Bewertet: "Mord im Bistro"

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1/5 schlecht
3
7%
2/5 passabel / "na ja"
17
37%
3/5 gut
12
26%
4/5 sehr gut
9
20%
5/5 überragend
5
11%
 
Abstimmungen insgesamt : 46

Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon columbo93 » Di, 08.09.2009 10:13


Ward Fowler ist Hauptdarsteller der beliebten Serie "Inspektor Lucerne" und hat für seine Rolle auch schon einen Emmy gewonnen. Der Sender ist sich seiner Leistung bewusst, und so geben sie auf Drängen der Produzenten Claire und Sid Daley den erneuten Forderungen nach Gagenerhöhungen nach. Doch Ward wird von Claire, die früher einmal eine Affäre mit ihm hatte und Ward zu dem gemacht hat, was er heute ist, erpresst; sie kassiert seit Jahren die Hälfte seiner Gagen. Fowler klaut in der Nacht Kostüme und eine Waffe aus dem Bestand. Dann kommt Mark Davis zu Besuch, um sich zusammen mit Ward ein Baseballspiel im Fernsehen ansehen will. Als beide vor dem Apparat sitzen, betäubt Ward seinen Freund mit einem präparierten Whisky und verschwindet. In einem Bistro kauft Claire Daley währenddessen ihren Abendimbiss ein. Ward kommt maskiert und bewaffnet in den Laden und täuscht einen Raubüberfall vor. Nachdem er den Ladenbesitzer niedergeschlagen hat, erkennt Claire Ward. Dieser befiehlt ihr, zur Tür zu laufen und schießt ihr dann in den Rücken. Sie ist tot. Ward wirft seine Kleidung und das erbeutete Geld auf der Heimfahrt in eine Mülltonne, die Waffe versteckt er in seinem Vorgarten. Wieder im Wohnzimmer stellt er die Uhren zurück und lässt eine Videoaufnahme des bereits beendeten Baseballspiels ablaufen. Er weckt Mark, der glaubt, nur wenige Minuten eingenickt zu sein. Als der immer noch benommene Mark wieder einschläft, stellt Ward dessen Armbanduhr wieder auf die aktuelle Uhrzeit. Inzwischen ist die Polizei am Tatort, wo Columbo wieder einmal Kleinigkeiten entdeckt, die ihn an der vorherrschenden Theorie stören. Am nächsten Tag will Columbo Sid Daley aufsuchen und platzt in die Dreharbeiten zu einer "Inspektor-Lucerne-Episode". Als er sich mit Ward Fowler unterhält, präsentiert dieser im Nebensatz sein Alibi und unterstellt Columbo, dass dieser nicht an einen Raubüberfall, sondern einen vorsätzlichen Mord glaubt. Columbo bestätigt dies und erläutert seine Theorie an mehreren Kleinigkeiten, die Fowler jedoch alle widerlegt. Im Gespräch mit Mark Davis, der Fowlers Alibi bestätigt, stellt dieser fest, dass seine 1000-US-$-Uhr plötzlich fünf Minuten nach geht: Eigentlich stellt er sie immer fünf Minuten vor, doch nun zeigt sie die aktuelle Uhrzeit an. Als sich der Inspektor mit Sid Daley unterhält, gibt dieser Einblick in seine Beziehung zu Claire: Die Ehe war gescheitert – beide lebten getrennt – und auch geschäftlich hatte Claire das Sagen. Allerdings wundert sich Columbo darüber, warum sie Wards ständigen Gagenforderungen nachgab – auch wenn sie früher einmal ein Verhältnis mit ihm hatte. Columbo sucht wieder Fowler auf, den er als Inspektor Lucerne auf dem Stand der Ermittlungen halten will. Columbo beweist, dass Claire beim Schuss ihre Hände hoch gehalten hat, was aber keinen Sinn ergibt: Wäre sie davongelaufen, hätte sie die Hände heruntergenommen, wäre sie stehen geblieben, hätte der Räuber keinen Grund gehabt, sie zu erschießen. Fowler gibt zu, dass man unter diesen Umständen klar von einem vorsätzlichen Mord ausgehen muss. Weiterhin berichtet Columbo, dass man an der Maske des Täters Make-up-Spuren entdeckt hat. Am Abend bringt Fowler die Tatwaffe zurück in die Requisiten-Abteilung hinterlässt an ihr einen Faden von Sids Jacke. Am nächsten Tag berichtet Columbo Fowler, dass die Verkleidung des Täters aus dem Kostümfundus stammt und auch die Waffe gefunden wurde. Da Ward Fowler einer der wenigen Personen war, die wussten, dass Claire am Mordabend ins Bistro gehen würde, verdächtigt Lucerne ihn – Fowler spricht von nun an häufig von sich in der dritten Person – während Columbo noch immer vorgibt, das Alibi von Sid zu überprüfen. Dann kommen beide darüber ins Gespräch, wie Fowler von Claire seinerzeit entdeckt wurde. Fowler berichtet, dass sein richtiger Name Charles Kippling sei und er damals in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Dann sucht Columbo erneut Sid Daley auf, der unerwartet ein großes Vermögen von seiner Frau geerbt hat. Sie hatte eine große Menge an Schwarzgeldern angesammelt, ebenso wie viele Schuldscheine von Ward Fowler. Trotz dieses Motivs hält der Inspektor Sid für unschuldig, zumal dieser ein gutes Alibi hat. Fowler meint – natürlich als Lucerne – dass er selbst als Mörder in Frage kommt. Columbo und Lucerne tragen eine Menge Kleinigkeiten zusammen, die den Verdacht gegen Fowler erhärten. Fowler war früher Deserteur, was seiner Karriere, wenn es bekannt würde, zweifelsfrei schaden würde. Möglicherweise hat Claire ihn mit diesem Wissen erpresst. Doch Fowler bestreitet dies. Und bei allen Verdächtigung bleibt das gute Alibi Fowlers. Zudem stellt sich heraus, dass der Faden am Abzug der Tatwaffe von der Strickjacke Sid Daleys stammt. Columbo aber erklärt, wie Fowler sowohl den Faden an der Waffe angebracht als auch das Alibi manipuliert hat – schließlich wurde die teure Uhr falsch eingestellt. Als abschließenden Beweis präsentiert Columbo die Waffe, auf der zwar keine Fingerabdrücke sind – dafür aber auf den Platzpatronen, die Fowler nach dem Mord wieder einlegen musste. Fowler gesteht. eher durchschnittliche folge, aber dennoch toll, wegen des mordes, der als überfall getant wurde :noidea:Ein interessanter Fall: Der Mörder Ward Fowler spielt in einer Fernsehserie einen Inspektor – und überführt sich quasi selbst. Fowler ist so sehr mit seiner Rolle verwachsen, dass er sogar im Laufe des Falles von sich in der dritten Person spricht. Das macht diese Episode zu einer Besonderen. Columbo und Lucerne bearbeiten somit gemeinsam den Fall, doch unser Inspektor lässt sich nicht in die Irre führen. Insgesamt auch bei dieser Episode wieder einmal gelungene Unterhaltung, bei der sich das Zuschauen lohnt – auch wenn Fowler zweifellos ein wenig schizophren agiert.

Außerdem gibt es mal wieder einen klaren Beweis zur Überführung des Täters und keine reine Alibi-Widerlegung wie bei manch anderem Fall.
Zuletzt geändert von columbo93 am Mo, 26.04.2010 18:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon sagittarius » Mi, 03.03.2010 14:16


Im wirklichen Leben ist Peter Falk ein Schauspieler, der den Inspektor Columbo spielt.
William Shatner ist ein Schauspieler, der einen Schauspieler spielt, der einen Inspektor verkörpert.
Auf Film-Ebene gesehen ist Columbo Inspektor bei der Mordkommission, Ward Fowler ist ein Schauspieler, der den Inspektor Lucerne spielt.
Das heißt, im realen Leben ist Columbo das, was Ward Fowler im Film ist.
Dies ist eine intelligente Ausgangssituation.

Die Idee, dass "Inspektor Lucerne" den Fall löst und Ward Fowler (und damit sich selbst!) überführt, ist an für sich genial oder angesichts der Konstruktion sogar nahe liegend. Nur leider geht da vieles schief. "Inspektor Lucerne" macht seinen Job offenbar gut. "Kein Wunder, dass Sie mehr Verbrechen aufklären als ich", sagt Columbo zu Fowler.

Ward Fowler ist da viel mäßiger. Der Überfall ist pfuschig, das Opfer erkennt die Stimme und nennt sogar seinen Namen. Gut, dass der Wirt das nicht gehört hat. Das Opfer wird hinterrücks mit erhobenen Händen erschossen. Daraufhin folgert Columbo, dass der Überfall ein geplanter Mord war und nicht die Tat eines gewöhnlichen Räubers, der die Nerven verlor.

Was nützt ein Alibi, wenn der Zeuge die meiste Zeit schläft? Auch das Motiv war nicht überzeugend. Das größte Übel sind die umfangreichen und langweiligen Dialoge zwischen Columbo und Fowler.

Zudem kommt die Schizophrenie von Fowler und "Inspektor Lucerne" nicht rüber. Man hätte zwischen Ward Fowler und "Inspektor Lucerne" stärker unterscheiden sollen.
D. h., Fowler sieht man nur in Alltagskleidung, "Inspektor Lucerne" nur in seiner "Dienstkleidung", um so zu verdeutlichen, wer von den beiden Schizophrenen spricht.

Bei diesem Columbo wurden viele Chancen vergeben. Übrigens: Columbo sieht mit dem Hut von "Inspektor Lucerne" ganz gut aus. Ich bedaure, nur 2 Punkte geben zu können.
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon infernogott » Fr, 18.06.2010 04:31


sagittarius hat geschrieben:Zudem kommt die Schizophrenie von Fowler und "Inspektor Lucerne" nicht rüber. Man hätte zwischen Ward Fowler und "Inspektor Lucerne" stärker unterscheiden sollen.
D. h., Fowler sieht man nur in Alltagskleidung, "Inspektor Lucerne" nur in seiner "Dienstkleidung", um so zu verdeutlichen, wer von den beiden Schizophrenen spricht.


Wie soll das denn gehen, wenn er von einer Sekunde auf die Nächste zwischen den Personen wechselt?

Ich denke aber Fowler hat dem Inspektor bei den Ermittlungen nur so sehr geholfen, da er davon ausging so den Verdacht von sich zu lenken (Wer verdächtet sich schon selber?) und außerdem hatte er nichts zu befürchten, da er nicht davon ausging, dass es einen Beweis gibt, der ihn überführt.

Ich fand die Folge bis auf den aus dem Hut gezauberten Beweis mit den Patronen, schon recht gut und hab ihr 4 Punkte gegeben. Die Synchronstimme von Shatner war natürlich auch nicht sehr passend, aber dass darf man der Folge nicht anlasten (was können die Produzenten für die Synchronisation?).
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon sagittarius » Sa, 19.06.2010 12:01


infernogott hat geschrieben:Wie soll das denn gehen, wenn er von einer Sekunde auf die Nächste zwischen den Personen wechselt?

Natürlich wäre ein zeitlicher Abstand zwischen den Rollen nötig. Das hätte man organisieren müssen. Aber da der Film aus dem Jahr 1976 stammt, ist das graue Theorie...
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon Ducky » So, 08.05.2011 14:18


Ich gebe 5 Punkte

Zugegeben, als "Trekkie" bin ich voreingenommen, wenn William Shatner mitspielt ... Aber er war meine Meinung nach für die Rolle die Idealbesetzung. Keiner verkörpert von sich selbst überzeugte Charaktere so gut wie er (das meine ich positiv), ob als James Tiberius Kirk, ob als Danny Crane, oder hier als Ward Fowler. Er ist so von sich überzeugt, dass er bis zum Schluss nicht am Geleingen seines Planes zweifelt.
Und Ward Fowler ist im doppelten Sinne eine Parodie, einmal auf Columbo, einmal auf Bill Shatner himself.
Allerdings überteibt Mr. Fowler sein Spiel gleich bei seiner ersten Begenung mit Columbo, was diesen sofort auf die richtige Spur bringt ... und Columbo spielt mit großem vergnügen das Spiel mit und lässt sich von Fowler aka Lucerne die Arbeit abnehmen ... das ist einach nur genial
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Re:

Beitragvon Andreas » Sa, 16.07.2011 13:05


Hallo, ich habe dieses Forum vor ein paar Wochen entdeckt, nachdem ich nach Peter Falks Tod begann mir wieder sämtliche Folgen auf DVD anzusehen. Ich habe hier auch oft parallel mitgelesen, zu den jeweiligen Folgen, die ich gerade sah. Ich werde wohl demnächst eigene Kritiken hier reinstellen.

Gerade bin ich eben bei "Mord im Bistro" und mir fiel natürlich wieder Kirchberger für Shatner auf. Und es wurde hier spekuliert, warum nicht Hoffmann. Den Grund kenne ich auch nicht, wollte aber nur eine Ungereimtheit hier nicht so stehen lassen:

Klaus hat geschrieben:"Captain Kirk" alias William Shatner konnte aus dieser ihm nicht gerade auf den Leib geschneiderten Rolle wahrscheinlich nicht viel mehr herausholen als das Gezeigte. Ich glaube zudem, dass er in der deutschen Fassung auch deshalb nicht besonders gut rüberkommt, weil man ihm mit Peter Kirchberger eine völlig unpassende Synchronstimme verpasst hat, der noch auf George Hamilton in "Der Schlaf, der nie endet" hervorragend gepasst hatte, auf Shatner dagegen ziemlich deplatziert wirkt. Aber hierfür extra seinen langjährigen Standardsprecher G. G. Hoffmann nach Hamburg einfliegen zu lassen, wäre dem Auftraggeber RTL wahrscheinlich zu teuer gewesen, zumal Claus Biederstaedt als Columbo-Sprecher auch nicht gerade mit Erbsen bezahlt wurde...


Ich glaube nicht, dass das der Grund sein kann, denn für die im selben Zeitraum synchronisierte Folge "Traumschiff des Todes" (auch mit Claus Biederstaedt) ließ man G.G. Hoffmann nach Hamburg wiederum einfliegen, hier für "seinen" Patrick McNee, der noch nicht mal den Mörder spielte.
Dafür, dass er aber nicht William Shatner sprach, muss es also andere Gründe geben. Terminprobleme oder man war der Meinung, dass Hoffmann schon zu alt geklingt.

Ich gehe parallel nämlich auch die Synchronlisten in einem Synchronforum durch und versuche Lücken zu ergänzen - auch wenn ich kein Synchronexperte bin. Dabei fiel mir aber diese Ungereimtheit auf.
Ich schaue die Folgen der "ersten Ära" gerade ziemlich durcheinander. Wie gesagt: Eine Bewertung folgt noch!
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon JustOneThing » Do, 01.09.2011 23:01


Klassisches Kammerspiel... könnte man als Überschrift wählen, wenn man diese Folge bewertet.
Was auffällt ist, dass sich fast sämtliche Szenen theaterähnlich in begrenzten Räumlichkeiten... und auf die beiden Hauptpersonen Ward Fowler und Inspektor Columbo zugeschnitten abspielen.
Man könnte tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass man hier ohne große Umstände ein Bühnenstück verfilmt hat.

Was sagt das nun über die Qualität oder den Unterhaltungswert dieser Episode aus?
William Shatner als Mörder macht sicher neugierig. Er geht in seiner Rolle als (gespielt?) gespaltene Persönlichkeit auf, ist als Gegenspieler von Columbo in den zahlreichen Dialogen durchaus unterhaltsam.
Herrlich in dieser Folge ist das erste Zusammentreffen zwischen dem Mörder und dem Inspektor. Columbo greift die offensichtlich gespielte Verwirrung seines Gegenübers auf und versucht diesen mit einer plumpen Nachahmung darauf aufmerksam zu machen, dass er dieses Spiel selbst ebenfalls sehr gut beherrscht.

Wer als Columbo-Fan die Indizienfeststellung und die gediegenen Inspektor-Mörder-Dialoge mag, dürfte bei "Mord im Bistro" voll auf seine Kosten kommen.
Aber wieso gehört diese Folge trotzdem nur bei einem geringen Teil der Fans zu den besseren?
Für mich fehlt dieser Episode einfach ein gewisser Drive. Die Dialoge sind zwar recht unterhaltsam und, zumindest beim ersten Sehen der Folge, wohl auch ziemlich spannend... aber gleichzeitig auch etwas langatmig und ermüdend.
Ward Fowler lässt sich nicht aus der Reserve locken, wird nicht, wie z. B. manch anderer Mörder oder Mörderin, an irgendeiner Stelle nervös und aggressiv dem Inspektor gegenüber.
Dadurch plätschert die Geschichte, zugegebenermaßen nicht unoriginell, brav vor sich hin... bis zum durchaus überzeugenden Ende mit einer ordentlichen Überführung des Täters.
Dessen letzter Satz "...bitte nennen Sie mich nicht mehr Sir..." zeugt davon, dass er den hartnäckig bohrenden Inspektor mit dem messerscharfen Verstand trotz (oder gerade wegen) der Überführung offenbar sympathisch findet.

Drei Punkte für eine etwas außergewöhnliche, aber vielleicht gerade dadurch interessante Columbo-Folge in Kammerspiel-Manier.
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon crocodile » Sa, 21.01.2012 12:53


Ich schätze Shatner und schaue mir die Folge wohl gerade deshalb auch immer wieder gern an. Wobei mir sein Auftritt in der 2. Ära wesentlich besser gefallen hat. Vielleicht hätte ich mir einfach mehr "Fiesling" gewünscht. So ist die Atmosphäre immer recht locker und entspannt, nur im Bistro zeigt Fowler seine harte Seite.

Das Zusammenspiel Fowler-Columbo ist dennoch recht unterhaltsam. Fowler agiert hier natürlich ziemlich verdächtig, als er bei der ersten Begegnung mit dem Inspektor sofort mit seinem vermeintlichen Alibi daherkommt. Geht es nicht noch offensichtlicher?

Es gibt einige, teilweise überraschend gute, Indizien. Das das Opfer beim Schuss die Arme hochgehalten muss, und so wohl kaum geflüchtet sein kann, was für einen vorsätzlichen Mord spricht. Dazu die Theaterschminke, höhere Schuhabsätze, die 5 Minuten auf der Uhr usw.

Die Überführung am Ende schlüssig, da hat es Fowler dem Inspektor dann doch reichlich einfach gemacht. Aber so bleiben jedenfalls keine Fragen offen.

Schade, dass Shatner in dieser Episode eine so unpassende Deutsche Synchronstimme verliehen bekam. Vielleicht ist man einfach zu sehr G.G. Hoffmann gewöhnt, keine Ahnung, jedenfalls ein störendes Element, was aber die Bewertung der Folge nicht beeinflussen sollte.

Würde die Episode irgendwo im oberen Mittelfeld ansiedeln. 3 Punkte!
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon Tiktaalik » Sa, 01.09.2012 12:39


Zum Auftakt der sechsten Staffel haben sich die Macher etwas ganz Besonderes ausgedacht: Der Mörder selber ist ein TV-Detektiv. Diese Konstellation und dass Columbo ihn intensiv in seine Ermittlungen miteinbezieht, ist sehr interessant. Dass der TV-Detektiv Lucerne dann aber den Schauspieler Ward Fowler, also sich selbst, des Mordes verdächtigt, ist schier absurd, zumal er ja tatsächlich den Mord begangen hat und somit einen gewissen Teil zu seiner eigenen Überführung beiträgt. Dieser leicht schizophrene Charakterzug von Ward Fowler ruiniert das große Potenzial der Idee, dass ein TV-Detektiv den Mord begangen hat. Ich verstehe wirklich nicht, was sich die Macher dabei gedacht haben. Da konnte auch so ein großartiger Schauspieler wie William Shatner nicht mehr viel ausrichten. Auch die Nebendarsteller blieben bis auf das Opfer blass.

Auffällig ist, dass der Großteil dieser Episode aus Dialogen zwischen Columbo und Fowler bzw. Lucerne besteht. Normalweise liebe ich die Dialoge zwischen Inspektor und Mörder, aber hier sind sie mir zu unrealistisch. Kaum ein Mörder wirkt so aktiv bei seiner eigenen Überführung mit. Das hat für mich auch wenig mit Ablenkung von sich selbst zu tun. Auch der Humor in dieser Folge ist nicht so gut. Beispielsweise konnte ich über die Szene, in der sich Columbo die Sachen von Lucerne anzieht, nicht lachen. Das CMS ist für mich leider nur Durchschnitt, weil Fowler bei den Gesprächen mit Columbo zu oft den TV-Detektiv Lucerne spielt.

Die Indizien gefallen mir in dieser Episode gut: Die Täterbeschreibung vom überlebenden Opfer, das Mordopfer konnte nicht mit erhobenen Händen weglaufen und die Uhr, die auf einmal fünf Minuten nachging. Allerdings muss man sagen, dass sich die Ermittlungsarbeit von Columbo in Grenzen hält, denn: Die Täterbeschreibung erfährt er logischerweise zu Beginn und das wichtige Indiz mit der Uhr erfährt er nur durch Zufall. Aber viel Zeit hat zum Ermitteln hat Columbo hier ohnehin nicht, da diese Episode nur 70 Minuten geht und er sich außerdem die meiste Zeit über mit dem Mörder unterhält. Das Ende gefällt mir ebenfalls nicht. Da knallt Columbo einfach alle Beweise auf einmal auf den Tisch und die Folge ist zu Ende. Immerhin sind die Fingerabdrücke auf den Patronen stichhaltig.

Mehr als 2/5 Punkte sind hier aber nicht drin.
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon martha » Sa, 01.09.2012 15:23


Deine Bewertung deckt sich mit meinen Erinnerungen an die Folge, Kevin.
Ich denke mal, dass Columbo in dieser Folge auch weitestgehend überflüssig ist, weil sich Fowler ja so stark in seine Rolle als Lucerne reingesteigert hat, dass er sich am Ende wohl ohnehin selbst überführt hätte.
Ich bin dann doch eher ein Fan davon, wenn Columbo in Eigenregie den Schurken zur Strecke bringt.Schizophrene Typen gefallen mir im Horrorgenre wie "Dr.Jekyll und Mr.Hyde", aber nicht so sehr im kriminalistischen Milieu.
Da habe ich schon gerne eine klare Abgrenzung zwischen Ermittler und Täter.
Und für dieses intellektuelle Gelaber zwischen Columbo und Fowler konnte ich mich auch nie so richtig erwärmen.
Aber ich erkenne natürlich den Versuch der Macher an, hier mal eine neue Konstellation zwischen Columbo und Mörder zu inszenieren.
Nach meinem Geschmack ist es aber leider nicht.
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon Devlin » Mo, 05.11.2012 14:26


Ich habe Mord im Bistro mit 3 Punkten bewertet.
Kein Highlight, aber eine Folge die ich mit der Zeit doch recht gerne sah und mit gut bewerten kann.

Der Mord ist gut geplant und ausgeführt. Mrs. Daley verkörpert gelungen die erpressende Person, die es Fowler nicht zutraut sie zu erschiessen.
Auch wie sich Fowler ein Alibi verschafft wird ausführlich gezeigt und mag zu überzeugen.
Das CMS das sich danach aufbaut ist ungewohnt, mit dem "Ermittler" Lucerne versucht Columbo den Mörder zu überführen. Ungewohnt aber nicht uninteressant wie die beiden sich duellieren und sich beinahe eine Symbiose entwickelt.
Die Episode hat auch ihre Längen und das Tempo ist doch eher tief. Beim ersten sehen war ich eher enttäuscht über die Episode. Mit der Zeit lernte ich sie mehr und mehr zu schätzen als stabliler Durchschitt. Dies vorallem wegen der Dialoge zwischen Columbo und Fowler/Lucerne.
Wie Eingangs erwähnt finde ich Mordplanung und Umsetzung gut.
William Shatner(obwohl ich kein Fan von ihm bin, und er nicht zu meinen Lieblingsmördern gehört) spielt die Rolle von Fowler/Lucerne überzeugend.
Zudem gibt es auch ein paar interessante Indizien und das CMS finde ich in dieser Konstellation gut. Die Überführung ist für mich ebenfalls schlüssig.
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon der_wahre_hannes » Di, 13.11.2012 21:54


Ich finde das Spiel zwischen Fowler, Lucerne und Columbo ganz lustig mit an zu schauen. Es ist nur etwas unglaubwürdig, dass Fowler/Lucerne Columbo selbst mit der Nase drauf stößt, was sein Motiv war und dass sein Alibi ja eigentlich gar nicht so wasserdicht ist, wie es den Anschein hat.

Den Überfall hätte Fowler auch geschickter inszenieren können. Andererseits musste er natürlich dafür sorgen, dass Claire auch erkennt, wer der Täter ist. Denn ansonsten verschafft dieser Mord Fowler nicht die Genugtuung, die er haben möchte.

Die Überführung des Täters ist leider etwas zufällig, die Fingerabdrücke auf den Platzpatronen sind doch etwas konstruiert.

Alles in allem ist das Spiel zwischen Falk und Shatner aber hervorragend. So sieht ein Film halt aus, wenn man zwei alte Hasen des Filmgeschäfts aufeinander los lässt. :)
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon MrGrady » Mo, 14.01.2013 22:16


Liebe Trekkies, ihr müsst jetzt stark sein, denn ich kann über diese Folge leider nicht viel Gutes schreiben! Ein Mörder, der ohne erkennbaren Grund gegen sich selbst ermittelt und den Inspektor fast zum Nebendarsteller degradiert, ist mir einfach zu abgefahren.

Dabei fing die Folge eigentlich vielversprechend an: Die Idee, den Kumpel vor dem TV kurz einschlafen zu lassen, um sich ein Alibi zu verschaffen, fand ich echt gut. Auch der Plan, den Mord als Raubüberfall zu tarnen, war keine schlechte Idee. Sich aber schon bei der ersten Begegnung mit Columbo selbst als Mordverdächtiger ins Spiel zu bringen, ist derart bescheuert, dass mir fast die Worte fehlen. Warum hat sich Fowler die Arbeit mit dem Raubüberfall dann überhaupt gemacht? Ich bin überzeugt: Wäre die Episode noch fünf Minuten länger gewesen, hätte der Typ sich selbst verhaftet.

Die Geschichte an sich hätte durchaus Potenzial geboten: Als geübter TV-Kommissar sollte Fowler eigentlich in der Lage sein, gezielt in die falsche Richtung zu ermitteln, um Columbo zu verwirren. Durch sein unsinniges Verhalten macht er meines Erachtens jedoch die ganze Folge kaputt. Ich konnte mich hinterher kaum noch an die Indizien und die Überführung erinnern, so absurd fand ich das ganze Spiel.

Ich gebe 2 Punkte, weil zumindest Mordplan und Alibi gelungen sind.
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon Klaus » Fr, 06.11.2015 17:00


Hab mir diese Folge aus der beliebten "Inspektor Lucerne"-Serie nach vielen Jahren mal wieder angetan, aber im Gegensatz zu Carsinis Weinvorräten ist sie in all den Jahren nicht wirklich besser geworden. Aber wenn man bedenkt, auf welchen Serien-Quark die Amis auch im richtigen Leben abfahren, wundert einen ohnehin nix mehr... :?

Der Mord von Ward Fowler an seiner früheren Bettgenossin und jetzigen Geldvernichtungsmaschine Claire Daley ist aus meiner Sicht eine der emotionslosesten Mordszenen in der gesamten (Columbo!)Serie, wobei mich Fowler in seinem maskierten Outfit unwillkürlich an Hauptdarsteller Claude Rains als verkleideter Unsichtbarer aus dem gleichnamigen Streifen von 1933 erinnert hat, der ebenfalls nichts Gutes im Sinn hatte. Genauso landet auch Fowlers unspektakuläre Überführung mit den nicht abgewischten Platzpatronen in meiner persönlichen Columbo-Überführungs-Tabelle gerade noch auf dem Relegationsplatz!

Eine Sache ist mir damals schon aufgefallen:

Der Mord passierte nach Columbos Aussage um zehn Minuten vor neun, also 8.50 p.m. Nach Rückkehr in seine Villa zeigte die rote Digitaluhr vor dem Zurückstellen 10.25 p.m. an, d. h. Fowler hätte nach dem Mord für das Entsorgen der Skifahrerklamotten glatte eineinhalb Stunden benötigt!!! Das scheint mir eine viel zu lange Zeitspanne zu sein, denn es musste doch in seinem eigenen Interesse liegen, für mögliche Eventualitäten wie beispielsweise ein später Telefonanruf, ein unangemeldeter Besuch oder sogar ein frühzeitiges Aufwachen von Mark Davis trotz eines Schlafmittels in seinem Drink, so schnell wie möglich wieder zu Hause zu sein.

Aber da es nun mal so war, sollte man doch unterstellen, dass er in eineinhalb Stunden bewusst weit weg vom Tatort gefahren ist, um die Sachen in irgendeinem Müllcontainer zu entsorgen. Wenn das aber seine Absicht war, wie konnte die Polizei dann den zerrissenen Parker samt Skimütze im Großraum L.A. überhaupt finden??? ?-/ Ich behaupte mal, dass es in der kurzen Zeit unmöglich gewesen wäre, sämtliche Mülltonnen in L.A. zu durchwühlen, aber vielleicht hatte Columbo bereits hier seine hellseherischen Fähigkeiten angewendet, durch die er auch den Scharlatan Elliott Blake überführen konnte?!? Zur Lösung dieses Falls brauchte er selbige definitiv nicht, da Ward Fowler praktisch von Inspektor Lucerne selbst überführt wurde... :wink:

Damals wie heute sind daher gerade mal zwei mickrige Pünktchen drin! :? :?

Gruß
Klaus
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Re: Bewertet: "Mord im Bistro"

Beitragvon zimtspinne » Sa, 27.02.2016 17:45


Inspector Lucerne wurde bei mir neulich mal wieder aufgewärmt und mir fiel wiederholt die wackelige Beweislage am Schluss auf.

Wenn ich es richtig auf dem Plan habe, waren es ja unter anderem seine Fingerabdrücke auf den Platzpatronen, die ihn haushoch überführen sollten.

Nur ist das total unsinnig, da der Revolver aus dem Requisitenladen seines Wirkungsortes stammt und er als gut beschäftigter Seriendarsteller sicher die eine und andere Waffe aus ebendiesem Fundus in der Hand hatte.
Weshalb soll er die nicht mal geöffnet und dabei die Patronen angefasst haben? Ich jedenfalls würde das mit Sicherheit tun, schon um nochmal für mich selbst zu überprüfen, ob da auch wirklich unschädliche Patronen drin sind.
Aus Langeweile in der Drehpause, er könnte sie gepflegt haben, was weiß ich.
Jedenfalls ist das überhaupt kein Beweis für meine Logik.

Und die Skimütze? Nun ja, Columbo beweist mit der vielschichtigen Schminke also, dass sie ebenfalls aus dem Theaterfundus stammt. Ist noch lange kein Beweis dafür, dass ausgerechnet nur Lucerne die getragen haben soll. Es kommen auch alle anderen in Frage, die dort Zugang haben und das sind mit Sicherheit recht viele, auch Gelegenheitsbesucher, Komparsen usw.
Wenn er wenigstens exact Lucernes Makeup dort festgestellt hätte, wäre das immerhin beweiskräftiger, wenn auch nicht wirklich überzeugend.

Ansonsten finde ich die Folge entgegen aller Logik (sie hat viele Mängel) doch recht unterhaltsam und schaue sie mit größeren Abständen auch mal wieder gerne an.
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