Bewertet: "Teuflische Intelligenz"

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1/5 schlecht
2
4%
2/5 passabel
14
30%
3/5 gut
21
46%
4/5 sehr gut
7
15%
5/5 überragend
2
4%
 
Abstimmungen insgesamt : 46

Bewertet: "Teuflische Intelligenz"

Beitragvon Howie Munson » Mi, 19.07.2006 17:51


Fehlte hier noch ;)

Hier mein Review:

Ein durchschnittlicher COLUMBO, der zu wenig aus seinen Möglichkeiten macht. Der Lt. bewegt sich in der Welt von Superhirnen und trotzdem kommt es kaum zu wirklich guten Szenen. Auch das Zusammenspiel zwischen Falk und José Ferrer ist wenig stimmig - wie die gesamte Besetzung ziemlich danaben ist (abgesehen vom Lt. natürlich!).

Der plot wirkt wie ein Best of der vorherigen Episoden und der Clou am Ende ist auch nicht sonderlich kreativ - so ist es ein kurzer, schnell wieder vergessener Beitrag zur Serie.

Sehr witzig aber Columbos Schritt Richtung Fortschritt: er hat sich ein Diktiergerät angeschafft, mit dem ihm auch gleich ein Malheur passiert...

Schön auch der Einfall, den Wunderknirps Steven Spelberg zu nennen - der berühmte Filmemacher hatte damals allerdings noch nicht den Status, den er heute hat, hatte aber bereits eine COLUMBO-Episode abgedreht (und das sehr erfolgreich!). Lächerlich hingegen wirkt der Roboter, der eher an Rückschritt denn Fortschritt erinnert.
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Beitragvon OnkelDonald » So, 17.06.2007 11:45


Ja, pfft, was soll man groß schreiben:

Ein absolut typischer Columbo.
Natürlich ist die Geschichte mit dem Roboter und diesem übermenschlichen Jungen total unrealistisch, aber was solls?
Es ist eine gelungene Unterhaltung mit einem routinierten Ende, Logikfehler etc. sind keine zu finden, also eine Durchschnitts-Episode, spärlich mit Humor gewürzt.
Meine Lieblingsstelle ist die, als Columbo Cahill erklärt, dass er nun ein Diktiergerät benutzt und dann die erste "Notiz" abspielen will.
Dummerweise hat er aber nicht zurückgespult und es kommt: "Böser Hund Böser Hund!"
--- nette Szene.

Von mir gibt es 3/5 Punkten.
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Beitragvon martha » Mi, 27.06.2007 23:19


"Er hat das Werk eines Genies gestohlen, nur für das Wohlwollen eines Tyrannen." :o :o
Mein lieber Scholli, man könnte meinen, Dr.Nicholson wäre Mime in einem Shakespeare-Drama, wenn er solche Sätze zum Besten gibt.
Ungewohnt hochtrabende Worte für einen Columbo-Krimi, aber wir befinden uns in der Folge "Teuflische Intelligenz" ja auch in einer "Denkfabrik".
Hauptsächlich werden hier aber nicht schöngeistige Sätze produziert, in erster Linie sind schlaue Menschen in blauen Kitteln damit beschäftigt, den 3.Weltkrieg zu simulieren.
Falls die Kriegsstrategen aber ebenso dilettantisch vorgehen wie Direktor Cahill beim Mord an Dr.Nicholson, kann man diesen "Denkern" bereits im Vorhinein attestieren, dass der Krieg unweigerlich verloren ist.

Das Mordmotiv ist griffig: Vater will seinen Sohn vor einer Schande bewahren, letztlich aber wohl nur, um seine eigene Ehre zu retten.
Im Grunde also Egoismus unter dem Deckmantel der Selbstlosigkeit.
Der Sohn ist ebenso labil wie unbeholfen, der Vater despotisch und entschlussfreudig. Die familiären Gene sind also bunt durcheinandergewürfelt.
Ich weiß allerdings nicht, woher Columbo die Information hat, dass der Vater seinen Sohn liebt. Diese Ermittlungsarbeit hat sich für mich nicht erschlossen, ist letztlich aber der Schlüssel für die Aufklärung des Falles.
Das beruht dann wohl doch eher auf Vermutungen als auf Fakten. Columbo als Hellseher??? Das bedeutet für mich immer Punktabzug.

Nun gut, der Mörder muss wieder mal schnell handeln, hinterlässt bei seiner Tat aber mehr Spuren als ein Karnickel im Schnee: Fußspuren an der Tür, zerbrochene Pfeife, Gläser, zählbare Kilometer mit dem Auto und beim Vertuschen des Tathergangs packt ihn sogar noch die Sucht. Er pafft sich genüsslich 'ne Kuba-Stange, und lässt das Streichholz als Ausstellungsstück liegen. Wie peinlich!!! Der Mann muss vor lauter Intelligenz wohl das Denken verlernt haben.
Für Columbo ist der Tatort natürlich eine Goldgrube: Das Indiz mit dem Heroin, das nur durch eine chemische Formel beschriftet ist und somit einen Junkie als Täter ausschließt, gefällt mir dabei am Besten.
Auch dass ein Kleinwüchsiger wegen der Höhe der Fußspur an der Tür nicht in Frage kommt, leuchtet ein. Das ist Columbo pur!

Der Mörder hingegen bleibt auffallend blass. Jose Ferrer spielt sein Programm recht brav und unspektakulär runter. Keine Eigenarten, spärlich in der Mimik.
Wenn er seinen Kittel anhat, wirkt er wie ein Apotheker, der gerade ein wenig Valium genascht hat.
Kein Vergleich zu der exaltierten Intelligenzbestie in "Todessymphonie".

Der Junge spielt dagegen gut.
Kinder in Columbo-Filmen sind ja ein Kapitel für sich. Ich hab meinen Unmut darüber schon des öfteren ausgelassen und will das hier nicht wiederholen.
Steve hingegen ist für mich ein belebendes Element. Ein Kind, das seine Intelligenz "sowohl als Gabe, aber auch als Fluch" versteht, um es mal mit den Worten von "Monk" auszudrücken.
"Ich war zu schlau, um Polizist zu werden." Das muss Columbo erstmal schlucken.

Reizvoll an dieser Folge finde ich auch noch, dass sie ein gewisses Flair hat. Sie atmet nicht die Hektik der Großstadt Los Angeles, sondern wirkt irgendwie gediegen.
Natürlich besitzt sie nicht die atmosphärische Dichte von "Des Teufels Corporal" oder "Wein ist dicker als Blut", aber trotzdem wird eine gewisse Abgeschiedenheit des Handlungsortes durchgängig spürbar.

Obwohl die Aufklärung auch für mich recht enttäuschend ist, und der Mörder samt Tat mich zu keiner Phase zu fesseln vermag, halte ich 3 Punkte für diese Episode durchaus für angebracht.
:) :twisted: :)
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Beitragvon Hollister » Fr, 29.06.2007 20:11


3 Punkte.

Ein typische Durchschnittsfolge, die pflichtbewusst die typischen Columbo-Elemente abspult, ohne jedoch wirklich Neues und Erfrischendes zu präsentieren. Löbliche Ausnahme, die Überführung des Sohnes, um den Vater zum Geständnis zu zwingen. Wie jedoch von martha schon erwähnt, erschliesst sich aus den Ermittlungen die tiefe Liebe zwischen Vater und Sohn nicht unbedingt. Ich denke, hier hat Pokerface Columbo gekonnt geblufft, ohne zu wissen, ob der Vater schliesslich gestehen wird.

Zu den Schauspielern: José Ferrer spielt seinen Part solid, hat aber auch bei mir schon beim ersten Ansehen den Einblick "des langjährigen Apothekers von nebenan" vermittelt. Musste direkt schmunzeln, als ich die Bewertung von martha gelesen habe. Professor Nicholson wird genau so dargestellt wie ich mir einen Professor schon immer vorgestellt habe. Schade, dass er so früh den Löffel (und die Pfeiffe) abgeben muss, dieser gemütliche, pflichtbewusste und schlaue Kopf, hätte der Folge sicher länger gut getan. Aber irgendwer muss halt in den sauren Apfel beissen.

Der Mord ist für einen Mann wie Cahill sicher sehr schlampig. Lässt das Streichholz liegen, wo es doch einen so schönen Topf mit Salpeter- oder sonst einer Säure in der Nähe hat. Ausserdem steht für mich das Rauchen einer Zigarre stets mit Genuss und der davor benötigten Zeit in Zusammenhang und nicht mit der Hektik nach einem Mord. Auch die Mordmethode "Gaspedal runter und Augen zu und durch" ist weder sicher noch sonderlich originell.

Dass die Folge in der heutigen Zeit antiquierter als andere Folgen älteren Datums daherkommt, hängt natürlich mit der schnelllebigen Computerwelt zusammen. Wobei zu sagen ist, dass der Roboter schon relativ lachhaft ist. A propos lachen, "Hund" und das Diktiergerät vermögen in dieser Beziehung zu überzeugen.

Alles in allem also ein Drehbuch, das gewisse Sachen recycliert andere Sachen leicht abändert, aus dem aber kriminalistisch sicher etwas wenig aus dem Potential herausgekitzelt wird; aber wie gesagt, dies taugt immer noch für gut bürgerliche Columbo-Unterhaltung.
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Beitragvon Klaus » Di, 02.10.2007 22:35


Eine eher unspektakuläre Folge mit einem noch unspektakuläreren Mord und einem Mörder, der seinen Part doch ziemlich leidenschaftslos herunterkurbelt und immer nur dann zur Höchstform aufläuft, wenn Columbo seinem heißgeliebten Söhnchen zu nahe kommt. Aber vielleicht spielt er die Rolle des unfehlbaren Superhirns auch nur derart perfekt, dass ein im Vergleich dazu eher unterentwickeltes Hirn wie meines das wahre Ausmaß seiner Handlungen gar nicht erst zu überblicken vermag... ?-/

Da die Überführung des Mörders mit Columbos Pseudofestnahme des Sohnes sowie der Sache mit dem Streichholz auch nicht gerade zu den Auflösungskrachern der Filmreihe zählt, bleiben für mich aus dieser Folge eigentlich nur zwei Highlights erwähnenswert: die attraktive Mrs. Nicholson :lol: und der Nachfahre von "Robby", dem Roboter aus dem SF-Klassiker "Alarm im Weltall", obwohl dieser im Vergleich zu seinem Vorfahren erstaunlicherweise NICHT der akustischen Sprache mächtig ist. Dagegen war der kleine Intelligenzbolzen und Super-Programmierer hier völlig fehl am Platze und hätte mit seinen exorbitanten Fähigkeiten besser in eine Spielshow wie "Wetten dass...?" gepasst... :pc:

Ansonsten haben meine geschätzten Vorredner wieder alles wesentliche zu dieser Episode ausgeführt. Von mir gibts nur 2/5 Punkten.

Gruß
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Beitragvon Santini » So, 23.12.2007 18:03


Auch hier muss ich festellen, dass der Titel der Folge mehr verspricht als es in Wirklichkeit zu sein scheint.Als ich Teuflische Intelligenz zum ersten mal sah , dachte ich sofort an die Folge Todessymphonie.Leider wurde ich was den Mord und die Ermittlungsarbeit angeht mittelschwer enttäuscht.Schlampigkeiten bei der Ausführung der Tat (Schleifpur an der Tür , das Streichholz und das fehlende Heroin).Zum Schmunzel regte sie dennoch durch den Roboter an, der Hund gassi führte.:arrow: Insgesamt eine durchschnittliche 3 hierfür.
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Beitragvon Klaus » Mo, 05.05.2008 17:26


Ich hab mir diese Folge gestern abend auf Super RTL nochmal angetan, aber wirklich besser ist sie dadurch auch nicht geworden... :?

José Ferrer war zweifellos ein großartiger Schauspieler, als Mörder in der Columbo-Reihe aber genauso deplatziert wie es umgekehrt Pastell-Bösewicht Ross Martin als Priester in einem Beichtstuhl gewesen wäre. Dafür sind ihm als Intelligenzbolzen speziell nach dem Mord einfach zu viele "Bolzen" passiert, auf die bei früheren Bewertungen schon hingewiesen wurde. Vielleicht hätte Cahill die Ausführung des Mordes besser gleich seinem Roboter mit entsprechender Programmierung überlassen sollen, der ihn ja auch schon für sein Alibi so glänzend vertreten hatte. Den hätte Columbo jedenfalls nicht so ohne weiteres verhaften können... :wink:

Letztendlich bin ich gestern abend im Verlauf der Folge sogar eingeschlafen, was allerdings auch an dem nicht zu toppenden Schlafzimmerblick von Cahill Jr. Robert Walker gelegen haben könnte. Apropos Cahills Sohn...

martha hat geschrieben:Ich weiß allerdings nicht, woher Columbo die Information hat, dass der Vater seinen Sohn liebt.


Aber lieber Carsten, ich bitte dich, sowas braucht Columbo doch nicht zu ermitteln, das dürfte eigentlich das Natürlichste auf der Welt sein (also zumindest ICH liebe meinen Sohn auch). Trotzdem nix für ungut. :wink:

Gruß
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Beitragvon martha » Mo, 12.05.2008 20:41


Klaus hat geschrieben:

martha hat geschrieben:Ich weiß allerdings nicht, woher Columbo die Information hat, dass der Vater seinen Sohn liebt.


Aber lieber Carsten, ich bitte dich, sowas braucht Columbo doch nicht zu ermitteln, das dürfte eigentlich das Natürlichste auf der Welt sein


Danke für die Info!
Das wusste ich nicht. :wink:

Ich hab wohl früher zu oft "Jenseits von Eden" geguckt, wo dieser Cal immer so herrlich verzweifelt um die Liebe seines Vaters kämpfte.
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Beitragvon dille » Mo, 20.10.2008 15:11


Einen großen Vorteil hat die Folge: Sie kommt sehr schnell zur Sache. Das (sehr originelle) Motiv liegt auf der Hand und ist ergo nachvollziehbar, und auch die Daseinsberechtigung für die tatsächliche Ausführung der Tat erfährt durch die Beharrlichkeit des Opfers ihre Legitimation. Dann jedoch verlässt die Folge gut und böse, und zwar gänzlich: Den Zusammenprall mit einem Auto als Körperverletzung mit Todesfolge zu kaschieren, ist mir noch nie zu hören, zu sehen und schon gar nicht in den Verstand gekommen. Bei den Standards der Kriminalistik, wie es sie auch schon in den 70er gegeben hat, nahezu unverständlich, wie man nicht sofort sieht, dass die zahlreichen Brüche nicht von einem physischen Übergriff stammen können. Aber es geht munter weiter, denn die Folge spielt ja im Mittelalter, wo man von vernünftiger Spurensicherung noch nie etwas gehört hat: Da wären zunächst die Cognac-Gläser. Ob die nun da standen oder nicht, macht so, wie der Mörder sie arrangiert hat, gar nichts. Keine Lippenspuren, gar nichts, augenscheinlich völlig verwaiste Gläser, aus denen niemand trinken mag. Oder sollte der Inspektor meinen, Opfer und Täter haben einen Strohhalm benutzt? Übrigens, angesichts der Cognac-Gläser zunächst davon auszugehen, der Mörder sei ein Junkie, ist fast schon eine Frechheit. Desweiteren der gerichtete Wagen: Die Art der Reparatur erinnerte doch sehr an Smart-Repair, weswegen davon auszugehen ist, dass da keine Teile ausgetauscht wurden. Der Wagen war mit einer Plane abgedeckt und wurde folglich gespachtelt und beilackiert. Hätte man nun bei der Untersuchung der Leiche den Aufprall mit einem Auto für möglich gehalten, wäre es ein Leichtes, das potentielle Tatwerkzeug, nämlich den Institutswagen, dingfest zu machen, der ja nun rein zufällig an der Front einen neuen Unfallschaden hat. An dieser Stelle war dem Zuschauer die Sache bereits klar, nur dem Inspektor nicht, - ist selten bei Columbo, aber gibt's - was ein Todesurteil für jede Spannungkurve ist.
Auch der Mörder selber geht nun nicht gerade klug vor, auch wenn er promoviert und habilitiert zu haben scheint (oder waren es bei ihm auch Plagiate?). Poltert mit der Leiche über der Schulter in die Wohnung, stößt mit den Schuhen an die Wand (und merkt es nicht), wirbelt lustlos Gegenstände vom Tisch, um den Eindruck eines Einbruchs zu erwecken und vor allem: Gondelt seelenruhig mit verbeultem Wagen zum Institut und stellt ihn dort ab. Verbeulte Firmenwagen scheinen an der Tagesordnung, oder wie lässt sich sonst erklären, dass er scheinbar keine Angst hatte, dass der Wagen jemanden durch einen dummen Zufall auffällt? Zumal es sich beidem Wagen um einen schicken Sportwagen handelt, der mit Sicherheit aufällig war.
Dieser Columbo zählt zu den wenigen ihrer Art, die es schaffen, dass man als Zuschauer nach kurzer Zeit das Interesse verliert. Diesbezüglich stellt für mich das Auffinden der Schuhcreme einen ersten Faktor dar, die zerbrochene Pfeife einen zweiten (man ist schon zu schnell zu weit) und die 3 Meilen zu viel den entscheidenen (im Grunde ist das Tatwerkzeug da; man muss nur noch gucken, wer den Wagen gefahren hat).
Alles in allem eine enttäuschende Folge, die mir nach einiger Zeit keinen Spaß mehr macht.

2/5
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Beitragvon martha » Mo, 20.10.2008 20:18


Besonders aufgefallen ist mir gestern ein "Experte" :? von der Spurensicherung, der nicht gerade den Eindruck machte, dass er einen Beitrag leisten könnte, in halbwegs absehbarer Zeit ein Verbrechen aufzuklären.
Er pinselt mit kleiner Lupe und großer Lustlosigkeit am Türknauf rum, und liefert ein beachtliches Repertoire an konstruktiven Antworten. :o
In der Reihenfolge sind das "Nein", "Weiß ich nicht", "Hab keine Ahnung" und nochmals "Nein".
Die recht üppigen Schuhcreme-Streifen auf der Tür bemerkt er erst, nachdem ihn Columbo drauf hinweist. Fiel wohl nicht in seinen Zuständigkeitsbereich. Man kann ja auch nicht auf alles achten.
Vielleicht war es ja auch ein Kniff der Macher nach dem Motto:
Je lethargischer ein Mitarbeiter ist, umso verblüffender wirkt Columbos Beobachtungsgabe.
Weiß nicht. :?
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Beitragvon dille » Di, 21.10.2008 20:52


martha hat geschrieben:Besonders aufgefallen ist mir gestern ein "Experte" :? von der Spurensicherung, der... usw,. usw.


Vielleicht war auch nur noch nicht der Experte für Schuhcremeflecken vor Ort, und wer schnüffelt schon gerne in anderer Leute Kompetenzbereich herum? ;-) Nee, mal im Ernst, steht mit dem Rücken zu der wohl deutlichsten Spur der Columbo-Filmgeschichte und will es nicht bemerkt haben. Eigentlich hätte IHN das verdächtig machen müssen... Im Übrigen: Sonnenklar war den Skriptautoren die Simplizität und Durchschaubarkeit des Tatorts keineswegs, auch der Schuhcremefleck war wohl konzeptioniert als der Griff des Jahrhunderts, denn zur Entlarvung des Flecks als etwas, was da nicht hingehört, trug einzig und allein der Umstand bei, dass das Haus erst gerade blitzblank geputzt worden war und nicht etwa die Tatsache, dass ein schwarzes Etwas an der Wand des Hauses eines frisch zu Tode Gekommenen nicht per se Grund zur weiteren Recherche bieten müsste...
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Re: Bewertet: "Teuflische Intelligenz"

Beitragvon H-Scorpio » Do, 16.07.2009 18:12


Durchschnittlicher, aber solider Fall. Das Columbo-Mörder-Spiel kommt hier kaum in Gang, dennoch gehen Columbos Ermittlungen ganz gut voran, was aber auch durch die Art des Mordes begünstigt wird. Dieser ist nämlich nicht nur wenig einfallsreich, sondern auch ziemlich schlampig durchgeführt. Wenigstens wird uns diesmal der Grund dafür klar, warum Columbo Cahill überhaupt in Verdacht hat, wenn auch erst sehr spät.

Das Motiv gefällt mir, obwohl eigentlich fraglich wäre, ob Cahill die Tat wirklich nur aus Liebe zu seinem Sohn begangen hat. Allerdings ist diese Vaterliebe doch offenbar der Clou der ganzen Folge. Columbo baut schließlich seine Überführung darauf, ohne sich der Motive Cahills wirklich absolut sicher sein zu können. Es funktioniert, obwohl dabei nur ein Geständnis unter vier Augen rauskommt. Aber vielleicht ist es vielmehr die Kapitulation des Mörders gegenüber Columbo als die wirkliche Beweistauglichkeit, die den Abschluss jeder Folge ausmacht.

Ich gebe 3 Punkte für diese Folge ohne große Höhepunkte, aber auch ohne viele Schwächen und Langeweile.
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Re: Bewertet: "Teuflische Intelligenz"

Beitragvon columbo93 » Mo, 07.09.2009 18:59


bung:
Dr. Howard Nicholson, Wissenschaftler am kybernetischen Forschungsinstitut, fordert den Leiter dieser Anstalt, Dr. Marshall Cahill, zu einem Gespräch auf. Nicholson hat herausgefunden, dass Cahills Sohn Neil ein Plagiat begangen hat: Er hat wissenschaftliches Projekt, dass vor Jahren von einem inzwischen verstorbenen Wissenschaftler, Carl Finch, entwickelt wurde, als sein eigenes ausgegeben, da er inzwischen mit Hilfe moderner Computer die Richtigkeit der These überprüfen konnte, und soll dafür nun ausgezeichnet werden. Howard will nun, dass Neil sich vor der Preisverleihung zu seiner Tat bekennt, ansonsten klärt er den Betrug selbst auf. Er behauptet, dass Neil den Diebstahl nur begangen hat, um seinen Vater wohlwollend zu stimmen, der immer großen Druck auf den Jungen ausgeübt hat. Marshall will aber, dass Neil den Preis erhält und von dem Betrug nichts preisgibt. Für den Abend schickt Cahill nun Steve, ein 13jähriges Genie, welcher im Institut arbeitet, ins Kino. Außerdem besorgt er sich aus dem Car Pool den Schlüssel des Wagens seines Assistenten Ross. Am Abend eröffnet Cahill zunächst die neue Übungssimulation A18, in der hochrangige Soldaten und Wissenschaftler mit Hilfe von Computern eine Verteidigungssituation simulieren. Cahill gibt von einem gesonderten Raum aus dem Computer die Kommandos dafür. Für diesen Abend überträgt er jedoch diese Aufgabe an MM7, einen Roboter, der von Steve entwickelt wurde. Während die Simulation läuft, verabschiedet sich Margaret Nicholson von ihrem Mann, da sie eine Marathon-Gruppentherapie überwachen muss. Als sie gerade weg ist, hupt es und Howard geht raus, um nachzuschauen. Marshall überfährt ihn mit dem Auto. Dann trägt er die Leiche in die Wohnung und präpariert alles so, als ob ein Drogenabhängiger Nicholson überfallen hätte. Zurück bei der Übungssimulation übernimmt Marshall wieder das Kommando. Nach Beendigung der Simulation entdeckt Cahill an dem Unfallwagen eine Beule, die er aber mit einem selbst verursachten Unfall vertuschen kann. Als Columbo am nächsten Tag den Tatort besichtigt, entdeckt er viele Spuren, präparierte und richtige. So fehlt zum Beispiel Howards Pfeife. Columbo macht Bekanntschaft mit Dr. Cahill, den er gleich mit einigen verwirrenden Kleinigkeiten konfrontiert. Das Heroin wurde in der Garage aufbewahrt, wo Nicholson zuletzt von seiner Frau gesehen wurde, die Leiche wird aber in der Wohnung gefunden und zwei Gläser auf dem Tisch deuten an, dass Nicholson Besuch hatte. Außerdem entdeckt Columbo Schuhcreme an einer Tür. Auf der Suche nach der Pfeife wird Columbo vor dem Haus fündig: Sie ist völlig zerstört. Columbo trifft auf Murph, der gerade Ross Wagen repariert. Es stellt sich heraus, dass der Wagen 3 Meilen mehr auf dem Tacho hat als er eigentlich haben dürfte. Der Inspektor sucht Cahill auf und erklärt ihm, dass er vermutet, Nicholson sei von einem Wagen überfahren worden: Die Pfeife und auch der Zustand der Leiche deuten darauf hin. Aufgrund der Schuhcreme an der Tür vermutet Columbo, dass der Mörder die Leiche ins Haus getragen hat. Columbo will Ross sehen, doch als dieser erscheint, lässt ihn der Inspektor sofort wieder gehen. Columbo erklärt, Ross sei zu klein, um mit der Leiche die Schuhcreme in dieser Höhe hinterlassen zu haben und sucht nun nach einem größeren Täter aus dem Institut. Cahill legt Columbo sein Alibi vor und erzählt auch, wer noch alles ein Alibi hat. Kurz darauf macht Columbo Bekanntschaft mit Steve und seinem Roboter MM7. Dort sieht er, zu welchen Dingen MM7 fähig ist und erfährt, dass Cahill Steve gestern Abend zum ersten Mal ins Kino geschickt hat. Der Inspektor durchsucht die Akten des Verstorbenen und findet heraus, dass die Akte Finch fehlt. Margaret Nicholson weiß offenbar etwas über das Verschwinden der Akte, kann aber aufgrund ihrer ärztlichen Schweigepflicht nicht darüber sprechen. Nun sucht Columbo Neil Cahill auf, der angibt, er wäre am Mordabend noch kurz bei Margaret gewesen. Neil glaubt nun, der Inspektor denke, er habe Nicholson umgebracht. Margaret versucht indes Neil weiter davon zu überzeugen, dass er sein Plagiat bekannt geben soll. Doch als Neil seinen Vater aufsucht, will dieser davon nichts wissen. Neil soll sich ruhig verhalten. Columbo widerlegt mit Hilfe von MM7 Marshalls Alibi, dennoch macht Cahill dem Inspektor unmissverständlich klar, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass Cahill etwas mit dem Mord zu tun hat. Columbo will erst wieder kommen, wenn er etwas in der Hand hat. Am nächsten Tag erfährt Marshall Cahill von der Presse, dass sein Sohn sein Plagiat gestanden hat. Marshall stellt seinen Sohn zur Rede. Da platzt Columbo herein und verhaftet Neil wegen des Mordes. Dafür habe er eine Menge Beweise. Schließlich lässt er Neil abführen. Als der verdutzte Marshall den Polizisten hinterher rennen will, erwartet ihn Columbo bereits im Flur. Marshall gesteht den Mord. Ein herrlicher Fall mit einer ebenso großartigen Aufklärung. Um ein Geständnis vom Vater zu bekommen, lässt Columbo den Sohn verhaften. Natürlich mit fingierten Beweisen, aber wirksam.

Was mich ein wenig stutzig macht, ist der Mord an sich. Von einem so intelligenten Menschen wie Cahill kann man doch eigentlich etwas mehr erwarten als einen so schlampig aufbereiteten Tatort. Die Schuhcreme an der Tür und zu allem Überfluss sein Streichholz, das ihn verraten hat. Was Columbo nach eigener Aussage am meisten beschäftigte, war das Motiv, nicht der Tathergang. Na ja, dass intelligente Menschen auch intelligente Morde begehen können, sehen wir wenigstens in der Episode 40 "The Bye-Bye Sky High IQ Murder Case" / "Todessymphonie".

Dennoch ein mal wieder überzeugender Fall, bei dem auch die kleinen Details stimmen.
geschickt eingefädelt, oder wie man in den 90-ern bei kentucky schreit f____ , sagen würde ge_____ eingeschädelt :-)) :-)) :-)) :-)) :-)) :-)) :-)) :-)) :-)) :-)) :-)) :-)) :-)) :-)) :-))

die auflösung ist auch gut, wie der mörder columbo hfast schon hinterherrennt :-))
Zuletzt geändert von columbo93 am Mo, 26.04.2010 17:52, insgesamt 2-mal geändert.
"Meine Frau hat einmal 80 Dollar für eine Fußbank geboten, der auf Kaffeedosen stand. Können Sie sich das vorstellen?"
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Re: Bewertet: "Teuflische Intelligenz"

Beitragvon COLUMBO DER GROßE » Di, 20.10.2009 11:52


Ich beginne meine Bewertung mit eienr Stellungnahme zu einigen Thesen und Aussagen meiner "Vorredner" (der Spd); dabei möchte ich, wie immer, Franz Josef Strauss (CSU) darstellen :D :D ("Schweinsköppe"):
H-Scorpio hat geschrieben:Das Columbo-Mörder-Spiel kommt hier kaum in Gang, dennoch gehen Columbos Ermittlungen ganz gut voran, was aber auch durch die Art des Mordes begünstigt wird

Ich gebe ihnen /dir da durchaus Recht und doch auch wieder Unrecht:
Einerseits weichen die beiden (Protagonist, Antiprotagonist) voneinander aus. Sie treffen sich eher selten, was das C.-M.Spiel wohl kaum zum Tragen bringt. Andererseits ist hier eine seltsame Außnahme gegeben: Der Columbo-Mörder-Kontakt entsteht auch ohne das Erfüllen vermeintlicher Bedingungen, etwa dem häufigen Treffen der beiden und den größeren Gesprächen- nein, es entsteht durch den reinen Bezug Columbos zum Antiprotagonisten: Er redet, denkt und bezieht sich so häufig über ihn. Der Mörder redet solange mit vielen Nebenpersonenen, womit er weiter in Erscheinung tritt. Die gelegentlichen Begegnungen zwischen Columbo und dem "Mörderdoktor" tragen dann noch ihr Übriges hinzu, um das C.-M.-Spiel indirekt aufleben zu lassen. So entsteht dass Gefühl,
trotz Nichterfüllung der eigentlichen Bedingungen ein ziemlich gutes C.-M.-Spiel zu sehen.

H-Scorpio hat geschrieben:Dieser ist nämlich nicht nur wenig einfallsreich

Das sehe ich anders: Sonst hätte Columbo nicht mit dem Hinzufügen von großen Druck den Fall lösen müssen- das alleine, wiederlegt, nach meiner Meinung, deine These.

H-Scorpio hat geschrieben:Wenigstens wird uns diesmal der Grund dafür klar

Dies ist absolut nicht der Grund dafür- sondern eher die Indzienlage, die auf völlig humane Fehler beruht. Natürlich- die Dorgenunterstellung hat nicht erfolgreich funktioniert-
doch ein Versuch war es immernoch wert. Auch die anderen Indizien sind annehmbar und nicht immaginärer Natur- man kannden Fall als "schlampig" ansehen, wenn man die
Affektsitoation Cahills vergißt: Im halben Affekt fährt er zum "Herrn Professor", um diesen dann todzufahren. Natürlich: Cahill hat sich vorher schon etwas überlegt, doch die Umsetzung glich einem Todschlag- es war ja wohl auch sein erster Mord.

H-Scorpio hat geschrieben:Aber vielleicht ist es vielmehr die Kapitulation des Mörders gegenüber Columbo als die wirkliche Beweistauglichkeit

Nun, an deiner Vermutung ist (vielleicht) etwas dran: Der Mörder Cahill hat auch ein wenig genug- doch die Überführung schaffte ihn erst wirklich. So gesehen ist deine Vermutung eher sekundärer Natur, da die Nerveleien Columbos so ziemlich jeden stören.

dille hat geschrieben:Sie kommt sehr schnell zur Sache

Nun, dass ist bei vielen Columbofolgen so ist nun wirklich kein großer Vorteil...

dille hat geschrieben:und auch die Daseinsberechtigung für die tatsächliche Ausführung der Tat erfährt durch die Beharrlichkeit des Opfers ihre Legitimation

Das ist sehr ambivalent, was sie schreiben: Meinen sie, dass das die Tat moralisch gerechtfertigt oder aus der Sicht der Logik gerechtfertigt ist?

Nun fahre ich mit dem zweiten Teil meiner Ausführung fort: Der eigentlichen Bewertung.
A: Mord 4,5/6 "gut"
Der Mord ist recht schwer zu analysieren, weil er ungenau ambivalent ist:
Einerseits ist der Mord im halben Affekt abgehandelt worden, was manch´ einen Fehler verständlich oder tolerabel erscheinen lässt, was aber auch die "Würze" im Mord und in der Morddarstellung nimmt. Die Motive, wie auch die Hergehensweise des Mörders werden klar beleuchtet; alles ist scheinbar in diesem Mord eingebaut worden, um die bestmögliche Inszenierung abzugewinnen. Doch der Schein trügt: Die vielen Fehler des Mörders, wie auch die schlecht eingebaute "falsche Fährte" trüben das Bild. Somit ist der Fall nicht "schlampig", sondern eher falsch inszeniert: Die Indizien sind gut, sie sind schön ausgewählt und geben Columbo einen einfachen Einstieg- gegen die Indizien habe ich nichts, gegen die Auswahl derer auch nicht. Nein- ich habe etwas gegen den Mord an sich: Schnell mal das Opfer töten, eine falsche Fährte legen und ein paar Indizien irgendwie verstreuen- so geht das einfach nicht. Es erstrahlt eine Fülle von Nicht-Fülle, von fehlender Mühe etwas gekonnt wiederzugeben. Die Schauspieler leisten gute Arbeit- Drehbuchautoren und Regiseure wiedereinmal nicht. So entsteht das Bild, dass die Autoren des Films den Zuschauern ein quantitativ hochwertigen Mord auch als qualitativ hochwertigen Mord sugerieren wollen.
Der Mord insgesamt ist "gut",trotz einiger Mängel, da er im Gesamtbild dann doch noch "Gutes" abzugewinnen vermag.
B: Columbo-Mörder-Spiel 5,5/6 Note: "sehr gut"
Auch das C.-M.-Spiel ist schwer zu bewerten: Vom ersten Blick her gesehen
erscheint es uns mager und wenig flüßig- die seltenen Kontakte zwischen Dr. Cahill und Columbo helfen da auch nicht weiter. Vom zweiten Blick aber sieht das Ganze anders aus:
Anders als in anderen Fällen, wo der Mörder durch das reine Gespräch mit Columbo an Form und Farbe gewinnt, nimmt der Mörder hier durch das häufige Vorkommen in den Gedankengängen und Gesprächen Columbos Substanz an- er "geistert" den gesamten Film
lang herum. Außerdem: Die einzelnen Gespräche zwischen Cahill und Columbo sind von hoher Qualität, guter schauspielerischer Leistung und einem ordentlichen Drehbuch gespickt. Das Ende ist dann das I-Tüpfelchen: All die scheinbaren anfänglichen Fehler des
C.-M.-Spiels werden durch diesen letzten Dialog zwischen Columbo und Cahill verdrängt-
die Auflösung hat etwas Dramatisches an sich.
So gibt es von mir 5,5 von 6 Punkte und eine "sehr gute" Note für das C.-M.-Spiel.
C: Leistung des Darstellers des Inspektors (Peter Falk): 6/6 Note: brillant
Peter Falk spielt Columbo wiedereinmal überzeugend, weckt Gefühle in seinem Schauspiel.
Vor allen bügelt er manche Fehler der Regiseursarbeit wieder aus und spielt im Kontakt mit anderen Schauspielern hervorragend- vor allen die Erstankunft Columbos und die dramatische Auflösung werden mehr als brillant gespielt- sie sind nur noch ein Nannometerchen von der durchgehenden Perfektion entfernt.
So allemal 6 Punkte.
D: Leistung des Darstellers des Mörders: 5,5/6 Note: sehr gut
Man soll ja den Tag nicht vor'm Abend loben, doch bei dieser schauspielerischen Leistung kann man blindlings 5,5 Punkte geben- einfach nur herausragend gespielt!
Hart; verbissen; sentimal; gut, wie böse; liebevoll und streng- diese verschiedenen Charakterzüge passen exakt zum Drehbuch und werden auch exakt durch den Schauspieler wiedergegeben. Einfach nur klasse, diese Leistung- der Schauspieler hätte auch das Potenzial gehabt, bei Filmen wie "Das Urteil-jeder ist bestechlich" oder "Zeuge der Anklage"
mitzuspielen. Perfekt ist er dann doch nicht, bei´m Anfang happert es sogar ein wenig;
doch dies wird durch die verschiedenen Szenen des Endes mehr als wett gemacht-
für mich ist dieser Schauspieler einer der 10 besten Mörderspieler überhaupt.
Leider wird er nicht ganz greifbar, spielt einwenig von den Zuschauern "hinweg", was 0,5 Punkte minus geben muss; was jedoch nicht heißt, dass er von der Gesamtleistung einigen 6 Punktern nicht weit überlegen ist.
E: Leistung des Darstellers des Opfers 6/6 "perfekt"
Für mich ist das einer der 3 besten Opferdarsteller überhaupt. Sentimental, gefühlvoll- jedoch nie überschwenglich dramatisierend. Einfach nur "perfekt" dieses Schauspiel!
F: Leistung der Darsteller der Nebenrollen: "ausreichend" 3/6
Ich glaube, dass das mein "rotes Tuch" ist- so oft, wie ich die Nebenschauspieler schon kritisiert habe, muss das eigentlich schon in's Guinessbuch der Rekorde eingetragen werden...
Nun gut-fangen wir "sanft" an: Überzeugt haben mich die Generäle, wie auch der Sohn des Antiprotagonisten. Doch jetzt fängt auch schon die Negativseite an: Die Polizisten haben so heruntergekommen gespielt, dass ich vor hatte zur Toilette zu rennen und mich dort freudigst an dem schauspielerischen Mist auszulassen- Sie verstehen schon, was ich meine.... :D :motz: :D :motz:
Doch nicht nur die Polizisten haben versagt, auch die Fahrinsassen des von Carhill angegriffenen Autos spielen zu lasch. Als würde das nicht reichen, setzt man noch ein kleines Kind in den Film als Rolle ein. Der arme Kleine musste diese Sc....rolle spielen,
die so unsympatisch wie unschauspielbar war. Er bekommt es ja ziemlich gut hin, doch sein Gebiet ist das ganz sicher nicht.
So ist die Gesamtnote bestenfalls "ausreichend"
G: Indiziensammlung: 5/6 Note: "gut"
Die Indizien sind gut eingebaut worden- sie sind ordentlich viel, und verhelfen den Film zu einem guten "Columboschen" Einstieg. Ich halte mich diesmal kurz: Insgesamt 5 von 6 möglichen Punkten, da doch die "Würze" an den Indizien fehlt.
H: Auflösung : Punkte: 6/6 Note: "perfekt"
Sie ist der Anker und Höhepunkt der Folge: Er presst dem Mörder diesmal ein nicht wieder rückgängigzumachendes Geständnis aus dem Leibe- denn wenn er nicht bei seinem Geständnis bleibt, wird sein Sohn einfach eingesperrt.
Dramatisch,gefühlvoll,reallistisch,ausgeklügelt- das assoziire ich mit der Auflösung.
Auch der Weg zur Auflösung wird genau beschrieben, schon vor der eigentlichen Auflösung
gibt es eine "Vorauflösung", also den misslungenen Versuch Columbos, den Mörder zu stellen, wie es auch schon bei'm "Dirigentenfall" zu sehen war.
Einfach nur hervorragend! 6 von 6 Punkten.
I: Sonstiges: Humor/Drehbuch/Regie/Spannung Zusatzpunkte: +0,5
Der Humor ist am Anfang noch sehr ausgeprägt, im Laufe des Films tritt er jedoch vollständig zurück- ein Minus gibt es dafür aber nicht, da er durch Anderes ersetzt wird-
der Spannung nämlich.
Das Drehbuch ist gewohnt "schlampig" (diesmal ist der Begriff richtif gesetzt :D ),
also auch gewohnt -0,5 Punkt.
Das gleiche gilt für die schlechte Regie nur mit anderer Punktzahl: -1 Punkt
Die Spannung ist dagegen übermäßig hoch zum Schluss:
"Wie kriegt Columbo den Mörder hinter Gintern?"- das stellt man sich als Frage,
und diese Fragestellung garantiert Spannung.
Insgesamt gibt es für die Spannung +2 Punkte.

INSGESAMT: 41,5+0,5*/48+x* NOTE: gut plus (Punkte: 75%+Gesamtsicht: 25%)
Eine gute, spannende Folge. Absolut empfehlenswert!

Notensymstem:
1** Perfekt 6
1* Brillant/Ausgezeichnet 6
1 Sehr gut 5,5
2 gut 5/4,5
3 ordentlich/befriedigend/akzeptabel 4/3,5
4 ausreichend 3,5/3
5 mangelhaft 2,5/2
6 ungenügend 2/1,5
7 lächerlich 1
8 erbärmlich 0,5/0

*** WICHTIG: NEUERUNG!!!
Um ein strengeres Notensystem zu gewährleisten, wird ab nächster Bewertung 3 Punkte vom Gesamtergebnis, außer bei voller Punktzahl, abgezogen. Hier z.B. statt 42 nur noch 39 Punkte. Außerdem werden die Noten "7" und "8" stärker in Erscheinung tretten!

GRÜßE,
EUER/DEIN/IHRCOLUMBO DER GROßE :neig: :neig:
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Re: Bewertet: "Teuflische Intelligenz"

Beitragvon sagittarius » Fr, 19.03.2010 19:08


Dr. Cahill ist ein Vater, der seinen Sohn so sehr liebt, dass er einen Mord begeht, um dessen Plagiat zu vertuschen. Böse Zungen mögen behaupten, es ginge Dr. Cahill nur um sich selbst, vielleicht gar um seine Ehre.

Der deutsche Titel ist irreführend. Was in diesem Columbo vor sich geht, ist weder teuflisch noch intelligent. Es ist schon ein Gegensatz: Da haben wir es mit einer "Denkfabrik" zu tun, einem "Platz für Genies", dazu gehören eine technische Intelligenz und enorme finanzielle Ressourcen, andererseits inszeniert Dr. Cahill einen simplen Autounfall und hinterlässt Spuren wie sonst kaum jemand (Beule am Auto, Fußabdruck an der Tür).

Die geringe Resonanz dieser Episode zeigt: Dieser Columbo ist nicht gut genug, aber auch nicht schlecht genug, um viele Reaktionen hervorzurufen.

Columbos Argumentation ist: Die kaputte Pfeife von Dr. Nicholson vor dessen Werkstatt bedeutet: er wurde dort überfahren. Der Schmutz an der Tür bedeutet: der Mörder hat ihn dorthin getragen. Ein Verdächtiger scheidet aus, weil er körperlich zu klein ist.

Dass Columbo Erfolg hat, verdankt er einem jungen Genie, der Polizist werden wollte, aber dafür zu klug war (Gott sei Dank wurde wenigstens Columbo genommen :D ).
Der programmierbare, automatische Roboter gibt Columbo den entscheidenden Hinweis, wie Dr. Cahill die Tat vollbracht hat und dessen Alibi entkräftet wird.
Obwohl: Ich glaube nicht, dass die Greifzangen des Roboters die Tasten bedienen können und unabhängig davon müsste Dr. Cahill genau wissen, wann welche Taste gedrückt werden muss und dies entsprechend vorher programmieren. Bei einer Simulation (etwa über einen Weltkrieg) kann man aber die Reaktionen der Teilnehmer nicht vorhersagen.

Trotz vieler Spuren kann Columbo Dr. Cahill nicht festnageln. Um es deutlich zu sagen: Es können so viele Spuren da sein wie möglich, Columbo hat keine Chance, Dr. Cahill zu fassen. Das Drehbuch verlangt, dass es nur über die Liebe des Vaters geht (oder wie wir es nennen wollen). Der labile Sohn büßt für die Tat des Vaters. Columbo muss den Sohn "überführen" und verhaften, weil Dr. Cahill dann gestehen wird. Columbo löst den Fall nicht mit Logik und Indizien, sondern mit Emotionen.

Das Szenario finde ich gut, aus einer "Denkfabrik" hätte man mehr machen können. Ich gebe 3 Punkte.
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