhält grenzt schon bedenklich nah an der "Lächerlichkeit" und ist in meinen Augen einfach viel zu überzogen.
Das ist aber auch die einzige Episode in der mir das so geht, für gewöhnlich halte ich die Tapsigkeit von Columbo einfach für grandios und sie trägt normalerweise auch nicht dazu bei, dass man ihn als Person nicht ernst nimmt oder nicht respektiert. In der Szene, als er zum Beispiel seinem neuen Kollegen ein paar Runden mit seinem Auto drehen lässt kommt er schon ein wenig wie ein "Verrückter" rüber. Was aber möglicherweise auch an einer schlechten Synchronisation liegen kann. Leider hatte ich bisher noch nicht die Gelegenheit, diese Folge im Orginal zu schauen, da mir diese Staffel in meiner Sammlung noch fehlt. Auch die bereits angesprochene Szene, als Columbo den Arm um den Mörder legt, halte ich schlichtweg für unpassend und passt einfach nicht zu seiner Art. Witzig hingegen, finde ich aber die Szene, als er zu meditieren und seine Füße in die richtige Position zu bringen versucht...

Ansonsten finde ich die Auflösung des Falles jetzt nicht soo schlecht, auch wenn mir natürlich die traditionelle Auflösung des Falles wesentlich besser gefällt.
Alles in allem kommt die Folge aber bei mir nicht über 2 von 5 Punkten hinaus.

Viele Grüße

CapsFoxx
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Beitragvon martha » Di, 04.03.2008 01:04


CapsFoxx hat geschrieben:In der Szene, als er zum Beispiel seinem neuen Kollegen ein paar Runden mit seinem Auto drehen lässt kommt er schon ein wenig wie ein "Verrückter" rüber. Was aber möglicherweise auch an einer schlechten Synchronisation liegen kann.


Ja, am Ende dieser Szene versucht die deutsche Synchro dann doch noch eins draufzusetzen.
Columbo's angriffslustigen Ruf "Attacke!!!", mit dem er die Fahrt auf den Highway einläutet, gibt es in der Original-Fassung nämlich nicht.
Da scheint den deutschen Übersetzern wohl ein wenig der Gaul durchgegangen zu sein.

Ansonsten scheint mir das Original genauso verrückt zu sein wie die deutsche Synchronisation.
Ich seh die Folge mittlerweile fast schon mehr als missglückte Krimi-Komödie an.
Die Szene auf der Couch gefällt mir allerdings. :D
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Beitragvon Venus » Mi, 02.07.2008 18:33


Der absolute Columbo-Tiefpunkt.

<<Ich habe mit Interesse eure Beiträge zu dieser Folge gelesen und bin gespannt auf diesen Film, den ich mir demnächst ansehen werde. Der Tiepfpunkt war für mich immer Bluthochzeit. Mal sehen, ob das dieser Film noch top...
Venus
 

Beitragvon Venus » Mi, 02.07.2008 18:34


Der absolute Columbo-Tiefpunkt.

<<Ich habe mit Interesse eure Beiträge zu dieser Folge gelesen und bin gespannt auf diesen Film, den ich mir demnächst ansehen werde. Der Tiepfpunkt war für mich immer Bluthochzeit. Mal sehen, ob das dieser Film noch top...
Venus
 

Beitragvon xxxl-Columbo-Fan » Mi, 02.07.2008 18:37


Venus hat geschrieben:Der absolute Columbo-Tiefpunkt.

<<Ich habe mit Interesse eure Beiträge zu dieser Folge gelesen und bin gespannt auf diesen Film, den ich mir demnächst ansehen werde. Der Tiepfpunkt war für mich immer Bluthochzeit. Mal sehen, ob das dieser Film noch top...


Im Gegensatz zu "Bluthochzeit" hat mich "Der alte Mann und der Tod" noch recht gut gefallen. Dennoch ist "Der alte Mann und der Tod" einer der schlechtesten 3 Folgen, hier stimmt recht wenig, Peter Falk erreicht hier auch seinen Columbo-Tiefpunkt, schlechte Story, Columbo-Mörder-Spiel kann man auch vergessen, im Grunde fehlt genau das, was einen Columbo ausmacht, in dieser Folge!
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Beitragvon Martin. » Mi, 23.07.2008 15:31


Abel hat geschrieben:Mit der verhexten Couch meinte ich die Szene als sich Columbo mit dem von Robert Vaughn gespielten Charakter in einem Raum des neo-viktorianischen Herrenhaus zu einer Unterredung trifft und dabei in der Mitte einer altertümlichen Couch Platz nimmt. Vaughn setzt sich neben ihn und versinkt prompt in der ebenso üppigen wie ausgeleierten Polsterung des guten Stücks. Nun sitzt er einen Kopf tiefer wie unser Inspektor und muss zu ihm hinaufschauen, was ihm gar nicht gefällt. Also steht er auf und setzt sich auf der anderen Seite neben Columbo, wo die Polsterung scheinbar noch in Ordnung ist - allerdings wieder mit dem gleichen Resultat wie zuvor. 8)

Hä?

An die Szene kann ich mich gar nicht erinnern. Es gibt eine Szene wo Falk und Vaughn auf einer Couch Platz nehmen, und Falk dabei telefoniert. Aber Vaughn wechselt gar nicht den Platz sondern bleibt da sitzen. Ich kann mich an keine weitere solche Szene erinnern?? :? :?

Ansonsten ist die Folge wirklich grausam. Kriminalistisch absolut hohl, die Überführung ein Witz und Columbo macht sich einfach nur lächerlich. Robert Vaughn war ok, das war aber schon das einzige positive.
Meiner Meinung nach die schlechteste Columbo-Folge überhaupt.

@Martha: In "Niemand stirbt zweimal" scheint wenigstens sowas wie ein Drehbuch (wenn auch ein schlechtes) und teilweise sowas wie Schauspieler vorhanden zu sein, ausserdem spielt Falk dort auch einigermassen normal, in "Der alte Mann und der Tod" wirkt er ja als wäre er ständig unter Alkoholeinfluss. Nichts für ungut, aber ich kann ehrlich gesagt nicht ganz verstehen wie man "Niemand stirbt zweimal" schlechter als die hier erwähnte Folge finden kann. Sicher, es ist auch eine schlechte Folge, aber "Der alte Mann und der Tod" ist meiner persönlichen Meinung nach in allen Belangen noch viel schlechter. :wink:

Achja, 1 Punkt für die Folge hier... :wink:
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Beitragvon martha » Sa, 26.07.2008 01:25


Martin. hat geschrieben:
@Martha: Nichts für ungut, aber ich kann ehrlich gesagt nicht ganz verstehen wie man "Niemand stirbt zweimal" schlechter als die hier erwähnte Folge finden kann.


Du zwingst mich ja dazu, mir nochmal meine alten Beiträge durchzulesen. :wink:
Ich konnte mich nämlich eigentlich nicht erinnern, dass ich zwischen meinen persönlich schlechtesten Folgen noch 'ne Rangfolge aufgestellt hätte.
Mir gefallen nur 3 Folgen überhaupt nicht, nämlich neben "Der alte Mann und der Tod" und "Niemand stirbt zweimal" lediglich noch "Ein Hauch von Mord".
Ich würde aber jetzt nicht sagen, dass eine dieser Folgen schlechter ist als die andere. Ich kann nur sagen, dass mich "Der alte Mann und der Tod" streckenweise wenigstens noch etwas erheitert hat. Natürlich hat mich die Folge auch verwundert, überfordert, gelangweilt und ratlos zurückgelassen.
"Niemand stirbt zweimal" und "Ein Hauch von Mord" sind daneben die beiden Folgen, die mich vom üblichen "Columbo"-Strickmuster aus betrachtet am meisten enttäuscht haben.
Mich haben diese Episoden einfach nicht gepackt, und zwar weder inhaltlich, noch darstellerisch.
Aber für mich gibt es zwar die beste, aber nicht die schlechteste Folge.
Ich verteile nur eine "rote Laterne" an alle drei. :wink:
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Beitragvon OnkelDonald » Fr, 15.08.2008 17:26


Hallo, ich fand diesen Columbo nach "Der Schein trügt" doch sehr ernüchternd. Für meine Begriffe wurde hierbei viel zu viel von der Formel abgewichen. "Columbo goes Agatha Christie". Das passte nicht und machte Columbos Spuren, die er verfolgte für uns nicht nachvollziehbar, bis zum Ende. Die erste halbe Stunde verstrich zudem so ziemlich ereignis- und ziellos (schließlich musste die Folge ja anderthalb Stunden lang werden), auch wenn sie manchmal ziemlich lustig ist ("Was ist das?" - "Eine Jorl" - ......"Johrrrl?" - wie heißt das eigentlich wirklich :?: -- Oder auch, dass der Basaltbaum klüwert. "Gibt es noch einen anderen Baum?"). Da am Ende doch aber alles einen Sinn ergibt, würde ich sagen, gebe ich noch 3/5 Punkten. Auch das Verhältnis zu Mac Obinsky fand ich lustig, netter Kerl irgendwie - wenn ich nur an die Fahr-Szene denke :lol: !

Und diese Folge ist, wie die ganze Columbo-Serie alles andere als an die" Sex & Crime/Peng-du-bist-tot/US-Actionkrimidurchschnittswarenphilosophie" angepasst. Zum Glück können wir die Krimis von früher gucken!!

Jetzt aber noch eine Frage: Habe ich was verpasst? Oder wer hat nun wirklich Clay umgebracht, also den eigentlich Hauptverdächtigen?

EDIT: Ha, da hab ich aber ein Ei gelegt: "Jetzt nur noch eine Frage" 8) Das fiel mir erst hinterher auf...
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Beitragvon Hollister » Fr, 15.08.2008 20:42


Ich glaube eher, dass der Besanbaum klüverte und nicht der Basaltbaum. Basalt ist ein Gestein, das kaum die Eigenschaft zu "klüvern" besitzt.

Die richtige Schreibweise des Bootes ist "Yawl"

Das bisschen Seemannslatein habe ich auch noch ganz interessant gefunden, dies ändert aber nichts daran, dass die Folge sonst eine absolute Katastrophe ist.
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Beitragvon OnkelDonald » Sa, 16.08.2008 20:50


Oh :D
Ja deswegen kam mir "Basalt" so komisch vor :?
Danke! Wieder was dazugelernt :lol: !
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Beitragvon FlyingPelican » Sa, 06.09.2008 16:59


Auch für mich zählt die Folge eher zu den schwächeren. Zwar finde ich die Idee, dass man als Zuschauer den Mörder nicht sofort kennt oder an den falschen denkt, ganz in Ordnung für eine Abwechslung. Aber hier wird es wohl etwas zu weit getrieben. Wenn man den ersten vermeintlichen Mörder echt "in Aktion" als wirklichen Mörder gesehen hätte, dann aber erstmal im Unklaren geblieben wäre, wer den zweiten Mord verübt hat, gut. Gut aber auch nur, wenn der zweite Mörder eine einigermaßen bekannte Person gewesen wär, nicht irgendeine Randfigur im Film. Auch die Überführung ist wirklich etwas lang und sehr dürftig.
In der Episode ist alles recht ruhig und gemächlich gehalten, was zu dem ganzen Ambiente mit dem großen ruhigen Seefahrer paßt, und obwohl nicht viel passiert, wird damit auch Spannung erzeugt. Das finde ich eine gute Idee, aber hier wird auch das ein wenig übertrieben.
Noch eine der besten Szenen finde ich Columbos erste Erfahrung damit, was bei einem Segelschiff ein Baum ist. Man sieht ihn wieder mal auf einem Gebiet, von dem er keinen Schimmer hat. Da und in der Szene mit der gefundenen Uhr kombiniert er sich wenigstens etwas so zusammen wie man ihn kennt.
Was an der Sache mit der Lupe um die Uhrzeit abzulesen nicht stimmen soll, versteh ich allerdings wieder mal nicht. Manche von euch scheinen noch nie eine Tachenuhr mit zersplittertem Glas in der Hand gehabt zu haben. Durch ein zersplittertes Glas kann man manchmal nicht mehr gut sehen, mal lassen sich die Zeiger und die Splitterkanten des Glases nicht unterscheiden, mal sind die Zeiger gar nicht zu erkennen... - Brechung und Reflexion sag ich nur. Als mein Uhrglas mal zersplittert war, konnte man auch manche Ziffern gar nicht mehr erkennen und Teile der Zeiger. Aber da fast jeder eine solche Uhr hat, könnt ihr das auch selber mal ausprobieren... :D
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Beitragvon Venus » So, 07.09.2008 14:25


FlyingPelican hat geschrieben:Auch für mich zählt die Folge eher zu den schwächeren. Zwar finde ich die Idee, dass man als Zuschauer den Mörder nicht sofort kennt oder an den falschen denkt, ganz in Ordnung für eine Abwechslung. Aber hier wird es wohl etwas zu weit getrieben. Wenn man den ersten vermeintlichen Mörder echt "in Aktion" als wirklichen Mörder gesehen hätte, dann aber erstmal im Unklaren geblieben wäre, wer den zweiten Mord verübt hat, gut. Gut aber auch nur, wenn der zweite Mörder eine einigermaßen bekannte Person gewesen wär, nicht irgendeine Randfigur im Film. Auch die Überführung ist wirklich etwas lang und sehr dürftig.
In der Episode ist alles recht ruhig und gemächlich gehalten, was zu dem ganzen Ambiente mit dem großen ruhigen Seefahrer paßt, und obwohl nicht viel passiert, wird damit auch Spannung erzeugt. Das finde ich eine gute Idee, aber hier wird auch das ein wenig übertrieben.
Noch eine der besten Szenen finde ich Columbos erste Erfahrung damit, was bei einem Segelschiff ein Baum ist. Man sieht ihn wieder mal auf einem Gebiet, von dem er keinen Schimmer hat. Da und in der Szene mit der gefundenen Uhr kombiniert er sich wenigstens etwas so zusammen wie man ihn kennt.
Was an der Sache mit der Lupe um die Uhrzeit abzulesen nicht stimmen soll, versteh ich allerdings wieder mal nicht. Manche von euch scheinen noch nie eine Tachenuhr mit zersplittertem Glas in der Hand gehabt zu haben. Durch ein zersplittertes Glas kann man manchmal nicht mehr gut sehen, mal lassen sich die Zeiger und die Splitterkanten des Glases nicht unterscheiden, mal sind die Zeiger gar nicht zu erkennen... - Brechung und Reflexion sag ich nur. Als mein Uhrglas mal zersplittert war, konnte man auch manche Ziffern gar nicht mehr erkennen und Teile der Zeiger. Aber da fast jeder eine solche Uhr hat, könnt ihr das auch selber mal ausprobieren... :D


Ich glaube Deinen Ausführungen! Test erübrigt sich! :lol:
Venus
 

5 von 5 Punkten!

Beitragvon gubanov » Do, 26.03.2009 22:54


"Der alte Mann und der Tod" wird oft von Columbo-Fans als misslungenes Experiment verschrien. So freilich auch hier im Forum. Kritisiert werden in erster Linie nach den bisher getätigten Ausführungen die veränderte Krimistruktur und der übermäßig eingesetzte Humor. Wie man aus meiner Punktewertung erkennt, kann ich diesen Kritikpunkten nicht zustimmen und möchte daher versuchen, die Ehre dieses Eintrags wenigstens zu einem kleinen bisschen wiederherzustellen, nachdem hier nun quasi Verriss auf Verriss folgte.
Beginnen wir zunächst ganz harmlos: bei den Schauspielern. Als erster großer Name begegnet uns Robert Vaughn, der bereits in "Traumschiff des Todes" zu überzeugen wusste und für mich ein Sympathieträger unter den Mördern und angeblichen Mördern ist - seine offene und freundliche Art macht jede Schandtat schnell vergessen (wie gut, dass ich nicht Columbos Job habe!). Er kann seine Rolle auch dieses Mal glaubhaft transportieren. An seiner Seite agieren Fred Drager, Diane Baker, Wilfrid Hyde-White (der Mann ist mit der Stimme von Hans Paetsch einfach eine Wucht), John Dehner, Dennis Dugan und Bruce Kirby. Alle sind vollkommen passend zu den jeweiligen Rollen besetzt, die immer auf dem schmalen Pfad zwischen realistischer Menschendarstellung und einem gewissen "guten alten Charme" wandeln, den die Folge aufgrund des "heile Welt"-Inselschauplatzes und des klassischen Kriminalplots mehr als die meisten anderen Columbos aufbaut. Gewiss kann der Kritiker, der unbedingt etwas finden will, behaupten, man hätte gewisse Charaktere noch genauer ausbauen müssen, doch das hätte den Rahmen einer ansonsten gut gefüllten Folge merklich gesprengt (warum hier einige den Film als langatmig titulieren, verstehe ich nicht, denn eigentlich reagiere ich empfindlicher auf Füllstoff und Dehnungen als der durchschnittliche Columbo-Fan). Die Sonderposition dieser Episode als Whodunit-Krimi rechtfertigt nun einmal eine größere Zahl an Hauptakteuren, als es gemeinhin bei Columbo der Fall ist, wenngleich ich kaum der Meinung zustimmen kann, dass etwa die Rolle von Fred Draper eine besonders untergeordnete sei.

Etwas detaillierter möchte ich nun auf den Kriminalfall eingehen. Er erweist sich als effektive Umkrempelung des typischen Columbo-Schemas, dem Zuschauer einen Vorsprung vor dem Inspektor zu gewähren. Dabei ist die Folge aber so klug, ganz typisch zu beginnen und sowohl den Inspektor als auch das Publikum für die erste Hälfte des Geschehens im Glauben zu lassen, den Mörder - wie immer - zu kennen. Aus diesem ungemein cleveren Kompromiss ergibt sich eine ansonsten unmögliche Symbiose: die Existenz sowohl eines Columbo-"Mörder"-Spiels zwischen Falk und Vaughn (das man ja bereits in der vorherigen Staffel erprobt hatte und nun somit etwas verkürzen konnte) als auch einer Unsicherheit, wer der wahre Täter sein könnte. Wer behauptet, es gäbe kein Columbo-Mörder-Spiel, der hat schlecht aufgepasst und die typischen Elemente eines solchen, die durchaus vorhanden sind, nicht registriert: die Fragen des Inspektors an den Verdächtigen, für die dieser eine Erklärung suchen muss (das Klüvern des Besanbaums), die mehrfachen "Belästigungen" durch Columbo und die Reaktion des Verdächtigen darauf sowie die schließliche Anklage durch Columbo, die sich hier schon relativ zeitig findet und sich einmalig als grundlos erweist. Die Tatsache, dass Vaughn aber zumindest für die Vertuschung des Verbrechens sorgte und somit um das Finden bester Ausreden bemüht ist, ja sogar das Knacken eines Alibis vom Inspektor 'mal eben locker zwischengemischt wird (wieder ein klassisches Element), beweist aber, wie genial die Verquickung von Althergebrachtem und Experimentellem in dieser Folge durch Jackson Gillis gelöst wurde. Dafür meine Hochachtung.
Der zweite Teil der Handlung (man mag sich vorstellen, welcher Schock es für die Zuschauer von "Columbo" gewesen sein muss, den vermeintlichen Täter auf einmal selbst auf der halben Filmstrecke als Leiche herumliegen zu sehen!) gewinnt zusätzlich an Fahrt, was die Ermittlungen betrifft, da nun eine ganze Reihe an Verdächtigen ansteht. Der Vergleich, der hier bereits mehrfach zu Agatha Christie gezogen wurde, kann auf diesen Teil der Episode nun endlich angewandt werden. Dabei finde ich es aber erschreckend, wie hier einige Columbo-Fans zu den Talenten der Macher ihrer Lieblingsserie stehen: Da wird Columbo schon einmal als "Christie für Arme" bezeichnet oder behauptet, einer der Klamauk-"Miss Marples" (ich vermute zumindest, Rutherford und nicht Joan Hickson war gemeint) sei ertragreicher als Columbo. Dabei ist der Fall durchaus klug konstruiert. Durch die Einbindung dreier Personen in den Mord (1.: der, der ihn begangen hat; 2.: die, die der Mörder belasten wollte; 3.: der, der die Belastung fortwischen wollte und selbst zum Hauptverdächtigen wurde) und die darauffolgende Erweiterung des Verdächtigenkreises entwickelt sich eine Geschichte, die vielleicht etwas komplizierter ist als die gängige Columbo-Story, aber weder unglaubwürdig noch handwerklich schlecht gemacht ist. Die Verbitterung einiger, die behaupten, das Drehbuch sei schlecht, resultiert meiner Meinung nach mit Verlaub eher aus einer enttäuschten Erwartung und eventuell einer Überforderung als aus echten Fakten. Denn Fakt ist einzig: Wenn man sich auf den Whodunit-Plot einlässt, weiß er durchaus zu überzeugen.
Einwände kommen nun von der Seite, die anführt, der finale Clou mit der Uhr sei vor Gericht unhaltbar. Nun aber Butter bei die Fische: Wie viele Columbo-Clous sind vor Gericht haltbar? 10 Prozent? Fünf? Noch weniger? Ich bin mir bewusst, dass eine solche Argumentation keineswegs eine Entschuldigung darstellt, doch wenn hier einige mit der Sehnsucht nach dem "klassischen Columbo-Prinzip" argumentieren und gleichzeitig anführen, die Überführung sei zu wackelig, dann schneiden sie sich ins eigene Fleisch. Fred Draper gibt meiner Meinung nach überdies einen sehr überzeugenden Mörder. Man bedenke auch, dass die Sache mit seinem Profit vom Testament des Commodore nicht erst "gen Ende aus dem Hut gezaubert wurde", sondern bereits relativ zu Anfang der Ermittlungen Erwähnung fand und somit keinerlei Grundlage für die Behauptung besteht, das Motiv sei erst in den letzten Filmminuten aufgedeckt worden.
Freilich kann man mir eine gewisse Belastung attestieren, da ich Whodunits und auch besonders Agatha Christie (einschließlich ihrer langen und breit erklärten Auflösungen, so wie sich ja auch eine in dieser Folge findet) unglaublich liebe, doch ich glaube kaum, dass meine Sinne so vernebelt sind, dass die vorgetragene Argumentation völlig an Wirkung verliert.

Zu guter Letzt noch die Sache mit dem Humor: Wie auch martha gehöre ich zu den Personen, die selten laut vor dem Fernseher lachen (zumindest bei Krimis wie "Columbo"), doch in dieser Folge habe ich mich mehrmals vor Prusten kaum halten können. Der, zwar inzwischen betagte, aber immer noch wirksame, Witz mit dem zu engen Auto ist köstlich (gut, das "Attacke!" hätte man sich sparen sollen, aber im O-Ton scheint es ja auch nicht vorhanden zu sein) und wird später auf dem Sofa als Reminiszenz ein zweites Mal aufgegriffen. Auch ansonsten gibt es einige sehr, sehr lustige Szenen ("ein Loch entworfen", Meditation etc.), wobei Peter Falk für meine Begriffe immer in seinem Element bleibt. Die Erzürnung vieler über den Humor dieser Folge kann ich dementsprechend aus persönlichem Eindruck nicht nachvollziehen und bin deshalb abermals der Auffassung, dass hier nach Kritikpunkten gesucht wird, um eine Folge zu verreißen, die dem "klassischen Fan" insgesamt weniger zusagt. Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege.

Gut, der langen Rede kurzer Sinn steht auch bereits obendrüber: 5 von 5 Punkten für einen unerwartet gelungenen Abschluss der fünften Staffel (man hört schließlich vorher von der Mund- und Schriftpropaganda). Passend zu diesem gelungenen Abschluss findet auch die Episode selbst ein wunderbares Ende, als Columbo sich - beinahe poetisch - mit dem Boot immer weiter von der Kamera entfernt und die Musik "This Old Man" anstimmt. Hier war wohl tatsächlich ein Abschied für immer geplant. Wie gut, dass es nicht dazu kam...
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Re: Bewertet: "Der alte Mann und der Tod"

Beitragvon martha » Fr, 27.03.2009 23:32


Toll!
Darauf hab ich schon lange gewartet.
Endlich mal jemand, der diese Folge lobt.
Das ist wirklich 'n erstklassiges Plädoyer. Respekt!
Aber warum bist du in einigen Passagen so überheblich und oberlehrerhaft? :? Das trübt den guten Eindruck dieser Bewertung dann doch etwas.
Du bist "erschrocken" über diverse Formulierungen, unterstellst Überforderung und schreibst, dass der "klassische" Columbo-Fan nach Kritikpunkten sucht, nur um diese Folge verreißen zu können.
Warum diese Verbitterung? Hab ich nicht so ganz begriffen. :?
Jeder schreibt doch hier nur seine subjektive Meinung, und das doch wohl unabhängig davon, ob hier ein liebgewonnenes "Columbo"-Muster anzutreffen ist oder nicht.
Ich wehre mich doch nicht gegen innovative Elemente, sondern beurteile nach 90 Minuten nur das Endprodukt. Und da heißt es dann: Jau, das war toll oder aber: Nee, datt war nix.
Das hat doch aber nichts mit 'ner grundsätzlichen Aversion gegenüber einer andersgearteten Columbo-Masche zu tun.
Ich schalte doch "Wenn der Schein trügt" nicht ab, nur weil Columbo da in 'nem anderen Trenchcoat kombiniert.
Nur was bitteschön ist das Innovative an "Der alte Mann und der Tod", wenn es durchaus ungewöhnlich startet(sowohl atmosphärisch als auch humoristisch), aber dann mit 'nem herkömmlichen und recht altbackenen "Wer-ist-der-Mörder-Salat" endet?
Bei "Columbo" bietet nun mal die Überführung des Täters den ultimativen Kick, da staunt man für gewöhnlich und hat im Idealfall 'nen "Aha-Effekt".
Ich konnte den hier einfach nicht erleben.
Und wenn man schon 'ne Folge andersartig gestaltet: Warum verzichtet man nicht einfach auf 'ne Aufklärung? Das hätte ich nachvollziehen können. Das wär für mich 'ne überzeugende "Columbo"-Revolution gewesen, zumindest für diese eine Folge.
Aber so ist es doch nur halbgar und somit wenig überzeugend.

Aber Verrisse zu dieser Folge gibt es ja schon reichlich.
Umso interessanter finde ich da mal 'ne Lobrede auf diese Folge, die einem die eigene Sichtweise mal so'n bisschen gegen den Strich bürstet.
Ich hab das mit Genuss gelesen und hoffe auf weitere Bewertungen, gubanov!

Grüße
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Re: Bewertet: "Der alte Mann und der Tod"

Beitragvon Hollister » Sa, 28.03.2009 07:40


Interessanter Beitrag, gubanov!
Bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob dies wirklich deine Meinung ist oder ob du damit nur eine Diskussion anregen willst.

Jedem seine Meinung.
Als Anhänger verschiedener Krimis (Agatha Christie, Tatort etc.) bin ich nicht stur auf das Columbo-Prinzip fixiert und finde an einem guten Whodunit ebenso Gefallen wie an einem typischen Columbo. Deshalb ist das Ergebnis bei "Der alte Mann und der Tod" umso ärgerlicher. Während bei den meisten Agatha Christie-Krimis raffinierte und interessante Auflösungen präsentiert werden, wird man beim "alten Mann" mit einer billigen Auflösung abgespeist. Da wird einfach eine Uhr an die Ohren der Verdächtigen gehalten und dann aus den (vom Zettel abgelesenen) Aussagen eine Auflösung fabriziert - einfallsloser und billiger geht's meiner Meinung nach nicht. Sicher werden auch bei anderen Columbo-Folgen Beweise präsentiert, die vor Gericht nicht standhalten würden. Diese sind jedoch um einiges geschickter verpackt.
Hätte man aus einem Columbo einen richtig guten Whodunit gemacht, würde ich sofort eine 5 geben, aber das... nein, nein, da blutet mein Krimi-Herz.

Auch ich freue mich auf weitere Bewertungen deinerseits, Potential zur Anregung von interessanten Diskussion ist vorhanden.
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