Bewertet: Mord nach Rezept

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Wie bewertet ihr "Mord nach Rezept"

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0
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2/5 unteres Mittelfeld
2
4%
3/5 oberes Mittelfeld
8
15%
4/5 gute, überdurchschnittliche Folge
23
43%
5/5 gehört zu meinen Top 10
20
38%
 
Abstimmungen insgesamt : 53

Re: Bewertet: Mord nach Rezept

Beitragvon MrGrady » Sa, 22.12.2012 18:22


Der erste Columbo "Mord nach Rezept" ist mehr Bühnenstück als Fernsehfilm. Selbst für Columbo-Verhältnisse passiert relativ wenig. Die Handlung entwickelt sich fast ausschließlich über Dialoge weiter. Ich muss sagen, dass mir der ernsthafte Charakter der Folge gut gefällt. Wenn man sich unmittelbar danach die eher absurde Episode "Alter schützt vor Torheit nicht" oder die völlig lächerliche Commodore-Folge anschaut, glaubt man kaum, dass es sich um die selbe Serie handelt. Vielleicht hätte ein wenig Humor dieser Pilotfolge ganz gut getan, aber so ist es mir allemal lieber als umgekehrt.

Ebenfalls positiv erwähnen möchte ich, dass sich die Autoren relativ viel Zeit bis zum Mord gelassen haben. Man lernt die Charaktere und ihre Motive gut kennen und kann die Entwicklung deshalb auch recht gut nachvollziehen. In späteren Columbo-Folgen geht mir das manchmal zu schnell: In der Eismann-Folge zum Beispiel konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, was die Tat überhaupt soll. Das ist hier anders. Das Motiv ist zwar nicht spektakulär, aber für die erste Folge finde ich das okay. Der einzige Schwachpunkt der Story ist für mich, dass Flemming seine labile Geliebte überhaupt in die Tat einbezieht. Als Psychiater hätte ihm diese Schwachstelle klar sein sollen.

Gene Barry hätte ich gerne in einer späteren Episode noch einmal wieder gesehen. Als Gegenspieler zu einem schusseligen Columbo wäre sein hier schon sehr souveränes Spiel wohl noch besser zur Geltung gekommen. Langweilig fand ich allerdings die Inszenierung. Es wirkt tatsächlich so, als habe man einfach ein Theaterstück aufgenommen, ohne die Möglichkeiten des Fernsehens zu nutzen (selbst der vermeintliche Selbstmord hätte ja nicht in einem Pool enden müssen, Tabletten hätten auch so gereicht).

Zum Abschluss mein übliches Gemecker über den deutschen Titel: Es war für die Übersetzer zwar relativ schwierig, weil eine wörtliche Übersetzung von "Prescription: Murder" im Deutschen missverständlich gewesen wäre (ein Rezept kann man eben auch zum Backen oder Kochen verwenden). Der englische Titel deutet allerdings gekonnt an, dass ein Arzt einem Patienten einen Mord (oder eine Mittäterschaft) verordnet, während "Mord nach Rezept" diesen Schluss nicht zulässt. Mal ganz davon abgesehen, dass auch bei dieser Übersetzung ein Koch- oder Backrezept gemeint sein könnte.

Lange Rede, kurzer Sinn: 4 Punkte :)
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Re: Bewertet: Mord nach Rezept

Beitragvon Dr. Bart Kepple » Mo, 30.11.2015 20:08


Meine Lieblingsepisode. Man merkt, dass es kein "Columbo-Drehbuch" ist, sondern ein ultra-slickes Theaterskript. Solche Skripts kann man nicht am laufenden Band (also so etwa 69 Mal) produzieren. Das Skript ist allen anderen Lichtjahre voraus.
Der Fall ist so brilliant, die Dialoge so geistreich, der Spannungsbogen makellos. Das Skript vereint alle Qualitäten, die ein Kriminalstück erfüllen muss.
Es erinnert mich ein wenig an "Dial M for Murder" und "Rope" von Hitchcock.

Ich kann verstehen, dass nicht jeder so begeistert ist, weil es eben kein klassischer Columbo ist. Das ist zwar irgendwo ironisch, weil es der erste Columbo ist...
Der Inspektor ist hier noch nicht kauzig und auch kein bisschen charmant. Er ist ein Bilderbuch-Italo-New Yorker Cop, ein harter Hund mit Spürsinn in der Selbstfindungsphase.
Ich liebe diese Version, auch wenn ich den Columbo der 1. Ära (also hier definiert als Folge 2 bis Pause) noch lieber mag. Er passt aber in dieser Form am besten zum Skript.

Columbo ist messerscharf und skrupellos in seiner Mörderhatz. Er identifiziert die Komplizin als schwaches Glied und lässt sie es wissen. Er veranstaltet einen buchstäblichen Psycho-Terror und macht ihr Leben zur Hölle, um sie zu brechen. Er verstrickt sie in Widersprüche, droht ihr mit allen Paragraphen des Universums, zerrüttet das letzte bisschen Selbstvertrauen. Diese Facette hat man leider im späteren Serienverlauf restlos gestrichen. Das ist sehr schade und verflacht die Figur.

Der Mörder ist wahnsinnig gut geschrieben und gecastet. Er verkörpert die Arroganz, Verachtung und den kühlen Intellekt der Rolle. Wunderschön auch die Auflösung, in der er über eben jene Eigenschaften stolpert.

Der Spannungsbogen ist besser als in jeder anderen Folge. Es ist die Definition eines Katz und Maus-Spieles. Ständig wird der Mörder gehetzt und droht entdeckt zu werden. Selbst der Mord gelingt nicht wie geplant und droht noch zur Halbzeit der Episode, den Mörder auffliegen zu lassen.
Columbo ist ein Terrier, der Falle um Falle stellt. Der Mörder kann jeder Falle ausweichen, wenn auch mitunter knapp. Mit jedem Erfolg wächst das Ego des Mörders bis es schließlich so groß wird, dass Columbo diesen Übermut im grandiosen Finale ausnutzt. Die Auflösung ist also eine Konsequenz aller bisherigen Ereignisse und somit besonders befriedigend. Kein deus-ex-macchina wie so oft (Barkeeper sagt irgendwas --> Columbo hat plötzlich einen Geistesblitz --> Auflösung). Nein, hier ist es eine Kausalitätskette.

Mir fällt es schwer, auch nur einen negativen Punkt zu finden. Vielleicht die deutsche Synchro von Columbo. Schaue diese Episode lieber im Original. Falks Stimme passt besser zu dieser Inkarnation der Figur.

Wertung: 5/5 Punkten, absolute Perfektion.
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Dr. Bart Kepple
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Re: Bewertet: Mord nach Rezept

Beitragvon tina_82 » Do, 03.12.2015 14:51


Ja, ja, ja... was für eine schöne und in meinen Augen richtige Bewertung. :D Entschuldigt diesen nutzlosen Eintrag, aber ich stimme jedem Wort von dir zu und musste das mal eben loswerden. Und tatsächlich schaue ich diese Folge auch lieber im Original.
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Re: Bewertet: Mord nach Rezept

Beitragvon Magnum86 » Mi, 02.11.2016 19:31


4 Punkte.

Super Einstand für Columbo. Die Folge hat mich schon immer gut unterhalten.

Musik: Sehr passen wie ich finde, für die damalige Zeit. Schön an den richtigen Stellen, kommt diese "bedrohliche" Musik zum Zuge. Gute Arbeit von Komponist Dave Grusin.
Intro: Speziell und seiner Zeit voraus. Für das Jahr 1968.
Die Tintenkleckse passen jedoch wunderbar zum Psychologen Dr. Flemming.

Columbo sieht man hier mit schöner Frisur und noch pechschwarzen Haaren. Ein Anblick denn man nacher nicht mehr oft sah :wink:
Allgemein war er sowieso im grossen und ganzen recht gepflegt und sein Anzug macht auch noch einen relativ fitten Eindruck.

Dr. Ray Flemming spielt sehr schön und Gefühlskalt. Die Rolle passt zu dem Schauspieler Gene Barry. Hätte mit diesen Anzügen optisch auch einen guten Bond abgegeben. Rein Optisch :D Genial seine Analyse über Columbo. Und dies in der ersten Episode. Umso erstaunlicher das er nacher in die erste Columbo Falle tappt. Gelungenes Ende einer tollen Episode, die einiges an Spannungsmomenten bereit hält.
Z.b das vergessene Taschentuch beim Telefon, das nicht erwartete überleben des Opfers etc.

Schade ist einzig die Rolle von Joan Hudson. Da wäre schauspielerisch mehr drin gewesen. Jedoch finde ich die Verhörszene zwischen Columbo und Joan sehr gut und spannend. Sehr intensiv von beiden gespielt. Columbo als Badcop. Wie bereits erwähnt hat er dies eigentlich gar nicht nötig, jedoch hätte es späteren Folgen vielleicht auch ganz gut getan, wenn Columbo gelegentlich ausgetickt wäre.
Verhörszene und Analyseszene für mich das beste an dieser Episode.
Auch die Flugzeugszene war eine Orginelle Idee für ein Alibi.

Sehe mir diese Episode immer wieder gerne an und ist für mich ein würdiger Einstand der Serie.

Nur die Bluescreen Technik war noch nicht so ausgereift :(
Die Kullisen wiederrum fand ich schön im grossen und ganzen. Tolles Appartment der Flemmings. Filmset auch schön gemacht für diese Zeit und das wahrscheinlich kleine Budget.

Toll toll und nochmals toll :D
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Re: Bewertet: Mord nach Rezept

Beitragvon OpenOcen » Fr, 17.02.2017 21:38


Für mich ist diese Folge die beste der Staffel, also auch eine der besten überhaupt. 5 Punkte. Der Mörder hat einen gelungenen Plan konsequent umgesetzt. Bis zum Schluss war er sich sicher damit durchzukommen. Genial das gefakte Verhör von Columbo und dem geständigen Spinner. Genial auch der Schluss und natürlich die Szene wo Columbo vom Fall abgezogen wird und dann Patient werden will. Dann das Fachsimpeln über den Typus Mörder.

5 von 5 Punkten
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Re: Bewertet: Mord nach Rezept

Beitragvon Devlin » Mo, 20.02.2017 14:12


Mord nach Rezept ist wirklich ein Meisterwerk!
Ein starker Film mit starker Besetzung, den ich mir immer wieder gerne anschaue.
So weit ____ und nicht weiter!
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