Columbo: Mord in B-Dur

Wir möchten versuchen, eine Columbo-Episode in Roman bzw. Comic Form zu schaffen. Falls ihr Ideen für einen neuen Fall habt schreibt es hier.

Columbo: Mord in B-Dur

Beitragvon Columbologe » Sa, 17.10.2026 06:34


COLUMBO: MURDER IN B-FLAT

Schöne Columbo-Geschichte von Bob Metzler.
Diese hätte im Frühjahr 1977 die dritte oder vierte Folge der Staffel 6 werden können, wenn nicht der neue Produzent Richard Alan Simmons lieber seine eigenen Ideen für die Staffel realisiert gesehen hätte.
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Kapitel 1

"Es hat vorzüglich geschmeckt, Stan!", lobte Margaret.
"Mir fiele auch kein passenderes Wort ein für das, was wir gerade gegessen haben, Darling."
Das kleine, aber elegante Apartment gab den Blick auf einen Golfplatz frei.
Die Wohnung war komfortabel eingerichtet und farblich ganz auf den Geschmack eines Sportlers abgestimmt; überall befanden sich Fotos vom Golfsport und Trophäen.
Bei gedämpftem Licht und leiser Musik beendeten der Profigolfer Stan Allen und die Meisterin im Bogenschießen Margaret Butler ein intimes Abendessen bei Kerzenschein.
Stan war ein muskulöser Mann von 1,87 Metern Größe und 38 Jahren; Margaret behauptete, im selben Alter zu sein – auch wenn in ihrem Ausweis 45 stand. Beide waren attraktiv und trugen elegante Kleidung, die ihre sportlichen Körper betonte. Zudem hatten beide lukrative Sponsorenverträge mit dem Sportartikel-Tycoon Gregory Baird Butler – Margarets Ehemann, mit dem sie zudem einen Ehevertrag geschlossen hatte: Sollte sie jemals die Scheidung einreichen oder beim Fremdgehen erwischt werden, ginge sie leer aus. Sie erhielte nur dann etwas, wenn Gregory stürbe und sie zur Erbin würde.
Margaret nahm einen Kerzenständer, ging beschwingt auf die große Glasschiebetür zu und trat hinaus auf die Veranda. Sie stellte den Kerzenständer auf einen Eisentisch und ließ ihre verführerische Seite aufblitzen:„Wollen wir das Dessert hier draußen genießen?“
Stan gestand: "Ich habe gar kein Dessert, meine Liebe."
Margaret entgegnete: "Aber wir haben einander!"
Stan konnte nicht widerstehen, eilte auf die Veranda und schloss seine Geliebte in die Arme.
Was er nicht bemerkte: In der Dunkelheit hinter einer Hecke beobachtete eine schemenhafte Gestalt das Liebesspiel durch das Objektiv einer Infrarot-Spionagekamera.
Der Voyeur schoss ein paar Fotos, steckte die Kamera ein und holte eine größere 35-Millimeter-Kamera hervor. Er machte eine ganze Reihe von Aufnahmen, während Stan und Margaret sich leidenschaftlich küssten. Plötzlich erstarrte Stan und öffnete die Augen. Er lauschte den Klickgeräuschen. Er löste sich aus Margarets Armen und stürmte wütend auf die Hecke zu.
Nichts. Er lief weiter auf den Golfplatz hinaus und entdeckte dort den Fotografen,
der gerade die Flucht ergriff. Stan verfolgte den Spion und schlug ihm ein blaues Auge.
Dann packte er die Kamera, riss den Film heraus und warf ihn in den Sand.

Kapitel 2

Am nächsten Morgen näherte sich Margaret einer Bürotür mit der Aufschrift „Coopers vertrauliche Ermittlungen: Bilder lügen nicht!“
Hinter dem Schreibtisch saß Don Cooper, Privatdetektiv, mit einem frischen blauen Auge und einer geschwollenen Lippe.  Margaret kicherte über seinen Zustand.
„Das wird Sie extra kosten!“, sagte Cooper.
Margaret holte ein Bündel Bargeld aus ihrer Handtasche und ließ es auf seinen Schreibtisch fallen.
„Da haben Sie den Restbetrag von dreihundert Dollar, den ich Ihnen für den Job schulde. Fünfzig für die Prügel, die Sie erdulden mussten, weitere vierhundert für die Prügel, die Stan Ihrer Kamera gegeben hat, plus einhundert extra, damit Sie Ihren Mund halten.“
„Das nenne ich eine ordentliche Summe."
„Im Gegenzug will ich den Film!“
„Den habe ich nicht. Aber Sie können ihn sich selbst holen!“
„Woher holen?“
„Er liegt im Sand, wo Ihr Freund mich erwischt hat. Er hat ihn direkt aus der Kamera gerissen, bevor er sie zertrümmert hat. Und bevor er mich zertrümmert hat!“
„Aber Sie hatten zwei Kameras. Stan hat nur die zweite Kamera klicken gehört. Ich wollte, dass er sie hörte. Sie machte die lauteren Geräusche. Aber ich habe auch das leise Klicken der ersten Infrarotkamera wahrgenommen. Geben Sie mir diesen ersten Film, Cooper!“
„Sie sind eine kluge Frau, Madame. Das muss man Ihnen lassen. Na gut, ich gebe Ihnen den Film von der Minox-Kamera.“

Kapitel 3

Die Butlers wohnten im Penthouse eines noblen 15-stöckigen Hochhauses im Westen von Los Angeles. Ihr Dienstmädchen Bessie kümmerte sich gerade um den Dachgarten, als das Telefon klingelte. Es war Gregory Baird Butler.
„Ich rufe an, um meiner Frau mitzuteilen, dass ich heute Abend aus New York nach Hause komme.“
Bessie brachte das Telefon zu Margaret, die in ihrem Schlafzimmer an einem antiken Schreibtisch am Fenster saß. Sie hatte Wörter aus Zeitungen und Zeitschriften ausgeschnitten und auf ein leeres Blatt Papier gelegt.
Gregory war 58 Jahre alt, von altmodischer Natur und mit harter Schale ausgestattet.
Er trug einen konservativen Mantel, einen Hut und eine Stahlbrille. Er war müde und schlecht gelaunt. Margaret bot ihm an:
„Warum treffen wir uns nicht in unserem Strandhaus, nachdem du gelandet bist? Du und ich, allein, Liebling. Nur wir beide. Das wird deine schlechte Stimmung aufheitern.“
„Aaawh... das interessiert mich heute Abend wirklich nicht.“
„Ich bitte dich. Du bist seit sieben Monaten nicht mehr zu mir ins Strandhaus gekommen. Ich verspreche, dass es sich für dich lohnen wird."
„Na gut, wenn dir so viel daran liegt... dann bin ich eben einverstanden.“
„Also gut, bis heute Abend dann! Tschüss, Schätzchen! Bessie, ich bin dieses Wochenende mit meinem Mann am Strand, Sie haben also frei.“
Margaret ordnete daraufhin ihre Zeitungsausschnitte neu an, sodass sie folgenden Text ergeben: „Negative der Abzüge – zehntausend Dollar. Keine Scheine über hundert! Ich rufe am Samstag an. Keine Polizei!“
Margaret betrachtete einen Moment lang ihr Werk, nahm dann das Wort "zehntausend" wieder heraus und ersetzte es durch "fünfzigtausend". Nachdem das Erpresserschreiben fertig war, griff sie zum Telefon und wählte eine Nummer.

Der Hauptsitz von „Butler Sporting Goods“ bestach durch perfekt gepflegte Rasenflächen, weitläufige Parkplätze und ein modernes, luxuriöses Fabrikgebäude. Im Büro des Geschäftsführers saß Gregorys Sekretärin, Miss Sophie Blanchard. Ihre strenge Frisur, ihr Kostüm und ihre Brille glichen fast exakt dem Erscheinungsbild von Gregory Baird Butler.
Die Wände waren mit Fotos von Sportstars geschmückt, darunter der Golfer Stan Allen und die Bogenschützin Margaret Butler.
Als das Telefon klingelte, legte Miss Blanchard ihr Kreuzworträtsel beiseite.
Margaret war am Apparat. Sie teilte mit, dass sie um 15 Uhr vorbeikommen würde, um sich mit Stan zu treffen. Um 15 Uhr traf Margaret ein; sie trug einen großen Umschlag bei sich.
Stan wartete bereits in ihrem Büro. Sie stürmte herein. Stan schloss die Tür.
„Stan, wir stecken in Schwierigkeiten.“
Sie holte ihr selbstgebasteltes Erpresserschreiben aus dem Umschlag sowie mehrere Abzüge, die das Liebespaar auf der Veranda in verschiedenen intimen Posen zeigten. Stan fand keine Worte.
„Das gibt’s nicht! Ich habe den Film doch direkt aus der Kamera dieses Schnüfflers herausgezogen.“
„Nicht aus beiden Kameras. Und jetzt sieh dir das an!"
Margaret hielt Stan das Erpresserschreiben unter die Nase.
„Dieser verdammte Mistkerl will fünfzigtausend Dollar? Glaubst du, er würde die Fotos sonst Gregory zeigen?“
„Ich kann unmöglich bis morgen so viel Geld auftreiben.“
„Das würde ohnehin nichts bringen. Dieser Schuft wird dir die Negative niemals geben. Er wird dich nur immer weiter ausnehmen.“
„Ich weiß wirklich nicht, was ich tun soll, Stan. Ich bin mir absolut sicher, dass Gregory in ein, zwei Tagen die Kopien haben wird – weil ich die fünfzigtausend nicht zahlen kann.“
„Ich hätte den Kerl umbringen sollen, als ich ihn in meinen Händen hatte. Hätte ihm den Hals umdrehen sollen!“
„Dafür ist es jetzt zu spät. Aber du solltest wirklich jemanden umbringen.“
„Ja. Mich selbst!“
„Daran habe ich nicht gedacht. Ich würde dich nur ungern verlieren.“
„Warte mal... meinst du etwa...?“
Stan lächelte. Margaret erwiderte das Lächeln und fügte hinzu:
„Genau in diesem Moment ist Gregory auf dem Weg zu unserem Strandhaus. Wir wollten dort eigentlich das Wochenende verbringen. Aber ich liebe nur dich, Stan. Also werde ich in Kürze entweder eine arme Geschiedene sein – oder eine überaus wohlhabende Witwe.“
Stan ging nachdenklich auf und ab.
„Na gut. Ich bin dabei.“
Margaret reichte Stan den Schlüssel zum Waffenschrank.
„Nein, nein, nein! Eine Schusswaffe ist zu laut. Ich würde ein Messer als Tatwaffe vorschlagen.“
„Das kommt für mich nicht in Frage. Gregory soll zwar sterben, aber er soll nicht leiden müssen.“
„Jetzt hab ich’s! Ha! Pfeil und Bogen! Lautlos. Nicht zurückzuverfolgen. Tödlich. Die perfekte Waffe.“
„Darf ich dich daran erinnern, dass ich Bogenschützin bin?“
„Genau deshalb ist mein Plan ja perfekt! Die Behörden würden dich niemals mit einem Mord durch Pfeil und Bogen in Verbindung bringen. Das wäre einfach zu naheliegend. So eine Methode würde nur jemand wählen, der dich belasten wollte. Und du wirst ein Alibi haben, das dich von jedem Verdacht befreit.“
"Welches Alibi hast du dir da gerade für mich ausgedacht?"
"Du wirst dir selbst ein wasserdichtes Alibi verschaffen – mit deiner Sekretärin Sophie Blanchard. Du wirst bei ihr sein, wenn ich erledige, was ich erledigen muss.“

Stan ging zum Ausstellungsraum der Fabrik, der voller großer Aufsteller von Champions stand, die für „Butler Sporting Goods“ warben. Die Golf-Auslage zeigte die Stan-Allen-Golfschläger-Kollektion, die strahlenförmig um einen lebensgroßen, lächelnden Aufsteller von Stan angeordnet war. Eine ähnliche Auslage für Bogenschießen zeigte einen Aufsteller der attraktiven Margaret Butler – bekleidet mit einer provokanten Bluse und Shorts, einen Pfeil auf der Sehne, den Bogen bis zur Spitze gespannt. Maßgefertigte Bögen unterschiedlicher Zugkraft für Männer, Frauen und Kinder steckten in separaten Halterungen auf beiden Seiten. Auch Tennis, Skifahren, Baseball und Angeln wurden auf ähnliche Weise präsentiert.Stan steuerte direkt auf die Bogenschieß-Auslage zu und nahm einen kurzen, kraftvollen Jagdbogen aus Fiberglas für Männer heraus. Dann entnahm er zwei Pfeile aus einer Schachtel mit zwölf Stück und steckte sie in seine Golftasche. Er zerlegte den Bogen und verstaute die Einzelteile ebenfalls in der Tasche.
Um seine Spuren zu verwischen, verschloss er die Schachtel mit den Pfeilen wieder und platzierte einen anderen Bogen in die Lücke, die er gerade in der strahlenförmigen Anordnung hinterlassen hatte. Stan hängte sich die Golftasche über die Schulter und verließ den Raum. Währenddessen verwickelte Margaret Sophie Blanchard in ein Gespräch und äußerte ihre Sorge darüber, wie hart ihr Mann in letzter Zeit gearbeitet hatte. Sie unterhielten sich lange genug, um ein wasserdichtes Alibi für den bevorstehenden Mord zu schaffen.

Kapitel 4

Stan raste den Pacific Coast Highway entlang in Richtung Nord-Malibu.
Er parkte auf einem unbebauten Grundstück, das zum Strand hin abfiel.
Er stieg aus seinem Wagen, die Golftasche im Schlepptau. Während sich ein weiteres Fahrzeug näherte, setzte er hastig den Bogen zusammen. Es war Gregory Baird Butler. Er stieg mit einem Gepäckstück aus. Stan nahm die beiden Pfeile aus seiner Tasche. Gregory ging auf die Eingangstür zu; als er in seiner Tasche nach seinem Schlüssel kramte, bemerkte er ein zerbrochenes Fenster. Drinnen sah er eine tote Möwe, die durch die Scheibe geflogen war. Mit einer abstoßenden Grimasse betrat Gregory das Haus. Das Wohnzimmer war zwar geschmackvoll eingerichtet, aber von einer dicken Staubschicht bedeckt. Gregory fuhr mit dem Finger über die Oberfläche eines Tisches und hinterließ eine Spur im Staub. Plötzlich fuhr er verschreckt zusammen, als er hinter sich die Stimme von Stan Allen hört:
"Überraschung!"
Gregory drehte sich ruckartig um und sah Stan Allen im offenen Türrahmen stehen.
"Was zum Teufel machst du hier? Ich bin absolut nicht in Stimmung für Überraschungen!"
"Das ist mehr als nur ein Scherz. Dieser Scherz wird dich dein Leben kosten."
Stan nahm Bogen und Pfeil zur Hand und trat näher.
Während er einen Pfeil auf die Sehne legte, erklärte er:
"Weißt du ... nein, das weißt du ja noch nicht – aber ich sag’s dir jetzt, dann weißt du es –, dass Margaret und ich ein Liebespaar sind. Und so sehr wir einander lieben, so sehr lieben wir auch dein schönes Geld."
Gregory wich immer weiter zurück, bis er in die Enge getrieben vor einem Flügel stand. Stan spannte die Sehne. Er zitterte unter der Kraft der mächtigen Waffe, als er schoss.
Die Sehne schnellte mit einem hellen Klang nach vorn. Gregory Baird Butler brach zusammen.„Ich hätte nie gedacht, dass mein Leben so enden würde!“
Das waren seine letzten Worte.
In diesem Moment klingelte das Telefon und ließ Stan zusammenzucken.
Instinktiv griff er danach, bemerkte dann aber die Spur, die Gregorys Finger auf dem staubigen Tisch hinterlassen hatte. Stan zog die Hand zurück und ließ das Telefon einfach weiterklingeln. Er riss den Pfeil aus Gregorys Brust und eilte hinaus, während das Telefon unaufhörlich weiter klingelte.

Kapitel 5

Am nächsten Morgen war das Strandhaus mit Pfosten und Absperrseilen umstellt. Vor dem Haus befanden sich mehrere Polizisten, die jedoch nicht etwa Wache schoben, sondern sich stehend sonnten. Inspektor Columbo trat hinzu, doch niemand bemerkte ihn, denn die meisten Polizisten hielten ihre Augen geschlossen, als sie ihre Gesichter der wärmenden Los-Angeles-Sonne entgegenstreckten.
„Entschuldigen Sie. Bin ich hier vielleicht falsch?“, fragte Columbo verwirrt.
„Nein, Sir, das ist tatsächlich der Tatort. Darf ich Sie ins Haus bitten?“
Im Inneren wurde Columbo von der attraktiven Sergeant Ann Jenkins begrüßt. Die aufmerksame Polizistin schob eine Papierrolle über den Teppichboden, um für Columbo einen Trampelpfad zu schaffen, auf welchem er gehen konnte, ohne Spuren zu verwischen.
Columbo war überrascht, einer weiblichen Polizistin im Rang eines Sergeants zu begegnen.
Sgt. Jenkins unterrichtete ihn über die bisherigen Erkenntnisse.
Unter einem Leichentuch auf dem Boden lag Gregory Baird Butler.
"Was ist die Todesursache, Frau Sergeant?"
"Ich glaube, er wurde erschossen."
"Sie glauben, er wurde erschossen?
Kann man so etwas denn nicht wissen?"
"Nicht in diesem Fall. Der Gerichtsmediziner kann sich nicht sicher sein, ob es sich um einen Schuss handelt, da das Opfer seine Fäuste über dem Herzen zusammengepresst hält."
Columbo hob Gregorys Fäuste an, damit der Gerichtsmediziner Größe und Position der Wunde untersuchen konnte.
"Da haben Sie es, Frau Sergeant. Eine Einschusswunde. Sie ist winzig und geht komplett durch den Körper. Das Opfer wurde also nicht erschossen, sondern höchstwahrscheinlich erstochen."
"Verzeihen Sie, aber ich verstehe Ihre Schlussfolgerung nicht ganz."
"Nun, Projektile aus einer Schusswaffe können leicht abgelenkt werden. Sie treten meist an einer anderen Stelle aus – weiter oben oder weiter unten –, besonders wenn sie auf einen Knochen treffen. Außerdem verformen sich Kugeln beim Durchdringen des Körpers, wodurch die Austrittswunde größer ist als die Eintrittswunde. Wenn man sich die Haltung der Hände des Opfers ansieht, würde ich sagen: Die Tatwaffe war ein langer, scharfer Gegenstand. Opfer neigen dazu, nach allem zu greifen, was sie durchbohrt."
Columbo betrachtete sich intensiv die Hände des Toten.
"Was ist das hier?"
"Was meinen Sie, Inspektor?"
"Da sind irgendwelche Partikel oder Rückstände am Ring des Opfers. Könnten Sie mir bitte einen Umschlag geben? Ich will die Dinger zur Untersuchung geben."
Columbo setzte seine Ermittlungen fort und folgte der Spur aus Papier, bis er den Flügel erreichte. Er warf einen Blick unter die Klaviatur. Ein Bleigewicht hielt die drei Pedale des Musikinstruments niedergedrückt. Sergeant Jenkins bemerkte dazu:
"So etwas machen Menschen, wenn sie ihr Klavier für längere Zeit nicht benutzen wollen.
Das Gewicht hebt die Dämpfer von den Saiten ab, damit sich keine Einkerbungen in den Filzen bilden."
Columbo steckte seinen Kopf unter den geöffneten Flügeldeckel, um genauer hinzusehen. Dabei fiel ihm etwas auf: Alle Saiten waren gleichmäßig mit Staub bedeckt – bis auf eine Gruppe von drei Saiten, die glänzten.
"Warum sind drei Saiten blank von Staub und alle anderen nicht? Herrjeh... wie ich mich kenne, wird mich diese Frage wieder um meinen gesunden Nachtschlaf bringen."

Da erschien Stan Allen auf der Bildfläche, der sich als Freund der Familie ausgab, und der angeblich von der aufgelösten Witwe Butler gerufen worden sei. Columbo wies ihn an, nichts zu berühren.
"Ich verstehe, Inspektor. Ihre Spurensicherung ist noch nicht abgeschlossen."
"Entschuldigen Sie, Sir. Sind Sie etwa derselbe Stan Allen wie der berühmte Golfspieler, der das Buch geschrieben hat, das ich mir gekauft habe?"
"Bin ich. Hat mein Buch der Verbesserung Ihres Golfspiels geholfen?"
"Das kann man wohl kaum so sagen. Aber das liegt wohl an mir, nicht an Ihrem Buch. Na, lassen wir das! Wie verkraftet Mrs. Butler die Nachricht vom Tod ihres Mannes?"
"Sie wirkt völlig am Boden zerstört. Sie werden ihr sicher bald selbst gegenüberstehen.
Bitte gehen Sie dann äußerst behutsam mit ihr um."
"Ich werde mein Bestes tun. Wer könnte Ihrer Meinung nach für diesen ganzen Schlamassel verantwortlich zeichnen?"
"Ich habe mir schon darüber Gedanken gemacht, bin aber noch zu keinem Ergebnis gekommen.
Wenn mir jemand einfällt, sage ich Ihnen Bescheid."
Sergeant Jenkins begann, einen von Stans frischen Fußabdrücken mit denen neben der Leiche zu vergleichen. Stans Abdrücke waren deutlich kleiner. Er war erleichtert, da er annahm, dies entlaste ihn vom möglichen Verdacht, der Mörder zu sein. Doch Jenkins erklärte:
"Die älteren Abdrücke stammen von Schuhen mit Gummisohlen; die hinterlassen größere Spuren als Schuhe mit Ledersohlen."
Während die Ermittler ihre Arbeit beendeten, bat Columbo Stan:
„Würden Sie bitte einen Moment draußen warten, Sir?“
„Ich warte gerne am Strand und übe ein wenig meinen Golfschwung, Inspektor.“
Columbo ging zum Flügel und zählte die Saiten von rechts nach links. Danach gesellte er sich zu Stan an den Strand, der einen Golfball nach dem anderen präzise in einen Kreis im Sand positionierte und abschlug. Neidisch bemerkte Columbo:
„Mensch, wenn ich die Bälle doch auch so aus einem Bunker schlagen könnte!“
Stan verriet ihm seinen Fingerkniff und ließ Columbo es selbst mit seinem Schläger versuchen. Er bat Columbo sogar an, den Schläger zu behalten.
„Sehr freundlich von Ihnen, Mr. Allen, aber das muss ich leider ablehnen. Damit würden Sie ja Ihr Set unvollständig machen! Vielleicht komme ich eines Tages, wenn der Fall gelöst ist, noch einmal darauf zurück.“
"Hoffentlich kommt dieser Tag bald", sagte Stan scheinheilig.

Später am Tag feierten Stan und Margaret in ihrem Penthouse.
„Die Beamten, die in Gregorys Mordfall ermitteln, sind ja unglaublich dumm! Sie haben sogar zwei verschiedene Sätze von Fußabdrücken verglichen – beide stammen von mir, aber das werden sie niemals beweisen können.“
„Sag niemals nie, Stan! Vorsichtshalber muss ich dich anweisen, die Schuhe zu entsorgen und Pfeil und Bogen an die Fabrik zurückzuschicken. Es darf keine Bogensportausrüstung im Inventar fehlen. Und sie müssen absolut sauber sein.“
Ihr Festessen wurde durch Columbos Eintreffen unterbrochen.
Der Detektiv sprach sein Beileid aus.
„Ich muss gestehen, ich kann nicht sagen, ob Mr. Butler erschossen oder erstochen wurde –oder womit, beziehungsweise von wem.“
Während Columbo begann, Margaret zu befragen, verließ Stan das Haus.
Margaret erklärte:
„Ich wollte meinen Mann eine Stunde nach der Landung seines Flugzeugs im Strandhaus treffen, aber zuvor sollte ich auf seinen Anruf warten. Ich habe versucht, ihn vom Büro aus anzurufen. Miss Sophie Blanchard kann das bestätigen. Doch als er nicht abnahm, dachte ich, Gregory hätte wohl einen späteren Flug genommen, also bin ich nach Hause gefahren.“

In der Zwischenzeit wartete Sergeant Ann Jenkins in ihrem Auto vor der Wohnung der Butlers.
Als sie Stan herauskommen sah, beschloss sie, ihm zu folgen. Er fuhr beim Firmenkomplex „Butler Sporting Goods“ vor, holte seine Golftasche aus dem Kofferraum und trug sie in das Fabrikgebäude. Jenkins beobachtete das Geschehen aus der Ferne und machte sich Notizen. Drinnen ging Stan zu einer kleinen, leistungsstarken Schmiede. Er nahm ein Paar Schuhe mit Gummisohlen aus seiner Tasche, legte sie in die Schmiede und steckte sie in Brand.
Draußen bemerkte Jenkins eine Rauchwolke, die aus einer Lüftungsöffnung auf dem Fabrikdach aufstieg. Sie warf einen Blick auf ihre Uhr und notierte die Zeit. Während Stan zusah, wie die Schuhe verbrennen, verbrannte Margaret auf ihrer Dachterrasse ihr Erpresserschreiben, ihre Fotos und eine Rolle Infrarotfilm in einem Grill. Nachdem Stan die Schmiede ausgeschaltet hatte, ging er in den Ausstellungsraum. Er nahm zwei Pfeile aus seiner Tasche und legte sie zurück in den dazugehörigen Karton. Er setzte den Fiberglasbogen aus seiner Tasche wieder zusammen und platzierte ihn zurück in der „Sunburst“-Präsentation. Den einfachen Ersatzbogen warf er auf den Stapel, von dem er ihn ursprünglich weggenommen hatte.
Er wollte gerade gehen, als er innehielt. Er zog das kleine Handtuch aus seiner Golftasche und wischte damit sorgfältig über die beiden Bögen.

Kapitel 6

Am späten Nachmittag besuchte Columbo einen Musikladen.
"Ich möchte meiner Frau Mrs. Columbo einen Flügel zum Geburtstag schenken. Sie möchte nämlich demnächst einen Klavierkurs belegen. Sie wird 50 und so ein besonderer Geburtstag verlangt nach einem großzügigen Geschenk."
Ein hochnäsiger Verkäufer führte Columbo in die Pianohalle. Als Columbo gerade dabei war, in aller Seelenruhe die Saiten eines Flügels zu zählen, drängte ihn der unter Zeitdruck stehende Verkäufer:
„Ja, es ist ein wunderbares Instrument, Mister Columbo. Haben Sie nun Kaufabsichten?"
Durch die Unterbrechung kam der Inspektor beim Zählen durcheinander.
„Ich suche nach einem ganz bestimmten Ton. Ich weiß zwar nicht, welcher es ist, aber wenn jeder Ton drei Saiten hat, dann müsste es die 39. Taste von rechts sein.“
Der Verkäufer ging die chromatische Tonleiter von rechts nach links durch, bis er beim B oberhalb des mittleren C ankam. Columbo schlug die Taste an und fragte dann:
„Dürfte ich den Klang vielleicht mit meinem Tonbandgerät aufnehmen?“
„Nun ja... äh... wenn das Ihr Kriterium für die Auswahl eines Klaviers für Ihre Frau ist – nur zu!“
Columbo verließ den Musikladen ohne einen Kauf abgeschlossen zu haben. Er wolle den Ton erst Mrs. Columbo vorspielen, gab er an.

Am nächsten Morgen im Polizeilabor spielte ein unausgeschlafener Inspektor Columbo die Aufnahme einem Techniker vor.
„Das ist genau der Klang, den die einzigen staubfreien Saiten in dem Flügel im Strandhaus erzeugen würden. Alle anderen Saiten sind staubig. Überhaupt ist in diesem Haus alles staubig.“
Der Techniker warf ein:
„Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Saiten einfach abgewischt wurden.“
„Was schlagen Sie vor – was ist wahrscheinlicher?“
„Wahrscheinlicher ist: Sie wurden ,saubervibriert'.“
„Da müssen Sie mir wohl erklären, was ‚saubervibriert‘ bedeuten soll.“
„Nun, wenn in der Nähe eines Flügels ein Ton – in diesem Fall ein B – erzeugt wird, dann sendet dieser Ton eine Frequenz aus, die die entsprechenden B-Saiten im Flügel zum Mitschwingen bringt. Das nennt man Resonanz. Der ursprüngliche Ton wäre lauter als der sekundäre Klang der Klaviersaiten, daher würden Sie ihn wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen. Aber die Saiten würden dennoch schwingen und klingen. Und dabei würde natürlich auch der Staub von ihnen abgeschüttelt. Verstehen Sie, was ich meine?“
Columbos Gesicht hellte sich auf.
„Verstehe. Ich danke Ihnen vielmals für diese Ausführung. Sie haben bewirkt, dass ich jetzt nachts wieder ruhiger schlafen kann, denn die Staubfrage hat mich letzte Nacht umgetrieben."
"Es war mir ein Fest, Inspektor."
"Nach welcher Art von Tatwaffe sollte ich suchen?“
„Die Waffe muss aus etwas Ähnlichem wie Klavierdraht bestanden haben.“
Columbo schlussfolgerte:
„Ich sollte also nach einer Art tödlicher Gitarre oder Harfe suchen. Aber was hat es mit den Rückständen unter den Fingernägeln des Toten auf sich?“
„Ich konnte sie als Lackreste und Holz der Port-Orford-Zeder identifizieren.“
Columbo kratzte sich am Kopf und zündete sich eine Zigarre an. Er musste nachdenken.

Kapitel 7

Am selben Vormittag traf Columbo Sergeant Jenkins in der Fabrik, wo sie in der Asche der Schmiede einen verdächtigen Klumpen entdeckt hatte. Sie gingen weiter in das Büro des Geschäftsführers, vor dem sich etwa zehn betrübte Angestellte versammelt hatten. Margaret verkündete:
„Meine Damen und Herren, ich möchte Ihnen zunächst für Ihre Anteilnahme danken. Außerdem habe ich Ihnen etwas mitzuteilen. Der frühe Tod von Gregory Baird Butler macht eine Umstrukturierung dieses Unternehmens erforderlich. Ich werde den Platz meines Mannes einnehmen, unterstützt von Mister Allen und Miss Blanchard.“
Columbo nahm die Sekretärin beiseite, damit sie ihm bestätigte, wann Stan und Margaret vorgestern Nachmittag das Gebäude verlassen hatten. Anschließend ging Columbo zu Stan, der Sergeant Jenkins im Ausstellungsraum auf einem Putting-Green Tipps gab. Columbo ließ Jenkins mit ihrem Notizblock in der Hand die verdächtigen Bewegungen Stans am Tag nach dem Mord schildern. Margaret tat so, als wäre sie sprachlos. Stan rechtfertigte sich:
„Ich habe auf dem Weg zum Golfplatz nur ein halbes Dutzend Golfbälle eingesammelt.“
„Haben Sie sie eingesammelt – oder haben Sie sie verbrannt?“
„Ich habe gar nichts verbrannt. Moment... oh! Verzeihen Sie, doch, ich habe etwas verbrannt. Ein Bündel alter Schecks.“
Columbo kaufte Stan das nicht ab.
„Die Schecks müssten aus Gummi gewesen sein, denn das hier hat Sergeant Jenkins heute Morgen in der Schmiede gefunden.“
Columbo holte einen Gummiklumpen aus der Tasche, ließ ihn wie einen Ball auf den Boden prallen und fing ihn wieder auf.
„Das könnte schon seit Monaten in der Schmiede gelegen haben!“, vermutete Stan.
„Aber es sieht aus wie und verhält sich wie vor Kurzem geschmolzener Gummi. Und warum sollten Sie Schecks in Ihrer Golftasche mit sich herumtragen?“
Stan reagierte zunehmend abwehrend. Als die Polizei gegangen war, nahm Margaret Stan ins Gebet:
„Geh nach Hause und halt den Mund!“

Vor der Fabrik unterhielten sich Columbo und Ann Jenkins über die Theorie der Resonanzschwingung. Jetzt müssen sie nur noch eine Waffe finden, die mit Saiten funktioniert.„So wie meine Geige?“
Jenkins tat so, als würde sie auf einer imaginären Geige spielen. Columbo verfiel in eine bedächtige Redepause.
"Woran denken Sie, Inspektor?"
„Ihr unsichtbarer Bogen erinnert mich an einen Sportbogen. Wenn man damit in der Nähe eines Klaviers schießen würde und es dabei so klingen würde wie das B über dem mittleren C, dann hätte man am Ende einen Toten und drei saubere Klaviersaiten.“

Columbo kehrte zu Margarets Penthouse zurück, wo sie in ihrem Dachgarten mit Pfeil und Bogen übte. Sie trug eine weiße Bluse, einen schwarzen Rock und einen Armschutz, der die Innenseite ihres linken Unterarms bedeckte. Als Columbo sich näherte, gab Margaret einen Schuss ab, der genau in der Mitte der Zielscheibe am anderen Ende des Gartens landete.
Ihr zweiter Schuss traf ebenso präzise.
"Zwei Volltreffer! 18 Punkte!“, bemerkte Columbo gönnerisch.
Margaret zeigte sich beeindruckt von Columbos Wissen über das Bogenschießen.
„Ich habe ein wenig nachgeforscht. Ich bin überzeugt, dass Ihr verstorbener Ehemann durch einen Pfeilschuss getötet wurde – abgefeuert mit einer Ausrüstung, genau wie Ihre.“
Margaret zeigte sich schockiert.
"Der Gedanke, dass ich eine Ihrer Hauptverdächtigen bin, lässt mich verzweifeln.“
„Das tut mir sehr leid, gnädige Frau. Vielleicht kann ich Sie beruhigen. Darf ich Sie bitten, die Sehne Ihres Bogens zu spannen?“
„Äh... hm... nun, ja. Wie Sie wünschen, Inspektor.“
Margaret spannte die Sehne. Sie erzeugte einen Ton, den Columbo nachsummte:„Mmmmmmmh... mmmmmmh...“
„Was machen Sie da?“
„Ich summe den Ton nach. Ich habe den B-Ton auf diesem Tonbandgerät festgehalten.“
Columbo holte sein Tonbandgerät hervor und spielte den Ton ab.
„Mein Ton ist aber deutlich tiefer als der auf Ihrer Aufnahme“, bemerkte Margaret.
„Könnten Sie bitte noch einmal an der Sehne zupfen?“
Margaret tat es gehorsam. Dann gab Columbo Entwarnung:
„Ihr Bogen ist nicht die Tatwaffe. Die beiden Töne unterscheiden sich eindeutig.
Jeder Ton hat eine ganz eigene Wellenlänge, eine eigene Frequenz. Der Ton Ihrer Bogensehne ist nicht der, den ich suche. Sind Ihre Pfeile aus Holz?“
„Nein, ich verwende Pfeile aus Fiberglas; davor habe ich Aluminiumpfeile benutzt. Holzpfeile habe ich seit etwa fünfzehn Jahren nicht mehr verwendet.“
„Aber haben Sie in Ihrer Fabrik Holzpfeile?“
„Ja.“
„Und aus welcher Holzart sind sie gefertigt?“
„Aus Port-Orford-Zeder – wegen der schönen, geraden Maserung. Meine Firma bezieht das Holz aus Nordkalifornien und Oregon, denn nur dort wächst dieser Baum. Aber eigentlich verwendet jeder, der Holzpfeile herstellt, Port-Orford-Zeder.“
„Sind diese Pfeile lasiert oder lackiert?“
„Ja, sie werden, direkt bevor die Federn aufgeklebt werden, lackiert.“
„Ich kann die nationale Meisterin im Bogenschießen der Damen also nicht logisch ausschließen.
Aber ich weiß, dass Sie Ihren Mann nicht getötet haben.“
„Ist das wahr?“
„Ich würde Sie nicht anlügen, gnädige Frau."
„Aber … woher wissen Sie das?“
„Die Laboruntersuchung hat ergeben, dass eine Kraft von mindestens neunzig Pfund nötig war, um diesen Pfeil abzuschießen – und es gibt auf der ganzen Welt keine Frau, die einen Bogen mit einem Zuggewicht von neunzig Pfund weit genug spannen könnte.“
Margaret war erleichtert.
„Da bin ich bei Ihnen, Columbo. Ich habe noch nie einen Bogen mit mehr als 32 Pfund Zuggewicht benutzt.“
Columbo resümierte:
"Wonach ich also suche, ist ein kräftiger, stämmiger Mann, der gut mit Pfeil und Bogen umgehen kann.“
„Stämmig, ja. Aber auf kurze Distanz muss er kein besonders geübter Bogenschütze sein.“
„Ist das so, Mrs. Butler?“
„Es müsste ein Jagdbogen aus Fiberglas für Männer sein, ein kurzes Modell. Wir haben ein paar solcher Bögen in der Fabrik.“
"Danke für die Auskunft, Ma'am. Nun kenne ich meinen nächsten investigativen Schritt."

Kapitel 8

Noch am selben Abend nahm Columbo zwei Beamte mit in den Ausstellungsraum der Firma Butler, um die Tatwaffe zu finden. Er spielte die Aufnahme ab, die er zuvor im Strandhaus gemacht hatte.
„Ich lasse das Gerät mal hier bei Ihnen. Machen Sie sich an die Arbeit mit den Bögen! Konzentrieren Sie sich auf die kurzen, stabilen Exemplare! Spannen Sie sie und lassen Sie die Sehne schnellen! Hören Sie, ob sie so klingen wie …“
Columbo spielte das Geräusch noch einmal ab.
„Und was ist mit Fingerabdrücken, Inspektor?“
„Vergessen Sie Fingerabdrücke! Die Waffe wurde mit Sicherheit abgewischt.“
Doch die Frage brachte Columbo auf eine Idee. Er betrachtete die verschiedenen Bögen, die in dem fächerförmigen Ständer präsentiert wurden, ganz genau.
„Besorgen Sie mir eine Probe von diesem Staub! Und wenn Sie den Bogen gefunden haben, suchen Sie nach dem Pfeil! Er müsste Kratzer aufweisen. Der Lack wird abgekratzt sein, so dass das nackte Holz zum Vorschein kommt.“

Columbo machte sich auf den Weg zu Sergeant Jenkins, die das Haus von Stan Allen observierte. Der Verdächtige befand sich darin und spähte hinter den Vorhängen hervor. Columbo, der eine Papiertüte bei sich trug, schickte Sergeant Jenkins weg.
„Seien Sie um halb zwei am Strandhaus, Frau Sergeant!“
Columbo klingelte an der Tür. Sofort riss ein wütender Stan Allen sie auf. Als er erfuhr, dass sein Gegenüber keinen Durchsuchungsbeschluss hatte, knallte Stan die Tür vor Columbos Nase zu. Der Detektiv lächelte amüsiert und klingelte erneut. Stan riss die Tür wieder auf, doch bevor er sie wieder schließen konnte, hatte Columbo einen Gipsabdruck des Fußabdrucks des Mörders aus seiner Papiertüte hervorgeholt.
„Ich glaube kaum, dass der zu irgendeinem Schuhwerk passt, das Sie im Haus haben.“
„Wenn das Ihre Meinung ist, können Sie die Observation ja sofort abbrechen, Inspektor Columbo!“
„Ich verspreche Ihnen das, sobald Sie mich reinlassen und mich der Sache auf den Grund gehen lassen.“
Stan seufzte und ließ Columbo eintreten. Er holte sein einziges Paar Schuhe mit Gummisohlen aus dem Schlafzimmer. Die Schuhgröße stimmte zwar mit dem Gipsabdruck überein, doch das Profil der Sohlen mit ihren Rillen passte nicht zu dem körnigen Muster im Gips.
„Verzeihen Sie, Mr. Allen.
Ich muss zugeben, dass ich mich geirrt habe.“
„Das wusste ich doch die ganze Zeit! Aber was ist mit dem Gummiklumpen in der Schmiede?“
„Nicht verwertbar. Ein Verteidiger würde mich in der Luft zerreißen, wenn ich das vor Gericht vorlegen wollte. Darf ich Ihnen Ihren Schuh zurückgeben? Sie können natürlich gehen, wohin Sie wollen, aber darf ich Sie noch um einen letzten Gefallen bitten, Sir?“
„Was denn?“
„Könnten Sie mich nach dem Mittagessen im Strandhaus der Butlers treffen? Ich habe Neuigkeiten: Ich habe herausgefunden, dass Mr. Baird Butler mit Pfeil und Bogen getötet wurde.“
„Oh nein! Das bedeutet ... dann war sie es ... Margaret! Sie muss Gregory wegen des Erbes ermordet haben! Dieses arme Mädchen! Sind Sie sicher, dass sie es war, Columbo?“
„Margaret Butler ist eine von mehreren Verdächtigen, ja. Könnten Sie vielleicht auch Ihre Golfschläger mitbringen, Mr. Allen?“
„Haha ... Sie haben wohl einen Narren an diesem Ding gefressen, was?“
„Es ist ein Prachtstück.“

Kapitel 9

Stan erreichte das Strandhaus noch vor Columbo. Er trat mit seiner Golftasche auf die Veranda und entdeckte Margaret, die am Wasser entlang über den Sand ging. Er ließ seine Tasche stehen und eilte zu ihr.
„Stan? Wir müssen reden. Columbo kommt der Sache zu nahe.“
„Das sehe ich anders, Liebling. Ich habe eher den Eindruck, dass Columbo die Spur verloren hat. Was mir allerdings Sorgen macht: Unsere Beziehung scheint sich abzukühlen.“
„Das liegt daran, dass du alles vermasselst, Stan!“
„Nein, das tue ich nicht. Ich frage mich nur: Versuchst du etwa, mich den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen, um deine eigene Haut zu retten?“
„Nicht so laut! Die Beamten dort drüben am Strandhaus könnten dich hören."
"Beantworte meine Frage, Margaret! Willst du mich den Wölfen vorwerfen?“
Margaret schüttelte mitleidig den Kopf und lächelte Stan süßlich an.
„Stanley, Liebling! Genau wie bei Rotkäppchen ist es deine eigene schreckliche Dummheit, die dich so anfällig für Wölfe macht.“
„Liebst du mich immer noch genauso wie vor unserer bösen Tat?“
„Ja, das tue ich. Kannst du mir glauben."
In diesem Moment traten Columbo und Sergeant Jenkins hinzu. Columbo bemerkte Stans Golftasche und zog den begehrten Schläger heraus. Er machte ein paar Probeschwünge und steckte ihn dann wieder zurück.
„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, sagte er mit ernster Miene. Als sie auf das Strandhaus zugingen und eintraten, erinnerte Stan Columbo daran, dass der Schläger ihm gehören könnte, wenn er ihn nur annehmen wollte.
„Ach ... nein. Ich kann doch kein Geschenk von einem Tatverdächtigen annehmen.“
„Ein Tatverdächtiger?! Ich dachte, das wäre längst geklärt! Sie wissen doch – die Fußabdrücke ... die Schuhe!“
„Was Ihre Schuhe angeht, da stimme ich Ihnen zu. Die Schuhe scheiden aus. Sie haben das Paar, das Sie zur Mordzeit trugen, in der Fabrik verbrannt.“
Stans vorherige Siegesgewissheit erhielt durch diese völlig richtige Aussage einen bedenklichen Dämpfer.
„Aber das können Sie doch gar nicht beweisen! So etwas dürfen Sie nicht einfach behaupten, wenn Sie es nicht beweisen können!“
„Darf ich es denn zumindest denken?“
„Sie dürfen denken, was immer Ihnen in den Sinn kommt. Aber Tatsache bleibt: Ich habe in der Fabrik Schecks verbrannt, keine Schuhe. Sagen Sie mal, was spricht jetzt eigentlich dagegen, dass Sie diesen Golfschläger als Werbegeschenk annehmen?“
Columbo nahm den Golfschläger genauer in Augenschein und strich über den Schlägerkopf.
Dann schob er ihn zurück in die Tasche und beantwortete Stans Frage:
„Die Tatsache, dass Sie Gregory Baird Butler ermordet haben... mit Pfeil und Bogen.“
Stan unterdrückte seinen Schock und tat die Behauptung als lächerlich ab:
„Sie machen sich zum Narren, Inspektor! Ich bin doch gar kein Bogenschütze.“
„Jetzt versuchen Sie, meine Aufmerksamkeit auf Margaret Butler zu lenken, Mister Allen. Aber dieser Mord erforderte keinen ausgebildeten Bogenschützen – nur einen kräftigen Mann.
Sergeant Jenkins, holen Sie die Beamten herein!“
Einer der Beamten trug ein Paket. Columbo riss das Papier auf und zum Vorschein kamen ein Pfeil sowie ein in zwei Teile zerlegter Jagdbogen. Columbo nahm den Bogen und setzte die beiden Teile zusammen.
„Das sind der Bogen und der Pfeil, mit denen Gregory Baird Butler getötet wurde.“
„Das lässt sich sicher wie üblich an den Zügen im Waffenlauf ablesen, was?“, spottete Stan.
„Nein – aber an den Abriebspuren unter Mister Butlers Ring.“
Columbo drehte den Pfeil und legte dabei Kratzer frei, die von der Spitze etwa 7 cm weit den Schaft entlang verliefen.
„Mr. Butler muss den Pfeil festgehalten haben, als er starb. Als der Pfeil dann aus seiner Brust gezogen wurde, blieben Lack und Holz unter seinem Ring hängen.“
"Wo wurde der Pfeil gefunden?“, erkundigte sich Stan, seine nächste Verteidigungsrede gedanklich vorbereitend.
„In einer Kiste mit Pfeilen in der Fabrik.“
„Könnte er nicht schon in der Fabrik zerkratzt worden sein?“
„Ähm … nein, Sir, das ist völlig ausgeschlossen.“
„Warum?“
„Weil am Rand der Metallspitze des Pfeils mikroskopisch kleine Blutspuren gefunden wurden... von derselben Blutgruppe wie bei Mr. Butler.“
Stan fiel nichts ein, was er entgegnen könnte. Um das Geräusch zu demonstrieren,
das der nun bespannte Bogen von sich gab, zupfte Columbo an der Bogensehne, genau in dem Moment, als Ann Jenkins am Klavier die Taste für B anschlug. Die Töne waren identisch.
„Resonanzschwingung!“, lächelte Columbo selbstzufrieden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Bogensehnen exakt denselben Ton erzeugen, liegt bei eins zu neun Millionen.“
Columbo tat so, als sei der Fall damit gelöst, und schickte die anderen Beamten weg – nur Sergeant Jenkins durfte bleiben. Stan war jedoch noch nicht überzeugt. Also rollte Columbo den gesamten Tathergang noch einmal auf: was am Tag des Mordes geschah und wie Stan die Tatwaffe in seiner Golftasche transportierte.
„Waren etwa meine Fingerabdrücke auf Pfeil und Bogen?“
„Nein, Sie haben sie mit dem Handtuch aus Ihrer Golftasche abgewischt – an dem sich übrigens Spuren desselben roten Lacks finden lassen.“
„Wenn das Zeug in der Fabrik aufgetragen wird, fliegt es überall im Raum herum und verteilt sich.“
„Aber der Streifen auf dem Handtuch verläuft in einer geraden Linie – ganz so, als hätte man etwas abgewischt.“
Margaret erfreute sich schweigend an Stans misslicher Lage.
„Jetzt würde ich den Mord gerne nachstellen.“
Columbo zog seinen Regenmantel aus und warf ihn beiseite. Er platzierte Ann Jenkins genau an der Stelle, an der Gregory stand, als er erschossen wurde. Columbo nahm den Bogen und ging auf den Flügel zu. Er hob ihn an und begann, die Sehne – als wäre ein Pfeil eingelegt - zurückzuziehen, während Margaret seine Technik überprüfte. Er hatte allerdings Schwierigkeiten, die Sehne richtig zu spannen. Er zog sein Jackett aus, nahm die Waffe aus seinem Schulterholster und ließ beides auf das Sofa fallen.
„So ist’s besser!“, stellte er erleichtert fest.
Columbo nahm den Bogen wieder in die Hand und ging in Position; seine Finger waren korrekt um die Bogensehne gekrümmt. Er schaute zu Margaret, um sich ihre Zustimmung zu holen.
Sie gab ihm ein Okay-Zeichen. Columbo zog die Sehne immer weiter zurück, bis sein Arm zu zittern begann. Er ließ los. Paff! Sofort griff sich Columbo an den Unterarm.
Er knöpfte die Manschette seines Hemdes auf und schob den Ärmel hoch – auf der empfindlichen Innenseite seines Unterarms war eine gerötete Stelle zu sehen. Margaret erklärte:
„Das ist eine typische Verletzung beim Bogenschießen. Deshalb tragen Profis immer einen Armschutz.“
Plötzlich griff Columbo nach Stan Allens Unterarm. Stan zuckte erschrocken zusammen.
„Haben Sie auch einen Armschutz getragen, als Sie Mister Baird Butler ermordeten, Mr. Allen?“
Columbo schob den Ärmel von Stans Pullover hoch und enthüllte eine ähnliche Verletzung an dessen Unterarm. Stan lachte.
„Columbo, Sie sind mir echt 'ne Nummer! Die Verletzung habe ich in der Fabrik abbekommen, nicht von Ihrem ‚musikalischen‘ Bogen, der den armen Gregory getötet hat!“
Doch Columbo hatte noch ein letztes Ass im Ärmel. Er zeigte Stan, dass die Feder des mörderischen Pfeils beschädigt war – ein kleines Stückchen fehlte.
„Ich habe jeden Zentimeter des Tatorts und den Sand draußen abgesucht, aber von der fehlenden Feder keine Spur gefunden. Ich vermute, sie kann nur an einem Ort sein: in dem Gegenstand, der dazu benutzt wurde, den Bogen vom Strandhaus zur Fabrik zu transportieren.“
Columbo deutete auf Stans Golftasche. Stan wurde strenger:
„Ich warne Sie, Columbo – fassen Sie meine Golftasche bloß nicht ohne Durchsuchungsbeschluss an!“
„Ich darf nachsehen, denn die Tasche befindet sich gerade in meinem Gewahrsam, und wir befinden uns am Tatort.“
Columbo begann, die Schläger aus der Tasche zu ziehen. Stan geriet in Panik. Er schnappte sich Columbos Dienstwaffe vom Sofa und richtete sie auf ihren Eigentümer.
„Jetzt reicht’s, Columbo! Na gut! Ich war es. Ich habe es für mich und Margaret getan.“
„Hast du nicht!“, korrigierte Margaret den Geständigen.
Columbo suchte in aller Ruhe weiter in der Golftasche, während Sergeant Jenkins eine Waffe zog und sie auf Stan richtete. Columbo warnte nun ihn:
„Sergeant Jenkins' Waffe ist geladen, Mister Allen!“
In der Annahme, er habe nichts mehr zu verlieren, drückte Stan ab. Er bekam nur ein „Klick“ zu hören. Columbo gab zur Erklärung:
„Ich trage nie eine geladene Waffe bei mir. Ist mir zu schwer, zu sperrig.“
Columbo hatte aber immerhin ein Paar Handschellen für Stan mitgebracht, und Sergeant Jenkins hatte ein passendes Paar für Margaret dabei. Diese jedoch wehrte sich vehement:„Lassen Sie mich los, Sergeant! Nehmen Sie die Handschellen ab! Was soll denn das? Ich bin unschuldig. Stan ist der Mörder! Inspektor Columbo hat das gerade auf verblüffende Weise bewiesen. Sie haben kein Recht, mich so zu behandeln.“
Columbo aber musste Margaret eines Besseren belehren:
„Gnädige Frau, Sie waren die Einzige, die wusste, dass Mister Butler zum Zeitpunkt seiner Ermordung hier sein würde. Sie müssen also Mister Allen hergeschickt haben, um Ihren Mann zu töten.“
Sergeant Ann Jenkins rief die Beamten herbei, damit sie das Paar abführen konnten.
Columbo drehte die nun leere Golftasche um und klopfte den letzten Rest ihres Inhalts auf den Boden. Das abgebrochene Fragment der Pfeilfeder fiel heraus.
Columbo lächelte:
„Na sowas! Es war tatsächlich drin!“

ENDE
Columbologe
1. Polizeihauptkommissar
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