Bewertet: "Des Teufels Corporal"

Hier könnt ihr die einzelnen Folgen bewerten bzw. die Meinung der anderen Mitglieder lesen.

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1/5 schlecht
1
2%
2/5 passabel
4
7%
3/5 gut
15
27%
4/5 sehr gut
21
38%
5/5 überragend
15
27%
 
Abstimmungen insgesamt : 56

Bewertet: "Des Teufels Corporal"

Beitragvon Howie Munson » Mi, 19.07.2006 17:39


Fehlte hier noch ;)

Hier mein Review aus meinem Filmtagebuch :)

Fand die Episode damals ziemlich toll, aber leider konnte sich dieser Eindruck gestern nicht mehr so sehr bestätigen: ich mag das Militär überhaupt nicht und werde mit den dort herrschenden Mechanismen einfach nicht warm. Dieser Gehorsamquatsch geht mir mächtig auf den Zeiger und somit sagte mir die Location bzw. das Umfeld, in dem der Lt. ermittelt, nur wenig zu.

Da half es auch wenig, dass Columbo in seiner Art natürlich überhaupt nicht in diese Welt passte und es zu einigen witzigen Szenen kommt. Allerdings spielt Patrick McGoohan seine Rolle als Mörder ausgezeichnet und wurde dafür sogar mit dem Emmy geehrt.

Dennoch eine für mich eher schwache Folge, bei der der plot auch recht dünn ausfällt und die Überführung nicht so ganz stimmig ist. Ich habe auch gemerkt, dass ich bei einem COLUMBO die Locations in L. A. sowie die augenscheinlichen 70er brauche, damit sich das COLUMBO-Feeling bei mir einstellt - die Militärschule ist da nicht gerade dekadengebunden. Da ist es sehr interessant, dass die nächste Episode wieder auf einen Schauplatz beschränkt ist und ich sie eigentlich bislang zu meinen Favoriten zähle. Mal sehen, ob sich daran was ändern wird.
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Beitragvon Hollister » Mo, 04.09.2006 13:17


5 Punkte.

Eine starke Folge, die über 90 Minuten stets unterhaltsam bleibt. Sicherlich auch weil Columbo diesmal vor Ort übernachtet und somit ständig intensiv am Ermitteln ist. Die Gegensätze, die aus der Ausgangslage Columbo - Militär entstehen, werden bestens ausgespielt und ergeben ein paar köstliche Szenen. Zudem ist das Zusammentreffen zwischen McGoohan und Falk einmal mehr grandios. Herrlich auch die Dialoge, in denen beide plötzlich einfach das Thema wechseln oder belanglose Sachen fragen. Aus kriminalistischer Sicht ist die Überführung vielleicht als "zu dünn" zu kritisieren, dafür ist sie mit dem Cidre aber umso sympathischer. Ausserdem vermögen Columbo's sonste Ermittlung rundum zu überzeugen.
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Beitragvon Murdock » Mo, 04.09.2006 15:33


Bin auf nächste Woche gespannt wenn diese Folge läuft :)
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Beitragvon Hatto » Mo, 04.09.2006 15:52


gestern am orf, nexte woche auf super rtl

ich werd auch noch eine woche warten mit der bewertung :D
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Beitragvon Werderaner » So, 10.09.2006 17:48


Glatte 5 Punkte von mir!

Rundum spannend und unterhaltsam ermittelte COLUMBO gegen Patrick McGoohan, der ja ein absoluter Spezialist in dieser Serie ist.

Erhielt er doch in seiner Karriere "nur" 2 EMMY-Nominierungen, die er auch jeweils gewann (1975 & 1990).

Diese Episode war bei uns erstmals 1992 auf RTL zu sehen. Weiß jemand, ob die ARD damas bewusst Folgen nicht sendete, weil der Sender sie nicht gut genug fand? In diesem Fall hätten sie falsch gelegen!
R.I.P., Peter Falk - du warst bist und bleibst eine grandiose Krimi-Ikone!
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Beitragvon martha » Mo, 11.09.2006 01:54


Zugegeben, das ist sicher eine sehr gewöhnungsbedürftige Atmosphäre, die in diesem Columbo-Fall vorherrscht: alles wirkt sehr kühl, unaufgeregt, streng diszipliniert: Die Welt des Militärs hat die Folge wirklich voll im Griff.
Das wird vor allem dadurch verstärkt, dass hier auf die übliche musikalische Untermalung gänzlich verzichtet wird: zu hören sind lediglich Trommeln und Fanfaren, und schon die stumme Eingangsszene, wo Colonel Rumford die Vorbereitungen für den Mord trifft und ihm dabei der Schweiss auf der Stirn steht, wirkt irgendwie unheimlich.

Das kann man mögen oder nicht. Mich hat diese Folge auf jeden Fall gefesselt, fast jeder Satz scheint hier wichtig und handlungsrelevant zu sein, die Atmosphäre erfährt keinerlei Brüche bis zum Ende:
Für mich ist das eine der gelungensten Folgen der gesamten Columbo-Reihe überhaupt :!: :!: :!:

Besonders mag ich es, wenn das Motiv für den Mord beim Mörder in fast jeder Szene spürbar ist:
Eifersucht oder Erpressung halte ich immer für sehr belanglose Mordmotive.
Interessanter finde ich da Mörder wie Rumford(oder Carsini in "Wein ist dicker als Blut"), die einzig und allein deshalb morden, weil sie Angst haben, dass ihr Lebenswerk(hier die Militärakademie) zerstört wird.
Beeindruckend finde ich vor allem die Szene, als Colonel Rumford eine Inspektionsrunde durch die leerstehenden Gebäude der Akademie macht.
Geradezu gespenstisch, der Mann will einfach nicht wahrhaben, dass sich die Zeiten geändert haben. Der Satz:"Der Krieg ist vorbei." ist für ihn absolut tabu.
Patrick McGoohan spielt das hier in seiner für mich besten Rolle.
Zwar steif und kontrolliert, aber andererseits auch erfrischend lässig(Ist beides zusammen überhaupt möglich? :wink: ) und niemals arrogant oder herablassend gegenüber Columbo.
Ein Mörder, der einem sowohl sympathisch ist, der einem in seiner Verbohrtheit aber schon fast leid tut. Echt eindrucksvoll gespielt! :)

...und selbst Columbo ist in diesem Fall sehr diszipliniert: so wenig zersteut wie hier hab ich ihn selten gesehen; selbst wenn er über seine Frau spricht, tut er das nicht so ausschweifend wie sonst, als würde er sich die Mechanismen des Militärs zu eigen machen: kurz, knapp, präzise!
:arrow: Rumford:"Haben Sie einen Vornamen?"
Columbo:"Ja. Hab ich. Meine Frau ist die einzige, die ihn benützt."
Das ist dann wirklich nicht mehr zu toppen! :)

Das einzige, was ich bei den Ermittlungen nicht ganz begriffen habe ist, wie Columbo auf den Namen der Freundin von Kadett Springer gekommen ist. Den hat er doch sicher nicht in den Akten der Militärakademie gefunden?! :?:

Die Auflösung des Falls ist dann ebenso originell wie die in "Tod am
Strand". Der Mörder weiss etwas, was er gar nicht hätte wissen dürfen(hier der Cidre, bei "Tod am Strand" die Absage der Chinesen bei den Olympischen Spielen). Sowas gefällt mir immer sehr gut. :)

... und auch dass Rumford danach sofort gesteht, finde ich absolut logisch:
Columbo hat ihn der Lüge überführt, und Rumford diszipliniert sich daraufhin in militärischem Sinne selbst: praktisch eine Kapitulation vor dem "Feind".
Wichtig ist in seiner Wahrnehmung doch nur eins: Eine Schlacht ist verloren, aber der Krieg ist noch nicht vorbei.
Na, wenn das keine menschliche Tragödie ist?

Ich war auf jeden Fall restlos begeistert. :!:
:) :) :) :) :)
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Beitragvon Murdock » Mo, 11.09.2006 14:46


martha hat geschrieben:Das einzige, was ich bei den Ermittlungen nicht ganz begriffen habe ist, wie Columbo auf den Namen der Freundin von Kadett Springer gekommen ist. Den hat er doch sicher nicht in den Akten der Militärakademie gefunden?! :?:

Nein, dort steht er nicht, das ist ja Privatsache (wird auch erwähnt)
Ich denke, dass er vielmehr einen anderenKadetten befragt hat, denn die Leute unterhalten sich ja bestimmt untereinander ;)


Nun mal zu meinen Notizen:
Die Episode beginnt direkt mit den Vorbereitungen für den Mord, es gibt keine Vorgeschichte. Selten für einen Columbo. Aber der Zuschauer erfährt das Motiv ja noch vor dem Mord :)

schön wie Columbo wieder Kleinigkeiten auffallen, wie, dass der schlechte Kadett einen Ehrendienst (Kanone putzen) ausführen darf oder er die Möglichkeit des Anschlags auf Colonel Rumford ausspricht. Allerdings wurde mMn zuwenig in diese Richtung ermittelt, da diese offensichtliche Möglichkeit für Columbo nahezu keine Rolle spielt.

Lustige Szenen gibt es natürlich auch:
der etwas schlampige Columbo umgeben von zackigen Soldaten :D
dazu verläuft er sich diverse Male auf dem großen Gelände der Akademie (siehe zB "Wo ist die Messe?")
er nervt wieder einmal zu unpassender Zeit (Telefonate um 3 Uhr morgens)
Columbo wird wieder einmal nicht für einen Polizisten gehalten (Anfang "Ich würde dies dort der Polizei übergeben." Rumford zu Columbo; "Sind Sie sicher, dass die Marke echt ist?" Mädchen zu Columbo)

Zwei Fehler sind mir noch aufgefallen:
Am Anfang hat Colonel Rumford trotz des starken Schwitzens keine Schweißflecken. Dabei müssten sie gerade bei dieser Hemdfarbe gut zu sehen sein.
Und wie schafft es Columbo, nur mit einem neuen Paar Socken am Morgen auszukommen? Ich zumindest wechsel auch meine andere Unterwäsche jeden Tag ;)
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Beitragvon Columbo-Freak » Mo, 11.09.2006 15:11


So, ich wage mich dann mal aufs Glatteis und bewerte diese Folge! :wink:
Diesmal gibt's aber eine Bewertung in Kurzform, da mir zu der Folge auch nicht so viel einfällt.

+ Colonel: "Haben Sie einen Vornamen?"
Columbo: "Ja, hab' ich. Meine Frau ist die einzige, die ihn benützt."
Einfach nur köstlich! Trockener Humor at its best!
+ McGoohan spielt den Colonel herrlich. Er gibt ihm so viele Facetten, militärische Härte, eine zweifelhafte Moral, aber auch eine gewisse Sänfte, wunderbar! 1a spitzenklasse und oskarverdächtig!

Leider gibt es auch einige schwerwiegende Minuspunkte:

- Immer die gleiche Location, ich hab fast einen "Lagerkoller" bekommen, ein wenig Abwechslung hätte sicherlich gut getan.
- Viel zu wenig Indizien, dadurch kommt Langeweile auf, der Film hat Längen
- Der Militärdrill wird mir zu sehr betont. Überall "YES, SIR! WEGTRETEN!" hat auf Dauer genervt.
- Das Columbo-Mörder-Spiel überzeugt mich lang nicht so sehr wie in den anderen McGoohan-Folgen.

2 Punkte

Grüße
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Beitragvon Columbo-Freak » Mo, 11.09.2006 15:12


Murdock hat geschrieben:
martha hat geschrieben:Das einzige, was ich bei den Ermittlungen nicht ganz begriffen habe ist, wie Columbo auf den Namen der Freundin von Kadett Springer gekommen ist. Den hat er doch sicher nicht in den Akten der Militärakademie gefunden?! :?:

Nein, dort steht er nicht, das ist ja Privatsache (wird auch erwähnt)
Ich denke, dass er vielmehr einen anderenKadetten befragt hat, denn die Leute unterhalten sich ja bestimmt untereinander ;)


Nun mal zu meinen Notizen:
Die Episode beginnt direkt mit den Vorbereitungen für den Mord, es gibt keine Vorgeschichte. Selten für einen Columbo. Aber der Zuschauer erfährt das Motiv ja noch vor dem Mord :)

schön wie Columbo wieder Kleinigkeiten auffallen, wie, dass der schlechte Kadett einen Ehrendienst (Kanone putzen) ausführen darf oder er die Möglichkeit des Anschlags auf Colonel Rumford ausspricht. Allerdings wurde mMn zuwenig in diese Richtung ermittelt, da diese offensichtliche Möglichkeit für Columbo nahezu keine Rolle spielt.

Lustige Szenen gibt es natürlich auch:
der etwas schlampige Columbo umgeben von zackigen Soldaten :D
dazu verläuft er sich diverse Male auf dem großen Gelände der Akademie (siehe zB "Wo ist die Messe?")
er nervt wieder einmal zu unpassender Zeit (Telefonate um 3 Uhr morgens)
Columbo wird wieder einmal nicht für einen Polizisten gehalten (Anfang "Ich würde dies dort der Polizei übergeben." Rumford zu Columbo; "Sind Sie sicher, dass die Marke echt ist?" Mädchen zu Columbo)

Zwei Fehler sind mir noch aufgefallen:
Am Anfang hat Colonel Rumford trotz des starken Schwitzens keine Schweißflecken. Dabei müssten sie gerade bei dieser Hemdfarbe gut zu sehen sein.
Und wie schafft es Columbo, nur mit einem neuen Paar Socken am Morgen auszukommen? Ich zumindest wechsel auch meine andere Unterwäsche jeden Tag ;)


Wahrscheinlich hat er die andere Unterwäsche dabei gehabt. Er sagt ja auch er müsse etwas aus dem Wagen holen.

Wie viele Punkte hast du vergeben?
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Beitragvon Murdock » Mo, 11.09.2006 16:40


Ich vergebe 3 Punkte



martha hat geschrieben:... und auch dass Rumford danach sofort gesteht, finde ich absolut logisch:
Columbo hat ihn der Lüge überführt, und Rumford diszipliniert sich daraufhin in militärischem Sinne selbst: praktisch eine Kapitulation vor dem "Feind".

ich würde dies nicht als Kapitulation ansehen, eher als:
Die Lage ist aussichtslos und ich tue das einzig richtige. ;)
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Beitragvon Yves » Mo, 11.09.2006 23:12


Auch von mir 5 Punkte :!:

Diese Folge hat mich viel mehr überzeugen können als "Tödliche Kriegsspiele"! Eigentlich mag ich diese steife Art, das Militär und solche Umgebung überhaupt nicht. Solche Filme gucke ich normal nicht! Hier aber ist Columbo das auflockernde Gegenstück und darf trotzdem frei auf dem Gelände rumlaufen :wink: ! Das merkt schon, als Columbo Rumfort in der Kapelle anspricht, was sich normal sicher keiner erlauben würde. Rumford geht darauf ein und zwar ohne das Gotteshaus zu verlassen. Da wird sein weicher Kern deutlich.
Die ständig gleiche Location hat mich hier überhaupt nicht gestört: Das Gelände ist ja so riesig ("Wo geht´s denn hier zur Messe???"). "Mord im Bistro" ist bisher die einzige Folge die mich da richtig gelangweilt hat, durch die ständigen und belanglosen Wortwechsel mit dem Mörder und der ständig gleichen Umgebung...
Für mich ist das hier die überzeugendste Leistung von McGoohan bei Columbo!
Im übrigen schließe ich mich martha zu 100% an :!: :!: :!:

Unbedingt sehenswerte Folge.

Dann noch zum Namen von der Freundin von Kadett Springer: Von der Mädchenschule hat Columbo ja über diese Kette erfahren. Ich denke mal, dass er den Namen gar nicht gebraucht hat. Die andere Schülerin der Mädchenschule hat ihm ja gesagt, dass sie was rotes trägt und das sie grade in den Schulbus gegangen ist. Dann hat er sie ja gefunden. Den Namen wird sie ihm dann schon noch verraten haben. Die Szene wird ja auch plötzlich "unfertig" ausgeblendet!

Also alles in allem "überragend"!

MfG
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Beitragvon martha » Di, 12.09.2006 00:14


Es ist ja interessant, dass die andere Folge mit ständig gleicher location erst letzte Woche lief:"Traumschiff des Todes".

Wenn ich beide vergleiche hat mich "Des Teufels Corporal" eindeutig mehr gefesselt, weil die location "Militärakademie" einfach beklemmender ist als die ausgelassene Urlaubsstimmung auf einem Schiff.
Auf 'nem Schiff ist nun mal gute Laune angesagt, wenn man sich nicht gerade durch 'nen dummen Zufall auf der "Titanic" befindet.

"Traumschiff des Todes" finde ich auch ziemlich gelungen, aber es ist 'ne Folge, die mich atmosphärisch nicht sonderlich "berauscht" hat.
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Beitragvon Red Shadow » Do, 31.05.2007 15:55


Columbo in militärischen Welten. Das verspricht Heiterkeit und Slapstick. Obwohl der Inspektor, wie wir erfahren werden, selbst gedient hat, ist er doch eher ein Fremdkörper in diesem autoritären Mikrokosmos. Ausgangslage für des „Des Teufels Corporal“ ist ein Mord, der wie ein Unfall aussehen soll. Colonel Lyle C. Rumford (Patrick McGoohan) nutzt die Feier rund um den Gründungstag einer privaten Militärakademie, um den Leiter William Haynes (Tom Simcox), der die Anstalt in ein College umfunktionieren möchte, zu töten. Das Vorhaben schmeckt dem Colonel gar nicht. Rumford präpariert eine Kanone, die bei den Feierlichkeiten von Haynes betätigt wird so, dass sie beim Abfeuern eine tödliche Explosion verursacht.

Columbo merkt aufgrund von deplatzierten Stofffetzen am Tatort sofort, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Die gefundenen Fasern stammen, wie sie herausstellen sollte, von einem Reinigungstuch der Kanone. Bei dem vermeintlichen Unfall handelt es sich folgerichtig um menschliches Versagen oder Mord. Die Indizien zünden und schon bald nehmen die Ermittlungen fahrt auf. Daraus entwickelt sich ein Columbo-Mörder-Spiel, das zu den besten der Serie gehört. Rumford wirkt phasenweise so stocksteif und verklemmt – wenn man ihm ein Stück Kohle in den Arsch schieben würde, hätte man am nächsten Tag einen Diamanten. Andererseits wirkt der Colonel gar nicht so teuflisch, wie der Titel angibt. Hinter verschlossenen Türen lässt er mitunter sogar Lässigkeit aufblitzen und gönnt sich mit dem Inspektor eine Zigarre. Dazu kommt eine Portion militärischer Tugenden. Columbo respektiert er und fühlt sich von seiner Art zumindest nach außen hin nicht genervt. Das macht den Militärfreak ein Stück weit sympathisch.

Falk spielt Columbo in gewohnt souveräner Manier. Verplant, tollpatschig und eigenwillig ermittelt er mit dem scharfen Auge eines Adlers. Die militärischen Gesetzmäßigkeiten fördern dann den Humor, wenn der Inspektor verwundert das Treiben beobachtet und Gestik und Mimik ausreichen, um die Herrlichkeit der Situationen an den Tag zu legen.

Columbo ist der Mensch in dieser tugendhaften, streng regierten, wenn man so will, unmenschlichen Welt. Er hilft den Kadetten, wenn ihnen Ärger droht und bringt atmosphärische Lockerheit in die tristen Räumlichkeiten. Mit ihm und Rumford treffen zwei Gegensätze aufeinander und die mit Unterhaltungswert gespickten Dialoge untermauern das nicht selten. Letztendlich ähneln sich aber beide doch, wenn man den Perfektionismus in ihrer Denkweise heranzieht. Der Inspektor nutzt die geforderte Disziplin des Colonels aus, um ihm nachzuweisen, dass nur er die Kanone präpariert haben kann. Ein Gefäß voller Cidre, das die Kadetten am Fenster illegal deponiert haben, bricht Rumdorf sinnbildlich das Genick. Das ist herrlich, scharfsinnig und beeindruckend. So weiß man letztendlich wieder einmal, weshalb man Columbo der Inspektor ist und der Betrachter mit Bewunderung aufmerksam seine gewiefte Vorgehensweise beobachtet. Alkohol ist schädlich, das krankhafte Verlangen nach Disziplin mitunter auch. Rumford nimmt die Überführung relativ locker und mit Beherrschung hin, der Mord musste sein, er würde es wieder tun.

Der Schlusspunkt wird bei „Des Teufels Corporal“ hinter einem schönen Satz gemacht. Das Mörder-Spiel funktioniert mit Humor und zwischenmenschlichen Finessen. Falk ist Columbo und der Täter auf seine engstirnige aber diszipliniert beherrschte Art und Weise nicht unsympathisch. Zusammen mit der militärakademischen Location und den kriminalistischen Scharfsinn der Episode ist das guter Krimistoff, der in Verbindung mit der columboschen Würze jederzeit schmeckt.

Starke 4 Punkte :D!
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Beitragvon martha » Do, 07.06.2007 17:10


Ich bin gleichermaßen überrascht wie begeistert, dass diese Folge bei den Bewertungen bisher so glänzend abschneidet.
Ich halte sie atmosphärisch für die beste Folge, weil sie trotz des Themas Militär so unaufgeregt daherkommt. Es wird auf jedwede "Effekthascherei" verzichtet. Das hat mich bei dieser Episode immer am meisten beeindruckt.
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Beitragvon ChryZ » Mi, 11.07.2007 09:50


Ich vergebe 3 Punkte.

Eine gut gemachte Folge mit einem ungewohnten Setting, die mir aber persönlich nicht so sehr zusagt. In erster Linie stört mich die doch etwas "dünne" Auflösung. Was mir ganz gut gefallen hat ist die Geschichte mit dem Cidre, man fragt sich die ganze Zeit, ob die Jungs noch erwischt werden oder nicht. Die beste Szene ist mMn die am Ende, wo Rumford die Kadetten vortreten lassen will und Columbo sagt: "Alle Kadetten bleiben wo sie sind." Köstlich :D
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