Bewertet: "Playback"

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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon Tommy Brown » Mo, 20.05.2013 23:06


4/5

Ein kleiner, feiner Fall. Nicht besonders spektakulär, aber nie langweilig, sondern stets unterschwellig spannend. Die Handlung wird behutsam, schnörkellos und geradlinig vorangetrieben. Eine runde Sache, mit voller Aufmerksamkeit auf dem Hauptgeschehen, fast frei von Nebenhandlungen. Mir gefällt hier eigentlich alles: Die originelle Kulisse, die Stimmung, das Opfer, der Mörder, die überzeugende Darlegung des Mordmotivs, die Beweisführung, welche stets logisch und absolut nachvollziehbar ist, der gut gelaunte, charmante Inspektor und die eingestreuten Gags (Hund, Kunstausstellung). Die Rollen sind interessant und packend angelegt: Das spätere Opfer, dessen Hass und Verachtung man förmlich spüren kann, verhält sich dem Mörder gegenüber so bösartig und abwertend, dass man den bald beinahe verstehen kann. Der ist aber auch kein Unschulds-Lamm, sondern unter der Saubermann-Fassade ein abgebrühter, berechnender, unehrlicher und eitler Egomane, der seine gehandicapte Frau offenbar nur benutzt. Und alle spielen ihre Rollen absolut glaubhaft: Martha Scott als bösartige Schwiegermutter, Firmenchefin und Opfer, Gena Rowlands als etwas naive, ausgenutzte Ehefrau im Rollstuhl, Oskar Werner als abgebrühter Killer (ein toller Mörder!) und natürlich Peter Falk als liebenswerter Inspektor Columbo. Allesamt in Bestform! Passt!
LG, Tommy
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon Tommy Brown » Di, 21.05.2013 02:10


Tiktaalik hat geschrieben:Mein Problem ist hier die grottenschlechte Leistung von Oskar Werner. Er bekommt von mir als erster Mörder nur einen Punkt. Er wirkt die ganze Zeit über völlig gleichgültig. Die Indizien gegen ihn kann er zwar oft schlüssig widerlegen, aber anscheinend ist ihm die wachsende Anwesenheit von Columbo egal. Sogar als er am Ende offen des Mordes bezichtigt wird, sagt er völlig gleichgültig, Zitat: "Das ist eine amüsante Theorie, aber eben nur eine Theorie." Erst als Columbo den Schlussbeweis präsentiert, zeigt der Mörder zum ersten Mal Emotionen. Sein dann wildes Herumgestikuliere wirkt für mich aber unglaubwürdig.

sagittarius hat geschrieben:Er vertraut auf seine Technik, sie ist ein Teil seines Lebens. Er ist erst aufgebracht, als diese Technik ihn im Stich lässt. Da ist es zu spät für ihn.

Sehr schön gesagt! Bis dahin fühlt er sich sicher, als ihn dann aber ausgerechnet die eigene Technik zweifelsfrei als Täter überführt, statt ihn weiter zu schützen, verliert er völlig den Halt und die Nerven.

Ich finde, diese Folge persifliert auch irgendwo ganz wunderbar die ausgeprägte Technikgläubigkeit, die so typisch war, für die 70er-Jahre.

Den Täter empfinde ich nicht als gleichgültig (kann aber vielleicht verstehen, wenn er auf jemanden so wirken mag). Er stellt sich für mich als sehr selbstsicher und bisweilen arrogant dar. Er glaubt, er habe den perfekten Mord begangen und ein unumstößliches Alibi fingiert. Trotzdem gibt er sich auch gelassener, als er in Wahrheit ist. Unterschwellig ist unter der coolen Fassade nämlich durchaus eine gewisse Nervosität bei ihm spürbar, die sich auch schon vor der Überführung durch den Videobeweis langsam immer weiter steigert. Z. B. als Columbo anrückt, um das Schussexperiment durchzuführen. Bereits bevor der Inspektor den Schuss"beweis" liefert (100% ist der nicht), noch bevor er richtig anfängt, nämlich als er nur die Sandkiste auf den Boden stellt, reagiert Van Wick schon mit gesteigerter Nervosität. Weil ihm in diesem Augenblick klar wird, was der Inspektor bezweckt: Zu beweisen, dass das Geräusch, welches die Ehefrau gehört hatte, der Schuss des Mörders gewesen sein muss. Und da Van Wick zu dem Zeitpunkt noch im Haus war (er sprach ja nach dem Schuss noch mit seiner Frau im Schlafzimmer, über die Sprechanlage), wäre es an der Stelle sehr eng geworden, für ihn. Er kann sich dann nach dem Schussexperiment ja nur mit Mühe noch halbwegs herausreden, mit einer nicht unbedingt voll überzeugenden Ausrede. Allerdings ist dieser erste Beweis bzw. Beweisversuch Columbos an der Stelle halt auch noch nicht 100%ig.

Aber: Ab da ist Van Wick eines klar: Er ist der einzige Verdächtige und der Inspektor ihm viel dichter auf den Fersen, als er dachte. Deshalb ist er dann im weiteren Verlauf der Folge auch zusehens nervöser und gereizter.
LG, Tommy
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon zimtspinne » So, 26.05.2013 07:51


Gerade vorgestern dachte ich, dass ich diese Folge gerne mal wieder sehen würde, sie fehlt mir noch in meiner Sammlung, umso freudiger nahm ich zur Kenntnis, dass die Folge gerade bei Nitro lief.

Die Bewertung fällt mir schwer, da ich einfach nicht weiß, wie ich den Hauptdarsteller einordnen soll. Einerseits gefällt mir seine Art, andererseits finde ich ihn einfach zu langweilig.
Die Folge glänzt ja nicht gerade mit viel Action, es passiert eigentlich überhaupt nichts, da hätte ich mir einen Mörder gewünscht, der ordentlich Schwung reinbringt. Ich hatte auch das Gefühl, der Schauspieler hält sich zurück und spielt sich nicht ansatzweise richtig aus.

Von mir bekommt die Folge den ersten Preis für die düsterste Atmosphäre. Man fühlt sich in dieser Behausung lebendig begraben; kein Wunder, dass die Ehefrau zum Schluss keine Lust hat, ihren Mann zu decken.... ich würde auch alles tun, um aus dieser kameraüberwachten Gruft herauszukommen.

Ein paar Merkwürdigkeiten fielen mir in dieser Folge auf:
Die Leiche wird bereits abtransportiert, bevor der Inspektor sich ein Bild des Tatortes (mit Leiche) machen kann, merkwürdig fand ich auch die wiederholten Zeitansagen des Mörders, das klang sehr aufgesetzt.

Ebenso merkwürdig, dass Columbo zu keiner Zeit die Familie durchleuchtet, über das Tatmotiv wrid auch nicht gesprochen. Das ist eine der seichtesten Folgen überhaupt, die Gespräche anfangs finde ich seltsam leer bis schwachsinnig. Man bkeommt nicht mal eine Ahnung, was die weltberühmte Firma überhaupt produziert, außer klatscherfreuten Türen.

Sämtliche Persönlichkeiten dieser Folge finde ich eher abstoßend, da keine einen offenen und ehrlichen Eindruck macht. Die unterdrückte Ehefrau belügt vor allem sich selbst und tat mir am Ende dann auch nicht besonders leid, als ihr die rosarote Brille unsanft heruntergerissen wurde. Eine nicht besonders sympathische Familie, an der das schönste ihr weitläufiger Garten war. Als ob Katzen diesen lächerlichen Zaun nicht überwinden könnten :?

Merkwürdig finde ich außerdem den Leichtsinn des Mörders. Nicht nur die Fußspuren auf dem Teppich vergaß er zu streuen, auch schien er es nicht nötig zu haben, einen Schalldämpfer zu verwenden, obwohl Leute im Haus waren. Seine Frau zählt für ihn wohl schon gar nicht mehr zu den Lebenden.
Immerhin hätte auch der Sicherheitsdienst aus der Ferne den Schuss hören können, wenn er zufällig in dem Moment vor die Tür geht oder ins Haus sich einen Kaffee holen oder sonst ein Geschäft erledigen.
Er hätte auch bedenken sollen, dass sein liebes Frauchen nach dem Mord an ihrer Mutter in einer Ausnahmesituation ist und vielleicht nicht mehr so brav funktioniert wie sonst. Er gab ihr ja nicht mal ein Schlafmittel, er verließ sich einfach drauf, dass sie wie üblich keine Scherereien machen würde.

Ich bin doch sehr erstaunt, wie sicher sich dieser Mörder fühlt, obwohl er nicht wirklich einen Grund dafür hat. Da er nicht auf den Überwachungsvideos war, war doch naheliegend, dass es sich um einen Insider handeln muss, und sehr viele kommen dafür nicht in Frage, da die Familie nicht den Eindurck macht, häufig und gerne Besuch zu empfangen.

Und wesehalb hat sich beim Schuss eigentlich nur oben die Schlafzimmertür geöffnet!?
Die unteren Türen reagieren doch auch auf Klatschen, wie mehrmals zu sehen war und der Schuss war dort noch näher dran.

Bei dieser Folge fehlt mir ganz klar die Liebe zum Detail. Sie wirkt sehr lieblos, nicht mal Hausangestellte bekommt man zu Gesicht. Das einzig schöne ist Hunds Einsatz, aber der kann allein auch nicht alles rausreißen.

Der Galeriebesuch war mir zu langatmig und auch ein wenig zu... albern?
In dieser Folge überwiegt der Trashfaktor, Schönheit und Ästhetik sucht man vergeblich. Auch Leidenschaft und Hingabe, die sonst so präsent sind, fehlen mir hier. Alles wirkt auswendig aufgesagt, hingeschludert und emotionslos. Nicht nur der Mörder, auch die anderen Personen wirken auf mich seltsam emotionslos und unlebendig.

Das einzige Highlight ist die Überführungsszene mit der Eintrittskarte, Columbo hat die übermächtige Technik bezwungen und sie sich zunutze gemacht, der Mörder guckt, als ob er es nicht fassen kann, wie seine eigene geliebte Technik ihm zum Verhängnis wird und sein Frauchen ihn obendrein auch noch im Stich lässt. Ohje, das muss erstmal alles verdaut werden :wink:

Ich finde es nicht so gut verdaulich und gebe nur drei Punkte. Ein Punkt davon geht allein an den Inspektor, weil er mir in dieser Folge sehr gut gefällt, ich meine jetzt nicht nur seine Arbeit, sondern seine Ausstrahlung. Er sieht jung aus und gefällt mir persönlich besser so als in den späten Folgen (dort sind allerdings nicht die Falten das Problem, sondern sein gesamtes Auftreten).
Gut möglich, dass Columbo in dieser Folge so jung und frisch wirkt, weil der Mörder besonders zum Ende hin alt und ausgelaugt ausschaut. Er wurde sehr stark geschminkt, war der Schauspieler zu der Zeit krank?


PS - ich sehe gerade, ich hatte die Folge sogar schon mal bewertet, hatte ich total vergessen. Im Grunde bewerte ich sie heute genauso bzw noch etwas negativer. Hatte sie seit der letzten Bewertung nicht mehr gesehen und mir scheint, mit jedem erneuten Anschauen finde ich sie immer dünner und lahmer.


MrGrady hat geschrieben:
Kevin hat geschrieben:Mein Problem ist hier die grottenschlechte Leistung von Oskar Werner. Er bekommt von mir als erster Mörder nur einen Punkt. Er wirkt die ganze Zeit über völlig gleichgültig. Die Indizien gegen ihn kann er zwar oft schlüssig widerlegen, aber anscheinend ist ihm die wachsende Anwesenheit von Columbo egal. Sogar als er am Ende offen des Mordes bezichtigt wird, sagt er völlig gleichgültig, Zitat: "Das ist eine amüsante Theorie, aber eben nur eine Theorie."


Interessant, dass dieser Mörder so unterschiedlich von den Zuschauern gesehen wird. Meistens sind sich die Leute ja einigermaßen einig über die schauspielerische Leistung von Columbos Gegenspielern und die Diskussionen entzünden sich eher an anderen Punkten.

Für mich hat Oskar Werner das Columbo-typische, arrogante Gegenspiel zu Peter Falk sehr gut rübergebracht. Seine Gleichgültigkeit wirkte auf mich im besten Sinne überheblich, so mag ich die Mörder bei Columbo besonders gerne. Sein emotionaler und nervöser Ausbruch beim Schlussbeweis hat mir ebenfalls gut gefallen. Ein derart unsouveräner Abgang war mal etwas anderes :)

Bei mir bekommt diese Folge allenfalls leichte Abzüge bei der Plausibilität. Ich finde die handlungsrelevante Vernehmung von Mrs. van Wyck noch immer wenig glaubwürdig. Wer erzählt kurz nach dem Mord an der eigenen Mutter irgendwelches Zeug über Clowns im Schlafzimmer bei der Polizei? Für meinen Geschmack wird Columbo hier allzu offensichtlich auf scheinbar irrelevante Details hingewiesen.


stimme hier Tina zu, das ins-Detail-gehen ist sicher so ein frauentypisches Ding. Zumal der rosa Clown ja durchaus das Zeug dazu hat, sich tief ins Unterbewusstsein als Alp (Alb)einzubrennen :P

Was mich am Mörder stört - er hat überhaupt kein Profil. Er ist stinklangweilig, was nicht allein an seiner augenscheinlichen Teilnahmslosigkeit liegt.
Er hat einfach nichts besonderes, in meinen Augen, was ein Columbomörder aber haben muss, egal in welche Richtung. So eine Profillosigkeit geht gar nicht!
Ich glaube, diejeneigen, die diesen Mörder gut finden, sind generell Fans dieses Schauspielers und sind nicht objektiv :D
Ich kenne ihn nur aus einem anderen Film, dort war ich auch nicht gerde sein größter Fan, aber er spielte sich meinem Gefühl nach viel besser aus, wirkte glaubwürdiger und überzeugender als in seiner Columborolle.

Es fällt ja schon auf, dass man sich sonst über die Schauspielleistung der Mörder recht einig ist, hier dagegen geht es von grottenschlecht bis saugut. Sehr verdächtig :o
Zuletzt geändert von zimtspinne am So, 26.05.2013 08:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon Doc Brown » So, 26.05.2013 11:12


zimtspinne hat geschrieben:Gut möglich, dass Columbo in dieser Folge so jung und frisch wirkt, weil der Mörder besonders zum Ende hin alt und ausgelaugt ausschaut. Er wurde sehr stark geschminkt, war der Schauspieler zu der Zeit krank?


Oskar Werner war zu dieser Zeit schon sehr alkoholkrank. Nach seiner Rolle bei Columbo drehte er nur noch einen Film und stand einmal auf der Theaterbühne, weil er durch den Alkohol wohl schon sehr gezeichnet war.

Mir gefällt Werner nach wie vor ausgezeichnet. Er ist herrlich arrogant und überheblich in seiner Mimik und Gestik. Er agiert die ganze Zeit mit einer wunderbaren Hochmütigkeit und Selbstgefälligkeit, fühlt sich unantastbar. Seinen ironischen Unterton finde ich herrlich und genau richtig dosiert. Bei Onkel Jarvis in der Blumen-Folge ist das ja viel zu dick aufgetragen.
Die tolle Synchronstimme, die Werners Schauspiel dann noch unterstricht, runden die hervorragende Leistung meiner Meinung nach ab.

Klar gibt es die ein oder andere Ungereimtheit, aber die findet man bei 90% der Columbo-Episoden. War es nicht so, dass die Schlafzimmertür ohnehin defekt war? Kann mich nicht mehr genau daran erinnern. Vielleicht reagiert sie deshalb sensibler als die anderen Türen. Vielleicht gingen die anderen Türen auch auf und das wird nicht weiter thematisiert. ?-/

Für mich ist die Folge eine der besten der gesamten Reihe. Der Mörder, die Indiziensuche, das Umfeld, die Überführung - einfach herrlich. :neig:

Den einzigen Kritikpunkt, den ich genauso sehe wie du, ist die alberne und überflüssige Szene in der Galerie. Die wirkt völlig deplaziert in der Handlung.
Döp döp döp de de döp döp döp
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon zimtspinne » So, 26.05.2013 11:33


Das sind dann eben die Unterschiede im Geschmack, ich denke aber schon, dass ich bei dieser Folge recht gut begründen konnte, weshalb sie bei mir nicht gerade punktet.
Es stimmt aber schon, dass andere Folgen auch ihre Schwächen haben, trotzdem mag ich sie. Mit "Ein Hauch von Mord" stehe ich da sogar ganz alleine auf weiter Flur :wink:

Ganz schön viele der Columbomörder scheinen im echten Leben ein Alkoholproblem zu haben, Cassidy und noch einer, der mir gerade nicht einfällt.

Mir fällt aber wieder ein, wo ich Oskar Werner gesehen habe. Es war dieser Film mit der Verfolgung der Bücher, dort spielte er ja auch eine Hauptrolle und gefiel mir wie gesagt wesentlich besser als bei Columbo.
Das ist kein Schauspieler, der auf den ersten Blick mit Sympathie überwältigt. Entweder findet man Gefallen an seiner Art oder nicht. So ähnlich wie bei Meuffels :)

gut, in zwei Jahren werde ich mir die Folge nochmal einziehen, mal sehen, ob sie sich wieder nach oben arbeiten kann.
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon Tommy Brown » Mo, 27.05.2013 08:42


Das schöne an Filmen ist eben, dass man sie subjektiv empfindet. Ich find's gar nicht schlimm, wenn der oder die eine, einen Film großartig, andere denselben Film aber eher bescheiden finden.

Selbst wenn sich jemand kritisch zu einem meiner Lieblingsfilme äußert, kann ich gut damit leben. Was soll's? Who cares? Über Geschmack braucht man nicht streiten. Ich find's oft sogar interessant zu sehen, wie andere etwas völlig anders erleben. Da lernt man doch dazu. Zum Teil kann ich Kritik dann sogar nachvollziehen, obwohl ich mir vorher darüber gar nicht bewusst war - und trotzdem gefallen mir meine Lieblinge weiterhin.

Schlimm ist nur, wenn (in anderen Foren) bis auf's Blut gestritten und gelästert wird, nur weil verschiedene Leute unterschiedliche Meinungen zu einem Film haben. Auf z. B. Cinefacts.de ist das zum Teil unerträglich, manchmal der reinste Kindergarten...
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon zimtspinne » Di, 28.05.2013 18:15


Ich kann oft auch nachvollziehen, warum Folgen besonders gerne gesehen werden, vor allem bei atmosphärebedingten Aspekten, Vorlieben für bestimmte Zeitalter usw.

Playback ist nun aber so ein Sonderfall (beinahe hätte ich Sondermüll getippt :o ), den ich nochmal gesondert abschließend bedenken möchte.
Ich hatte die Folge nicht so schlimm in Erinnerung und hab sie als ich krank war wirklich noch mehrmals durchlaufen lassen und verstand immer weniger, weshalb das überhaupt ins Fernsehen kam.

Es kann doch nicht angehen, dass ein Krimi absolut keine storyline bekommt, außer "Haus voller Technik und Firma deshalb pleite".

Die Technik war ja dazu auch noch ein Witz - Überwachungskameras sind bei Columbo ja nun weder was neues noch außergewöhnliches (auch andere hatten sie im Privatbereich) und die Klatschtüren? Ich hatte mal so eine Lampe, die auf Klatschen reagierte, vielleicht brachte mich das deshalb nicht aus der Fassung.
ich weiß nicht, ob einer von euch den Film "Bettgeflüster" mit Doris Day kennt, in dem sie eine Innenarchitektiv spielt, die sich in einen Gigolo verknallt. Irgendwann entdeckt sie zufällig seine raffiniert ausgestattete Spielwiese mit zentraler Schalttafel, von der man aus Tür, Bett, Licht und Musik steuern konnte... spielte wahrscheinlich in etwa der gleichen Zeit wie Playback... und ich hab wesentlich mehr "gestaunt" und geschmunzelt.

Sämtliche Charaktere dieser Folge sind genauso lahm wie die Krimigeschichte drumherum.

Anders als bei vielen anderen Folgen, die sehr positiv und sehr negativ bewertet werden, kann ich hier auch kaum gute bzw nachvollziehbare Begründungen für die gute Bewertung sehen.
Es liegt am Mörder, dessen Schauspieler man aus anderen Produktionen kennt und schätzt oder an der Kriminalistik oder am Trash. hmm!!
Das überzeugt mich gar nicht.

Diese Folge ist bei mir durch, befürchte ich. Wenn einfach von Grund auf kaum was da ist, kann sich auch kaum etwas in ein positiveres Licht bewegen. Aus Nichts wird nun mal nicht plötzlich etwas.
Diese Folge nervt mich ja noch nicht einmal wie meine liebsten Anti-Folgen... sie ist einfach nur belanglos und langweilig.
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon Mr. Brimmer » Mi, 29.05.2013 07:50


She das ganz anders.
Die Folge hat keine Längen, ne wasserdichte Auflöung,
für mich auch ne angenehme Atmosphäre.. gefällt mir immer besser...
Oscar Werner find ich weder hochmütig noch selbstgefällig..
Eher agiert eher verbindlich und teilnahmslos.....ein Technikfreak halt...
Find ihn aber gut...Ist irgendwie die etwas erwachsenere Ausgabe von Roger
Stanford. :)
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon martha » Mi, 29.05.2013 17:42


Diese Folge hat mich schon seit jeher in ein Dilemma gestürzt.
Einerseits bin ich ein großer Fan von Oskar Werner und finde seine Stimme einfach eine Offenbarung.
Andererseits hab ich hier auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass das Columbo-Mörder-Spiel dieser Episode für mich unter objektiven Gesichtspunkten doch eher schwach ist.
Ich bin mir auch gar nicht so sicher, ob sich Werner in dieser Rolle sonderlich wohl fühlt.
Der Mann steht am Ende seiner filmischen Karriere und denkt sich vielleicht: Leute, was wollt ihr denn? Ich hab mit Truffaut gedreht und am Theater Hamlet gespielt...oh Gott, jetzt muss ich hier im Herbst meiner Tage 'nen schnöden Mörder mimen.
Und so köchelt das Feuer seiner Darstellung doch auf recht sparsamer Flamme.
Ich sehe Werner hier gerne wegen seiner Lebensleistung, aber sein Auftritt in "Playback" hat mich nun echt nicht vom Sitz gerissen.
Möglicherweise aber auch ein Fehler der Drehbuchschreiber, die in den Gesprächen leider nix prickelndes entstehen lassen.
Ich finde das ausgesprochen schade, weil hier Potential verschwendet wird.

Unabhängig davon finde ich den kriminalistischen Gehalt dieser Folge aber sehr gut.
Auch die Auflösung gehört für mich zu einer der besten der Serie!
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
"Genau gesagt:Keiner von beiden. Es war Washington."
"Hatten Sie bei dem auch einen Vornamen?"
"Martha."
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon zimtspinne » Di, 04.06.2013 22:24


ja, Brimmer, ist mir schon hier aufgefallen, wer das Beuteschema Stanford hat, der kann auch mit Van Wyck viel mehr anfangen als ich :)

Wo ihr keine Längen seht, sehe ich gähende Leere... die Dialoge in dieser Folge sind oftmals auch so sinnleer und ein bisschen kindergartenmäßig.
Vor allem, wenn ich das mit Folgen wie "Teufels Corporal" vergleiche.
Ich hab mir gestern "Tödliches Comeback" angeschaut und festgestellt, dass die Dialoge mich dort sehr viel mehr überzeugen, weil sie eben nicht nicht so lieblos, seicht und teilweise schon recht dümmlich hingeklatscht sind wie bei Playback.

Der Mörder ist gar nicht mein Hauptproblem, so schlecht ist er nicht, das Hauptproblem ist die saudünne Krimigeschichte, fehlende interessante Figuren und auch fehlende 'action'.
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon Ducky » Mi, 05.06.2013 13:20


ich vergrößere mal die Fraktion derer, die sowohl die Folge als auch mr. van Wyck mögen.

Ich sehe die gesamte Folge als so eine Art Kammerspiel. Harold van Wyck hat mit seinem durchtechisierten Haus die Bühne geschaffen, in der er die Regie führt, seine Frau und seine Schwiegermutter usw sind nur Darsteller in diesem seinem Stück. Er ist tatsächlich so etwas wie der Gott in seiner Welt, er bestimmt was wie warum geschieht.
Von daher ist es nur natürlich, dass er in Columbo keine gefahr sieht. Dieser vertrottelte kleine Polizist soll den allmächtigen van Wyck stürzen können? Lächerlich. Und doch kommt es so. Und van Wyck, geschlagen mit seine eigenen Waffen, hat gar leine andere Wahl, als sich in sein Schicksal zu ergeben.

Auch die Art wie Oskar Werner seine Rolle spielt, finde ich absolut passend.

Tommy Brown hat geschrieben:Das schöne an Filmen ist eben, dass man sie subjektiv empfindet. Ich find's gar nicht schlimm, wenn der oder die eine, einen Film großartig, andere denselben Film aber eher bescheiden finden.

Selbst wenn sich jemand kritisch zu einem meiner Lieblingsfilme äußert, kann ich gut damit leben. Was soll's? Who cares? Über Geschmack braucht man nicht streiten. Ich find's oft sogar interessant zu sehen, wie andere etwas völlig anders erleben. Da lernt man doch dazu. Zum Teil kann ich Kritik dann sogar nachvollziehen, obwohl ich mir vorher darüber gar nicht bewusst war - und trotzdem gefallen mir meine Lieblinge weiterhin.

Schlimm ist nur, wenn (in anderen Foren) bis auf's Blut gestritten und gelästert wird, nur weil verschiedene Leute unterschiedliche Meinungen zu einem Film haben. Auf z. B. Cinefacts.de ist das zum Teil unerträglich, manchmal der reinste Kindergarten...


Sehe ich ebenso. Wäre ja auch langweilig, wenn alle den gleichen geschmack hätten, da kämen gar keine Diskussionen zustande. Und solange niemand sagt "das IST gut/schlecht", sondern "für mich ist das gut/schlecht", habe ich auch keine Probleme damit, wenn meine Lieblingsfolgen/-filme jemand anderm nicht gefallen. ich war mal in einem anderen serienspezifischen Forum (drwho.de), da gab es regelmäßig Forenkriege wegen so etwas, da kan ich gerne drauf verzichten.
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon martha » Mi, 05.06.2013 17:35


Ja, diese Sätze von Tommy sollte man hier wirklich als "verbindliche Empfehlung" dieser Bewertungsetage voranstellen.
Ganz im Sinne von Rosa Luxemburg:Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.

Andererseits befolgt diesen Satz hier ja eh schon jeder. :)
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
"Genau gesagt:Keiner von beiden. Es war Washington."
"Hatten Sie bei dem auch einen Vornamen?"
"Martha."
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon zimtspinne » Fr, 07.06.2013 16:49


Ducky hat geschrieben:Ich sehe die gesamte Folge als so eine Art Kammerspiel.


ich mag Kammerspiele, aber die leben dann auch von starken Figuren und Dialogen. Und es steckt auch meist eine starke story drin.
Das war ja hier alles nicht vorhanden.
Die einzige charismatische Figur wird umgebracht.
Der Mörderschauspieler ist an sich charismatisch, das hat er nicht richtig ausgespielt und die Dialoge waren auch nicht wirklich heiß (wenn man es mit anderen Columbo/Mörder-Dialogen vergleicht).

da bin ich wohl hier die Ausnahme, die an dieser Folge arg was zu kritteln hat.
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon Tiktaalik » Fr, 07.06.2013 17:07


zimtspinne hat geschrieben:da bin ich wohl hier die Ausnahme, die an dieser Folge arg was zu kritteln hat.

Nicht ganz. Von mir erhielt "Playback" auch nur 2 Punkte.
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Re: Bewertet: "Playback"

Beitragvon zimtspinne » Fr, 07.06.2013 17:50


Du kritisierst genau die Punkte, die mir auch gegen den Strich gehen.
Nur die Ehefrau finde ich lahm, du kannst mit dem Mörder nichts anfangen, den ich nicht ganz so schlimm finde.

Allerdings finde ich ebenfalls sein finales Ausrasten unstimmig, das passte nicht so ganz zu seiner Rolle. Bei anderen Mördern ist das viel stimmiger. Bei fast allen.

Schade finde ich, dass bei der Ehefrau Potenzial verschenkt wurde, die hätte man viel interessanter gestalten können, nicht nur als armes Hascherl, wobei die Schauspielerin allerdings schon sehr überzeugend war. Das war mir aber alles viel zu eindimensional gestrickt.
Ein paar interessante Nebenfiguren hätten bei diesem Kammerspiel auch nicht geschadet.

ich vergebe ebenfalls nur 2 Punkte.
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