Die Faszination "Columbo" - meine Erklärung

Allgemeine Fragen zur Serie könnt ihr hier stellen, oder einfach nur plaudern.

Die Faszination "Columbo" - meine Erklärung

Beitragvon Red Shadow » Mo, 19.03.2007 21:20


Eine Art Gesamtbesprechung meinerseits. Die Erklärung, weshalb ich diese Serie liebe. Lest selbst, ich hoffe, dass ich den Kern halbwegs treffe.

"Columbo" ist Kult, zeitlos, ein Inspektor, eine Legende, italienischen Ursprungs, ein Genie - ja, und als Serie oder Filmreihe ein großer Konventionsbruch! Wie kann ein Krimi funktionieren, wenn man den Täter im Vorfeld kennt?? Die Antwort: Columbo! Es dreht sich alles um den Protagonist, der Peter Falk unsterblich macht. "Columbo" ist anders - erfrischend anders!

Der Betrachter hat immer einen Wissensvorsprung, der Täter bzw. die Tat wird im ersten Teil des Krimis beleuchtet. Ein Ereignis führt zum Desaster bzw. zum nahezu perfekten Mord. Nachdem die Tat vollzogen ist, schlägt die Stunde des Inspektors. Dabei tritt der erste Protagonist schon in Erscheinung - Columbos Wagen - ein uralter Peugeot, der zwischen den Kategorien Oldtimer und Schrottauto steht. Hat der Inspektor erst einmal Kaffee intus, kann die Arbeit beginnen.
"Columbo" ist eine Marke, eine Norm - aber trotz wiederkehrender Schemata unheimlich vielschichtig. Weicht eine Folge vom üblichen Schema ab, ist sie in der Regel… na ja, eben kein Original. Die Spannung lebt von der Ermittlungsarbeit und vielen, liebenswürdigen, augenscheinlich unwichtigen Details rund um den tollpatschigen Detektiv. Seine Kleidung, sein Auto, seine Zigarren, seine Frau, sein Hund, sein Chili, sein Kaffee!

"Ach ja, da fällt mir noch was ein!"

Oh ja, wie sehr liebe ich die ständigen, nervenden Nachfragen, wenn Columbo nach wenigen Minuten bereits eine intuitive Ahnung hat und das direkte Duell mit dem Täter sucht. So dumm und doch so clever! Columbo ist ein Widerspruch. Der Inspektor wirkt wie ein Bündel alter Zeitungen - vielseitig, altmodisch, verbraucht und inhaltsreich. Andererseits ist der Ermittler ein zeitloses Kultobjekt, eine generationsübergreifende Faszination.
Er spielt den Naivling, fragt den Verdächtigen ein Loch in den Bauch und gibt ihnen Sicherheit - trügerische Sicherheit! Falk alias Inspektor Columbo ist Sympathieträger, ein Mensch mit Ecken und Kanten.

Die Ermittlungen sind trotz der Vorkenntnisse erstaunlicherweise spannender als ein gewöhnlicher Krimi. Das Duell Columbo vs. Mörder ist ein psychologisches Spiel um die Wahrheit.

"Wenn jemand Gewohnheiten ändert, werde ich hellhörig!"

Aufmerksamkeit, naive Nachfragen, Notizen und der Faktor X - Columbos Gedanken - führen zum Erfolg. Der Inspektor ist ein Mann der alten Schule, altbewährtes zählt mehr als modernes. Er achtet akribisch auf die kleinen Hinweise, die man als Betrachter, trotz des visualisierten Wissensvorsprungs zu Beginn, nicht im Ansatz so sinnvoll zusammenfügen kann wie der Meister höchstpersönlich. Gewalt erlebt man nur beim Mord selbst - Columbo meidet Schusswaffen wie der Teufel das Weihwasser.

"Meine Frau ist ein großer Fan von ihnen!"

Der Spaßfaktor ist neben der Ernsthaftigkeit bei den Fällen enorm hoch. Es sind viele Kleinigkeiten, die im Laufe der Zeit den typischen Humor auszeichnen. Beispielsweise gibt es wohl keine eigentlich unbekannte Person, die präsenter ist als Mrs. Columbo. Man bekommt sie nie zu Gesicht, aber der Inspektor gliedert seine Gattin immer wieder in die Ermittlungsarbeit ein. Meistens ist sie ein großer Bewunderer der Täter, die des Öfteren aus dem Fernsehen bekannte Persönlichkeiten sind. Was ist erfunden und was ist wahr!? Man weiß es nicht! Das sind die kleinen Geheimnisse, die Columbo einerseits noch menschlicher erscheinen lassen und andererseits seine mysteriöse Aura verstärken. Wie auch immer, der Platz für Spekulationen ist für unzählige Fans gegeben.

Wer bei dieser Kritik nach Abwechslung bei der Namensgebung sucht, stößt auf ein weiteres Mysterium. Columbo ist das zentrale Wort - die Kritik gibt verhältnismäßig nur ansatzweise wieder, wie oft der Name in einer Folge genannt wird. Der Inspektor ist eben Inspektor oder Columbo. Niemand kennt seinen Vornamen. Die Fangemeinde spekuliert, in einer Folge mögen manche auf dem Dienstausweis den Namen "Frank" erkennen - Klarheit gibt es letztendlich nicht und das ist auch gut so. Passend dazu heißt Columbos Hund, ein Bassett, einfach nur Hund - einen anderen Namen hat er laut Columbo nicht angenommen. Er hat eben den gleichen Anspruch wie sein Herrchen.

Ein Name steht aber letztendlich doch für Columbo, nämlich Peter Falk.
Peter Falk ist Columbo - Punkt! Man hat in der Tat den Eindruck, dass Falk im beigen Mantel geboren wurde. Seine Leistung über Jahrzehnte kann man nicht angemessen in Worte fassen- unfassbare Schauspielkunst.

"Eine Sache kann ich mir einfach nicht erklären!"

Ja, "Columbo" ist schwer zu erklären. Der zeitlose Krimizauber ist ein Produkt jahrzehntelanger Einzelepisoden, die im Zusammenhang ein eigenes Universum bilden. Man muss es sehen und sich einfach unterhalten lassen. Klar, man hat Lieblingsfolgen, Episoden sind qualitativ unterschiedlich, aber diese Kritik ist vielmehr eine Umschreibung der fesselnden Faszination, die nichts anderes als eine Höchstnote verdient hat.
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Mein Kompliment an red shadow:

Beitragvon WalterJörgLangbein » Do, 22.03.2007 11:40


red shadow, Deine ausführlichen Gedanken habe ich mit großem Genuss gelesen und möchte Dir mein Kompliment aussprechen. Du hast sehr gut formuliert, wichtige Gedanken auf den Punkt gebracht. Ich denke in vielem ganz so wie Du.

Es ist nicht die einzelne besonders gute Episode, die meiner Ansicht nach (unserer Ansicht nach!) Columbo zu Columbo macht. Es sind alle Episoden zusammen, die im Verlauf der Jahrzehnte so etwas wie ein Gesamtkunstwerk entstehen ließen. In der Tat: Nach und nach entstand ein Columbo-Universum, rund um den großen kleinen Inspektor.

Und wenn wir wieder einmal mit dem Inspektor unterwegs sind, um Verbrecher zu überführen.... entdecken wir nicht in Columbo Eigenschaften und Fähigkeiten, die wir selbst im Ansatz haben oder die wir gern hätten. Ist nicht Columbo einer von uns, die wir alle nicht zur Schicht der hyperreichen Rücksichtslosen gehören, die über Leichen gehen, wenn es ihnen zweckdienlich erscheint?

Columbo, der kleine, unscheinbare Mann im schäbigen Mantel, ist scheinbar ein machtloser Underdog. Ihm fehlen Geld und Einfluss. Doch mit Ausdauer und Fleiß überführt er selbst mächtigste Übeltäter, denen dann all ihr Geld und ihr Reichtum nichts mehr nützt.

Columbo ist für mich auch so eine Art Verkörperung der Gerechtigkeit und des Anstandes. Wenn manche mächtige Mörder meinen, sie könnten sich alles erlauben, dann irren sie: Columbo überführt sie doch. So steht Columbo in einer Welt der Intrigen und der Machtspiele der Reichen und Einflussreichen für die Hoffnung, dass das Gute doch noch siegt.

Columbo ist der "Kleine", der keinen falschen Respekt vor "Großen" hat. Er erledigt seine Arbeit mit Ausdauer und Gewissenhaftigkeit. Wenn es sein muss überwindet er Flugangst und Höhenangst, um an sein Ziel zu kommen.

Bewundern wir - auch - diese Fähigkeit Columbos, mit Ausdauer scheinbar Unerreichbares zu erreichen?

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Re: Mein Kompliment an red shadow:

Beitragvon Red Shadow » Do, 22.03.2007 13:52


WalterJörgLangbein hat geschrieben:red shadow, Deine ausführlichen Gedanken habe ich mit großem Genuss gelesen und möchte Dir mein Kompliment aussprechen. Du hast sehr gut formuliert, wichtige Gedanken auf den Punkt gebracht. Ich denke in vielem ganz so wie Du.


Walter


Vielen Dank, das freut mich :D. Das Kompliment gebe ich gleich zurück, deine Zusammenfassung bzw. Erklärung ist genauso treffend wie sprachlich ansprechend.
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Danke retour

Beitragvon WalterJörgLangbein » Do, 22.03.2007 20:01


Guten Abend, red shadow, ein herzliches Dankeschön zurück. Deine Gedanken haben mich zu meiner Antwort angeregt. Wir sind hier Columbo-Fans, als Columbo-Fans sind wir hier "unter uns".... Wo, wenn nicht hier, kann man sich - zum Beispiel - darüber austauschen, warum wir Columbo so schätzen.

Für mich ist Columbo ein fester Bestandteil meines Lebens, und das seit sehr vielen Jahren. Wenn ich meine, etwas Gutes geleistet und eine "Belohnung" verdient zu haben.... wenn ich nach stressiger Arbeit eine wirklich erholsame Pause brauche.... wenn ich mal deprimiert bin und auf andere Gedanken kommen möchte... dann lege ich eine Columbo-DVD ein.

Columbo hat seit langer Zeit mein Leben sehr bereichert - und dafür bin ich Peter Falk sehr, sehr dankbar.

Und ich schätze mich glücklich, dass ich das hier auf unserer Columbo-Seite zum Ausdruck bringen darf.

Daher mein Dank auch an die tüchgtigen "Macher" dieser Seite. Ihr leistet Großartiges!

Recht herzlich

Walter
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Beitragvon IColumbo » Fr, 23.03.2007 00:23


Daher mein Dank auch an die tüchgtigen "Macher" dieser Seite. Ihr leistet Großartiges!


Für dieses Lob möchte ich mich dann auch bedanken :D Und es auch gleich an euch, den fleißigen Stammusern, zurückgeben. Denn Inhaltlich beteilige ich mich ja nur in sehr seltenen Fällen mal am Forum :oops: Ohne euch wärs also nur ein phpBB Bord in braun... mit paar Columbo Bildern :-))

Gruß
Christian
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Beitragvon xxxl-Columbo-Fan » Fr, 23.03.2007 17:23


Die Columbo-Faszination: Diese Serie ist einfach perfekt, man kann sich die Folgen hundertmal anschauen, ohne das sie langweilig werden. Auch ist immer faszinierend, das es diese Serie schafft, nur durch Dialoge eine solche Spannung aufzubauen, das ich des öfteren an mienen Fingernägel kaue-beim schauen. Das schaffen sonst nur echte Reiß0er wie "Die Hard". Dann natührlich die Schauspieler, wie Jack Cassidy, die diese Serie einfach geprägt haben, UND SELBSTVERSTÄBNDLICH Peter Falk, besser könnte diese Rolle einfach niemand in diesem Universum verkörppern, und alle Macken, die Columbo hat, lernt man zu lieben, die Mörder lernt man zu mögen-die einen mehr, die anderen weniger. Und es macht einem unheimlich stolz, große Teile mittlerweile der Serie auf DVD zu besitzen, aber e macht einen wütend, wie grausam Universal z.T diese perfekte Serie verwurstet. Ich könnte jetzt noch ewig so weiterschwäremen, denn Columbo muss man einfach mögen!!! :D

Danke, das es diese Seite hier gibt, ohne ihr wäre das Internet ein ganzes Stück langweiliger!
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Beitragvon Venus » Mi, 03.09.2008 19:17


xxxl-Columbo-Fan hat geschrieben:Die Columbo-Faszination: Diese Serie ist einfach perfekt, man kann sich die Folgen hundertmal anschauen, ohne das sie langweilig werden.

Danke, das es diese Seite hier gibt, ohne ihr wäre das Internet ein ganzes Stück langweiliger!


Das sehe ich genauso. Die Serie ist einfach perfekt, ich könnte tagelang nur Columbo gucken und wäre kein Stück gelangweilt. Wann kann man das schon von Filmen, die im Fernsehen laufen sagen, dass man sie auf und ab gucken kann?
Venus
 

Genau!

Beitragvon WalterJörgLangbein » Mi, 03.09.2008 19:42


Genau! "Columbo" ist eben keine Massenware, die im Eiltempo produziert wird. Mag es auch Unterschiede zwischen den einzelnen Folgen geben, so sind meiner Meinung nach alle Episoden geradezu liebevoll gemacht. Alle Schauspieler sind gut gewählt, auch kleine Nebenrollen sind gut besetzt... Es stimmt eben auch der "Kleinkram". Ja, man kann die einzelnen Episoden immer und immer wieder sehen, und immer wieder entdeckt man Neues.

Keine Frage: Columbo ist einzigartig, für mich mit Abstand die beste Krimi-Serie überhaupt, die es gibt!

Walter
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Beitragvon Gordo » Mi, 03.09.2008 22:12


columbo ist das gewisse etwas
ohne ihn kann es nicht sein
"Wissen Sie, in gewisser Weise haben wir ähnliche Berufe. Ich trage eine Uniform, Sie tragen eine... spezielle Uniform, möchte ich's mal nennen."

"Colonel Lyle C. Rumford" zu "Inspektor Columbo"
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Beitragvon FlyingPelican » Fr, 05.09.2008 03:34


Ich finde Columbo irgendwie so natürlich und sympathisch. Er macht meistens nur das, was ihm Spaß macht, was er gerne macht. Deshalb hat er ja auch sein größtes Hobby zu seinem Beruf gemacht. Außerdem ist er nett, hilfsbereit und tollpatschig. Also ich könnte mir auch keine Verbesserung an seiner Rolle vorstellen. Das paßt ideal.
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