Bewertet: "Tödliches Comeback"

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2
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2/5 passabel
8
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3/5 gut
19
36%
4/5 sehr gut
16
30%
5/5 überragend
8
15%
 
Abstimmungen insgesamt : 53

Re:

Beitragvon dille » Sa, 04.07.2009 19:13


Red Shadow hat geschrieben:Ein alter Doktor verwehrt seiner, wie sich herausstellen sollte, im sterben liegenden Frau den letzten Wunsch, indem er die Finanzierung eines Comebacks verweigert. Deshalb muss er sterben und die agile Musical-Queen darf ihrer alten Leidenschaft nachgehen. Warum macht der kranke Mann das? Würde man Halbtoten Wünsche nicht erfüllen, wenn einem das zum Fenster rausgeworfene Geld nicht wirklich schmerzt? Wohl eher nicht.


... wusste er zu diesem Zeitpunkt um des fortschreitenden Gedächtnisverlusts seiner Frau? Ich habe die Folge nicht mehr so präsent; was mir allerdings in Erinnerung geblieben ist, ist die dicke Staubschicht, die über dieser Folge liegt. Die Tanzsequenzen, denen sich Grace Whealer in ihrem Home Cinema hingibt, verbreiten den Hauch von längst Vergangenem - soll so wahrscheinlich auch sein, die Blütezeit Whealers war ja nun auch schon gewesen... von daher lassen wir's mal als Stilmittel durchgehen. Von kleinen Amüsereien, wie Columbos schläfrigem Arbeitsbeginn am Mord-Morgen mal abgesehen, sind hier viele Dinge aber überholt:
Das Butler-Klischee, kennt man sonst nur aus Edgar-Wallace-Krimis, war doch auch in den 70ern und vor allem in den USA nicht mehr zeitgemäß,

die kindlich wirkende Mörderin, die, wie sich nachher herausstellen sollte, nicht wusste (und auch nie mehr wissen wird), was sie tat, DAS ist Rosamunde Pilcher-Schwulst, mit der Ausnahme, dass das Happy End fehlt,
die gediegene Atmosphäre, geschwängert durch so illustre Objekte wie Hauspantoffeln, die doch tatsächlich zum Gegenstand der Ermittlungen gemacht werden, so, als recherchiere man als Privatdetektiv auf einem schottischen Landsitz des 19. Jahrhunderts;
alles in allem kommt dann leider auch noch der Humor zu kurz, der sich nicht zwangsläufig immerzu durch Kalauereien Columbos mit seinem Hund beim Arzt, dem Mörder über seinen Neffen, seine Frau, seinen Schwager... auszeichnen muss, sondern vielmehr in dem Columbo-typisch feinen Katz-und-Maus-Spiel mit dem Täter zeigt.
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Re: Re:

Beitragvon martha » Sa, 04.07.2009 22:55


dille hat geschrieben:Das Butler-Klischee, kennt man sonst nur aus Edgar-Wallace-Krimis, war doch auch in den 70ern und vor allem in den USA nicht mehr zeitgemäß,


Wobei es ja sicher überall Leute gibt, die die guten alten Zeiten auch in die Moderne herüberretten wollen.
Allerdings passt 'ne Butler-Figur fraglos besser nach England.
Deshalb fand ich das in "Alter schützt vor Torheit nicht" auch wesentlich stimmiger.
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
"Genau gesagt:Keiner von beiden. Es war Washington."
"Hatten Sie bei dem auch einen Vornamen?"
"Martha."
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon Jerry » Mo, 06.07.2009 08:47


Eine sehr gut, durchdachte Folge. Ein hervorragender Columbo, der trotz wenig Schlaf der Mrs. Wallace auf die Schliche kommt. Die Aufklärung ist genial. Was ich zu kritisieren habe ist Folgendes : Für mich wäre es gar nicht nötig gewesen, dass diese Wallace an Gedächtnisschwund oder sonstigen Kram leidet. Viel besser wäre, wenn wie bei jeder anderen Folge, wenn Columbo den Täter bzw. die Täterin überführt. Vielleicht wollte man mal Abwechslung in die Serie bringen, die nicht sehr gut gelungen ist. Halt mein Geschmack ... Euer Columbo Fan Jerry
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon H-Scorpio » Sa, 25.07.2009 13:38


Ich hab an der Folge nicht viel auszusetzen, ich halte sie eigentlich für gut gelungen und auch die angeblichen Längen konnt ich nicht ausmachen.
Nur das Ende gefällt mir nicht. Damit meine ich nicht, dass Columbo Grace Wheeler nicht verhaft, sondern mir gefällt die ganze Schlusssequenz nicht. Wie Columbo da penibel und schon fast aggressiv insistierend versucht, Ned Diamond von der Schuld Wheelers zu überzeugen und dabei von dieser ständig gestört wird... Naja, ist wohl Geschmackssache, mir sagte das nicht zu. Einen Überführungs-Clou gibt es ja auch nichtmal.

Ich geb trotzdem vier Punkte.
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Re:

Beitragvon andy_vip » Sa, 01.08.2009 02:55


Yves hat geschrieben: Außerdem ist das zu 100% unmöglich sich bei der Polizei durch solche Schießübungen zu mogeln. Und dann will er ja auch noch seinen Kollegen dazu überreden diese Kleinigkeit für ihn zu erledigen, was ebenso unrealistisch wirkt:!: Für mich zumindest...


zu dem Schießübungs-Gag:

Ihr regt euch so über die Schießübungen auf. Es gab doch gar keine Szene, in der der Kollege zu sehen ist, wie er für Columbo auf dem Schießstand erscheint. - Es ist ganz klar, dass Columbo in diesen "köstlichen Szenen", die den Film um einiges aufwerten, einfach keinen Bock auf diese Übungen hat und gaanz genau weiß, dass er nach zu diesem Zeitpunkt mindesten 31 toll gelösten Fällen (es ist Folge 32) sich diese Frechheiten durchaus rausnehmen kann - naja er versucht es zumindest auf jede erdenkliche weise...

Es kann sich jeder Zusschauer selber ausmalen, ob sich der Kollege überhaupt getraut hat dies mitzumachen oder ob er da war und es aufgefallen ist oder ob die Beamten beim Schießstand dies wirklich nicht soo ganau nehmen und nur Übungen machen und nen Häkchen dahinter (letzteres ist eher unwahrscheinlich). Der Film war halt einfach mal am selbsen Abend rum es wurde nie aufgelöst (weder ob es gaklappt hat, noch mit welchen Konsequenzen..) - Schießübung: 16 Uhr - am selben Abend Filmgucken in der Villa. In den 70´ern gabs auch noch keine Handys, so dass der Inspector wohl erst am nächsten Tag ein auf den Deckel/ne Rückmedung bekommt - nur da war der Film schon rum :cry:

Hier nun meine Bewertung:

-Mord war toll gemacht - man treut sich zumindest noch in diesem Stadium auf ne tolle Folge.

- Dann das Highlight: Eine der TOP-Szenen aller Folgen überhaupt (nur diese Szene!) : Columbo am Tatort (Jacket vergessen / er schläft fast im Stehen ein / der Kaffee / Zigarre/Aschenbecher / Kollegen trampeln alles dreckig / "was macht ihr denn da?"-Totenstarre / toll wie er den Kugelschreiber zurück gibt, der Butler "guten nacht" sagt, columbo ebenfalls und er im elben moment die treppe wieder hoch geht - klar alles nix neues, aber in dieser kompakten Kombination genialer Gags besonders genial! :neig:

- Die Aufklärung schleppt sich dahin

- Die Tanzszenen sind schrecklich

- Das Drama um die Krankheiten fürchterlich

- Die Mörderin mit ihrer Weinerei kaum zu ertragen

- Auf die Logikfehler wurde ja schon auführlichst eingegangen

2,4 Punkte -> sorry, 3 Punkte gibts nicht, denn drei Punkte heißt gut und dafür hats nicht gereicht.
Habe den allerersten Beitrag in diesem Jahrzehnt hier im Forum verfasst und bin richtig stolz drauf :-) !
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon columbo93 » Mo, 07.09.2009 18:39


Hollywood feiert begeistert eine neue Filmpremiere: "Song and Dance" ist ein Zusammenschnitt der Höhepunkte alter Musical-Filme mit Grace Wheeler. Zusammen mit ihrem ehemaligen Tanzpartner Ned Diamond gibt sie der Presse ihr Comeback bekannt, das die inzwischen in die Jahre gekommene Diva, von diesem Erfolg angetrieben, plant. Grace will sich um die Finanzierung kümmern, während Ned Choreographie und Regie übernehmen soll, da er selbst nicht mehr tanzen kann. Als Grace zu Hause ihrem Mann Dr. Henry Willis, Arzt im Ruhestand, von ihren Plänen berichtet, ist dieser wenig begeistert und erklärt sich nicht bereit, Geld für das geplante Musical zur Verfügung zu stellen. Daraufhin betäubt Grace ihren Mann heimlich mit einer Überdosis seiner Schlaftabletten und begibt sich in ihren privaten Filmvorführraum, wo sie sich eines ihrer alten Musicals ansieht, welchen ihr Butler Raymond als Film eingelegt hat. Während der Film läuft, schleicht sie sich heimlich aus dem Zimmer und erschießt ihren Mann, der in seinem Bett schläft, so, dass es wie Selbstmord aussieht, schließt von innen die Tür ab und entkommt durch das Fenster über den Balkon in den Garten. Von dort begibt sie sich wieder in den Vorführraum, wo sie feststellt, dass der Film gerissen ist. Diesen repariert sie schnell und sieht sich das Musical zu Ende an. Zum Wechseln der Filmrollen taucht zwischendurch immer wieder Raymond auf, der jedoch Garces zwischenzeitliche Abwesenheit nicht bemerken kann, da sie an den entscheidenden Stellen im Raum ist. Am Ende packt Raymond die Filmrollen ein, will noch einmal nach Henry Willis sehen und stellt nach Aufbruch der Tür fest, dass dieser tot ist. Er ruft sofort die Polizei. Es sieht so aus, als hätte Willis seine eigene Krankenakte gelesen und sich aufgrund einer bevorstehenden Prostata-Operation umgebracht. Raymond berichtet Columbo von den Ereignissen und auch von Dr. Willis Freude auf die bevorstehende Weltreise. Auch ansonsten schien Willis nicht depressiv zu sein, weswegen Columbo misstrauisch ist. Am nächsten Morgen besucht Ned Diamond Grace, um sein Beileid auszusprechen und die Proben für das Musical zu verschieben. Doch Grace will keine Verzögerung der Proben und besteht auf die Einhaltung des Terminplanes. Als Columbo auftaucht, stellt er Grace einige Fragen bezüglich des Todes ihres Mannes und zeigt sich verwundert, warum er sich selbst umgebracht haben sollte. Grace kann daran nichts merkwürdiges finden und lädt den Inspektor ein, zusammen mit seiner Frau einmal einen ihrer Filme anzusehen. Columbo sucht den Arzt von Dr. Willis auf, der aussagt, dass die Prostata-Operation völlig harmlos gewesen wäre. Je mehr der Inspektor nachforscht, desto unwahrscheinlicher kommt ihm die Selbstmord-Theorie vor, doch immer, wenn er Grace aufsucht, will sie davon nichts wissen. Columbo spricht noch einmal mit Raymond über die Ereignisse und sieht sich die von Dr. Willis gesammelten Krankenakten an. Grace indes arbeitet nur an ihrem Comeback und hat dabei die volle Unterstützung Neds, der sie schon seit Jahren unendlich liebt. Daher gehen auch alle Probenfehler von Grace auf Kosten ihrer Partner. Ned Diamond will, dass Columbo Grace endlich in Ruhe lässt, doch Columbo erwidert, dass er sie für die Mörderin ihres Mannes hält und legt dafür Beweise vor. Er will am Abend bei Grace einen ihrer Filme ansehen und lädt Ned ein, auch dorthin zu kommen. Am Abend treffen sich die drei, und während Grace damit beschäftigt ist, den Film vorzubereiten, legt Columbo Ned die Beweise vor: Der Film, den sich Grace in der Mordnacht angesehen hat, läuft normalerweise 1 Stunde und 45 Minuten, am diesem Abend lief er aber nach Aussagen des Butlers 2 Stunden. Columbo erklärt, dass der Film gerissen war und von Grace repariert wurde. Diese braucht jedoch für die Reparatur nur knapp 4 Minuten, was hat sie also in den übrigen 11 Minuten gemacht? Dies kann nur bedeuten, dass sie zu der Zeit, als der Film gerissen war, nicht im Raum war. Columbo erklärt weiter, dass Grace laut den Aufzeichnungen ihres Mannes an fortschreitendem, schnell um sich greifenden Gedächtnisschwund leidet. Das Langzeitgedächtnis funktioniert noch, doch das Kurzzeitgedächtnis ist stark betroffen. Daher hätte ihr Mann auch nie einem Comeback zugestimmt: Schon die Anstrengung der Proben hätte ihren Tod bedeuten können. Der Inspektor erklärt weiter, dass Grace nur noch wenige Wochen leben wird und wahrscheinlich auch nicht mehr weiß, dass sie ihren Mann umgebracht hat. Gerade als Columbo Grace verhaften will, gesteht Ned den Mord. Auf dem Weg zum Auto behauptet Columbo, dass man Ned sein Geständnis nicht abkaufen wird. Darauf meint Ned, das könne ein paar Monate dauern; Columbo hält dies für möglich. Und Grace sieht sich weiter ihren alten Film an... Eine ausgezeichnete Episode, bei der es wieder mal viel Freude gemacht hat, genau hinzusehen. Columbo vermutet ja, dass Grace den Mord vergessen hat, und tatsächlich ist mehrmals deutlich zu erkennen, dass sie gar nicht weiß, wovon Columbo überhaupt spricht, wenn er seine Fragen stellt. Als Columbo sie bei einer Tanzprobe aufsucht, um einige Fragen zu stellen, sieht man ihr an, dass sie gar nicht mehr weiß, dass ihr Mann überhaupt tot ist.

Die Auflösung verläuft auch diesmal wieder ganz anders als erwartet. Columbo belegt mit vielen kleinen Details, dass Grace die Mörderin ist – kein Trick, um sie zu überführen. Am Ende verhaftet er sie dennoch nicht. Das ist zwar einerseits verständlich – schließlich hat Grace nur noch wenige Wochen zu leben – andererseits das erste Mal, dass der Inspektor am Ende den Mörder nicht verhaftet! Ist diese Entscheidung von ihm denn korrekt? Sicherlich menschlich, sicher auch nicht ganz ohne den Einfluss von Ned Diamond, der ja hier die Initiative ergreift, aber doch zumindest fragwürdig. Oder nicht? 4/5 punkten , weil der fall clever und die auflösung gut war(warum solte sich die mörderin auch sooooooo lange ne weisse leinwand anschauen, wenn sie den mord nicht begangen hat :wink: )
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon sagittarius » Do, 03.06.2010 18:20


Columbo meets Hollywood, kann man zu dieser Folge sagen. Zwar kennt Columbo schon Nora Chandler und lernt später Ward Fowler kennen, aber Janet Leigh spielt die Rolle der alternden Diva Grace Wheeler authentisch und schlägt die genannten Figuren um Längen. Diese Episode ist eine Integration von Hollywood und Columbo, eine Art "Boulevard der Dämmerung".
Insbesondere der Schluss ist hollywoodreif. Die Mörderin ist sterbenskrank, ihr früherer Filmpartner und Verehrer Ned Diamond nimmt die Schuld auf sich und Columbo lässt das geschehen. Deutlich zu erkennen ist die Weltentrücktheit von Grace, die gar nicht mehr mitbekommt, wie Columbo und Ned Diamond über ihre Schuld diskutieren.

Zwar ist Grace Wheeler ein Aktivposten, aber die Episode ist sonst recht langatmig und kriminalistisch schwach. Da gibt es die doppelte Menge eines Schlafmittels, aber was beweist das? Der Ehemann kann häufiger zwei Tabletten genommen haben. Die Hausschuhe sind sauber? Vielleicht ist er in Straßenschuhen zum Auto gegangen, um die Waffe zu holen. Und dann die Eselsohren: Wieso verunstaltet man ein Buch überhaupt? Es gibt doch Lesezeichen. Unabhängig davon ist ein nicht vorhandenes Eselsohr als Indiz recht dünn.
Schließlich das "Königsindiz": die fehlenden 11 Minuten. Aber wer kann ausschließen, dass Grace nach der Reparatur des Films einfach nur zur Toilette gegangen ist? Angesichts dieser Indizienarmut müsste Columbo ja dankbar über Ned Diamonds Geständnis sein.

Seltsam finde ich das Verhältnis von Grace und ihrem Ehemann. Dafür, dass Mr. Willis von der Krankheit seiner Frau weiß, geht er ziemlich rüde mit ihr um.

Columbo hat ein Problem: Er muss zum Übungsschießen. Erst kommt ein weiblicher Sergeant, dann ein Lieutenant, dann eine Art Gerichtsvollzieher mit Vollstreckungsbescheid, der Columbo unmissverständlich zum Schießplatz bestellt. Schließlich schickt Columbo einen Freund hin, der womöglich eine falsche Dienstmarke und einen falschen Ausweis benutzt und eine falsche Unterschrift leistet. Ich finde, es ist ein wenig gelungener Running Gag.

Nun wissen wir auch, warum Columbo so selten im Morddezernat auftaucht: "Da passieren so wenig Mordfälle". Ich gebe knapp 3 Punkte.
"So was wie den perfekten Mord gibt es nicht. Das ist nur eine Illusion."
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon Mr. Brimmer » Do, 03.06.2010 19:47


Recht seltsame Folge mit unbequemem Thema. Die
totkranke Diva erreicht sogar, unbewußt natürlich,
dass Columbo, was sonst nie vorkommt, eine Ausnahme
macht und sie vor dem Gefängnis verschont. In Anbetracht
dessen, dass Grace Wheeler nur noch kurze Zeit zu leben
bleibt ist das verständlich, aber unprofessionell. Schließlich hat
sie einen Mord begangen. Die Hinweise die Columbo zu diesem
Ergebnis führen sind alle alles andere als stichhaltig und schon
mal gar keine Beweise. Die Indizien sind sehr dürftig. Die
schauspielerischen Elemente sind erstklassig, auch Humor ist
vorhanden ( Columbo hangelt such am Baum runter, Columbo
mag nicht zum Schießplatz...). Sind gute 2 Punkte. Schlechte
Beweisführung und unbequeme Thematik. Spass macht diese
Folge nicht.
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon dille » Fr, 04.06.2010 09:51


Gedächtnisverlust, der binnen kürzester Zeit den Tod zur Folge hat, hinkt gewaltig, birgt aber bei näherer Betrachtung auch Raum für Spekulationen über eventuelle pathologische Ursachen (Gehirntumor, Blutgerinsel etc.). Wenn man sich allerdings erst solch anstrengende Gedanken machen muss, damit der entscheidende Aspekt in dieser Folge, nämlich die Aufklärung des Mordes und damit die Überführung von Grace Wheeler als Mörderin ihres Gatten, logisch wird, geht der Folge etwas Wesentliches verloren, nämlich die Leichtfüßigkeit, das für Columbo so typisch Boulevardistische. Ein solches Abdriften in mystische Gefilde gab's schonmal, nämlich 2 Jahre zuvor bei "Ein Hauch von Mord", wo das Motiv, die Formel für die unglaubliche Resultate bewirkende Antifaltencreme, klar überzeichnet war.
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon martha » Fr, 04.06.2010 21:18


Ich fand diese pathologische Variante des Gedächtnisverlusts auch nicht sonderlich prickelnd, da sie für die Mordmotivation ja nicht sonderlich relevant war.

Ich bin eher ein Anhänger des inszenierten Gedächtnisverlusts, wie ihn etwa Riley Greenleaf in "Schreib oder Stirb" betreibt.
Da wurden Gedächtnislücken geschickt eingesetzt, um das Alibi noch zu bekräftigen.
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon zimtspinne » Fr, 04.06.2010 22:36


Ich verstehe nicht, weshalb diese Karte mit der Todkrankheit überhaupt gezogen wurde.
Ein joker war das nicht.
Die alte Dame handelt völlig kaltblütig und in diesem Moment auch bewusst und bei klarem Verstand - so kommt es jedenfalls bei mir an.
Dass sie sich am Ende nicht mehr daran erinnert, was sie getan hat, ändert nichts daran, dass sie zum Mordzeitpunkt wusste, was sie tat und nicht etwa in trance handelte.
Die Mordplanung war minutiös ausgetüftelt, da konnte sie sich überhaupt keine blackouts leisten.
Eine eiskalte Mörderin mit sehr niederen Motiven. So ziemlich die niedersten überhaupt. Sie hat ein angenehmes Leben, hätte sich auch ein bisschen Tanzerei finanzieren lassen können, aber nein, sie will noch mal jung sein und ihren damaligen Erfolg wiederholen. Koste es was es wolle. Dabei geht sie wenig zimperlich mit ihren Partnern um. Übergeschnappt wäre meine Diagnose :wink:

Es waren wohl eher praktische Überlegungen als Mitleid, wenn Columbo sie verschont. Den Ehemann macht es nicht wieder lebendig, ihre Strafe hat sie im Prinzip schon, die juristische würde sie ohnehin nicht mehr erleben.
Ich habs: Columbo hatte keinen Bock auf zusätzlichen Papierkram :P
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon dille » Sa, 05.06.2010 10:25


zimtspinne hat geschrieben:Die alte Dame handelt völlig kaltblütig und in diesem Moment auch bewusst und bei klarem Verstand - so kommt es jedenfalls bei mir an.
[...]
Eine eiskalte Mörderin mit sehr niederen Motiven. So ziemlich die niedersten überhaupt.


Folgt man aber der inneren Logik der Charaktere, so wie sie hier gezeichnet wurden, muss Grace Wheeler bei der Ausführung des Mordes im Nachhinein - einer fiktiven Gerichtsverhandlung mit entsprechender psychiatrischer Begutachtung etwa -, überhaupt keine, zumindest aber eine stark eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit attestiert werden, da sie bereits vor der Ausführung des Mordes als todkrank diagnostiziert wurde; schlussendlich muss in ihrem Schädel bereits was am Brodeln gewesen sein. Ihr Mann wusste es bereits, und er wird ihr wohl deswegen die Finanzierung ihres Comebacks verweigert haben. Aber ich kann mir kein medizinisches Gutachten vorstellen, das besagt, dass der Patient zum momentanen Zeitpunkt noch gesund ist, aber in wenigen Wochen an Gedächtnisverlust sterben wird.
Weniger konsequent hingegen ist demzufolge dann jedoch die Durchführung des Mordes getarnt als Selbstmord. Zu kalkuliert, zu rational, wenn man eben diese [Rationalität] bei Grace zum Zeitpunkt der Tat bereits vermissen musste. Sie wusste genau, dass ihr Mann die Hände wegen der Todesstarre am Abzug halten musste, sonst hätte es nicht wie Selbstmord ausgesehen. Nur, konnte sie solche Überlegungen eigentlich noch anstellen, folgt man der Logik ihres Charakters?
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon zimtspinne » Sa, 05.06.2010 14:57


Ich verstehe, was du meinst... habe aber so meine Probleme mit dieser Krankheit.
Welche (körperliche) Krankheit lässt einen denn zum Mörder werden?
Unberechenbar ja, und es gibt ja auch die Opfer von Kopfverletzungen, bei denen das Empathiezentrum danach gestört ist.

Sie meuchelt ja nicht wahllos drauflos, sondern ganz gezielt jemanden, der ihr im Weg ist bei ihren Plänen und dessen Geld sie dafür braucht, der es ihr aber nicht geben möchte.
Sie lässt es ganz bewusst nach Selbstmord aussehen und sagt doch auch später in diesem Sinne aus.

Da fällt es mir einfach schwer, an Krankheiten zu denken, die sowas auslösen, und genau dann, wenn man es braucht - peng, Erinnerung weg!
Als ich das beim ersten Mal hörte, war ich auch etwas baff. Mit der Wendung hätte ich nicht gerechnet.

Ich hätte es besser gefunden, wenn sie die Erinnerungslücke wegen ihrer Krankheit (sie hätte ja tatsächlich meinetwegen einen Hirntumor haben können) nur vorgespielt und wie Abigail auf Mitleid gesetzt hätte, wenn das ganze aufzufliegen droht.
Das wäre viel glaubwürdiger gewesen, da hätte man auch noch ein nettes Katz-und-Maus-Spiel draus machen können. :wink:
Das hätte zu der fitten und sehr umtriebigen Dame auch gepasst. Ich wäre nicht so ohne weiteres von dem Baum gekraxelt und bin um einiges jünger :P

Und nee, kein Gutachter der Welt hätte ihr ein entlastendes Gutachten rückwirkend ausgestellt... bei einem Gutachten gehts immer um den konkreten Zeitpunkt, an dem es ausgestellt wird, im nachhinein kann da nichts mehr gedrechselt werden; könnte ja viel zu leicht ausgenutzt und manipuliert werden.

Wenn zB eine Person geistig schon verwirrt jemandem etwas überschreibt, und das einige Monate später angezweifelt oder angefochten wird und dann auch per Gutachten Verwirrung (zu diesem späteren Zeitpunkt) festgestellt wird, ist das trotzdem nicht autoamtisch für den konkreten Überschreibungszeitpunkt [rückwirkend] gültig (habe mich vor einer Weile mal damit beschäftigt, finde ich ganz interessant).

Selbst wenn nachgewiesen wird, das Hirn müsste vor drei Wochen in dem und dem Stadium gewesen sein, ist das zu ungenau und kann nicht bewiesen werden (falls doch, hätte sie ja ohnehin als Gefahr für die Allgemeinheit unter Verschluss gesetzt werden müssen).

In ihrem Fall wäre es ja sogar eine glatte Lüge bzw. Falscheinschätzung gewesen, da sie zum Mordplanungs- und Ausführungszeitpunkt eben noch geistig vollauf war und wusste was sie tat.
Sie hätte das Gutachten also weder zuerst noch später bekommen, außer sie hätte eins gefälscht oder die Gutachter bestochen.
Eine spätere Erinnerungslücke befreit nicht von Konsequenzen und Strafe... sonst hätten es die ganzen Leute, die unter Alk straffällig werden, recht gut :wink:
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon JustOneThing » Di, 09.08.2011 21:27


Eigentlich hat man bei dieser Folge ein recht brisantes Thema aufgegriffen, das Thema Demenz. Wenn auch hier offenbar eine besondere (medizinisch nachvollziehbare?) Form des Gedächtnisverlustes ins Feld geführt wird, so kommt sie der Demenz-Krankheit ziemlich nahe.
Die große Frage ist nun, passt dieses Thema in eine als amüsante Unterhaltung gedachte Krimi-Geschichte mit einem Inspektor Columbo?!
Die Frage kann man sicher so oder so beantworten, aber ich habe damit offenbar ein kleines Problem.

Abgesehen von der Tatsache, dass der Zuschauer anfangs nichts von der Krankheit der Mörderin merken soll (von ein paar kleineren Hinweisen auf Gedächtnislücken "äh wie war doch der Name nochmal? - Ach Columbo" abgesehen), damit am Ende die Überraschung nicht verloren geht, und die Mörderin zudem mit ziemlicher Kaltblütigkeit und was noch wichtiger ist, mit einer enormen Berechnung vorgeht, und somit die glaubwürdige Darstellung einer Demenz-Erkrankung in Frage stellt, kommt bei dieser Folge das "Katz-und-Maus-Spiel" zwischen Columbo und der Mörderin etwas zu kurz.
Beim ersten Schauen dieser Episode kommt gegen Ende so etwas wie ein Verdacht auf, dass mit der Wheeler auch gesundheitlich was nicht stimmen kann, da ist der Überraschungseffekt am Schluss doch noch als solcher zu erfahren.
Weiß man aber nun als "Wiederholungs-Gucker" um das Problem der Mörderin, geht dieser Effekt natürlich nicht mehr auf.

Ich bin mir nicht sicher, was ich von Janet Leigh in ihrer Rolle als alternde Fim-Diva halten soll. Ist jemandem außer mir das ständig total verschwitzte (oder fettige? überschminkte?) Gesicht der Grace Wheeler aufgefallen? Sie sieht fast immer aus, als hätte sie ihren Kopf gerade aus einem Fass mit heißem Öl gezogen.
Das Bauchgefühl sagt mir, dass Anne Baxter oder die großartige Ruth Gordon ihre Mörderrollen einfach glaubhafter und unterhaltsamer (soll nicht bedeuten liebenswürdiger!) gespielt haben. Aber viel hängt natürlich auch vom Drehbuch ab.

Insgesamt unterhält diese Folge mich als Zuschauer trotz der aufgeführten Kritik recht gut, auch wenn die ständigen "Columbo-muss-zum-Schiessplatz"-Einlagen mit der Zeit etwas nerven.
Obgleich "Tödliches Comeback" nicht zu meinen Lieblingsfolgen gehört, habe ich sie mit guten 3 Punkten bewertet.
Zuletzt geändert von JustOneThing am Di, 09.08.2011 23:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bewertet: "Tödliches Comeback"

Beitragvon Doc Brown » Di, 09.08.2011 22:04


Irgendwann muss ich auch noch mal eine ausführliche Kritik zu dieser Episode schreiben,im Moment nur so viel: Mich stört hier ebenfalls die unglaubwürdige Darstellung von Demenz.

Ein wichtiges Indiz einer Demenzerkrankung ist ja die Unfähigkeit der Personen Entscheidungen zu treffen. Offene Frage können gar nicht mehr beantwortet werden, selbst Entscheidungsfragen ("Kaffee oder Tee") stellen sie vor ein großes Problem. Außerdem sind diese Personen nicht mehr fähig, ihren eigenen Tagesablauf zu planen/zu strukturieren.

Daher halte ich es für komplett unglaubwürdig, dass Wheeler einen so kaltblütigen Mord planen und durchführen kann und ein paar Tage später diesen Mord vergessen hat. Wer ein so einschneidendes Erlebnis vergisst, der leidet ja offensichtlich schon an fortgeschrittener Demenz und sollte somit gar nicht mehr in der Lage sein, einen so berechnenden Mord durchzuführen.

Die Autoren hätten besser die Finger von dieser Thematik gelassen. :?
Döp döp döp de de döp döp döp
(H.P. Baxxter)
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