Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

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Wie bewertet ihr "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"?

1/5 schlecht
3
5%
2/5 passabel / "na ja"
10
17%
3/5 gut
13
22%
4/5 sehr gut
15
26%
5/5 überragend
17
29%
 
Abstimmungen insgesamt : 58

Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon JustOneThing » Mo, 14.11.2011 23:40


Man merkt bei dieser Folge bereits ziemlich am Anfang, dass hier etwas "anders" ist als bei den "herkömmlichen" Columbos.
Der Beginn mit der Beerdigung und einem sichtlich betrübten Columbo gibt beim ersten Sehen der Folge erstmal einige Rätsel auf. Was war hier geschehen?
Nach dem ersten Szenenwechsel begreift der Zuschauer recht schnell, dass es sich nun um eine Rückblende handelt.

Die Geschichte nimmt ab jetzt einen recht typischen Verlauf. Eine Frau versucht auf heimtückische Art und Weise einen "ungeliebten" Zeitgenossen zu ermorden... um anschließemd die Spuren der Tat zu verwischen und sich selbst für die Tatzeit ein Alibi zu verschaffen. Das Motiv soll diesmal Rache sein. So weit alles wie üblich.
Aber recht bald schon merkt der Zuschauer, dass hier mehr im Spiel ist... dass die Mörderin womöglich gar nicht versucht, um jeden Preis alle Spuren von sich zu weisen.
Columbo nimmt dieses Spiel auf und die Dialoge zwischen ihm und seinem Assistenten Brady verraten zudem, dass Columbo bereits über mehr informiert ist, als er der Hauptverdächtigen gegenüber rausblicken lässt.

Dieser Film besticht durchaus durch seinen etwas von der Columbo-Norm abweichenden üblichen Handlungsstrang. Dem Zuschauer drängt sich, womöglich auch durch den Filmtitel unterstützt, immer mehr der Verdacht auf, dass es Mrs. Dimitri tatsächlich auf Columbos Frau abgesehen hat und bringt dies mit der Beerdigung am Anfang der Episode in Verbindung.
Eine gewisse Spannung baut sich durchaus auf, aber der Plot wird ab einem bestimmten Punkt auch vorhersehbar. Trotz allem kann der Schluss des Films und die Überführung der Mörderin wieder überzeugen. Columbo stellt Mrs. Dimitri geschickt eine Falle, in die sie hinein tappt, ohne dass auch der Zuschauer es bemerkt.

Die Figur der Mrs. Dimitri kann zwar meiner Meinung nach ganz gut überzeugen, gehört aber trotzdem nicht zu meinen Favoriten unter den Columbo-Gegenspieler(inne)n.

Mit soliden 3 Punkten wird diese Folge auch ganz gut von mir bewertet, aber aufgrund diverser Drehbuchschwächen und der etwas blassen Nebendarsteller gehört "Ruhe sanft, Mrs. Columbo" leider trotzdem nicht zu meinen Lieblingsfolgen.
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon Tiktaalik » So, 23.09.2012 20:31


Vivian Dimitri will den Tod ihres Mannes rächen. Dazu erschießt sie zunächst Charlie Chambers, der ihren Mann verraten und somit dafür gesorgt hat, dass er ins Gefängnis muss. Die Idee, den Mordzeitpunkt zu verschleiern, indem sie nach dem Mord mit der Bankkarte des Opfers Geld abhebt, gefällt mir sehr gut. Die Indizien sind zwar nicht so gut wie in anderen Folgen, aber das hat einen besonderen Grund. Dazu später mehr. Columbo findet heraus, dass Dimitris Wagen nicht in der Auffahrt stand und dass Licht in der Wohnung brannte. Dass der Wachdienst immer dann nachschaut, wusste Dimitri. Sie gerät auch deswegen schnell in Verdacht, weil das Opfer einen Zettel mit Basketballwetten, mit denen er 1.400 $ gewonnen hat, bei sich trug. Es gab für ihn also keinen Grund, zur Bank zu gehen, um weiteres Geld abzuheben.

Dimitirs Plan sieht nicht nur vor, dass Chambers ums Leben kommt, sondern auch Mrs. Columbo und zuletzt sogar Columbo selber. Dies erfährt der Inspektor im Gespräch mit Dimitirs Psychiater Dr. Steadman. Diesen Umstand nutzt Columbo aus, um der Mörderin eine Falle zu stellen. Er erzählt ihr, dass seine Frau gerne Marmelade isst, lässt sich von Dimitri ein Glas vergifteter Marmelade schenken und inszeniert danach den Tod seiner Frau. Kurze Zeit später erhält er einen Anruf, in dem ihm mitgeteilt wird, dass seine Frau vergiftet wurde. Da auch Columbo in der Zwischenzeit von der vergifteten Marmelade
gegessen hat, geht Dimitri davon aus, dass auch er bald sterben wird. Ihres Triumphes sicher gesteht sie Columbo ihre Taten und wird so des Mordes und der versuchten Morde überführt.

Normalerweise teilt Columbo höchstens dem Mörder mit, wen er in Verdacht hat. Dies tut er, um ihn zu einem Fehler zu verleiten, durch den er ihn dingfest machen kann. Hier aber erzählt Columbo bereits nach 45 Minuten seinem Kollegen, dass Dimitiri die Mörderin ist. Dies tut er, um mit Sergeant Brady der Mörderin eine Falle zu stellen. Brady ist der erste Kollege von Columbo, dessen Rolle mir gefällt. Sgt. Wilson wird mir in seinen beiden Folgen "Blumen des Bösen" und "Wenn der Schein trügt" jeweils als zu dumm dargestellt.

Diese Episode ist eine besondere, da nirgendwo so ausführlich das Gefühlsleben einer Mörderin gezeigt wird. Schon zu Beginn sehen wir Mrs. Dimitri von einer Trauerfeier für Mrs. Columbo träumen. Auch wird dem Zuschauer bereits hier klar, dass diese Frau psychisch krank ist. Sie meint, sie habe ein Anrecht darauf, zu sehen, wie Columbo um seine tote Frau trauert. Auch sagt sie in den ersten 1-2 Minuten, dass sie Columbo einige Zeit nach dem Tod seiner Frau ebenfalls umbringen wird. Der Charakter von Dimitri ist überragend gezeichnet und wird durch die traurige Musik perfekt untermalt.

Dass Dimitri den Tod ihrs Mannes nicht verkraftet hat, wird in sehr vielen Situationen deutlich. Als Columbo mit ihr darüber sprechen möchte, fallen ihre Antworten sehr kurz aus und auch an ihrer Stimme merkt man ihren tiefen Schmerz. Daraus resultiert auch ihr falscher Gerechtigkeitssinn. Columbo hat ihr durch seine Verhaftung ihren Mann genommen und nun möchte sie ihm zum Ausgleich seine Frau nehmen. Sie genießt es, Columbo an der Nase herumzuführen. Er tut ihr den Gefallen und spielt ihr Spielchen nicht nur mit, sondern setzt sogar noch einen obendrauf - das ist wirklich überragend. Er verdächtigt dazu zum Schein Mr. Connelly des Mordes an Mr. Chambers und lässt ihn sogar in aller Öffentlichkeit auf das Polizeirevier bringen.

Ich finde es überragend, dass es so viele Szenen gibt, die nur dazu dienen, den kranken Charakter von Mrs. Dimitri zu verdeutlichen. Zum einen gibt es zwischendurch immer wieder Szenen von der Trauerfeier und zum anderen gefällt mir die lange Szene nach dem Verhör von Mr. Connelly, die durch die traurige Musik perfekt begleitet wird.

Das CMS ist hier sensationell. Dimitri denkt bis zum Schluss, dass sie Columbo überlegen ist und ihr Ziel so gut wie erreicht hat. Sie hat nicht nur den Verräter Chambers erschossen und Columbos Frau vergiftet, sondern auch ihren Triumph dadurch perfekt gemacht, dass sie Columbo von ihrer kranken Tat erzählt hat und dass auch er in wenigen Minuten sterben wird. Diesen Umstand, dass das Geständnis zu ihrem perfekten Plan dazugehört, nutzt Columbo aus, um sie zu überführen. Das ist überragend. Um ihren Triumph noch weiter zu steigern, spielt er während des Geständnisses erst den überraschten und später den fassungslosen Inspektor, der langsam erkennt, dass sie nicht nur seine Frau getötet hat, sondern auch er nicht mehr lange zu leben hat.

Passenderweise gibt es in dieser Folge zwischen Columbo und Dimitri keinen Humor. Die einzige lustige Szene findet im Restaurant mit Dimitris Psychiater statt.

Ich habe riesigen Respekt vor der schauspielerischen Leistung von Helen Shaver. Eine so kranke Frau zu spielen ist sicher nicht einfach und sie hat es überragend gemacht. Auch die Nebendarsteller Roscoe Lee Browne (Dr. Steadman), Robin Bach (Kellner), Michael Alldredge (Mr. Connelly) und Tom Isbell (Sgt. Brady) überzeugen mich.

Eine überragende Folge, bei der mich eure z. T. schlechten Kritiken - allen voran deine, Carsten - sehr überrascht haben.

5/5
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon crocodile » Di, 02.10.2012 11:11


Muss Mrs. Columbo wirklich sterben? Die Frage beschäftigte mich vor allem früher, als mir die Serie noch nicht so vertraut war und ich von Columbo-Fanseiten im Internet keinen blassen Schimmer hatte. Wenn ich mir die Episode jetzt ansehe, ärgert es mich immer ein bisschen Columbo nicht in chronologischer Reihenfolge gesehen zu haben. Aber Schwamm drüber.

Eine Rachestory die auf unseren geliebten Inspektor abzielt finde ich durchaus interessant und ist wie ich denke eine gesunde Abwechslung, zumal der Inspektor auch hier einen Mordfall aufklären muss. Somit hebt sich diese Episode auch nicht völlig vom üblichen Strickmuster ab.

Vivian Dimitri hat den Tod ihres geliebten Ehemannes nicht überwunden und möchte diejenigen töten, die ihrer Meinung nach dafür verantwortlich sind. Columbo soll dafür zusätzlich bezahlen. Wobei Charlie eigentlich die Person war, die ein falsches Spiel trieb. Aber der rachsüchtigen Mörderin ist dessen Tod nicht genug.

Rund um den Mord an Charlie gibt es viele kleinere und größere Indizien. Die Sache mit den Basketballwetten oder dem Licht im Büro. Dazu hebt Vivian Dimitri Bargeld auf dem Konto des Opfers ab, unmittelbar in der Nähe ihres abendlichen Aufenthalts im Restaurant. Columbo agiert hier in gewohnter Weise souverän und kann die Tat insgesamt gut rekonstruieren.

Er bemerkt zudem, dass sich Vivian vor dem Mord nach ihm erkundigte und stellt Nachforschungen an. Nach der kurzen Unterredung mit dem Psychiater Dr. Steadman ist der Fall für den Inspektor eigentlich klar. Er soll ebenfalls büssen…

Das Finale ist natürlich nicht von schlechten Eltern. Columbo gibt den Unwissenden und kostet dieses Schauspiel gegen über der Mörderin genüsslich aus. Die Schlussworte des Inspektor gegenüber Vivian. Dimitri sind einfach klasse: "Im übrigen wollten Sie meine Frau vergiften und Sie wollten auch mich ermorden. Und das nehme ich sehr persönlich." Das abschließende Telefonat mit der geheimnisvollen Mrs. Columbo, die auch wirklich noch erkrankt ist, rundet das Ganze ab. Man spürt die Erleichterung unseres Inspektors quasi durchs TV hindurch.

Die Bewertung fällt mir am Ende mal wieder nicht leicht. Helen Shaver spielt die Rächerin eigentlich ausgezeichnet und lässt damit kaum Wünsche offen. Das Columbo-Mörderspiel weicht dem gewohnten Schema gegenüber natürlich etwas ab. Kritikpunkt sind die etwas verwirrenden Grabszenen mit den Rückblenden, vor allem fragt man sich was gewisse Personen wie der Liebhaber von Vivian Dimitri da zu suchen haben. Gerade aus deren Sicht hätte es keine Rückblenden gebraucht. Ein paar Kleinigkeiten, wie der Anruf Vivian’s auf dem Polizei-Revier vom heimischen Anschluss aus, wirken etwas phantasielos.

Für mich sind es am Ende 4 Punkte. Die Idee hinter der Story ist sehr gut, und auch die Umsetzung kann ich abgesehen von Kleinigkeiten als gelungen bezeichnen.
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon MrGrady » Do, 03.01.2013 19:38


Eine in mehrfacher Hinsicht ungewöhnliche Folge. Die Sache mit den Rückblenden hat mich persönlich nicht gestört. Von aktuellen Filmen kennt man dieses Stilmittel ja zur Genüge. Die Leute werden mit einer spannenden Szene gleich zu Beginn eingefangen und die Auflösung wird erst gegen Ende präsentiert. Dieses Muster wird hier gut umgesetzt. Auch das Motiv „Mord aus Rache“ gefiel mir gut – das ist mal etwas anderes als die übliche Erpressung.

Viel mehr Positives kann ich über die Episode allerdings nicht sagen, denn die Handlung an sich war mir viel zu konstruiert, und das Ende ist meines Erachtens komplett vorhersehbar. Mir war von Anfang an klar, dass weder Columbo noch seine Frau zu Tode kommen wird. Der Inspektor hätte komplett bekloppt sein müssen, um seiner Gattin ein Gelee von einer psychopatischen Mörderin zu überlassen oder dieses selbst zu kosten. Dass die Täterin dies glaubt, finde ich ebenso unwahrscheinlich wie die gesamte gefälschte Beerdigung. Wenn man mal gedanklich durchspielt, wie viele Menschen da mitspielen müssten, um am Ende womöglich ein Geständnis der Mörderin zu bekommen – Friedhofsverwaltung, Bestatter, Pfarrer, etliche Freunde und Polizeibeamte. Alle müssten eingeweiht sein und ein trauriges Gesicht machen… Ich bin in puncto Realismus ja durchaus bereit, bei Fernsehfilmen das eine oder andere Auge zuzudrücken, aber das ist mir einfach zu viel. Nicht zuletzt teile ich die Auffassung einiger Schreiber, dass die Rückblickszenen mit der Sekretärin und dem Liebhaber auf dem Friedhof einfach misslungen sind und nicht zur Handlung passen.

Am Ende lande ich bei 2,5 Punkten für eine nette Idee mit ziemlich unglaubwürdiger und zunehmend vorhersehbarer Umsetzung. Ob ich die Wertung auf- oder abrunde, muss ich mir noch mal durch den Kopf gehen lassen.
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon Devlin » Do, 04.04.2013 14:26


In meinen Augen eine durchaus gelungene Episode. Wie schon bei "Wer zuletzt lacht" wurde mit Rückblenden gearbeitet. Hier allerdings ausführlicher. Finde ich auch gut gemacht, wie mit den Rückblenden von der Beerdigung immer wieder der Fortlauf der Episode unterbrochen wurde. Vorallem beim ersten sehen durchaus spektaulär.

Der Aufbau und die Schilderung des Motivs der Mörderin wird gut gezeichnet und baut gute Spannung auf. Die Darstellung von Dimitri weiss zu überzeugen. Das auch Columbo in ihr Visier gerät ist neu und somit originell. Beim ersten schauen fragte ich mich, ob Mrs. Columbo wirklich Tod ist, und ob man sie vielleicht davor auch noch mal wirklich sieht.
Im weiteren Verlauf, als Dimitri die Marmelade an Columbo schenkte, schwand aber diese Spannung.

Das CMS finde ich relativ gut, Dimtri will ihre Rache ausüben und spielt mit Columbo, dieser duchschaut es aber und dreht den Spiess um. Columbo täuscht clever eine andere Spur vor und macht auf Ahnungslos. Er wiegt Dimiti in Sicherheit und Überlegenheit. Von daher Columbo Typisch und interessant umgesetzt.
Die Episode hat ihre Längen, gerade die Szene mit den Dias, wirkt aber insgesamt motiviert und gut durchdacht. Man erfährt viel über die Geschichte der Mörderin aber auch viel über Mrs. Columbo.

Columbo bemerkt gewisse Anhaltspunkte und es ergeben sich einige Indizien die zu Dimitri führen. Anhand des Schemas ergibt sich aber keine Klarheit. Die Überführung ist stichhaltig und auch der Beweis. Dimitri legt dem "sterbenden" Columbo ein Geständnis vor Zeugen ab. Für mich ist die Folge nicht überragend, sie gehört nicht zu meinen Gernsehfolgen auch wegen der Längen die sie hat. Auch ist das Spiel bald durchschaubar.
Humor gibt es eher weniger, vielleicht noch Columbo auf dem Golfplatz oder die Chili- Szene. Ist mehr ein Psychodrama.
Für gute 3 Punkte reicht es für mich.
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon Doc Brown » So, 27.10.2013 12:25


Ich habe hier vor 2 1/2 Jahren bereits eine Bewertung abgegeben, da die aber eher puristisch ausfiel, versuche ich mich an einer etwas ausführlicheren Bewertung.

Heute sehe ich die Episode etwas besser als damals. Mir gefällt vor allem das Konzept aus Mord, Motiv und Indiziensammlung.
Das Motiv für den Mord ist einleuchtend und nachvollziehbar, weil Dimitri eine überzeugende Mörderin abgibt. Der Mord ist grundsätzlich gut ausgeführt. Dimitri konnte nicht ahnen, dass Chambers durch den Gewinn kein Bargeld benötigte und auch den privaten Sicherheitsdienst muss man nicht unbedingt auf der Rechnung haben.

Columbo findet hier zwar nicht massenhaft Indizien, aber ich finde es genau richtig dosiert. Die gefakte Kontoabhebung um 21.45 Uhr lässt den Todeszeitpunkt auf die Zeit zwischen 18.00 Uhr und etwa 21.30 Uhr eingrenzen, was Dimitri in den Fokus der Ermittlungen rückt. Da das Licht nach der Kontrolle durch den Sicherheitsdienst wieder eingeschaltet worden sein muss, lässt sie das dann endgültig verdächtig erscheinen, da sie um 2.00 Uhr ihr Schäferstündchen beendete. Meiner Meinung reichen diese Indizien aus, um Dimitri sehr verdächtig erscheinen zu lassen. Mir sind diese "handfesten", echten und verzeihlichen Indizien lieber, als die, die vom Himmel fallen, an den Haaren herbeigezogen werden oder haarsträubende Fehler des Mörders. Die Fehler von Dimitri sind absolut nachvollziehbar, ebenso die Ermittlungsansätze von Columbo. Die Spur führt ganz klar zu Dimitri, es fehlt nur der endgültige Beweis.

Dimitri weiß wie schon erwähnt zu überzeugen. Ihre Synchronstimme finde ich sehr passend, im Original hat seine eine höhere Stimme, da gefällt mir die etwas verruchte deutsche Stimme besser. Ihre Rachegelüste und ihre psychischen Schädigungen kann sie gut transportieren - nicht perfekt, da gab es schon bessere Schauspieler, aber insgesamt doch gut.
Ganz angenehm fand ich auch, dass mit Dimitri mal ein ganz anderer Mördertypus gewählt wurde, der kein übliches 08/15 Motiv hat und auch nicht die üblichen Charakterzüge eines Columbo-Mörders - wie Stärke, Autorität, Macht - aufweist.

Interessant finde ich noch die Geschäftsgebaren der Maklerfirma. Schon zu Beginn wird "dummen Leuten aus dem Osten" eine Immobilie zu einem völlig überteuerten Preis verkauft und auch die Käufer der Häuser auf Falcon Rich um den cholerischen Connelly sind lt. Dimitri allesamt sehr unzufrieden mit ihrem Kauf: "Ich wäre auch sauer, wenn ich dort ein Haus gekauft hätte".
Später geht es dann auch noch um ein Haus, das zahlreiche Mängel aufweist, und ich bin mir nicht sicher, ob Dimitri vor hat, diese potenziellen Käufer mitzuteilen.
Ich habe das Gefühl, die Firma geht nicht ehrlich mit den Kunden um. Es geht wohl nur darum, die Immobilien hochpreisig zu verkaufen und dabei die Mängel möglichst zu verschweigen. Wenn sich so etwas herumspricht, dann wird die Firma nicht mehr viele Interessenten finden. Früher oder später sollte der Ruf ruiniert sein.

Was mir nicht gefällt ist die Rolle des Sgt. Ich kann mich nicht mal mehr an seinen Namen erinnern, was kein gutes Zeichnen ist. Er wirkt profillos und langweilig. Eine verschenkte Figur. Immerhin macht er sich nicht so lächerlich wie andere Assistenten von Columbo.

Ein ganz großer Malus der Episode ist das Tam-Tam um die inszenierte Beerdigung von Mrs. Columbo. Das Ganze wirkt komplett unrealistisch und übertrieben. Es ist ohnehin schon beim ersten Ansehen klar, dass Mrs. Columbo niemals tot sein kann.
Ich kann auch nicht erkennen, warum diese Art der Erzählens nun besser sein soll, als die Geschichte auf die "klassische" Art und Weise aufzuarbeiten. Für mich wirkt das sehr gezwungen und bemüht, mal etwas anderes zu machen. Im Endeffekt ist es aber total unnötig, ich hätte mir hier die klassische Erzählweise gewünscht, ohne die inszenierte Beerdigung.

Damals habe ich der Episode nur 3 Punkte gegeben, das sehe ich mittlerweile anders. Aufgrund der guten Kombination aus Mord, Mörderin, Motiv und Indizien gebe ich der Folge trotz der unnötigen Beerdigungsinszenierung heute knappe 4 Punkte.
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon Ducky » So, 27.10.2013 14:32


"Ruhe Sanft, Mrs. Columbo" ist eine der wenigen Episoden, die vom üblichen Schema abweichen. Das kann gut gehen, oder auch nicht. Ich finde, hier ist es sehr gelungen.beim ersten Sehen mag man wohl schwanken, ob des Inspectors geliebte Gattin wirklich gemeuchelt wurde, allerdings erscheint es doch eher unwahrscheinlich, da damit ja ein relativ wichtiges Element von Columbo fehlen würde, das häufige Erwähnen seiner besseren Hälfte. Heutzutage wäre es wohl eher möglich, Stichwort Charkterentwicklung, aber damals wohl eher weniger.

Mrs. Dimitri ist eine elativ echte Person, ihr Motiv ist nachvollziehbar. Auch ist sie eine Mörderin, die ein wirklich gut entwickelte Persönlichkeit und Hintergrundgeschichte haben.

Das CMS ist wirklich gut ausgearbeitet, beide versuchen sich gegenseitig etwas vorzumachen, wobei Columbo aber schon realtiv früh weiß, was Sache ist.

Der Mord ist auh gut geplant und ausgeführt, nur die Sache mit dem Wachdienst war eine grobe Nachlässigkeit. Aber man muss Columbo ja schließlich auh etwas gegeb, mit dem er arbeiten kann, ohne den Wachsdienst und ohne den Wettgewinn wäre es wohl wirkllh der perfekte Mord gewesen.

Ich gebe 4 Punkte
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon Doc Brown » So, 27.10.2013 15:30


Ducky hat geschrieben:"Mrs. Dimitri ist eine elativ echte Person, ihr Motiv ist nachvollziehbar. Auch ist sie eine Mörderin, die ein wirklich gut entwickelte Persönlichkeit und Hintergrundgeschichte haben.


Ganz genau. Ein wirklich wichtiger Aspekt und ein dicker Pluspunkt der Folge. Andere Mörderfiguren sind da wesentlich liebloser gezeichnet, insbesondere fällt mir da u.a. Hassan Salah ein, bei dem man quasi nichts über sein Motiv erfährt.
Da ist Mrs. Dimitri als Mörderin wesentlich besser ausgearbeitet.
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon zimtspinne » So, 27.10.2013 18:23


Ich hab das Motiv bei Hassan Salah eigentlich sofort verstanden: Der will keine Veränderung, er ist Anhänger des Konservativen, Rückständigen und damit ein Feind des modern und menschenfreundlich eingestellten Kinderkönigs.
Warum er nicht gleich den mordet, ist jetzt die Frage.
Er macht sich halt lieber über den treuen Vasallen her und stiftete außerdem damit Unruhe und Unfrieden.
Dunkel hab ich auch noch eine korrupte Machenschaft im Gedächtnis, wollte er nicht mit dem Mord auch was vertuschen, an dem er beteiligt gewesen war?
Schade, dass die Folge diese Woche nicht ist. Das sollte man ja mal wieder auffrischen. Nicht, dass ich hier noch irgendwelchen Blödsinn erzähle :oops:
was den ersten Teil angeht, bin ich aber relativ sicher.
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon martha » So, 27.10.2013 18:31


Auf alle Fälle gibt es wohl keinen Schurken, der nach dem Mord noch so genüsslich 'ne Zigarette auf Lunge raucht wie die Dimitri.
Das erste Ziel ist erreicht.
Sehr starke Szene, weil hier wirklich so richtig die Rachsucht spürbar wird.
Nun ist Charlie für mich ihr logischstes Opfer, weil es hier um Verrat ging. Das hat ja 'ne persönliche Note.
Warum sich ihr Hass gegen die professionelle Instanz aber ausschließlich auf Columbo beschränkt, überzeugt mich nicht so ganz.
Der Feldzug hätte dann ja auch den verurteilenden Richter, den Staatsanwalt, möglicherweise Geschworene treffen müssen.
Da ist die Furie für mich doch etwas halbherzig.

Dann die Beerdigungsszene.
Da muss ich Doc voll zustimmen.
Das ist bar jeglichen realistischen Wohlgefühls.
Das ist für die Logik einfach nicht vermittelbar, warum auf Mrs.Columbos Beerdigung Leute wie Leland oder Charlies Sekretärin rumstehen.
Letztgenannte hat ja offenbar auch noch ihre Mutti mitgebracht, die mit ernster Miene da rumtrauert.
Und Leland erzählt noch, dass er mit seiner Gattin kurz vor der Scheidung steht. Trotzdem steht sie auf der Beerdigung missmutig neben ihm unter dem Regenschirm.
Das ist ganz schlecht durchdacht.
Columbo hat offenbar keine Freunde, und muss irgendwelche Beteiligten seines letzten Mordfalls an den Sarg bitten, die ja streckenweise selbst schon keine Beziehung mehr miteinander haben.
Das hat ja dann letztlich auch für die Falle, die er der Dimitri anschließend stellt, keinerlei Relevanz.
Undurchsichtiger und komplett unlogischer Hokuspokus, den die Folge echt nicht nötig hat.
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
"Genau gesagt:Keiner von beiden. Es war Washington."
"Hatten Sie bei dem auch einen Vornamen?"
"Martha."
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon Tiktaalik » So, 27.10.2013 21:10


Doc Brown hat geschrieben:Was mir nicht gefällt ist die Rolle des Sgt. Ich kann mich nicht mal mehr an seinen Namen erinnern, was kein gutes Zeichnen ist. Er wirkt profillos und langweilig. Eine verschenkte Figur. Immerhin macht er sich nicht so lächerlich wie andere Assistenten von Columbo.

Durch ihn erfährt der Zuschauer vom Spiel Columbo vs. Dimitri. Columbo erzählt dem Sgt. früh, dass er die Täterin kennt (und somit auch dem Zuschauer). Dabei haben sich die Autoren sicher etwas gedacht, denn wann gibt Columbo mal jm. seinen Stand der Ermittlungen preis? Zudem wird durch die tolle Szene mit ihm vor dem Verhör mit Mr. Connelly das Spiel zwischen Columbo und Dimitir auf ein neues Level gehoben. Insgesamt agiert der Sgt. zwar unauffällig - man kann es auch profillos und langweilig nennen - er ist aber dennoch eine wichtige Figur in dieser Episode.

Ich finde ihn von der Rolle her vergleichbar mit dem Barkeeper Barney und Lisa Martin aus "Ein Toter in der Heizdecke". Dort erfährt der Zuschauer durch die beiden Personen, was Columbo bzw. Staton denkt.
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon Doc Brown » So, 27.10.2013 23:23


Tiktaalik hat geschrieben:Durch ihn erfährt der Zuschauer vom Spiel Columbo vs. Dimitri. Columbo erzählt dem Sgt. früh, dass er die Täterin kennt (und somit auch dem Zuschauer). Dabei haben sich die Autoren sicher etwas gedacht, denn wann gibt Columbo mal jm. seinen Stand der Ermittlungen preis?


Ja, du sagst es. Der Sgt. dient als reiner Rezipient von Columbos Ideen, nicht mehr und nicht weniger. Für einen Sgt. ist das arg dünn, er wirkt wie ein Praktikant oder ein Azubi. Ich hätte ihn mir proaktiver gewünscht, mit etwas mehr Charakter und Willen, so wie z.B. Sgt. Brown aus dem Spatz in der Hand. Der agiert nicht ganz so devot, haut auch mal einen Spruch raus und stellt somit einen wesentlich amüsantenteren Partner dar.
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon zimtspinne » Mo, 28.10.2013 08:57


So, gestern nacht hab ich die Folge aufgefrischt und möchte auch meine Bewertung kurz auffrischen.

Als erstes mal ein Kompliment an die Hauptdarstellerin - in ihrem feuerroten Mörderkleid sieht sie umwerfend wie keine andere in der ganzen Columboreihe aus. Sie trägt das Kleid, wie frau solch ein Kleid tragen muss: stolz, mit Körperspannung und weiblicher Anmut. Sie hat natürlich auch die absolut perfekte Figur dafür.
Was für ein Jammer, dass in so einem makellosen Körper so ein kranker Geist wohnt :oops:

Da bin ich auch gleich bei meinem ersten Kritikpunkt.

Als treuer Columboanhänger bin ich natürlich vertraut mit den Eigensinnigkeiten dieser Serie.
Ich bin aber inzwischen auch treuer Anhänger vieler anderer Krimiformate und dadurch fällt es mir auch mehr als früher auf, wie Columbo doch in seiner eigenen Verbrecherwelt lebt, in der die üblichen Gesetzmäßigkeiten komplett außer Kraft gesetzt sind.

Ja, hin und wieder stört mich das.

Dies ist so eine Folge.

Dimitri ist eine tickende Zeitbombe, komplett unberechenbar und dazu noch psychotisch. Sie ist sogar deshalb in Dauerbehandlung, was dem Inspektor auch bekannt wird. Er hält Rücksprache mit ihrem Psychiater (er verschreibt ja auch Medis, also ist es nicht nur ein Gesprächstherapeut), der ihn ausdrücklich und eindrücklich vor dieser Person warnt. Nicht nur in Hinblick auf sich selbst (also Columbo), sondern auf Dritte und eigentlich auf die gesamte Menschheit bezogen.

Dennoch lässt Columbo die Dame weiterhin völlig unbehelligt herumlaufen und vergiftete Marmelade verteilen. Weiß er, ob sie die Gläser nicht auch parallel noch an andere verteilt, die an dem Verrat an ihrem Ex beteiligt waren oder die sie sich einfach als Beteiligte einbildet?

Hier überschätzt sich Columbo einfach für meinen Geschmack ein wenig zu sehr. Auch als er zu seinem Sergeanten meint auf dessen Fragen, ob er nie an eine Ermittlung in Richtung Falcon Rich dachte, vollkommen von sich eingenommen antwortet: "nie!".

Solche Anflüge von Größenwahnsinn mag ich nicht sonderlich, weil das komplett mit dem Beruf des Ermittlers in einem Verbrechen kollidiert. Der kann doch nicht einfach in Selbstherrlichkeit verdächtigen, wer ihm persönlich am verdächtigsten erscheint; er muss in alle Richtungen ermitteln, auch wenn sich ein Täter bereits sehr verdächtig verhält.
Das tut Columbo zwar immer recht gerne, aber hier hat mich einfach diese völlig unkritische Selbstüberschätzung mit dem "nie" gestört.
Sonst guckt Columbo ja auch schon in andere Richtungen, während oder bis er dann seinen Hauptverdächtigen hat.

Ja, und die tickende Zeitbombe hätte einfach in U-Haft gehört, spätestens, nachdem sie nachweislich vergiftete Marmeladengläser unter der Bevölkerung verteilt.

Ich frage mich auch, wie Columbo das als einfacher Inspektor legitimiert, so einen Aufwand mit gefakten Beerdigungen zu betreiben.
Sonst sind bei seinen "Überführungstricks" mal ein, zwei, drei Leute beteiligt, vielleicht noch ein Auto oder ein Chemiebaukasten, aber hier betreibt er einen unglaublichen Aufwand und lässt dabei eine unberechenbare psychisch kranke Person weiterhin frei herumlaufen. Nur damit sie in *seine* Falle tappt und er nachher als toller Mörderfänger dasteht.

Bei allem Verständnis für die altmodische und sonderkriminologische Ermittlungstätigkeit bei Columbo, das ist immer noch ein Krimiformat und ich finde das alles einfach nur ein bisschen zu haarsträubend und unrealistisch.

Der Sergeant gefällt mir gut; endlich mal einer, der Columbo auch mal hinterfragt und mit ihm auf Augenhöhe diskutiert. Ich finde ihn nicht devot.
Er hätte ruhig noch ein wenig forscher auftreten können, aber so richtig einen ermittlerischen Dialog führt doch in der gesamten Columboreihe keiner mit Columbo. Er soll als Einzelkämpfer gezeigt werden, dem höchstens mal hier und da ein paar Leute zur Hand gehen.
Wenn Columbo mit einem Untergebenen oder auch einem Vorgesetzen über seine Fälle "spricht", dient das immer nur der Unterhaltung und Ausschmückung, denn Columbo hört doch nicht auf das, was andere sagen und spätestens im dritten Satz entkräftet er eh jedes Argument.

Den einzigen, den man sowas wie "Partner" nennen könnte, ist der mexikanische Inspektor, mit dem Columbo tatsächlich mal diskutiert, aber auch dort behält er immer klar und deutlich Oberhand und ich hab nicht das Gefühl, dass er auch nur ein Argument des Gegenübers ernst nimmt. Es dient höchstens als Aufhänger für eine eigene Columbotheorie.

Ich muss schon zugeben, dass ich mit diesem Format nicht mehr so hundertprozentig und kritiklos mitgehen kann, da ich es schade finde, dass Columbo doch recht eindimensional und völlig ohne eigene Entwicklung und Geschichte dargestellt wird.
Da er ein so sympathischer, schrulliger und bescheiden wirkender Inspektor ist, wird seine bisweilen sehr unreflektierte und selbstbeweihräuchernde Ermittlungstätigkeit gut verschleiert.

uiiii.... ich glaube, so hart war ich noch nie mit Columbo :wink:
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon Ducky » Mo, 28.10.2013 10:16


Die Beersigungsszene war zugegebnermaßen etwas unrealistisch, zumindest in dem Punkt warum die Sekretärin und der Lover anwesend waren.

Dass Columbo überheblich oder selbstbeweihräuchernd agiert, kann ich nicht empfinden. Seine Antwort "Nie!" war einfach nur ehrlich, er hat eben nie in diese Richtung verdächtigt. Zugegeben, wenn Columbo einmal einen Verdächtigen ins Visier genommen hat, weiß er, dass er recht hat und lehnt alle anderen gedanken und Theorien ab, wirklt dadurch vielleicht sogar etwas überheblich, wenn er alle anderen abschmettert und ohne weitere Erklärung im Regen stehen lässt. Für ihn ist alles klar, er muss es "nur" noch beweisen.
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Re: Bewertet: "Ruhe sanft, Mrs. Columbo"

Beitragvon zimtspinne » Mo, 28.10.2013 10:46


Es war mir klar, dass es zu meiner Kritik kontra geben wird :wink:

Dass Columbo gar keine eigene Geschichte und keinen background mitbekommen hat, stimmt ja so auch nicht.

Mit Oliver Brandt führt er ein interessantes Gespräch, in dem man sehr viel über Columbos Persönlichkeit erfährt und auch mal Einblick in seine eher verborgenen Seiten erhält.

Columbo ist durchaus kein graues bescheidenes Duckmäuschen. Dass er seine Außenwirkung bewusst manchmal einsetzt und verstärkt, um die Mörder in Sicherheit zu wiegen und währenddessen seine Ziele zu erreichen, zeigt nur, wieviel Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen in ihm stecken.
Steckte er in einer optisch anderen Haut, wäre groß, kräftig mit Stahlblick und Brimmerkinn, würde man ihn von vornherein gar nicht in die "bescheiden/liebenswert/unterwürfig"-Schublade stecken.

Der Inspektor weiß ganz genau, was er will und verfolgt seine Ziele auch sehr zielstrebig, ehrgeizig und bisweilen sogar egoistisch. Das sieht man regelmäßig am Umgang mit seinen Kollegen.
Selbstzweifel oder Unsicherheiten scheint er nicht zu kennen.

Liegt er mal falsch, was ja durchaus vorkommt, ändert er einfach die Richtung und macht weiter. Vielleicht gar keine schlechte Strategie, er vertrödelt keine Zeit mit Selbstkritik und Fehlersuche, er steht einfach auf und geht weiter.
Der Erfolg gibt ihm recht und im realen Leben sind das auch die erfolgreichsten Menschen, die sich von Rückschlägen und Misserfolgen überhaupt nicht beeindrucken und runterziehen lassen sondern einfach weitermachen. Fußballspieler können das besonders gut :wink:

Insofern ist Columbo (versteckt) eine sehr starke Persönlichkeit, die mit sich im Reinen ist und stets hinter sich selbst steht. Er hat alles "große" im Griff, auch wenn er in den Details zerstreut wirkt.
Er lässt sich nicht von außen beeinflussen, auch wenn er sehr anpassungsfähig wirkt.
Das ist alles natürlich schon überzogen - so käme kein Mensch durchs Leben, aber darüber denkt man wohl nur nach, wenn man frei hat und Langeweile :)

Wahrscheinlich würde es mich nerven, bekäme Columbo wie die modernen Kommissare dauernd seine eigenen Probleme und privaten Geschichten - daher ist es im Großen und Ganzen schon gut, wie es ist. Ich bin ja wirklich oft genervt, dass es in vielen Krimis gar nicht mehr hauptsächlich um die Fälle geht, sondern die privaten Süppchen gekocht werden und manchmal daraus auch 7-Gänge-Menüs werden, die keiner mehr verdauen kann.
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