Bewertet "Stirb für mich"

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2/5 passabel
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3/5 gut
3
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4/5 sehr gut
24
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5/5 überragend
13
30%
 
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Re: Bewertet "Stirb für mich"

Beitragvon Tiktaalik » Do, 02.08.2012 10:10


Ich habe eine Frage zu dieser Episode. Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen: Warum ruft Nelson Hayward nach dem Mord von seinem Haus aus die Polizei an? Den Todeszeitpunkt hat er durch die kaputte Uhr ja sowieso schon "festgelegt". Außerdem: Warum wird dieser Anruf nicht zurückverfolgt?
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Re: Bewertet "Stirb für mich"

Beitragvon martha » Do, 02.08.2012 17:47


Mit diesem Anruf bei der Polizei will Hayward sicher noch mal bekräftigen, dass der Anschlag eigentlich ihm gegolten hat.
Das ist ja auch der Hauptpunkt seiner Mordplanung.
Und zwei Trümpfe im Ärmel sind ohnehin besser als einer.

Dass der Anruf nicht zurückverfolgt werden konnte ist wohl der damaligen Zeit geschuldet.
In den 70ern war das vielleicht noch nicht möglich.
Kann ich aber nicht genau sagen.
Und wenn man festgestellt hätte, dass der Anruf aus Haywards Haus kam, wäre der Fall ja auch schon nach einer Viertelstunde geklärt gewesen.
Das hätte ich nun wirklich sehr bedauert, weil einem da viele schöne Dialoge zwischen Columbo und Hayward entgangen wären.
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
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Re: Bewertet "Stirb für mich"

Beitragvon Tiktaalik » Do, 02.08.2012 18:43


Vielen Dank für deine Antwort, martha. Die klingt sehr schlüssig.

In dieser Folge fällen besonders die vielen lustigen Szenen auf: Columbo bei der Polizeikontrolle, Columbo in der Werkstatt, etc. Auch die häufige Erwähnung von Mrs. Columbo bringt viele witzige Szenen mit sich. Insgesamt gibt es dafür 5 Punkte von mir.

Auch die Indizien sind sehr gut: Der kalte Motor, die kaputte Straßenlaterne, die zerbrochene Uhr, das fehlende Telefon, etc. Der Schlussbeweis ist zwar schlüssig und von Columbo clever eingefädelt, aber so ganz erschließt sich mir die Handlung des Täters nicht: Natürlich wurde er von Columbo stark in die Enge getrieben, aber so stark, dass er ein so großes Risiko eingehen muss, war es mMn nicht. Dazu würde mich interessieren, wie der vermeintliche Attentäter auf den Balkon gelangen und wieder verschwinden konnte. Ich frage mich auch, wozu er nach dem Mord die Polizei anruft. Du schreibst zwar oben in deinem Beitrag, dass er damit bekräftigen will, dass der Mord ihm gegolten hat. Andererseits geht er mit diesen Anruf viel unnötiges Risko ein.

Das Herzstück dieser Folge ist für mich eindeutig das Columbo-Mörder-Spiel. Der Inspector bindet den Mörder sehr intensiv in seine Ermittlungen ein. Deswegen gibt es zahlreiche phantastische Szenen zwischen den beiden. Die beste ist die in Haywards Büro. Ständig konfrontiert der Inspector den Mörder mit neuen Indizien, lässt diese dann von ihm widerlegen, um ihn hinterher erneut zu kontern, klasse!

Die Leistung von Jackie Cooper ist sehr gut. Er verkörpert glaubwürdig den erfolgsorientierten Politiker, der für seine Karriere auch vor einem Mord nicht zurückschreckt. Von den Nebendarstellern ragt nur Vito Scotti heraus.

Der Humor und das Columbo-Mörder-Spiel sind in dieser Folge überragend, Jackie Cooper spielt sehr gut, aber die Nebendarsteller können da nicht mithalten. Zudem ist das Ende etwas unglaubwürdig. Insgesamt erhält die Folge von mir 4/5 Punkte.
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Re: Bewertet "Stirb für mich"

Beitragvon martha » Do, 02.08.2012 19:03


Das ist ja auch eine dieser Folgen, die im heutigen Handy-Zeitalter nicht mehr geklappt hätte.
Denn einer der Clous der Episode ist ja, dass Columbo feststellt, dass es im näheren Umkreis des Tatorts kein Telefon gegeben hat.
Damit könnte man natürlich heute nicht mehr punkten, weil ja jeder ein Mobiltelefon besitzt.
Für Hayward dagegen entpuppt sich sein Anruf bei der Polizei letztlich als Rohrkrepierer, weil ein mutmaßlicher Mörder definitiv nicht nach dem Mord hätte anrufen können.
Kaum vorstellbar, dass es mal eine Zeit ohne Handys gab.
Aber ich liebe es, mich auch mal in die nicht komplett kommunikativ ausgerichtete Welt zurückzuversetzen. :)
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Re: Bewertet "Stirb für mich"

Beitragvon Tiktaalik » Do, 02.08.2012 19:12


martha hat geschrieben:Das ist ja auch eine dieser Folgen, die im heutigen Handy-Zeitalter nicht mehr geklappt hätte.
Denn einer der Clous der Episode ist ja, dass Columbo feststellt, dass es im näheren Umkreis des Tatorts kein Telefon gegeben hat.
Damit könnte man natürlich heute nicht mehr punkten, weil ja jeder ein Mobiltelefon besitzt.

Dass es zu dieser Zeit noch keine Handys gab, habe ich direkt verstanden. Aber daran, dass man auch die Telefonanrufe noch nicht zurückverfolgen konnte, hatte ich nicht gedacht. Nochmal danke an dich für diese Erklärung.
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Re: Bewertet "Stirb für mich"

Beitragvon MrGrady » Sa, 06.07.2013 12:01


Obwohl ich diese Episode schon mehrfach gesehen habe, bin ich bislang noch nicht dazu gekommen, eine Bewertung zu schreiben. Dabei zählte "Stirb für mich" früher schon zu meinen Lieblingsfolgen. Der Kontrast zwischen dem schusseligen und bescheidenen Inspektor auf der einen Seite und einem überheblichen und versnobten Blender auf der anderen Seite ist hier einfach perfekt ausgearbeitet. Natürlich wäre es schön gewesen, noch ein paar weitere Verhörszenen zu sehen und weniger Nebenschauplätze. Andererseits passt es aber ins Konzept der Folge, dass der Mörder kaum Zeit für Columbo hat, den er ja auch lange Zeit überhaupt nicht ernst nimmt. Unter dem Druck, dass der Inspektor ihm immer mehr auf die Schliche kommt, begeht Hayward schließlich den entscheidenden Fehler. Die Auflösung ist letztlich zwar nicht ganz so spektakulär wie in einigen anderen Folgen, aber ich fand sie dennoch eindeutig und schlüssig. Es lagen bereits so viele Indizien gegen Hayward vor, dass dieser schließlich kapituliert. Die Rahmenhandlung gefällt mir am Ende ohnehin besonders gut: Ein Politiker, der ständig über Kriminalitätsbekämpfung quatscht, wird unmittelbar nach seinem Wahlsieg wegen eines Mordes verhaftet - wirklich toll inszeniert.

Etwas schwächer finde ich die ersten Minuten der Folge. Das Motiv des Mordes wird nur angedeutet. Die Erpressung mit der Geliebten hätte es meines Erachtens nicht gebraucht (ich finde das etwas flach, aber ist vielleicht typisch für Politiker in den USA, die nach außen den perfekten Schein wahren müssen, um gewählt zu werden). Mir hätte es jedenfalls besser gefallen, wenn Hayward mit einer Leiche im Keller (z.B. einer Vergangenheit als kleinkrimineller Betrüger) erpresst worden wäre. Etwas schlampig erzählt ist zudem die Vorbereitung des Mords. Wie konnte Stone den Bewachern Haywards überhaupt entkommen? Und warum ist Hayward zuerst am Strandhaus? Wirklich nachvollziehbar ist beides nicht.

Die Episode ist mir schließlich noch eine lobende Erwähnung des wieder einmal kreativen und doppeldeutigen Originaltitels wert: "Candidate for Crime" trifft es meines Erachtens viel besser als "Stirb für mich" - aber das kennen wir ja schon :wink:

Unter dem Strich gebe ich 4 Punkte für eine überdurchschnittliche Folge mit tollen Hauptdarstellern.
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Re: Bewertet "Stirb für mich"

Beitragvon Tiktaalik » Sa, 17.05.2014 13:46


Ich habe diese Episode zwar schon bewertet, möchte sie aber ergänzen und korrigieren.
Tiktaalik hat geschrieben:Der Schlussbeweis ist zwar schlüssig und von Columbo clever eingefädelt, aber so ganz erschließt sich mir die Handlung des Täters nicht: Natürlich wurde er von Columbo stark in die Enge getrieben, aber so stark, dass er ein so großes Risiko eingehen muss, war es mMn nicht. Dazu würde mich interessieren, wie der vermeintliche Attentäter auf den Balkon gelangen und wieder verschwinden konnte.

Der Hauptgrund, warum ich damals dieser Episode die Höchstpunktzahl verweigert habe, war das etwas unglaubwürdige Ende. Nach mehrmaligem Ansehen bin ich der Überzeugung, dass die Autoren dieses Ende bewusst so geschrieben haben.

Der Sergeant verkündet -in Anwesenheit von Hayward -, dass niemand von nebenan auf den Balkon herübersteigen kann. Später sagt er: "Also, wer es auch war, er muss klein wie 'ne Fliege gewesen sein." Und er kann sich nicht erklären, wie hier jm. hingelangen konnte. Dass sich der Sergeant so deutlich äußert - und das mehrfach - zeigt, wie hanebüchen Haywards Plan ist. Daran, dass er ihn dennoch umsetzt, kann man seine enorme Verzweiflung erkennen, zu der ihn Columbo getrieben hat. Das auf den ersten Blick unglaubwürdige Ende ist daher mMn Absicht und soll die Verzweiflung des Mörders als Grund für seine Überführung sowie Columbos geniale Herangehensweise in den Mittelpunkt stellen.

Dazu ist das überragende CMS einzig und allein darauf ausgerichtet, Hayward massiv zu verunsichern, um den finalen Fehler zu erzwingen. Darauf bin ich aber bereits in einem anderen Thread ausführlich eingegangen (viewtopic.php?f=5&t=604&start=15).

Auch gefällt mir Haywards Charakterzeichnung ungemein. Er verkörpert perfekt den klischeehaften Politiker: Nach außen selbstsicher, gewieft und charmant, aber skrupellos, wenn es darum geht, an die Macht zu kommen. Er begeht einen Mord, hat lt. Harry Stone sogar noch weitere "Leichen" im Keller und ist ein Populist, der das für einen Politiker übliche falsche Spiel mit seinen Wählern treibt. Er sagt, er wolle die Kriminalität in seinem Staat bekämpfen, verstößt aber selber gegen Gesetze. Schön, wie Columbo den Mörder in gewisser Weise genauso behandelt wie er seine Wähler. Der Inspektor gibt sich dem Mörder gegenüber immer nett und freundlich, stellt aber stattdessen einige Fragen an ihn an seine Frau oder seine Geliebte und beweist so sein Misstrauen ihm gegenüber.

Ich korrigiere daher meine Bewertung von 4 auf 5 Punkte.
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Re: Bewertet "Stirb für mich"

Beitragvon OpenOcen » Do, 26.10.2017 10:59


Also ich schwanke hier zwischen 4 und 5 Punkten. Am Ende gebe ich eine knappe 5. Was mir zu kurz kommt war die Ermittlung nach dem Motiv? Fand gar nicht statt!? Ansonsten sehr viele Indizien, die aber leider am Schluss nicht mehr in Zusammenhang gebracht werden. Hätte es gut gefunden, wenn Columbo die Affäre noch am Schluss im Beisein der Ehefrau aufgedeckt hätte.

Auch ist mir aufgefallen dass Columbo den Mörder über ein Gespräch mit seiner Ehefrau im Garten sehr stark provoziert, da hätte ich in der nächsten Szene ein Gespräch zwischen Columbo und Mörder erwartet, wo es richtig zur Sache geht. Kam leider nicht.

Trotzdem wurde die Folge zu keiner Zeit langweilig, daher kann ich die 5 Punkte noch vertreten.
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Re: Bewertet "Stirb für mich"

Beitragvon smeagol » Di, 03.07.2018 11:27


Interessant, diese Folge habe ich möglicherweise tatsächlich nun zum ersten mal gesehen oder ich mag mich wirklich nicht mehr daran erinner. Tatsächlich scheint es eine Folge zu sein, die eher nicht so oft ausgestrahlt wird. Und das wirklich zu unrecht. Diese Folge finde ich richtig gut und hat einige Elemente, die mir sehr zusagen. Da ist mal das Indizien suchen und zusammenführen, alles gute Punkte die im Gesamten ein treffendes Bild gibt. Mit diesem zunehmenden Bild schafft es Columbo dann auch, den Täter je länger je mehr in die Enge zu treiben. Zum Täter: Dieser wird wunderbar gespielt. Man nimmt den Charakter des US Politikers voll ab mit seinen korrupten zügen. Es sind auch Kleinigkeiten. Etwa, dass er eine Geliebte pflegt, seine Frau für Pflichtauftritte (Wahlabgabe z.B.) trotzdem fassadenmässig mitspielt. All das kennen wir doch von dieser Garde. Als Toppolitiker lässt sich der Täter natürlich auch nicht so ins Boxhorn treiben. Auf die zahlreichen Fragen von Columbo bleibt er mehrheitlich ruhig und gibt auch immer mögliche Antworten, die dann aber von Columbo wiederum widerlegt werden. Columbo nutzt wieder mal geschickt die Eigenschaften des Täters aus. Als Politiker und Kandidat will er für alles eine Antwort geben, für jedes Geschehen eine Begründung liefern. Columbo lässt ihn in die Enge und zum Handeln treiben. Das wäre an sich für den Täter gar nicht nötig, aber Columbo weiss, dass er nochmals reagieren wird und lässt ihn seine Falle sowohl selbst stellen als auch in sie fallen. Als Columbo sagt, dass die Kugel bereits aus der Wand und analysiert sei, da ist dann selbst der Täter nur noch sprachlos. Natürlich ist dieser Sachverhalt an sich noch kein Beweis, aber dieses Handeln zu erklären dürfte selbst für einen Top Politiker kaum möglich sein. Die Auflösung gefällt mir entsprechend sehr gut.
Weiter gefällt mir das stetige Vorwärts gehen der Geschichte. Hier handelt es sich um einen Politiker in seinem Wahlprogramm und das ändert auch nicht. Für manche mag das etwas unaufgeregt sein, ich schätze aber gerade, dass wir hier keine grossen Wendungen, Überraschungen etc. erleben sondern einfach eine sich immer weiter zuspitzende fortlaufende Handlung bis zu ihrem Ende, das hat richtig Qualität.
All diese Sachen bewegen mich, hier die vollen 5 Punkte zu geben.
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