Mein letzter Film/Serienepisode

Könnt ihr euch für die Welt des Films genauso begeistern, wie für Columbo? Wenn ja seit ihr hier genau richtig.

Moderator: Stefanie.Columbo

Re: Mein letzter Film/Serienepisode

Beitragvon columbo90 » Mi, 23.11.2016 21:25


Also ich finde,dass viele der heutigen,bekannte Filme sehr künstlich und von der Atmosphäre her unecht wirken.
Es gibt sicherlich Ausnahmen,die nicht so bekannt sind,aber mich begeistern die neuen Filme gar nicht mehr.

Columbo,Bud Spencer und asiatische Kampffilme in den 70ern/80ern waren noch was anderes.Auch noch eventuell ältere Horrorfilme.Allgemein ältere Filme.Bei diesen hat die Atmosphäre gestimmt,sie kamen echt rüber.Es gab nicht diese vielen unrealen Effekte und allgemein hat man es anders rüber gebracht.

Das ist ein bisschen so,wie wenn man Columbo mit CSI XY vergleicht.Ich glaube damit verstehen,die meisten,was ich meine.

Ich glaube aber,das ist bei allen Sachen so.Früher waren viele Genres und Arten von Filmen noch neu und was besonderes.Das man von Außerirdischen angegriffen wird und es einen Riesen Knall gibt mit großen Effekten,es einem erstmal so vorkommt,dass man verliert und am Ende dann doch noch alles gut wird,hat man schon tausend mal gesehen,nur einmal unter dem Namen Star Wars und einmal unter Independence Day und noch zig andere.

Bei Musik ist es doch ähnlich:jeder kennt die ersten,bekannten Pop und Rock Songs.Selbst Songs,die nur auf Platz 30 der Charts waren damals,kennen fast alle.

Aber wer kennt noch die Nr.1 Hits vom letzten Jahr?Vielleicht noch 1-2 Jahre lang kennen einige die,aber nicht doch mehr nach 10-20-30 oder 50 Jahren!?Ich kann Euch nur empfehlen,wenn ihr das nächste mal ein bekanntes Lied von früher hört,guckt man nach,auf welchen Platz das in den Charts war und ihr werdet staunen,dass viele damals nicht mal so krass erfolgreich waren.Und fast jeder hat sie schon einmal gehört.Und dann die von diesem Jahr:ob ihr die noch in 5 Jahren kennt?So ähnlich ist es bei Filmen auch.
columbo90
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Re: Mein letzter Film/Serienepisode

Beitragvon martha » Mo, 05.12.2016 23:59


Ich habe mir jetzt mal den Film Florence Foster Jenkins angesehen.
Es geht darin um diese doch sehr eigenwillige ältere Dame, die eine unglaubliche Liebe zur Oper entwickelt hat, sich zum Leidwesen des Gehörgangs aber auch berufen sieht, selbst zu singen, obwohl sie stimmlich extrem talentfrei ist.
Das wäre nun nicht so schlimm, wenn es im stillen Kämmerlein stattfände, aber die doch recht betuchte Mrs.Jenkins macht auf dem Höhepunkt ihrer "Karriere" dann einen Auftritt in der legendären New Yorker Carnegie-Hall klar, der in einem Fiasko endet, von dem sie sich dann auch nicht mehr erholt.
Es ist ein gigantisches und irgendwie auch kaum zu glaubendes Maß an Selbstüberschätzung, das hier präsentiert wird.
Schuld daran ist sicher auch ihr Umfeld, insbesondere ihr zweiter Gatte, der sie nach Kräften unterstützt und seine Ehefrau auch stets im Glauben lässt, dass sie eine begnadete Sängerin wäre. Er versucht auch die Presse zu bestechen, indem er in die Einladungskarten für Konzerte Geldscheine steckt.
Nur ein Reporter der New York Post lässt sich nicht beirren und schreibt nach dem Carnegie-Konzert einen gnadenlosen Verriss, an dem Florence zerbricht.
So wird es im Film dargestellt. Ob es sich genauso abgespielt hat ist nicht überliefert, aber ändert auch nichts am Grundgehalt der Story.
Florence Foster Jenkins wird gespielt von Meryl Streep, die ja schon bei Maggi Thatcher gezeigt hat, wie man tüddelige ältere Damen verkörpert.
Als Zuschauer wartet man dann natürlich auf die erste Szene, wo Florence am Klavier steht und eine Kostprobe ihrer Sangeskunst in den Raum streut.
Und es bleibt nicht aus: man kriegt sich vor lachen nicht mehr ein. Die Stimme ist schief, ist schräg, ist falsch...
Man weiß, dass es keine Comedy ist, kann aber nicht umhin, es als solche zu enttarnen.
Und mit der Zeit fragt man sich immer mehr, wie sich soviel Dilettantismus schadlos halten kann und sogar vermarktet wird.
Selbst wenn man eine gute Portion Heuchelei und Wohlwollen des Publikums, das diesen Arien lauschte, unterstellt, wirkt es einfach bizzar, dem Anspruch des Guten, Schönen, Wahren so wenig gerecht zu werden.
Der Gatte von Mrs. Jenkins wird gespielt von Hugh Grant, der ja meist immer so eine festgelegte Grimasse draufhat, um seinem ungläubigen Dackelblick Ausdruck zu verleihen.
Aber hier sind seine Gesichtsverrenkungen wirklich passend. Er darf ja sein Entsetzen nicht offen zur Schau tragen, sondern immer gute Miene zum bösen Spiel machen.. Aber in Nuancen lässt er dann doch mitunter Spuren von Ernüchterung über die Darbietungen durchblicken.
Wenn Florence Foster Jenkins am Ende dann aber auf dem Sterbebett liegt und doch etwas reuevoll sagt:"Man kann vielleicht sagen, dass ich nicht die beste Sängerin war, aber man kann nicht sagen, dass ich nicht gesungen hätte", dann wird es doch auf sehr ehrliche Weise tragisch und man braucht sich als Zuschauer auch nicht schämen, hier 'ne Träne zu verdrücken.
Ein sehr seltsames Leben, aus dem man nicht so hundertprozentig schlau wird.
Ganz toll gespielt und in Szene gesetzt.
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
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Re: Mein letzter Film/Serienepisode

Beitragvon Doc Brown » Mi, 07.12.2016 21:55


Die moderne Form von Florence Foster Jenkins sind dann wohl diverse Castingkandidaten, die voller Selbstüberschätzung und ohne jegliche Selbstreflexion sich zu einem Casting anmelden und dann gnadenlos verrissen werden. Da lassen sich ja zahlreiche Videos im Netz finden.

Ich war am Dienstagabend im Kino - auch um dem Gladbacher Auftritt in Barcelona zu entgehen. Mein Film hatte jedoch nicht ganz so viele feine Zwischentöne, es ging eher grober zu: Ich habe mir Deepwater Horizon angesehen. Hierbei handelt es sich um eine Verfilmung des Unglücks auf der gleichnamigen Ölbohrplattform in 2010.

Es war ein typischer Ami-Film. Im Zentrum steht der Held, ein echtes Kerlchen - gespielt von Mark Wahlberg. Er ist derjenige, der schon zu Beginn des Films warnt, der fast die gesamte Truppe nach der Explosion im Alleingang rettet und natürlich als letztes von Bord geht. Auf der anderen Seite steht ein Mitarbeiter von bp, gespielt von John Malkovich. Kalt, arrogant, überheblich. Für den Profit umgeht er diverse Sicherheitsbestimmungen und hat so einen entscheidenden Anteil am Unglück. Der Zuschauer findet hier also eine klare Gut/Böse-Verteilung vor. Alles auch sehr plakativ, eine Zwischenabstufung ist nicht vorhanden.

Trotzdem hat der Film auch seine Stärken. Der Überlebenskampf nach der Explosion auf der Plattform ist schon spannend inszeniert. Das ist packend und mitreisend. Ich habe mich dabei erwischt, wie ich angespannt im Kinosessel saß. Im Kino wirken die Explosionen, die herum fliegenden Teile und das gigantische Entweichen von Öl noch viel intensiver als am heimischen Fernseher.

Elf Menschen haben es leider nicht geschafft. Deren Bilder und Namen wurden am Ende des Films gezeigt, untermalt von passender, leiser Musik. Sehr berührend.
Insgesamt ein lohnenswerter Kinogang.
Döp döp döp de de döp döp döp
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Re: Mein letzter Film/Serienepisode

Beitragvon martha » Di, 10.01.2017 23:21


Ich habe mir mal Mr.Bean als Maigret in der ARD angeguckt.
Das war ja tatsächlich ein ernstzunehmender Krimi und zwar von der düstersten Sorte.
Ich hatte aus der Kindheit noch Erinnerungen an Maigret. Das war schon sehr spröde und langatmig mit einem Darsteller, der noch nicht mal spürbare Ansätze von Vitalität offenbarte.
Rowan Atkinson treibt das jetzt auf die Spitze. Wenn ausgewiesene Komiker ernst sein wollen, dann geht das wohl einher mit ausgesprochener Gesichtsstarre, um erst gar nicht den Verdacht von spaßigem Mundzucken aufkommen zu lassen.
Ich glaube aber, dass Maigret wohl zwangsläufig irgendwie phlegmatisch und emotionslos agieren muss, um sich einer Pariser Atmosphäre anzupassen, die in Düsternis ertrinkt.
Im Vergleich zu "Sherlock" ist das auch sehr konventionell inszeniert, eher angelehnt an Suchets Poirot, der trotz seiner Arroganz aber doch etwas knuffiges hat und im Vergleich zum französischen Kommissar ein regelrechter Schwätzer ist.
Maigret redet wenig, und wenn er mal was sagt, ist es doch sehr zurückhaltend. Reden stört halt auch, wenn man lieber an der Pfeife zieht. Aber das ist mir dann doch 'ne Spur zu wortkarg.
Ich finde Atkinsons Versuch, das ernste Fach zu bedienen, durchaus legitim. Ich bin aber doch zu sehr mit Mr.Bean vertraut, um mich daran zu gewöhnen, dass er am Tatort nicht tollpatschig über die Leichen stolpert.
Wenn man diese Klippe aber überwunden hat, dann kann man ihn durchaus als ernstzunehmenden Ermittler wahrnehmen.
Sonderlich kombinationssicher und genial fand ich den Ermittler im Fall eines Serienmörders aber nicht. Da wird dann eine Polizistin als Lockvogel eingesetzt mit der Zusicherung, dass ihr nichts passieren wird, und dann wird sie vom Killer mit dem Messer fast abgestochen. Maigret zeigt da nur wenig Einfühlungsvermögen.
Seltsamer, in sich verschlossener Typ, der praktisch nichts von sich preisgibt.
So richtig warmgeworden bin ich mit ihm nicht.
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