Bewertet "Schach dem Mörder"

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1
2%
2/5 passabel/"na ja"
9
18%
3/5 gut
15
29%
4/5 sehr gut
21
41%
5/5 überragend
5
10%
 
Abstimmungen insgesamt : 51

Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon martha » Di, 10.03.2009 19:17


Jetzt ist mir aber doch noch jemand aus der frühen "Columbo"-Ära eingefallen, dessen private Behausung nicht gezeigt wird. :o
Und paradoxerweise ist es ausgerechnet Architekt Markham, der sich lieber in den Häusern der beiden Williamson-Damen aufhält.

Ach ja, und noch 'ne Sache, die mich schon lange beschäftigt. ?-/
Warum hat Dr. Flemming samt seiner reichen Gattin eigentlich nur 'ne recht überschaubare Appartement-Wohnung?
Im Vergleich zu fast allen anderen Columbo-Mördern ist das doch 'ne recht bescheidene Herberge, Sir! :?
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
"Genau gesagt:Keiner von beiden. Es war Washington."
"Hatten Sie bei dem auch einen Vornamen?"
"Martha."
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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon Venus » Di, 10.03.2009 20:09


martha hat geschrieben:Ach ja, und noch 'ne Sache, die mich schon lange beschäftigt. ?-/
Warum hat Dr. Flemming samt seiner reichen Gattin eigentlich nur 'ne recht überschaubare Appartement-Wohnung?
Im Vergleich zu fast allen anderen Columbo-Mördern ist das doch 'ne recht bescheidene Herberge, Sir! :?


@martha: Es gibt (kinderlose) Ehepaare, die eine Wohnung einem Haus vorziehen.
Vielleicht dachten sich die Drehbuchautoren, für die beiden reicht auch ein Appartement?
Venus
 

Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon columbo93 » Mo, 07.09.2009 18:49


Der nahezu taube Schachweltmeister Emmett Clayton steht vor einer großen Herausforderung: Das große Spiel gegen den ehemaligen Weltmeister Tomlin Dudek steht an. Der Sowjet-Russe Dudek ist vor Jahren nur aufgrund gesundheitlicher Probleme von seinem Titel zurückgetreten. Obwohl Clayton schon Albträume plagen, gibt er sich vor der Presse selbstbewusst. Als Dudek heimlich aus dem Hotel in ein kleines Restaurant schleicht, folgt ihm Clayton. Während ihrer Unterhaltung beginnen die beiden mit Hilfe der Tischdekoration eine Partie Schach, die mehrere Stunden dauert und Clayton schließlich unter einem Vorwand abbricht. Auf dem Rückweg ins Hotel beschließen beide, um nicht aufzufallen, einen Nebeneingang zu benutzen. In der Nacht wird Clayton von Berozski, Dudeks Trainer, aufgesucht, der ihm berichtet, dass Dudek verschwunden ist. Clayton beschwert sich, dass Berozski ihm den Schlaf rauben wolle und so geht dieser wieder unverrichteter Dinge. Tatsächlich ist aber Dudek bei Clayton und beide spielen wieder eine Partie Schach. Dudek gewinnt diese Partie quasi im Alleingang und Clayton sieht vor seinem geistigen Auge Bilder von Dudeks morgigem Triumph. Vor lauter Verzweiflung wirft er sein Hörgerät an die Wand. Dudek erzählt seinem Manager bei seiner Rückkehr, er wäre beim Bowling gewesen. Am nächsten morgen ruft Clayton unter Dudeks Namen eine Fluggesellschaft an, um einen Auslandsflug zu buchen. Anschließend verabredet er sich mit Dudek. Clayton nutzt jedoch Dudeks daraus resultierende Abwesenheit aus, um in sein Hotelzimmer zu gehen und dort einige seiner Sachen zusammenzupacken. Dann trifft er sich mit Dudek und überredet ihn, in seinem Namen einen Brief auf russisch zu schreiben. Schließlich wirft er Dudek in den riesigen Müllzerkleinerer des Hotels. Dann begibt sich Clayton zu den Turnierräumen und wartet wie alle anderen auf Dudek. Inzwischen wird Tomlin Dudek schwer verletzt gefunden, alles deutet auf einen Unfall hin, der sich ereignet hat, als Dudek sich heimlich absetzen wollte. Clayton reicht zusätzlich den von Dudek geschriebenen Brief dem Inspektor. Doch Columbo kommen nach den Gesprächen mit Dudeks Vertrauten erste Zweifel an dieser Theorie, die sich durch einige Kleinigkeiten erhärten. Clayton erkundigt sich inzwischen im Krankenhaus nach Dudeks Gesundheitszustand; dieser wird aber noch operiert. Im Krankenhaus trifft Clayton auf Linda Robinson, die Turnierveranstalterin und enge Vertraute Dudeks, überdies Emmetts ehemalige Verlobte. Dieser erzählt er von dem gestrigen Abend und behauptet, dass er und Dudek sich gut verstanden und einige Partien Schach gespielt hätten, die jedoch Clayton allesamt gewonnen habe. Möglicherweise habe er dieses wohl nicht gut aufgenommen. Anschließend trifft Clayton auf Columbo, und der Inspektor lädt ihn ein, mit ihm zurück zum Hotel zu fahren. Columbo erzählt Clayton von einigen Kleinigkeiten, die ihn stören und bekommt heraus, dass Clayton sich am Morgen noch einen neuen Transistor für sein Hörgerät kaufen musste, da sein alter am Abend kaputt gegangen ist. "Zufällig" lädt Columbo den Weltmeister in das Restaurant ein, in dem dieser am Abend zuvor mit Dudek saß. Clayton gibt zu, dass er sich dort mit Dudek getroffen und mit ihm Schach gespielt hat und gibt wieder an, gewonnen zu haben, wollte dieses aber nicht an die große Glocke hängen und hatte dem Inspektor deswegen zuvor nichts davon gesagt. Als Columbo am Nachmittag erneut Clayton trifft, konfrontiert er diesen mit Dudeks Schachaufzeichnungen, die er wohl nach dem Restaurantbesuch gemacht hat. Hieraus geht hervor, dass Weiß die Partie gewonnen hätte; der Kellner aus dem Restaurant sagte aus, dass Dudek die Partie eröffnet hätte. Clayton jedoch behauptet knapp, er hätte Weiß gehabt. Nach diesem Gespräch tauscht Clayton heimlich Dudeks Medizin aus. Und direkt nach Einnahme der Medikamente geht es Dudek bereits wesentlich schlechter und kurz darauf verstirbt er. Columbo erfährt, dass Clayton einen kurzen Blick auf die Liste mit Dudeks Medikamenten werfen konnte. Dann bekommt Columbo mit, dass sich der Müllzerkleinerer des Hotels automatisch abstellt, sobald ein Gegenstand hineingeworfen wird und er manuell wieder angestellt werden muss, damit er weiterarbeitet. Columbo konfrontiert Clayton mit seinem Verdacht gegen ihn. Daraufhin besuchen beide den Müllzerkleinerer, als sich Clayton wegen des Lärmes sein Hörgerät aus dem Ohr reißt. Als Columbo ihm erzählt, dass sich der Zerkleinerer automatisch abschaltet, lässt Columbo die Maschine abschalten, Clayton schreit jedoch weiter, da er dies nicht hören konnte. Der Inspektor erklärt, dass es für ihn keinen Sinn ergab, dass, wenn jemand Dudek umbringen wollte, er die Maschine nicht wieder angeschaltet hat. Da Clayton aber nicht gehört hat, wie sich die Maschine abschaltete, ist dies die Erklärung dafür. Ein solider Krimi, der jedoch einige Schwächen hat, die im Grundsätzlichen liegen: Wieso bringt Clayton Dudek überhaupt um? Beide sind Sportler, und da kommt es nun mal vor, dass der eine besser als der andere ist. Es ist doch völlig unwahrscheinlich, dass Clayton zuvor jeden Gegner beliebig geschlagen hat und nun gegen Dudek nicht den Hauch einer Chance zu haben scheint. Hinzu kommt, dass es sich hierbei doch um einen Denksport handelt, bei dem Konzentration und eine gute Gedächtnisleistung im Vordergrund stehen (wie auch in dieser Episode mehrfach erwähnt wird). Wie kommt es also, dass sich Clayton so leicht ablenken lässt und ihn hier sogar Albträume plagen? Außerdem ist Dudek doch nun wirklich ein sympathischer und sportlicher Zeitgenosse, so dass Clayton mehr als nur ein schlechter Verlierer ist. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass so ein Mann Schachweltmeister werden könnte.
überragend :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

super toller fall und super auflösung


auflösung: die müllpresse, das hörgerät und die tatsache dass columboo so lange den mörder provoziert und unter druck setzt dass er sich selbst verrät( dann schalten sie das miestding ab!!!!) :mrgreen:

bravorös, einer der allerbesten folgen :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :neig:
Zuletzt geändert von columbo93 am Mo, 26.04.2010 17:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon sagittarius » Sa, 17.04.2010 18:17


Er hat Angst zu verlieren. Albträume plagen ihn, in denen ihn riesige Schachfiguren bedrohen, gesteuert von seinem hinterhältig grinsenden Gegner. Emmett Clayton lebt für das Schachspiel, es ist seine Identität.

Die grandiose Albtraumszene zu Beginn zeigt seine Versagensängste auf. Das Match zu verlieren, wäre sein psychischer Tod. Es geht also nicht um eine sportliche Auseinandersetzung. Emmett Clayton ist kein Sportsmann, auch nicht, wenn er gewinnt. Er ist ein Fall für den Psychiater (vielleicht könnten ihn Dr. Flemming oder Dr. Collier helfen :) ).

Erschwerend kommt hinzu, dass er nur Weltmeister wurde, weil sein Kontrahent Dudek wegen einer Krankheit zurücktreten musste. Clayton hat Dudek also nie besiegt. Eine Niederlage gegen Dudek würde bedeuten: Er ist nie wirklich Weltmeister gewesen. Ein vorhandener Nimbus wäre zerstört. Das Spiel im Restaurant beendet Claytons Hoffnung, gegen Dudek doch stark genug zu sein. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Clayton schiebt seinem Gegner die Furcht zu, die er selbst empfindet. Angeblich wollte Dudek weglaufen ("dieser arme Mann"), was Clayton gerne getan hätte. Clayton ist einer der armseligsten Mörder der Columbo-Serie. Aber darin liegt auch eine Faszination. An die Mörder aus "Tod am Strand" oder "Mord in der Botschaft" konnte ich mich vor dem letzten Anschauen gar nicht mehr erinnern. Aber die Geschichte um den Schachmeister war mir immer präsent.

Die Indizien sind nicht gerade wasserdicht. Natürlich kann die Person, die Dudek in die Schrottpresse gestoßen hat, taub gewesen sein. Nur: Clayton ist Schachmeister und wird kaum wissen, wie man so ein Ding einschaltet oder abstellt, wie die Sicherheits-vorkehrungen sind und dergleichen mehr.
Ebenso die Zahnbürste: Wenn Dudek wirklich verzweifelt war, hat er vielleicht nicht darauf geachtet, ob er eine falsche Zahnbürste einpackt. Es kann ja auch der Hotelpage gewesen sein, wie Clayton behauptet.
Die Sache mit dem Papier und der Tinte ist schon klarer. Wie kann Dudek eine Sorte Papier beschreiben, über die er gar nicht verfügt? Und wenn die Tinte von Claytons Kugelschreiber dieselbe ist, mit der Dudek angeblich seinen Abschiedsbrief geschrieben hat, kann man davon ausgehen, dass Dudek Claytons Kugelschreiber benutzt hat.

Interessant ist das Spiel im Restaurant. Nach Aussage des Kellners verschiebt Dudek das Salz und Clayton danach den Pfeffer. Daraus muss man zwingend schließen, dass Dudek Weiß spielt, auch deshalb, weil Dudek zuerst gezogen hat und Weiß immer die Partie beginnt. Aufgrund der Notizen Dudeks wird Clayton als Verlierer entlarvt, was ein Motiv ergibt.

Ich finde es unglaubhaft, dass Clayton in Dudeks Quartier so ungestört eindringen und sich umsehen kann und nach dem Anschlag noch in der Lage ist, die Medikamente zu vertauschen. Das Quartier müsste doch besser bewacht sein. Was mich auch wundert ist, dass Clayton allein ist ohne Delegation. Offenbar ist dies dramaturgisch nötig, weil Clayton für den Mord den nötigen Freiraum benötigt.

Bemerkenswert finde ich, dass Clayton im Beisein von Dudek im Restaurant zeitweise locker und vergnügt ist, allerdings vor dem Spiel.

Eine witzige Szene: Columbo telefoniert in Anwesenheit von Clayton mit dem Krankenhaus. Alarmierende Nachrichten für Clayton: "Er wird wieder gesund, er hat sich bewegt", sagt Columbo. Zu Claytons Glück wedelt der "Patient" mit seinem Schwanz.

Offenbar ist eine Ähnlichkeit mit Bobby Fischer beabsichtigt, der 1972 Weltmeister wurde und sich danach nicht mehr traute zu spielen. Sein Nachfolger Karpow gewann kampflos.
"Schach dem Mörder" ist eine überdurchschnittliche Columbo-Episode. Ich gebe 4 Punkte.
Zuletzt geändert von sagittarius am Sa, 06.11.2010 13:35, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon Topi » Sa, 17.04.2010 18:49


"Viele Punkte führen zum Ziel", könnte man angesichts der zusammengetragenen Indizien sagen.
Der letzte Baustein sollte dann aber das eindeutigste Indiz, wenn schon nicht Beweis sein.
Aber auf dem Höhepunkt kommt leider nichts Stichhaltiges zustande.
Die Presse macht zwar Krach, überzeugt aber nicht.

Ich werde mit dieser Folge aus einem anderen Grund nicht richtig warm.
Columbofolgen müssen für mich dort spielen, wo die Leute wohnen. Nicht in anonymen Hotelzimmern.
Die Einrichtungen geben so schöne Schlaglichter auf Täter und Opfer.
eitel/ordentlich/schlampig/geschmackvoll/modern/spießig usw.

Ich glaube daran liegt, dass ich mich mit dieser Folge nicht anfreunden kann-

Ich hab sie als Kind irgendwann gesehen und nun wieder.
An die Simultanrunde konnte ich mich erinnern: Ähem, Sir. Sie sind schachmatt 8)

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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon sagittarius » Sa, 17.04.2010 18:58


Das Narrenmatt, welches Clayton erleidet, halte ich nicht für glaubhaft. Es muss doch einem in Fleisch und Blut übergehen, dass man nicht den f-Bauer zu Beginn zieht.

Ich fand es übrigens gut, dass mal nicht in einer Millionärsvilla gespielt wurde. Die Unruhe im Hotel (etwa die Reporter) trägt zur spezifischen Atmosphäre bei.
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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon Topi » Sa, 17.04.2010 19:06


sagittarius hat geschrieben:Das Narrenmatt, welches Clayton erleidet, halte ich nicht für glaubhaft. Es muss doch einem in Fleisch und Blut übergehen, dass man nicht den f-Bauer zu Beginn zieht.

Ich fand es übrigens gut, dass mal nicht in einer Millionärsvilla gespielt wurde. Die Unruhe im Hotel (etwa die Reporter) trägt zur spezifischen Atmosphäre bei.


Die Szene sollte doch nur bedeuten, dass Columbo den Meister vollkommen aus dem Konzept gebracht hat. Der junge Mann schien ja selbst verblüfft gewesen zu sein.
Ich musste jetzt beim Wiederangucken lachen. Ich erinnerte die Szene anders. Ich dachte, ein kleiner Junge hätte gesiegt. So hat sich meine Fantasie damals damit beschäfigt... :P

Das mit der Location ist von mir nicht als Kritikpunkt gemeint. Ich merke nur, dass mir unpersönliche Aufenthaltsorte nicht so zusagen.
Das ist halt mein Geschmack.
Es muss ja nicht immer eine Villa sein. Nur so eingerichtet, dass man weitere Infos über Täter/Opfer bekommt.

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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon Mr. Brimmer » Fr, 30.04.2010 21:36


Ist für mich etwas besserer Durchschnitt. Für 4 Punkte
reichts aber nicht. Also 3. Interessantes Motiv und die Idee
einen Fall im Schachmilieu anzulegen ist originell. Die Über-
führung am Ende ist für mich nach wie vor nicht ganz schlüssig
und stört mich daher etwas. Ist zwar schlüssig was der Inspector
sich da zusammenreimt, aber als Beweis geht das nicht durch.
Gut, darf man bei Columbo nicht so eng sehen, in dem Fall störts
mich aber. Der Darsteller des Clayton verkörpert glaubwürdig
den Schachprofi, weshalb er als Person und Gegner sehr unscheinbar
und lahm wirkt. Das Spiel mit Dudek im Restaurant ist irgendwie
der Höhepunkt der ganzen Geschichte. Berozki, der Trainer Dudeks
ist mit seiner leicht cholerischen, überheblichen Art in seinen
wenigen Auftritten absolut ein Gewinn zur Folge.
( "...halten sie den Mund.. ")
Indizien gibt es reichlich, wie die Zahnbürste und der Brief ohne
Unterschrift. Das wichtigste Indiz und für Columbo wohl der letzte
Hinweis auf Claytons 100 % Schuld ist die Notiz der letzten Partie von
Dudek im französischen Reataurant, wonach weiß gewinnt und Columbo
laut dem Oberkellner weis dass Dudek zu Beginn den Salzstreuer zog.
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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon Doc Brown » Fr, 27.05.2011 19:51


Ich gebe 3 Punkte.
Die Folge kratzt sicherlich an der 4-Punkte-Marke, schafft den Sprung aber nicht ganz.

Es gibt hier viele Indizien (Zahnbürste, fehlende Unterschrift, vergessenes wertvolles Schachspiel, aufgezeichnetes Schachspiel im Lokal,…). Schön zu sehen, wie Columbo hier nach und nach die Indizien zusammenträgt. Letztendlich gibt es aber meiner Meinung keinen Beweis. Die Überführung ist nicht vollends überzeugend, allerdings auch nicht die schlechteste.

Egal ob der Mörder nun gehörlos ist oder nicht, er DARF die Müllpresse nach dem Notaus doch gar nicht mehr einschalten, wenn er einen Unfall vortäuschen will. Wird die Müllpresse nach dem Notaus direkt wieder eingeschaltet, ist doch sofort klar, dass es sich nicht um einen Unfall handeln kann. Dieses erneute Einschalten würde die Anwesenheit einer zweiten Person beweisen.
Kurzum: Das Stoppen und nicht-wieder-einschalten der Müllpresse ist kein Beweis für einen gehörlosen Mörder. Es könnte sich auch um einen Mörder handeln, der die Müllpresse bewusst nicht eingeschaltet hat um einen Unfall vorzutäuschen.

Ein guter Anwalt kann Clayton vor Gericht sicherlich rausholen. Von den vielen Indizien sprechen lediglich das verlorene Schachspiel im Lokal gegen ihn, die anderen Indizien sind lediglich ein Beweis für einen Mord nicht aber gegen Clayton. Er fügt sich hier meiner Meinung nach zu schnell in sein Schicksal.

Das Columbo-Mörder-Spiel ist ganz ok. Der krankhafte Ehrgeiz, die Besessenheit und die Arroganz von Clayton kommen gut rüber. Clayton nimmt das Schachspiel einfach viel zu ernst, Dudek sieht das ganze wesentlich lockerer. Beide Schauspieler überzeugen hier in ihren Rollen.

Das Motiv ist durch den übertriebenen Ehrgeiz von Clayton bedingt nachvollziehbar, aber irgendwie habe ich dabei schon ein flaues Gefühl. Es geht letztendlich nur um ein Spiel. Würde ein Mensch – selbst wenn er von krankhaftem Ehrgeiz besessen ist – wirklich gleich zum Ausweg Mord greifen um seine drohende Niederlage zu verhindern? Ich weiß nicht…

Fazit: Gute 3 Punkte. Zu 4 Punkte reicht es nicht ganz, da es überall an etwas fehlt. Die Überführung ist nicht vollends überzeugend, das Motiv auch nicht ganz. Das Columbo-Mörder-Spiel hat auch noch Luft nach oben, so dass es einfach nicht zu 4 Punkten reicht.
Döp döp döp de de döp döp döp
(H.P. Baxxter)
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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon JustOneThing » Mi, 22.06.2011 21:37


Wieder mal ein recht früher Columbo, was man unter anderem daran sehen kann, dass der Peugeot noch nicht ganz so ramponiert aussieht... wie in späteren Folgen... :wink:

Eigentlich ist es eine ganz spannende Story, obwohl der Mordplan diesmal offenbar nicht von langer Hand vorbereitet ist, sondern eher in einer gewissen Spontanität geschmiedet wird. (Noch-) Schachweltmeister Clayton ist so verzweifelt, dass er offenbar keinen anderen Auswg sieht, seinen Konkurrenten, der ihn am nächsten Tag zweifellos bloß gestellt hätte, zu beseitigen.
Ob dieses Motiv so schlüssig ist, mag dahin gestellt sein. Es gibt sicherlich banalere Mordmotive in der Columbo-Reihe.

Trotz ziemlich guter Geschichte kommt bei mir während dieser Folge leider keine so rechte Spannung auf. Auch wirkt Clayton oftmals nicht ganz bei sich, kann sich nicht auf die berühmten Wortduelle mit seinem Gegenspieler konzentrieren. Sympathisch kommt der Mörder dabei in keiner Minute rüber.
Laurence Harvey, hier übrigens in einer seiner letzten Rollen (er starb kurz nach Dreharbeiten an Darmkrebs) kann mich mit seiner Darstellung des offenbar von Angst vor einer Deklassierung besessenen Mörders nicht ganz überzeugen. Es fehlt an klaren Charakterzügen die ihn unverwechselbar machen und zu einem ebenbürtigen Gegenspieler von Columbo werden lassen... wie wir das unter anderem von Robert Culp oder Donald Pleasence kennen.

Die Frage, ob die vermeintlich sichere Überführung des Mörders durch die abgeschaltete Müllanlage vor Gericht zu einer Verurteilung reichen würde, lassen wir einfach mal beiseite. Es handelt sich halt "nur" um eine Geschichte... einen Krimi. Und da sind die "Columbos" halt nach wie vor ungeschlagen... :)
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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon Mr. Brimmer » Mi, 22.06.2011 21:41


JustOneThing hat geschrieben: Es handelt sich halt "nur" um eine Geschichte... einen Krimi. Und da sind die "Columbos" halt nach wie vor ungeschlagen... :)


Schön ausgedrückt. Das kann ich unterschreiben.
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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon crocodile » Di, 11.10.2011 21:33


Auch wenn ich alles andere als ein Schachfreund bin, hat mir diese Episode recht gut gefallen. Das Motiv ist vielleicht ein wenig schwammig, auf der anderen Seite will einer die Nummer 1 sein, unter scheinbar allen Bedingungen, schreckt vor Mord nicht zurück. So abwegig ist das alles nicht.

Von der Ausführung bekommt man nicht allzu viel zu sehen. Als man erfährt das Dudek doch noch lebt, wirds in der Tat eine recht spannende Angelegenheit. Clayton bekommt richtig Druck, Dudek kann erwachen und Columbo sammelt allerhand Hinweise. Die Indiziensuche ist hier sowieso großartig wie ich finde. Auch schön wie der Inspektor Clayton am Ende beim Simultanschach vorführt und die Schlinge um den Hals legt. Das Columbo-Mörders-Spiel kommt da nochmal in Fahrt. Die Auflösung bei der Müllpresse kommt gut, vielleicht nicht ganz schlüssig, aber zumindest konnt ich dem Inspektor folgen. :wink:

Laurence Harvey, sehr früh verstorben im übrigen, kann mich in der Rolle des Schachprofis und Mörders überzeugen. Ein durchaus interessanter Gegenspieler in der Columbo-Reihe.

Sehenswerte Folge, bekommt 4 Punkte von mir!
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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon zimtspinne » Di, 11.10.2011 21:48


Die Folge bewerte ich aus frischer Erinnerung und kann der Kritik am Motiv und der Wohnungslosigkeit nicht so ganz zustimmen.

Motiv gefällt mir sehr gut, nicht nur weil es mal ein anderes ist. Dem Mann, der sich über sein Schach definiert und dafür lebt, traut man es durchaus zu, zur Furie zu werden, wenn jemand ihm sein Definitionsobjekt wegnehmen will.

Er hätte dem Russen was ins Essen mischen können, damit er am nächsten Tag ausfällt, aber das hätte sein Problem ja auch nur kurzfristig gelöst. Also war die Konsequenz das Eliminieren des Problems.
Da gabs schon wesentlich schwachere Motive, ich denke nur an Mord nach Takten, wo der Mörder nach Beseitigung des aufsässigen Rivalen ein neues Problem geschaffen hätte, wäre er nicht erwischt worden.

Die Atmosphäre im Hotel passte zu diesem zerfressenen Charakter.

Sonst interessiert sich Columbo ja immer brennend für den Beruf des Mörders, diesmal war der ihm wohl so unsympathisch, dass das ins Wasser fiel.

Mir hat total gefallen, dass sie keinen gelassenen, überheblichen, von sich eingenommenen Täter gezeichnet haben sondern so einen zerrissenen Typen. Man konnte richtig fühlen, wie er jeden Moment zu implodieren drohte :wink:
Toll auch, wie man das Supergedächtnis eingearbeitet hat.

Die Hotelatmosphäre hätte gerne etwas aufgedrehter und rühriger ausfallen können. Hätte nicht jemand hier was von einer Schach-WM geschrieben, hätte ich eher auf einen Privatkampf getippt, zu dem einer allein und der andere mit Trainer und Ernährungsexpertin anreiste. Kenne mich in der Schachszene nicht aus, allerdings will ich unbedingt irgendwann noch mal richtig Schach spielen lernen. Aber das hat Zeit, kann man ja tattrig im Schaukelstuhl immer noch. :smoke:

Über die Müllpresse und ihr Verhalten denke ich jetzt nicht nach, die akzeptiere ich einfach so wie sie ist.
Schade eigentlich, dass man ihn nicht reinfallen gesehen hat :P
Ich finde sowieso die identische Tinte ein besseres Indiz, obwohl man auch dafür eine Erklärung finden könnte (Stift geliehen, gefunden).

Eine Folge, die mir gefällt, obwohl ich nicht mal genau sagen kann warum. Sie wirkt einfach stimmig in sich. Ich gebe 4 Punkte mit Häufchen.

@crocodile
Zufall, dass ich an dem Text schrieb während du dir auch genau die Folge rausgepickt hast.
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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon crocodile » Di, 11.10.2011 22:33


das riecht ja förmlich nach Absprache zimtspinne :P

"Schade eigentlich, dass man ihn nicht reinfallen gesehen hat"

Hab schon immer versucht mir das vorzustellen. Für einen Columbo zu hart? Ich mein die Guillotine kam ja auch zum Einsatz. Wobei der Kopf nicht durchs Bild rollte. 8)
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Re: Bewertet "Schach dem Mörder"

Beitragvon Santini » Do, 03.11.2011 12:56


Der Amtierende Schachweltmeister Emmett Clayton tritt gegen den ehemaligen Schachweltmeister Tomlin Dudek an.Dieser war vor einigen jahren aus Gesundheitlichen Gründen abgetreten.Nun muss Clayton fürchten das er von Dudek vom Thron gestossen wird.

Der leider viel zu früh verstorbene Laurence Harvey hier als Schachweltmeister zu sehen spielt eine ganz besondere Charakterrolle.Rastlos und vom Ehrgeiz zerfressen ist ihm für sein weiterkommen jedes Mittel recht.Mitunter passieren dann auch Fehler wie man es hier schön sehen kann.Wie er sich in dieses Match hereinsteigert und dann langsam in den Wahn abdriftet.

Sein Kontrahent Tomlin Dudek (Jack Kruschen) geht die ganze Sache locker an und wirkt eher beruhigend auf die angespannte Situation vor dem Spiel.Der ernst den ihn Clayton an den Tag legt ,ist ihm völlig fremd,so dass man den Eindruck gewinnt er will sich nur von einer lästigen Pflicht befreien und seinen Kalifornien Urlaub geniessen.Gegensätzlicher hätten die beiden nun wahrlich nicht mehr sein können.

Heidi Brühl als Sekretätin in ihrem einizgen Columbo Gastauftritt spielt ihren Teil solide und bekommt genau so viel Raum wie sie braucht.Selbiges gilt für seinen Manager und Leibarzt.

Columbo trumpft in dieser Folge ganz besonders auf.Das Psychoduell zwischen ihm und Clayton ist so bemerkenswert dargestellt,dass man wirklich den Eindruck gewinnt die beiden Spielen Schach.Nur das dabei Clayton immer mehr Figuren verliert und unser Inspektor das Matt schon sieht.

Diese Folge beginnt schon sehr vielversprechend mit dem Alptraum des Clayton und setzt sich mit dem schönen Psycho Duell zwischen ihm und dem Inspektor fort.Das garantiert die Spannung auf höchster Ebene.Natürlich ist Claytons Handeln ziemlich überzogen und hat nun nichts mehr mit Sportsgeist zu tun.Dem gegenüber rechtfertigt seine gestörte Vorstellung vom Ehrgeiz und Siegeswillen unter allen Mitteln sein Vorgehen.Die Mordmethode der er sich bedient ist ziemlich Bizarr und ungewöhnlich.

4 von 5 Punkten
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