Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon COLUMBO DER GROßE » Fr, 26.02.2010 21:37


infernogott hat geschrieben:Sehr gute Folge. Leonard Nimoy überzeugt als Mörder. 5 Punkte!

Bitte konkretisiere das :such: - ich habe nichts dagegen, dass viele ihre Beiträge kurz fassen, aber in diesem Zusammenhang solltest Du mich verstehen...

Freundliche Grüße aus Köln
an "Infernogott" wünscht
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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon Atrio » Fr, 26.02.2010 21:53


An der Folge fand ich unter Anderem toll, dass Columbo in einer Szene erschreckend ernst geworden ist. Als Nimoy mal wieder hochnäsig schmunzelnd Columbos Kombinationen belächeld hat, schlug Columbo plötzlich auf den Tisch und sagte etwas wie "Ich glaube, daran, und ich glaube, sie haben ihn umgebracht!".

Ich weiß nicht mehr, was Columbo genau gesagt hat, aber dieser Ausbruch an Wut hat mich erschreckt, und positiv überrascht. Es sind solche kleinen Dinge, die Der Figur Columbo Tiefe geben. :)
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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon Topi » Do, 18.03.2010 09:21


Am Anfang zwei Dinge, die mir nicht gut gefallen haben:

Das Eiklopfen an der Tatwaffe. Absolut mein Humor - aber für Columbo nicht passed.
Dafür braucht man einen anderen Charakter. Einen Gerichtsmediziner, der die Angewohnheit hat, neben den Leichen zu frühstücken, oder so.

Und was ich aber gar nicht verstanden hab: Nachdem die OP-Schwester dem Dok die Fädchen gezeigt hat und telefonieren will, stellt er ihr kleine Fläschchen hin und sagt: Einräumen!

Als das Morphium in ihrem Bad gefunden wird, dachte ich gleich: Aha! Jetzt sind da ihre Fingerabfrücke drauf.
Komisch, dass der Dok sie nicht vorauschauend die Dinger hat anfassen lassen. Mich hat´s verwirrt.

Trotzdem tolle Folge!

1) Danke den Drehbuchautoren, dass Madame Columbo nur an Magenschmerzen leidet und nicht, wie es besser zum Mörder gepasst hätte, in der Nacht einen Herzanfall hatte.
Vermutlch wär Columbo dann gar nicht am Tatort erschienen.

2) Ein toller Mörder. Der Dok. hat sich unter Kontrolle, das sagt ihm Columbo zum Schluß direkt ins Gesicht. Der Dok leistet sich keine Entgleisung. (Und das verrät ihn!! Der Rempler, der nicht zu ihm passt! Er stolpert über seine Perfektion!!!)

Columbo muss schon leise ins Zimmer treten, um zu sehen, dass der Dok eine Uhr aufzieht, während er die Nachricht vom Tod seiner OP-Schwester erhält.
Und dann später das siegesgewisse Lachen , nachdem Columbo erklärt hat, er kann nichts beweisen - Das dürfte Columbo ja auch noch gerade gesehen haben, wie sich die Miene des Doktors schnell wieder ins Normale/Blasierte zurückzieht.

3) Columbo als Schutzengel. Auch so inzeniert. Er schwebt über dem OP-Tisch und ist dann plötzluch wieder weg. Toller Enfall.

Von mir gibt es 5 Punkte.


Grüße
Topi
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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon sagittarius » So, 11.04.2010 15:59


Das ist vielleicht ein Arzt: Er "operiert" einen Kollegen mit falschem Nahtmaterial, sodass der Patient nach ein paar Tagen sterben wird, er tötet eine Krankenschwester, die ihm auf die Schliche gekommen ist, er versetzt einen Mann in einen Drogenrausch, um ihn zu belasten und zwischendurch feiert er Partys. Ob Dr. Mayfield schon mal was vom Eid des Hippokrates gehört hat?

Es ist ein Film,in dem Columbo aus der Haut fährt. Er knallt in einer denkwürdigen Szene Dr. Mayfield die Kaffeekanne auf den Tisch und droht mit einer Autopsie des Opfers. Columbo steht hier unter Druck: Das (erste) Opfer lebt noch und kann gerettet werden. Columbo muss also nicht nur einen Mörder entlarven, sondern auch noch ein Menschenleben retten.

Überhaupt ist hier Columbo in seinem Element: als Ei-Klopfer, als Verschnupfter, als Empfänger von Medizinen und als Zuschauer bei einer Operation.

Die Krankenschwester Sharon stellt sich recht dumm an: Sie wird beim Betrachten der verräterischen Fäden von Dr. Mayfield beobachtet, sagt ihm ihren Verdacht ins Gesicht und lässt sich beim Telefonat mit dem Lieferanten der Fäden abhören.
Aufgefallen sind mir noch: Columbo braucht lange, bis er merkt, das "MAC" ein Firmenname ist. Das "M" weist ja schon auf "medizinisch" hin.
Die spröde und unnahbare Art des Dr. Mayfield kontrastiert stark zur menschlichen Wärme des Dr. Hidemann und der Schwester Sharon.

Die Notoperation, von Columbo erzwungen, erweist sich als Falle für Dr. Mayfield. Hier sehen wir Columbo als aufmerksamen Zuschauer im Gegensatz zu einer früheren Szene. Es zeigt den Ernst der Situation an. Der Schluss erzeugt ein Wechselbad der Gefühle: Dr. Mayfield ist siegessicher, weil die verräterischen Fäden nicht gefunden wurden. Dann kommt Columbo zurück und findet die Fäden im Kittel, den er zuvor getragen hat.

Obwohl ich diesen Columbo häufig gesehen habe, empfinde ich ihn immer noch als spannend. Dr. Mayfield trägt durch seine Aktivitäten zur Kurzweiligkeit bei. Ich gebe 5 Punkte.
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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon Mr. Brimmer » Mi, 19.05.2010 09:22


Selten war ein Mörder so unsymphatisch, kalt und durchtrieben wie
Dr. Mayfield. Je mehr Zeit verstreicht desto aktiver wird er, zumal
er im Gegensatz zu den meisten Mördern recht bald merkt dass Columbo
ihm gefährlich werden kann. Er mordet ohne jede Hemmung.
Leonard Nimoy spielt sehr überzeugend. Das bringt 4 Punkte.
Der Rest ist durchschnittlich. Die Überführung am Ende ist natürlich
überraschend und macht Spass. ( ist mal jemandem aufgefallen
was fürn fettes Bündel Columbo am Ende als Nahtmaterial präsentiert, das
Mayfield bei der OP verschwinden läßt ? Denk damit könnte man wohl 100
Herzklappen verteuen....) . Aber egal. So ists halt bei Columbo. Er sagt
Mayfield auf den Kopf zu, dass er ihn für den Mörder hält und besser gut auf
Dr. Hydeman aufpassen soll. So fiel Direktheit ist untypisch für Columbo. Auch
ein Beleg dafür, dass er seinen Gegner diesmal gar nicht leiden kann. Einmal
wird er sogar richtig laut. Ein etwas anderes, aber sehr aktives und gutes
Columbo / Mörder Spiel. Das macht die Folge aus.
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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon zimtspinne » Mi, 19.05.2010 10:12


Mir gefällt nicht, dass der Doc sich die Mühe macht, die Fäden einzufärben, um sie dann nach der ersten OP achtlos liegen zu lassen. Schlampig.
Außerdem hat er zu lange mit dem Mord gewartet. Die Schwester hätte schon längst die Polizei angerufen haben können, wie sie gedroht hatte.
Ob sie nun auf dem Parkplatz des Krankenhauses oder drinnen tot rumliegt, spielt ja nun so eine große Rolle auch nicht.

Komisch fand ich außerdem, dass Columbo zuerst nicht mal in Richtung OP schauen konnte, zuletzt aber akribisch genau zuschaute. Wo war plötzlich seine Blutangst hin?
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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon zimtspinne » Mi, 19.05.2010 10:22


Mr. Brimmer hat geschrieben:Aber egal. So ists halt bei Columbo. Er sagt
Mayfield auf den Kopf zu, dass er ihn für den Mörder hält und besser gut auf
Dr. Hydeman aufpassen soll. So fiel Direktheit ist untypisch für Columbo. Auch
ein Beleg dafür, dass er seinen Gegner diesmal gar nicht leiden kann..

Weshalb wird diese Szene eigentlich dauernd falsch interpretiert?

Dass Columbo da auf den Tisch haut und eine direkte Ansage macht ohne wie üblich um den heißen Brei zu schleichen, liegt einzig und allein daran, dass es um ein gefährdetes Leben geht und er, Columbo, Verantwortung dafür trägt, falls es ausgelöscht wird.

An diesem Punkt hat mich ausnahmsweise mal gestört, dass mutmaßliche Mörder frei herumlaufen gelassen und nicht umgehend in U-Haft gesteckt werden. Das hätte passieren müssen statt das gefährdete Mordopfer noch einmal diesem Arzt zu überlassen. Die OP-Wunde öffnen, um nach dem Rechten zu schauen, hätte unbedingt SOFORT gemacht werden müssen, und zwar von einem anderen Arzt.

Leichtsinniger war Columbo nie. Sogar ich als Herz-Laie weiß, dass jeder Körper anders reagiert, so werden sicher auch OP-Fäden individuell schnell aufglöst (das sagte mir glaube ich sogar mal jemand im Krankenhaus, da gings natürlich nicht um Herzfäden).
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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon Topi » Mi, 19.05.2010 15:32


zimtspinne hat geschrieben:Komisch fand ich außerdem, dass Columbo zuerst nicht mal in Richtung OP schauen konnte, zuletzt aber akribisch genau zuschaute. Wo war plötzlich seine Blutangst hin?


Sind das nicht aufgebauschte Phobien, damit der Mörder etwas verächtlich auf den Inspektor runterguckt?
Mörder denkt sich: "Ich bade meine Häde jeden Tag in But...hat mir noch nie was ausgemacht.... Mimose..."

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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon zimtspinne » Mi, 19.05.2010 15:55


Topi hat geschrieben:
zimtspinne hat geschrieben:Komisch fand ich außerdem, dass Columbo zuerst nicht mal in Richtung OP schauen konnte, zuletzt aber akribisch genau zuschaute. Wo war plötzlich seine Blutangst hin?


Sind das nicht aufgebauschte Phobien, damit der Mörder etwas verächtlich auf den Inspektor runterguckt?
Mörder denkt sich: "Ich bade meine Häde jeden Tag in But...hat mir noch nie was ausgemacht.... Mimose..."

nur, dass er die arge Blutphobie nicht in Gegenwart des Mörders sondern eines beliebigen Krankenhauspersonals hatte. Der ihm den Sinn der Fäden erklären wollte.
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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon Topi » Mi, 19.05.2010 16:31


zimtspinne hat geschrieben:nur, dass er die arge Blutphobie nicht in Gegenwart des Mörders sondern eines beliebigen Krankenhauspersonals hatte. Der ihm den Sinn der Fäden erklären wollte.


Einen Kopf kürzer scheint Columbo ja auch vor uns Zuschauern.
Er ist ja nie der Superhero, der plötzlich nur vor dem Mörder den Deppen spielt.
Er trägt im Mörderspiel etwas dicker auf, gelegentlich auch sehr.

So ganz echt und ohne Maske ist er in den Folgen nicht oft zu sehen.

Als er Kim Catrall beisteht, die ja mit dem Psychoprof-Mörder zusammen wohnte, blitze das durch, was ich den "echten Columbo" nenne.
Überhaupt scheint er ein echtes Verständnis für die Gattinnen der Täter und Opfer zu haben:
die Freundin in "doppelter Schlag", (nur leider glaubt sie ihm nicht)
für die Gattin des Stardirigenten (John Casavattes)
Auch der Safemörderin Abigail Mitchell macht er nichts vor. Er warnt sie sogar vor sich.
Da könnte man auch noch mehr aufzählen.
Jedenfalls erinnere ich einige Vorzimmerdamen, die er mit seiner Zigarre und Wuschigkeit nervös gemacht hat.
So kommt er halt an die Tatorte, um erst einmal zu sondieren. Und er behält die Attitude oft bei. - Was nützt es, wenn dem Mörder irgendein Pfleger steckt, dass der Inspektor in Wirklichkeit ein hanz gewiefter ist?

Und was die Zuschauer betrifft: uns ist der wuschige Columbo doch auch der liebste - und wenn dann in einigen Szenen wirkliches Verständnis und Klugheit durchblitzen: Wow!

Ich liebe es zu sehen, wie er da über dem Operationstisch schwebt, wie ein Schutzengel

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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon Mr. Brimmer » Mi, 19.05.2010 17:30


zimtspinne hat geschrieben:
Mr. Brimmer hat geschrieben:Aber egal. So ists halt bei Columbo. Er sagt
Mayfield auf den Kopf zu, dass er ihn für den Mörder hält und besser gut auf
Dr. Hydeman aufpassen soll. So fiel Direktheit ist untypisch für Columbo. Auch
ein Beleg dafür, dass er seinen Gegner diesmal gar nicht leiden kann..

Weshalb wird diese Szene eigentlich dauernd falsch interpretiert?




Richtig. Hab ja auch " auch " geschrieben. Wird ja nicht nur in dieser
Situation klar, dass Columbo ihn nicht mag. Klar will er unbedingt verhindern
dass Heydeman stirbt.

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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon zimtspinne » Do, 20.05.2010 05:39


tja Topi,
da hast du dir ja eine nette Erklärung ausgedacht... Bild

Ein intelligenter Mörder, und bei Mayfield gehe ich mal davon aus, durchschaut die Tappsigkeit des Inspektors doch eh recht bald - dass er anders als andere Mörder ziemlich früh auf der Hut vor ihm war, war ja sogar offensichtlich.
Nee nee, das war einfach ein Inkonsequenzfehler. So wie Columbo einmal auf starken schwarzen Kaffee schwört (Ruhe sanft) und ein paar Folgen weiter plötzlich seinen Kaffee mit Milch trinkt.
Was durchaus sein kann, ich trank auch früher schwarzen Kaffee und heute aus Verträglichkeitsgründen mit Milch, aber bei unserem Inspektor wünscht man sich da eine klare Linie.
Die Eigenheiten und Macken wurden ja oft thematisiert und machen auch die Faszination aus.
Mal abgesehen davon, dass zum Inspektor auch schwarzer starker Kaffee besser passt als ein Schludergetränk mit Milch *g*
Dass er meist keinen Alkohol mit Mördern oder Nebenpersonen trinkt, manchmal aber doch, stört mich hingegen nicht und ist für mich auch kein Widerspruch.

Ich mag die Mayfieldfolge eigentlich sehr, doch beim dritten oder vierten Mal bemerkt man eben solche Ungereimtheiten wie die plötzlich verschwundene Blutphobie und wird auch kritischer. Das heißt ja nicht, dass die Folge schlechter wird.
Dazu fiel mir gerade "Das Böse unter der Sonne" ein, wo die plötzlich verschwundene Höhenangst ja sogar ein Überführungsindiz ist... als Krimifan ist man wohl sensibilisiert für Phobien und ihr plötzliches Verschwinden :P

Wie wäre es denn mal mit einer anderen Interpretation seiner Schrulligkeit und Zerstreutheit?
Er macht den Leuten gar nichts vor, er ist einfach so. Das wäre sowieso am überzeugendensten, weil authentisch.
Dass das auf Außenstehende so wirkt, als hätten sie es mit einem zauseligen zerstreuten und leicht manipulierbaren Genossen zu tun, muss ja kein Widerspruch dazu sein.
Jemand, der souverän und wie aus dem Ei gepellt auftritt, wird bekanntlich auch anders eingeschätzt als eine zerstreute Person.
Das muss aber eben keine Verstellung oder besondere "Masche" von ihm sein, er macht einfach aus der Not eine Tugend und nutzt sein Grundkapital an Eigenschaften für sich aus, mit großer Geschicktheit und Intuition natürlich.

Was nicht heißt, dass er nicht manchmal übertreibt, hinauszögert, noch ein bisschen länger herumwuselt oder sich absichtlich unwissend oder dumm stellt.
Komplett gespielt soll das alles aber sicher nicht sein - gegen so einen unauthentischen Columbo würde ich mich auch zur Wehr setzen.

Ich weiß nicht, ob die Macher sich das so dachten, dass der echte Columbo ausgerechnet beim Verständnis für Mördergattinnen durchblitzt. Das könnte einfach nur Nettigkeit Frauen gegenüber sein, die er sogar selbst einmal in einer Folge beschreibt (wenn eine Frau dran ist, ist Mann automatisch ein bisschen zuvorkomnender, ohne groß darüber nachzudenken).

Könnte sein, dass Columbo Frauen nicht als Rivalen wahrnimmt und deshalb netter ist, vielleicht wird auch irgend eine Art Beschützerinstinkt geweckt bei den hilflos in ihren Nestern hockenden Mörder-Gattinnen. Von einem Mann erwartet mann ja, dass der sich selbst zu helfen weiß.
so, genug herumphilosophiert (ich kann nicht schlafen, zuviel Kaffee gestern nacht)
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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon Mr. Brimmer » Do, 20.05.2010 09:25


Das hast du schön zusammengefaßt. Seh ich im Grunde auch so.
Einiges sind halt Drehbuchschwächen...seine Tapsigkeit ist auf jeden
Fall zu einem Teil echt, was sich auch oft in seinen Autofahrkünsten
zeigt. Wo er definitiv mitunter lügt ist wenn er zwecks Erklärung
seine Verwandten ins Spiel bringt. Mir ist letztens aufgefallen dass
im " Mord unter sechs Augen " als er am Ende mit Ms. Stewart aus
dem Museum geht. Da sagt sie so was wie " nun mal im Ernst Inspector
haben sie wirklich einen Vetter...." irgendsowas sagt sie im rausgehen,
worauf er sagt " was ist denn das für eine Frage.." dann Ende der Folge.
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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon Mr. Brimmer » Do, 20.05.2010 09:40


zimtspinne hat geschrieben:Das muss aber eben keine Verstellung oder besondere "Masche" von ihm sein, er macht einfach aus der Not eine Tugend und nutzt sein Grundkapital an Eigenschaften für sich aus, mit großer Geschicktheit und Intuition natürlich.


Genau so analysiert ihn ja auch Dr. Fleming im Pilotfilm.
Er benutzt sogar auch " aus der Not eine Tugend ". Und der
ist immerhin Psychologe...also wirds wohl so sein
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Re: Bewertet: "Zwei Leben an einem Faden"

Beitragvon sagittarius » Do, 20.05.2010 12:43


zimtspinne hat geschrieben:An diesem Punkt hat mich ausnahmsweise mal gestört, dass mutmaßliche Mörder frei herumlaufen gelassen und nicht umgehend in U-Haft gesteckt werden. Das hätte passieren müssen statt das gefährdete Mordopfer noch einmal diesem Arzt zu überlassen. Die OP-Wunde öffnen, um nach dem Rechten zu schauen, hätte unbedingt SOFORT gemacht werden müssen, und zwar von einem anderen Arzt.
Leichtsinniger war Columbo nie.

Columbo weiß ja noch nicht, ob es ein Anschlag war, er vermutet es nur aufgrund von Indizien.

Zudem: Wie soll man dem Dr. Hidemann erklären, dass er erneut operiert werden muss?
Soll man ihm sagen: "Dr. Mayfield hat die Krankenschwester Sharon getötet, wir vermuten, dass er Sie mit falschem Nahtmaterial auch umbringen will und müssen das kontrollieren."?
Bei dem Zustand des Patienten besteht die Gefahr, dass er einen Infarkt bekommt und stirbt. Und wenn Columbos Verdacht sich als falsch erweist? Ob er das verantworten kann?

Oder soll Columbo sagen: "Wir müssen Sie noch mal operieren, es besteht keine Gefahr, Dr. Mayfield ist unpässlich, es ist alles in Ordnung"? Dann kriegt Hidemann wohl erst recht einen Anfall, wenn so geheimnisvoll getan wird.

Schließlich ist das Ganze dramaturgisch bedingt. Columbo muss Mayfield am Schluss direkt entlarven. Das Drehbuch verlangt es so, etwas anderes würde mich enttäuschen.
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