Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

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1
2%
2/5 passabel / "na ja"
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Keine Stimmen
3/5 gut
5
9%
4/5 sehr gut
19
36%
5/5 überragend
28
53%
 
Abstimmungen insgesamt : 53

Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon Mr. Brimmer » Sa, 03.10.2009 12:43


Sehr guter Columbo. Es gibt aber einige Folgen die ich mir
einfach irgendwie lieber ansehe. Also 4 Punkte. Zu kritisieren
gibt es eigentlich nichts. Ruth Gordon und Falk harmonieren
perfekt und die Dialoge der Beiden tun ihr übriges um die Folge
über den Columbo - Durchschnitt zu heben. Interessant und unorthodox
ist diesmal der Mord selber. Nette Idee, das mit dem Safe. Die
Beweisführung ist sehr schlüssig, damit auch die Überführung der
Täterin. Starke Szene am Beginn als Abigail sich mit ihrem Neffen am
Strand unterhält. Und das so konzentriert, dass beide von den vorbei-
galoppierenden Pferden nicht im mindesten abgelenkt werden, und
Abigail ihren Neffen dabei sehr intensiv mustert. Was Columbo als Person
auch so besonders macht wird sehr gut am Ende sichtbar. Der Mann ist
absolut unbestechlich und sehr professionell. Es gibt kein Erbarmen mit
der alten Frau. Columbo ist Profi und hart. Er zeigt zwar teilweise offen
Symphatien für Abigail wie auch für viele andere Mörder, aber er lässt sich nie
in seiner Arbeit bzw. seinem Ziel der Überführung des Täters beeinflussen.
Am Ende bekommen alle ihre gerechte Strafe. Echt stark. Na ja mit Ausnahme
von " Tödliches Comeback ", wo er sich auf einen Deal einläßt. Denke aber,
das ist die einzige Ausnahme. Columbos Antwort auf Abigails Bitte um Milde
ist mehr als bezeichnend " ...sie sind sehr professionell in ihrer Arbeit, und
ich bin es auch. " Klasse. Oder " Sie sind ein netter Mensch, ich hab sie schon
sehr ins Herz geschlossen. " , und Columbo : " Rechnen sie nicht damit. Machen
sie den Fehler nicht. "
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon sagittarius » Sa, 08.05.2010 11:33


Vor den weiblichen Fans der Krimi-Autorin Abigail Mitchell hält Columbo eine Rede: Er mag seine Arbeit, die Welt ist voller netter Menschen, er mag manchmal sogar Mörder, weil an jedem etwas Nettes ist. Gottlob ist diese Episode geistvoller, als es diese Rede vermuten lässt.

Mrs. Mitchell hält Edmund für den Mörder ihrer geliebten Nichte und schließt ihn in ihren Tresorraum ein, wo er erstickt. Ihr Plan ist fast perfekt. Aber warum spielt Edmund das Spiel mit, indem er sich verabschiedet und heimlich wie ein Dieb zurückkehrt? Wird er nicht misstrauisch?
Nur: Das Testament, die Erbschaft, das Geld, der Schmuck und die Kombination zum Tresor machen ihn blind. Mrs. Mitchell ködert Edmund, wie man eine Maus mit Speck ködert. So wie Edmund sich verhält, könnte man ihn für schuldig halten.

Nun kommen Edmunds Autoschlüssel ins Spiel. Was soll Mrs. Mitchell tun? Edmund ist im Tresor, der Anwalt kommt, um sie abzuholen und die Schlüssel liegen auffällig auf einem Tisch.
Liegen lassen darf Mrs. Mitchell die Schlüssel nicht, denn sie will ihre Bedienstete später die Alarmanlage einschalten lassen. Das ist nötig, um zu erklären, wie der vermeintliche Einbrecher Edmund sich einsperren konnte. Durch das Auftauchen der Bediensteten hat Edmund, um unentdeckt zu bleiben, die Tresortür versehentlich verschlossen und war gefangen. Wenn die Bedienstete aber die Autoschlüssel sieht, könnte sie misstrauisch werden und Alarm schlagen.
Mitnehmen darf Mrs. Mitchell die Autoschlüssel aber auch nicht, denn logischerweise muss Edmund, der mit dem Auto gekommen ist, diese Schlüssel bei sich tragen. Mrs. Mitchell hat da ein Problem!
Sie hätte die Schlüssel an einem unauffälligen Ort legen sollen, den auch Edmund benutzt haben könnte. Der Sandkasten ist aber eine schlechte Wahl. Warum sollte der Einbrecher Edmund dort seine Autoschlüssel verbergen?

Nachdem Mrs. Mitchell die Autoschlüssel von ihrer Sekretärin Veronica erhalten hat, behauptet sie, die Schlüssel im Garten nahe eines Hintereingangs gefunden zu haben. Dummerweise weist ein vor Tagen gemachtes Foto nach, dass an dieser Stelle keine Autoschlüssel lagen. Mrs. Mitchell ist schon fast überführt.

dille hat geschrieben:Das angebliche Auffinden des Schlüssel unter dem Busch hätte ja gut sein können, der Inspektor hätte dagegen auch nichts sagen können, doch rein zufällig gab es von dieser Stelle ein Foto, auf dem der Schlüssel aber nicht zu sehen war. Nun gibt es zig-millionen Möglichkeiten, den Schlüssel irgendwo im Garten zu deponieren, doch es wurde ausgerechnet eine Stelle ausgewählt, die dokumentiert werden kann. Überzogener Zufall.

Edmunds Weg vom Auto zum Hauseingang ist ja bekannt. Nur auf diesem Weg kann er die Autoschlüssel verloren haben. Also macht man hier Fotos. Und hier sollte Mrs. Mitchell die Autoschlüssel dann auch gefunden haben. So groß ist der Zufall dann nicht mehr.
Aber da die Polizei die Umgebung des Tatorts routinemäßig absucht, hätte sie die Schlüssel finden sollen, hätten sie dort gelegen.


Die Sekretärin spielt eine seltsame Rolle: Sie gibt Mrs. Mitchell einfach die Schlüssel mit Wünschen über ihr zukünftiges Gehalt. Weiß sie überhaupt um die Bedeutung? Veronica hält einen Mordbeweis in Händen, denn sie hat gesehen, wie Mrs. Mitchell in diesem Aschenbecher rumwühlte. Ihr muss doch klar sein, dass ihre Chefin eine Mörderin ist. Ich würde mich an ihrer Stelle nicht mehr in den Tresor trauen.

Mrs. Mitchell ist lebenslustig und unbekümmert, manchmal infantil, sie wirkt nicht wie jemand, der sein Liebstes verloren hat. Das tragische Element ist wenig überzeugend. Sie parodiert Columbo sogar: Bei einer Szene im Garten läuft sie hinter Columbo her mit den Worten: "Ich hab' noch eine Frage". Zudem hat sie auch eine zynische Komponente. Da ist nicht nur ihre Aussage, wonach Edmund Sauerstoff verbraucht hat, weil er im Dunkeln Streichhölzer anzündete (siehe Beitrag von dille). Als Columbo am Schluss die Kästen zusammensetzt, macht sie böse Bemerkungen über die Versuche des Eingeschlossenen, eine Nachricht zu hinterlassen. Da passen Charaktereigenschaften nicht zusammen.

Die Kratzspuren des Opfers hätte man früher finden müssen. Komisch, dass erst Columbo aufmerksam wird, dazu im Dunkeln.
Die Filmmusik passt gut zur Episode und zum museumsreifen Haus der Mrs. Mitchell.
Ich gebe diesem Columbo 4 Punkte.
Zuletzt geändert von sagittarius am Sa, 08.05.2010 18:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon zimtspinne » Sa, 08.05.2010 13:24


Ich kann die allgemeine Begeisterung zu dieser Folge und insbesondere zur Protagonistin nur zum Teil teilen.

Ich versuche ja, sie so sympathisch wie offenbar jeder hier zu finden, gelingt mir leider nicht. Sie hat etwas unsympathisches an sich, das ich nicht mal genau erklären kann. Mal spontan ausgedrückt: so eine Großmutter würde ich mir nicht wünschen.

Die Stimme irritierte mich. Ich bin sehr stimmensensitiv, auf schrille Stimmlagen reagiere ich besonders sensibel, egal in welcher Lautstärke.
Muss mir unbedingt mal die englische Version anschauen, wie die Originalstimme ausfällt.

Zum Schluss hin wird ihre Gehässigkeit immer offener. Mag sein, dass der Verlust ihrer Nichte und noch mehr die Nichtbestrafung des für sie feststehenden Täters sie zynisch gemacht hat.

Ungeklärt bleibt, weshalb sie so ein inniges Verhältnis zur Nichte hatte. Lebte die bei ihr? Hat sie sie gar aufgezogen, weil ihrer Mutter etwas passierte? Bei 'Nichte' habe ich immer eine jüngere Frau vor meinem Auge, auch weil dieser Edmund noch relativ jung zu sein schien. Wenn Abigail 80 oder sowas ist, müsste die Nichte aber auch schon eine betagte Dame gewesen sei.
Man hätte besser eine Enkelin gewählt, wäre glaubwürdiger und nachvollziehbarer gewesen. Auch die innige Nähe, die beide verbunden zu haben schien.

Irgendwie kommt bei mir der alte-reizende-Dame-verschafft-der-Gerechtigkeit-Genugtuung-Faktor nicht an.

Auch weil eigentlich offen ist, ob der Nichten-Ehemann (auf die nicht-Genverwandtschaft besteht sie ja) die Tat überhaupt begangen hatte. Mag sein, dass er seine Frau aus purer Berechnung geheiratet hatte und geldgeil war... noch lange kein Beweis, dass er seine Frau auch umgebracht hatte. Genauso gut hätte es auch tatsächlich ein unglückseliger Unfall sein können.
Das die Dame sofort an Mord denkt, zeigt einen Einblick in ihr Seelenleben... sie hält offenbar Mord für ein akzeptables Mittel, was sie ja später sogar unter Beweis stellt.

Manche, einschließlich Inspektor Columbo, scheinen zu verdrängen, dass die alte Dame noch vor Carsini die grausamste Todesart wählte.
Wärend es bei Carsini noch eine Art von Affekthandlung war, unter Zeitdruck und nicht vorausgeplant, arbeitete Abigail darauf hin, den verhassten Nichten-Ehemann im Tresor zu entsorgen.

Ein Gericht würde die besonders qualvollen Todesmomente sicher ungünstig berücksichtigen, Columbo hat zum Schluss noch Verständnis für sie. Ein Erstickungstod im Dunkeln hat sicher Foltercharakter.
Weshalb ich darauf herumreite? Weil das irgendwie immer untergeht. Weil das Drehbuchkonzept hier scheinbar nahtlos aufgeht - wenn ein Mörder nur sympathisch genug verkauft wird, nimmt man seine Grausamkeiten im Detail gar nicht mehr wahr :wink:
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon Topi » Do, 13.05.2010 00:13


zimtspinne hat geschrieben:Muss mir unbedingt mal die englische Version anschauen, wie die Originalstimme ausfällt.


Meine Lieblingsszene überhaupt. Abi spricht mit Grabesstimme: "Ich weiß, dass du..."und knallt die schwere Tür zu. Würde ich gerne im Original hören.

zimtspinne hat geschrieben:Ungeklärt bleibt, weshalb sie so ein inniges Verhältnis zur Nichte hatte. Lebte die bei ihr? Hat sie sie gar aufgezogen, weil ihrer Mutter etwas passierte? Bei 'Nichte' habe ich immer eine jüngere Frau vor meinem Auge, auch weil dieser Edmund noch relativ jung zu sein schien. Wenn Abigail 80 oder sowas ist, müsste die Nichte aber auch schon eine betagte Dame gewesen sei.

Wird erklärt. Ihre Nichte war ihre einzige Angehörige. Das bedeutet, dass Abis Bruder oder Schwester tot waren. Natürlich liebt man den Einzigen.
Ich finde die Kombi Nichte/Erbtante sehr gelungen.

zimtspinne hat geschrieben:Man hätte besser eine Enkelin gewählt, wäre glaubwürdiger und nachvollziehbarer gewesen. Auch die innige Nähe, die beide verbunden zu haben schien.

Die Tante ist ein bisschen "weiter weg". Tante wird sich schon beruhigen, hätte er denken können. Ist doch "nur" die Nichte gewesen.

zimtspinne hat geschrieben:Irgendwie kommt bei mir der alte-reizende-Dame-verschafft-der-Gerechtigkeit-Genugtuung-Faktor nicht an.


So sehe ich die Folge überhaupt nicht. Das ist eine reine Rachefolge.

zimtspinne hat geschrieben:Auch weil eigentlich offen ist, ob der Nichten-Ehemann (auf die nicht-Genverwandtschaft besteht sie ja) die Tat überhaupt begangen hatte. Mag sein, dass er seine Frau aus purer Berechnung geheiratet hatte und geldgeil war... noch lange kein Beweis, dass er seine Frau auch umgebracht hatte. Genauso gut hätte es auch tatsächlich ein unglückseliger Unfall sein können.

Nein. Nicht in diesem Columbo.

Es ist richtig: Abi glaubt nur, dass er ihre Nichte ermordet hat. Sie ist sich sicher.
Wir dagegen wissen das in dem Moment, als er mit diesem fiesen Grinsen im Gesicht, das Foto der Nichte anguckt und ganz schnell den Gesichtsausdruck auf trauernd, betroffen umstellt, als Agigal reinkommt.
Abigal hat es sofort gewußt. Sie wirds gespürt haben. Falsche Töne der Trauer. Ein Lächeln im falschen Moment, wenn er sich unbeobachtet wähnte. Sie verläßt sich auf ihr Gefühl.

Wenn ich hier mal spekuliere: Ich kann mir vorstellen, dass Abi wusste, dass ihre Nichte unglücklich war und sich trennen wollte. Dann wäre das Geld für ihn ja futsch gewesen. Die Vorgeschichte wird nicht aufgedröselt. Gott sei Dank, finde ich. So bleibt die Handlung straff.
Auch wenn da mehr auserzählt worden wäre - wär ja auch kein Beweis für seine Tat.


Es gibt nur eins, was ich nicht wirklich verstehe. Das hab ich schon mal geschrieben.
Die Frau ist eine erfolgreiche Autorin.
Warum ruiniert sie ihn nicht einfach? Sie hätte ihn in Büchern bloß stellen können. Andere Namen eingesetzt...ein paar Interviwes, in denen sie was durchblitzen läßt.

Und ihr Vermögen anderen vermacht- fertig
aber dann gäbe es diese Folge nicht - die ich sehr mag.
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon zimtspinne » Do, 13.05.2010 09:49


hallo Topi,

mit Frau Abigail kommen wir wohl auf keinen gemeinsamen Nenner, die meisten finden sie grundsympathisch, bei mir ist es nicht durchweg Sympathie. Das hat aber nichts mit ihrer Tat zu tun. Die zu bewerten ist ja nicht unsere Aufgabe, wir möchten unterhalten werden und dazu gehören eben auch Morde und Mörder.

Ich finde sie einfach oftmals zu überdreht, da wäre ein bisschen weniger mehr gewesen. Es sollte wohl ihre Vitalität hervorgehoben werden; ich fands manchmal einfach kindisch.
Frauen werden bei Columbo selten normal dargestellt, das trifft auf Mörderinnen genauso wie auf Nebendarstellerinnen zu.

Wie gesagt, kam ich vor allem mit den schrillen Stimmlagen nicht klar, die sehr oft umkippten. Man hätte eine andere Synchronstimme wählen sollen.
Die Tage schaue ich mir aber auf jeden Fall mal das Original an.

Im übrigen verstehe ich generell die Rachetaten nicht. Nicht, weil Selbstjustiz nicht mal funktionieren kann (wer hat sich als Kind nicht mal mit Befriedigung für einen Neck "gerächt" oder auch als Erwachsener :D ) - als Tatmotiv ist es aber für mich so ziemlich das unsinnigste.

Man geht womöglich in den Knast wegen jemandem, den man eigentlich hasst, der von der Rache nachher nicht mal mehr was mitkriegt. Er weiß ja nicht, dass er tot ist, naja davon gehe ich jetzt mal aus :P

In diesem Punkt stimme ich mit dir überein. Fertigmachen auf legale Art hätte ihr langfristig mehr gebracht.
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon dille » Fr, 14.05.2010 09:28


Was heißt "selten normal"? :-) Sie bekommen oftmals mehr oder weniger die gleichen Eigenschaften zugewiesen, je nachdem, um welches Semester es sich bei der Dargestellten handelt: Frauen in den 20er bis 30er Jahren sind in den Columbo-Folgen meistens naiv bis öko, sofern es sich nicht um Sekretärinnen oder Behördenmitarbeiterinnen handelt. Sobald die Frau in die Wechseljahre kommt, verfällt sie zusehends dem Alkohol, erst recht, wenn sie die Ehefrau von jemandem ist. Es reicht hier aber auch durchaus aus, alleinstehend zu sein, dann hat die Frau aber Komplexe wegen ihres Äußeren (Dolores McCain). Spielt die Gattung "Wechseljahre" die Mörderrolle, bekommt sie typisch männlich-rationale Eigenschaften zugewiesen, es sei denn, man heißt Vivian Dimitri. Passiert die Frau die Schwelle zum Rentenalter, wird man vom Drehbuch gerne mal ein bisschen verwunderlicht, so auch hier geschehen. Dabei hat man die Wahl: Typ Mrs. Peck oder Typ Abigail Mitchell. Der Rest ist Geschmacksache.
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon Topi » Fr, 14.05.2010 12:36


dille hat geschrieben:Was heißt "selten normal"? :-) Sie bekommen oftmals mehr oder weniger die gleichen Eigenschaften zugewiesen, je nachdem, um welches Semester es sich...handelt: Frauen in den 20er bis 30er Jahren sind ...meistens naiv bis öko, sofern es sich nicht um Sekretärinnen oder Behördenmitarbeiterinnen handelt. Sobald die Frau in die Wechseljahre kommt, verfällt sie zusehends dem Alkohol, erst recht, wenn sie die Ehefrau von jemandem ist. Es reicht hier aber auch durchaus aus, alleinstehend zu sein, dann hat die Frau aber Komplexe wegen ihres Äußeren. Spielt die Gattung "Wechseljahre" die Mörderrolle, bekommt sie typisch männlich-rationale Eigenschaften zugewiesen...Passiert die Frau die Schwelle zum Rentenalter, wird man vom Drehbuch gerne mal ein bisschen verwunderlicht,


Auf den Punkt gebracht. also doch ein realistische Abklatsch unserer Gesellschaft :neig: :neig:
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon JustOneThing » Do, 17.02.2011 22:42


Als ich diese Folge das erste Mal sah, kannte ich Ruth Gordon nur aus dem Film "Rosemary´s Baby"... und schon da war ich von ihr begeistert. Für mich ist sie sowieso das eigentliche Highlight des Polanski-Klassikers.
Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an Ruth Gordon als Möderin... und sie wurden nicht enttäuscht. Wenn man bedenkt, dass Ruth beim Dreh dieser Folge bereits über 80 Jahre alt war... einfach grandios!

Weiterhin überzeugt in diesem "Columbo" die Gesamtatmosphäre, es gibt faktisch keine Längen, die Indizensuche gestaltet sich spannend... und fast sämtliche Nebencharaktere kommen zwar überzeugend an... werden aber von der überragenden Ruth Gordon glatt an die Wand gespielt.

Die Auflösung am Ende ist schlüssig und die Ermittlungen dahin nachvollziehbar und spannend.
Der letzte Satz der Mörderin nach der Überführung: "Wenn Sie damals ermittelt hätten, dann hätte das hier nicht passieren müssen" (Mrs. Mitchell meinte damit die Ermittlungen zum Tode ihrer Nichte) passt sehr gut und Columbos Gesichtsausdruck verrät so etwas wie Zustimmung.

Ich habe etwas überlegt, ob ich diese Folge mit vier oder fünf Punkten bewerten sollte... und vermutlich habe ich mich am Ende mit den sehr guten vier Punkten falsch entschieden.
Oder doch nicht?
Einziger Kritikpunkt: Aus diesem Stoff, mit dieser hervorragenden Mörderin wäre ein 90-Minuten-Film einfach angebrachter gewesen... :wink:
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon Doc Brown » Di, 03.05.2011 00:13


Ich bin schon erstaunt, dass so viele hier Abigail Mitchell sympathisch finden. ?-/ Sie hat keinen Beweis für den Mord ihres Neffen, nur ihr Gespür.

Trotzdem vergeltet sie Mord mit Mord - das geht für mich gar nicht. So jemanden kann ich nicht sympathisch finden. Damit ist sie im Grunde kein Deut besser als ihr Neffe, gerade auch weil sie eine so grausame Mordmethode gewählt hat. Ich schließe mich der Meinung von topi an. Eine so einflussreiche Frau hätte lieber mit legalen Waffen Vergeltung üben sollen.

Die Figur Abigail Mitchell ist für mich schwer zu charakterisieren. Mir ging es hier ähnlich wie zimtspinne: Sie hat etwas an sich, das schwer zu beschreiben ist.

Mrs. Mitchell ist für mich keinesfalls die nette, herzliche alte Omi, sondern eine berechnende alte Frau. Eine weitere Charaktereigenschaft sieht man am Umgang mit ihren Angestellten. Sie ist zwar freundlich, aber sehr bestimmend.
Wobei mir beim Schreiben gerade der Gedanke kommt, dass mir die Charakterisierung von Mrs. Mitchell vermutlich so schwer fällt, weil ich die Generation Ü80 überwiegend als nett und hilfebedürftig kenne (nicht unbedingt im Sinne von körperlichen Verrichtungen, aber halt Hilfe bei den Alltagsgeschäften, wie Bankgeschäfte o.ä.) . Da ist Mrs. Mitchell ja nun ganz anders. Sie ist vital und steht noch mitten im Leben. Wahrscheinlich kam ich deshalb mit der Figur nicht so ganz klar.

Das ganze ändert aber nichts an der Tatsache, dass es sich hierbei um eine sehr gute Folge handelt. Mit meinen obigen Abschnitten wollte ich nur meine Meinung zur Figur Abigail Mitchell kundtun, aber keine Aussage zur Qualität der Folge treffen. Ich habe 4 Punkte vergeben. Der Mord ist raffiniert und ungewöhnlich, das Columbo-Mörder-Spiel ist sicherlich eines der besten der ganzen Serie und die Auflösung ist spannend und überzeugend. Ruth Gordon spielt die Mörderin sehr überzeugend. Bravo.
Döp döp döp de de döp döp döp
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon martha » Do, 05.05.2011 18:30


Ich habe da ja immer 'ne äußerst egoistische Sichtweise.
Ich bewerte Mörder ausschließlich nach ihrem Unterhaltungswert und nicht nach ihrer moralischen Integrität.
Denn offiziell ist ja doch jeder Mörder ein Schurke.
Mich interessiert einzig und allein das schurkische Charisma.
Das ist für mich immer die alleinige Grundlage für die Beurteilung des fiesen Charakters eines Mörders.
Und da schneidet Abi Mitchell überdurchschnittlich gut ab.
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
"Genau gesagt:Keiner von beiden. Es war Washington."
"Hatten Sie bei dem auch einen Vornamen?"
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon zimtspinne » Do, 05.05.2011 19:39


Ich hab neulich mal wieder diese Folge gesehen (die gehört nun auch zu meinem Besitz :smoke: ).
Dabei fiel mir auf, dass Abbi als einziger Mörder Columbo gegenüber bis zum Schluss nie pampig, ungeduldig, abweisend oder gar rausschmissig wird.

Interessant ist auch, dass die Sympathieträger von Mördern nie ihre Erpresser umbringen, wie die Mistmörder das gerne tun.

Ok, Greenleaf und Franklin sind auch sympathisch und erweitern ihre Mordlust dennoch auf die Erpresser bzw Mitwisser, aber wahrscheinlich wirken die auch nur auf mich sympathisch und sollen das gar nicht sein. Sympathisch ist der falsche Ausdruck - ich find die einfach so richtig schön böse und cool dabei.

Abigail find ich nicht durchweg sympathisch. Ich meine jetzt nicht als Mörderin, sondern generell als Mensch.

Ich bewundere ihre Flinkheit und ihre geschmeidigen Bewegungen, ihre aufrechte Haltung, Cleverness und Improvisationstalent. Gar nicht selbstverständlich in diesem Alter.

Ihren Nichtenwahn finde ich aber etwas befremdlich. Wäre das ihr eigenes Kind gewesen oder ihre kleine Schwester.... so kam mir das Ganze aber immer etwas vereinahmend vor.... der böse Ehemann der Nichte hat ihr ihren Besitz genommen - dafür gehört er getötet. :?

Mord aus Rache kann ich ohnehin nie nachvollziehen. Selbst wenn man nicht dabei erwischt wird, bringt das doch gar nix.
Täte mir jemand etwas wirklich böses an, würde ich versuchen, ihn in den Knast zu bringen oder ihm das Leben für eine Weile richtig madig zum machen :oops:

Naja, und sie hat in manchen Momenten auch etwas hinterhältiges an sich - oder wirkt zuindest so.
Da ist mir dann im realen Leben doch eine gemütliche Oma lieber als so ein unberechenbares Wiesel :wink:
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon Doc Brown » Do, 05.05.2011 20:07


martha hat geschrieben:Ich bewerte Mörder ausschließlich nach ihrem Unterhaltungswert und nicht nach ihrer moralischen Integrität.
Denn offiziell ist ja doch jeder Mörder ein Schurke.
Mich interessiert einzig und allein das schurkische Charisma.
Das ist für mich immer die alleinige Grundlage für die Beurteilung des fiesen Charakters eines Mörders.
Und da schneidet Abi Mitchell überdurchschnittlich gut ab.


Das ist natürlich etwas ganz anderes. Der Unterhaltungswert bei Abi Mitchell ist sicherlich hoch, schurkisches Charisma hat sie sowieso. Die schauspielerische Leistung von Ruth Gordon ist sehr gut.
Mein Post bezog sich auch mehr auf die hier im Thread verwendeten Umschreibungen "sympathisch", "traurig, als sie verhaftet wurde", "man hätte sie evtl. auch laufen lassen können". Denn da bin ich anderer Meinung. Abi Mitchell wurde ihre gerechte Strafe zugeführt.

zimtspinne hat geschrieben:Ihren Nichtenwahn finde ich aber etwas befremdlich. Wäre das ihr eigenes Kind gewesen oder ihre kleine Schwester.... so kam mir das Ganze aber immer etwas vereinahmend vor.... der böse Ehemann der Nichte hat ihr ihren Besitz genommen - dafür gehört er getötet. :?


Naja, die Beziehung zu ihrer Nichte war sehr eng, man kann schon sagen, dass ihre Nichte für sie wie die eigene Tochter war, zumal Abi ja keine eigenen Kinder hat. Da die Nichte die einzige Blutsverwandte von Abi Mitchell war, kann ich die Vereinnahmung (natürlich nicht den Mord!) nachvollziehen.
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon martha » Do, 05.05.2011 20:15


zimtspinne hat geschrieben:Dabei fiel mir auf, dass Abbi als einziger Mörder Columbo gegenüber bis zum Schluss nie pampig, ungeduldig, abweisend oder gar rausschmissig wird.


Ja, ich denke sie wird nur einmal etwas schroff, als Columbo ihr sagt, dass sie wohl auf ihre Schiffsreise verzichten muss.
Da droht sie sogar mit ihrem Anwalt.

Ansonsten habe ich aber auch bei Tommy Brown kein unfreundliches Wort gegenüber dem Inspector in Erinnerung. Bei Nora Chandler ist es ähnlich.
Für mich sind das die Schurken, die auf hartnäckigen Kuschel-Kurs mit dem Inspector gehen.
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon zimtspinne » Sa, 07.05.2011 19:24


stimmt, so einmalig ist der Kuschelkurs gar nicht.

Keiner knuddelt aber so spielerisch trippelnd mit dem Insepktor wie das Abbilein.

Bei Brown erkennt man die Maske, hinter der es wabert; Chandler sitzt die Angst im Nacken, die sie mit einem Sonderschlückchen hier und da bekämpft und selbst die flirtige Staton steht unter Dauerstress und wirkt alles andere als entspannt in manchen "Kuschelszenen".

Abby dagegen.... für die scheint das alles ein Spiel... ein Spiel ums Leben natürlich. Selbst zum Schluss spielt sie noch, und nicht wirklich, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Sie macht schwarze Witze über das Tresoropfer und alle möglichen Personen, auch Columbo zieht sie ein wenig durch den Kakao. Nur einmal blitzt die Angst und Realisierung durch, als sie beim Inspektor um Gnade fleht.
Nun ja, sie hat ihr Leben gelebt, sich ihren letzten Wunsch erfüllt und statt auf einer Kreuzfahrt schreibt sie ihren nächsten Roman halt im Knast. Hat doch auch was :wink:
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Re: Bewertet: "Alter schützt vor Morden nicht"

Beitragvon Tiktaalik » Mo, 03.09.2012 20:53


Abigail Mitchell bringt Edmund Galvin um, weil sie sich sicher ist, dass er ihre Nichte ermordet hat. Dafür, dass sie beruflich schon dutzende Morde "erfunden" hat, ist sie beim Mord an Galvin merkwürdig unkreativ. Sie sperrt ihn einfach in ihren Tresor ein. Später sagt sie ihrem Hausmädchen, sie solle den Alarm vom Tresor einschalten, damit es so aussieht, dass er bei ihr eingebrochen ist und den Tresor selber geschlossen hat, als er das Hausmädchen hörte.

Als Indizien gibt es den fehlenden Autoschlüssel sowie die Fußabdrücke des Opfers vor dem Haus. Die 6 abgebrannten Streichhölzer und das ausgebreitete Manuskript im Safe ergeben zunächst keinen Sinn. Den Autoschlüssel hatte das Opfer auf dem Tisch liegen lassen, bevor er den Safe betrat. Mitchell versteckte ihn kurzerhand im Aschenbecher. Leider wird dieser von der Haushälterhin kurz danach geleert und so gelangt der Schlüssel zu ihrer Sekretärin Veronica. Diese erpresst Mitchell daraufhin mit einer Gehaltserhöhung und sie ist eine der wenigen Erpresser in dieser Serie, die überleben. Dies gefällt mir deutlich besser, als wenn der Mörder eine zweite Person aus dem Weg räumt, da dieser Mord sowieso nur selten aufgeklärt wird. Über Veronica kommt Mitchell wieder in Besitz des Schlüssels, den sie im Vorgarten platziert, da Columbo ihr sagte, dass der Mörder den Schlüssel haben müsste. Unglücklicherweise kann Columbo beweisen, dass sie den Schlüssel erst vor kurzem dort platziert hat. Unglaubwürdig ist, wieso sie den Schlüssel nicht einfach beseitigt hat und warum überhaupt so extrem viel Wind um diesen gemacht wird. Der Schlussbeweis ist ja ein ganz anderer: Das Opfer selber erkennt, dass es sterben
wird und hinterlässt einen versteckten Beweis, der den Mörder überführt. Das ist wirklich brillant! Mir fehlt allerdings, dass Columbo das Motiv herausfindet. Ihm fällt zwar auf, dass im Haus des Opfers kein Bild von seiner toten Frau hängt, aber ein Beweis dafür, dass er sie ermordet hatte, ist das nicht. Er findet es erst heraus, nachdem Mitchell überführt ist und sie ihm alles erzählt. Sie kann den Mord natürlich auch nicht beweisen, dies ist für ihr Tatmotiv aber nicht relevant.

Das sehr gute CMS beginnt bereits mit der ersten Begegnung zwischen Columbo und Mörder: Da sie von Berufs wegen viel mit dem Thema Mord zu tun hat, bringt sie sich von Anfang an in die Ermittlungen mit ein. Auch die Dialoge zwischen den beiden sind sehr unterhaltsam. Lediglich am Ende nerven mich ihre völlig aus der Luft gegriffenen Erklärungsversuche.

Ruth Gordon erhält für ihre Darstellung von Mitchell 4 Punkte. Dass sie bereits 81 Jahre alt war, ist zwar sehr erstaunlich, aber das kann ich bei der Bewertung natürlich nicht mit einfließen lasen. Auch die Nebendarsteller mit ihrer Sekretärin, ihrem Hausmädchen und ihrem Anwalt werden sehr gut gespielt.

Da auch die Musik und die Atmosphäre sehr gut sind, ist die Note dieser Folge eindeutig: 4/5 Punkte.
Zuletzt geändert von Tiktaalik am Di, 18.12.2012 11:04, insgesamt 1-mal geändert.
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