Bewertet: "Die vergessene Tote"

Hier könnt ihr die einzelnen Folgen bewerten bzw. die Meinung der anderen Mitglieder lesen.

Wie bewertet ihr "Die vergessene Tote" ?

1/5 schlecht
1
2%
2/5 passabel / "na ja"
4
7%
3/5 gut
23
38%
4/5 sehr gut
13
22%
5/5 überragend
19
32%
 
Abstimmungen insgesamt : 60

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon dille » Mo, 06.07.2009 10:19


Als ich die Folge zum ersten Mal sah, das muss etwa Mitte der 90er gewesen sein, hatte ich bereits so ein dumpfes Gefühl. Doch zunächst zu was anderem. Achtziger-Flair und Traummusik dominieren hier eindeutig, dazu ein Hauch von Hollywood. Ein wirklich originelles Set für einen 'Columbo'. Ich glaube, es gibt nicht wirklich ein Umfeld, wo Columbo noch nicht ermittelt hat - natürlich immer hübsch im Rahmen der Upper Class, versteht sich. Die Folge fängt rasant an, zumindest schneller als die Bummelfahrt über's Filmgelände, wo man zwischen all den gutgelauten Besuchern schon bald ein verstörtes Gesicht erspäht und der geübte Zuschauer schnell weiß - aha, der wird dann wohl ermordet. Doch das Tempo wird in dieser Folge schnell zum Problem - und damit zum Problem zwischen den beiden Protagonisten: Columbo und Brady sind in ihrer Wechselseitigkeit zwar stimmig und machen schon Spaß, auch wenn Brady optisch eher so wirkt, als würde Columbo schnell die Oberhand gewinnen. Bradys selbstbewusst-arrogantes Auftreten allerdings hätte Columbo einen schwierigen Gegner bescheren können, wenn, ja wenn - der Zuschauer nicht nach den ersten siebeneinhalb Minuten Columbo-Mörder-Interaktion den Eindruck gewinnen würde, dass für Columbo bereits sonnenklar ist, dass Brady der Mörder ist. Dass Columbo auf irgendeine Weise mit seinen Ermittlungen zum Umfeld des Mörders geführt werden muss, ist verständlich, aber muss die erste Spur zum Mörder gleich so vernichtend eindeutig sein, dass es so einer geübten Spürnase wie Columbo gleich sämtliche Nebenhöhlen freipustet?*) Doch das nicht alleine, denn die Schnitzeljagd kann munter weitergehen (wohlgemerkt - das alles in den ersten siebeneinhalb Minuten): Die beiden Icecream-Soda-Becher stehen immer noch so auf der Theke, wie sie am abend zuvor dort platziert wurden; unerheblich, ob man das Gefühl hat, den perfekten Mord begangen zu haben und sich sicher wägt, die Leiche könne mangels Entstellung nicht identifiziert werden, die Gläser entsorgt man doch aber! Denn dass Brady doch eigentlich auf Spurenbeseitigung aus ist, zeigt die kurze Szene (wir sind immer noch in den siebeneinhalb Minuten), als Brady vor dem Bücherregal steht und schnell das Fotoalbum, das auf den Büchern liegt und das sich der Ermordete am Abend zuvor noch angeschaut hat, wieder zwischen den Büchern einordnet (übrigens vor den Augen von Columbo, auffälliger geht's wohl nicht). Aber bei den Eisbechern einen auf gelassen machen, obwohl sämtliche DNA-Spuren dran kleben - das alles trägt zu dem dumpfen Gefühl bei, das ich bei dieser Episode habe. Gerade die ersten Minuten sind immer so entscheidend - wird's leicht, wird's knifflig - aber hier geht's schon zu Beginn um die Frage, wie Columbo wohl den entscheidenden Beweis zur Überführung des Mörders aufbringt - bereits ein Schritt zu viel.

*) Oh, man kann ja sogar seine Beiträge ändern... ist mir gar nie aufgefallen. In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich nämlich vergessen zu erwähnen, worin die erste Spur der Schnitzeljagd besteht: In dem Buch über die Filme des Alex Brady mitsamt bleistiftgeschriebener Nummer direkt in sein Büro. Wie kann Alex Brady zulassen, dass die von ihm entsorgte Leiche so ein Buch mit sich führt? Zumal eins im Taschenbuchformat, nicht etwa Miniatur... wenn auch damit nicht bewiesen ist, dass Brady der Mörder ist (ich glaub', es ginge juristisch gesehen wohl noch nicht mal als Indiz durch), so führt allein das Auffinden des Buches unweigerlich zu Brady - und NUR zu Brady. Die Eisbecher vermag ich dann auch nicht mehr zu verzeihen, zumal Columbo auch da schon wieder haarscharf an der Realität entlang spekuliert, ebenso wie mit den Todesumständen der Leiche ("als hätte er bei seinem Tod irgendwas festgehalten")... wohlgemerkt, das alles in den ersten siebeneinhalb Minuten - er klärt ja quasi schon den ganzen Mord auf (bis auf die Beweise) - was mir eindeutig zu schnell geht. :?
Zuletzt geändert von dille am Mo, 15.02.2010 17:55, insgesamt 3-mal geändert.
dille
Polizeidirektor
Polizeidirektor
 
Beiträge: 240
Registriert: Do, 21.08.2008 17:38

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon martha » Mo, 06.07.2009 19:02


Diese stehengelassenen Eisbecher haben mich eigentlich nie gestört, weil ich jedem Schurken pro Tat eine Schlampigkeit zugestehe.
Problematischer wird's dann doch eher bei Mördern wie Dr.Cahill, der sich in "Teuflische Intelligenz" im Umfeld des Mordes wie ein Trampeltier aufführt.
Alex Brady hat ja zudem auch eigentlich nicht zu befürchten, dass bereits am Morgen nach der Tat ein Ermittler auf seiner Matte steht.
Für mich ist dann schon nachvollziehbar, hier nicht gleich die große Aufräumaktion zu starten.
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
"Genau gesagt:Keiner von beiden. Es war Washington."
"Hatten Sie bei dem auch einen Vornamen?"
"Martha."
Benutzeravatar
martha
Inspektor
Inspektor
 
Beiträge: 16259
Registriert: Mi, 08.03.2006 00:59
Wohnort: Bochum

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon andy_vip » Di, 07.07.2009 02:29


Definitiv eine der schlechteren Columbo-Folgen:

- Es geht schon damit los, dass der Inspector Brady bei fast jedem Besuch bei der Arbeit/Privatleben stört - er kommt so gut wie nie mal ganz "normal" in die Studios - sooft, dass es echt schon übertriebener unrealisticher an den haaren heireigezogener Homor ist - es nervt nicht nur den Mörder sondern auch den Zuschauer, wenn´s in einer Folge zur Regel wird....

- mir fehlte der columbotypische trockene Humor (z.B. Tatortbegehung, chaotische alltagssituationen etc.)

- der filmgag (dass Columbo anspricht, dass der Fall/sein Beruf wohl keinen Zuschauer interesieren würde) kommt einfach zu oft - es reicht ein/zweimal - ich muss nicht dauernd den selben gag/anspielung hören, bin ja hier nicht bei 9live - auf der anderen Seite bleiben leider richtig gute Gags aus.

- zuviel übersinnliches Licht/Schatten-BlaBla & die willkürliche Absage vom Geldgeber - kam mir in die Länge gezogen vor

zudem viel zu unrealistich, warum?:

- Die Frage der Fragen: Warum hat das Opfer am Anfang soviel Angst um das Tape? - Warum nimmt er denn das Originaltape mit..?, bzw. gab es doch noch eine Kopie.... wie unrealistich ist das denn..?

- Kann man auf einem Filmgelände wirklich nachts einen solchen "lauten und effektreichen" Mord begehen ohne das dies irgendjemand merkt - was ist mit dem Security-Typ an der Ausfahrt / Radspuren am Tatort / warum hat Columbo Bradys Auto nicht auf Spuren untersucht, wenn er ihn verdächtigt....

- Diesen Mord konnte man gar nicht in dieser Form planen... - hätte der Täter das Opfer mit einer Waffe bedroht, wäre ein Fluchtveruch und das Berühren des Zaunes wahrscheinlicher gewesen - aber okay, er hatte wohl nicht mal eben ne waffe verfügbar.....

Sorry, es gibt so viele tolle Folgen - null Pep - drittklassige Gags, unrealistiche Aufklärung. diese Folgeist einfach zu plump...... (ausnahme die ersten 5 Minuten und Alex´süße (ex-)Freundin *jam-jam* - das wars).
Habe den allerersten Beitrag in diesem Jahrzehnt hier im Forum verfasst und bin richtig stolz drauf :-) !
Benutzeravatar
andy_vip
Ltd. Polizeidirektor
Ltd. Polizeidirektor
 
Beiträge: 339
Registriert: Fr, 03.07.2009 11:16

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon Jack_the_Ripper » Mi, 08.07.2009 15:16


So streng möchte ich mit der Folge nicht umspringen, die für mich eindeutig zu den besseren gehört.

Ich finde, Peter Falk ist als Columbo hier in bester Form, die Walzertanz-Szene auf dem Kran, die Befragungen - mit mehrmaligem Zurückkommen, ohne Mantel am Strand wirkt er geradezu jugendlich, dass ich mich im Moment in eine 70er-Folge zurückversetzt fühlte, auch die "Licht - Schatten"-Szene im Studio meisterte er mit Bravour, es macht einfach Riesenspaß, im bei der "Arbeit" zuzuschauen.

Ich kann auch an der Story nicht viel aussetzen, man muss bedenken, dass der Täter schnell einen halbwegs stabilen Mordplan zusammenstellen musste (und nicht, wie viele Columbo-Mörder die Tat schon lange im Voraus planen konnte) - dass ihm dabei das aus der Tasche gefallene Buch entgangen ist und er vergessen hat, die Eiscremebecher zu entsorgen (vielleicht hat er ja auch eine Putzfrau) schreib ich seiner Zwangslage zu, der Mord verhältnismäßig brutal (ich sage nur Vorschlaghammer), kann mir auch vorstellen, dass das Filmgelände nachts und wenn nicht gearbeitet wird, total verlassen ist. Auch dass sein Mentor Alex fallen hat lassen, nachdem ihn dieser vorher so arrogant und von oben herab behandelt hat, kann ich gut nachvollziehen. Das gabs ja auch schon bei Columbo und soll wohl immer auch ein bisschen ein späteres "Geständnis" unterstützen bzw. glaubhafter machen - so nach dem Motto, jetzt hab ich alles verloren, kann ich gleich den Mord auch noch zugeben.

Konstruiert war sicher, dass das Opfer solche Angst um den Film hatte, zumal es mindestens eine weitere Kopie gab (ist vielleicht auch seiner auffallenden Nervosität zuzuschreiben) und das Columbo halt mal wieder grade dann dabei war, als die Sekretärin nervös wegen des Sprengwagens herumgewuselt ist.

Alles in allem eine unterhaltsame Folge mit schöner Atmosphäre und guter Musik und einem Peter Falk in Hochform sowie einem adäquaten Gegenspieler in Tennisschuhen
Jack_the_Ripper
Polizeimeisteranwärter
Polizeimeisteranwärter
 
Beiträge: 7
Registriert: Di, 07.07.2009 10:46

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon columbo93 » Mo, 07.09.2009 19:08


zum inhalt:
Alex Bradey, ein erfolgreicher Hollywood-Regisseur, bekommt überraschend Besuch von seinem Jugendfreund Leonard Fisher. Leonard berichtet, dass Buddy, ebenfalls Jugendfreund von beiden, letzte Woche gestorben sei. Dann berichtet Leonard von seiner Schwester Jenny, die vor Jahren auf dem Weg zu einem Amateurfilm, den Alex und Buddy drehen wollten, verunglückt und am Unfallort verblutet ist. Von Buddy hat Leonard kurz vor dessen Tod ein Päckchen bekommen, in dem ein Film war, den er Alex nun zeigt. Dort ist der damals aufgenommene Unfall zu sehen, der sich in Wirklichkeit am Drehort abspielte. Doch Alex und Buddy sind weggerannt ohne zu helfen, und deshalb ist Jenny verblutet. Nun will Leonard den Film der Öffentlichkeit präsentieren und Alex so ruinieren. Alex versucht Leonard zu überzeugen, dass der Film eine Fälschung ist und bittet sich ein paar Stunden aus, um Experten zu holen, die dies bestätigen. In seinem Büro wartet Ruth Jernigan auf Alex, die seine Freundin und Hauptdarstellerin ist. Während der Dreharbeiten hat sich Ruth jedoch in den männlichen Hauptdarsteller verliebt. Am Abend holt Alex Leonard ab, um mit ihm zu den Experten zu fahren. Während der Fahrt hält Alex an einer Straßenkulisse, in der sein neuer Film spielt. Nachdem gerade ein von Alex bestellter Sprengwagen vorbeigefahren ist, macht er Leonard soviel Angst, dass dieser davon rennt und an ein Eisentor packt, welches Alex unter Starkstrom gesetzt hat. Leonard ist sofort tot. Dann fährt Alex die Leiche zum Strand. Am nächsten Tag erwartet Inspektor Columbo Alex. Dieser berichtet, dass am Strand eine unidentifizierbare Leiche gefunden wurde, deren Gesicht mit einem Hammer zertrümmert wurde und der an Stromschlag gestorben ist. Columbo legt dar, dass es sich um einen Mord handelt und die Leiche zum Strand getragen wurde. In der Nähe der Leiche wurde ein Buch "Die Filme von Alex Brady" gefunden, in der handschriftlich die Telefonnummer von Alex' Büro geschrieben wurde. Doch Alex kann dem Inspektor nicht weiterhelfen, da ihn oft irgendwelche Verrückten anrufen. Von Alex' Sekretärin, Rose Walker, erfährt Columbo, dass Alex am Abend offenbar einen Sprengwagen bestellt hatte, obwohl Mrs. Walker nicht weiß, was er damit wohl vorhatte. In der Zwischenzeit drängt Alex' Boss, Mr. Marosco, seinen Zögling darauf, den neuen Film nicht erst im Sommer, sondern schon zu Ostern fertig zu haben. Alex sieht jedoch keine Chance, dies zu verwirklichen. Als sich Alex am Abend mit Ruth trifft, stößt Columbo dazu. Er berichtet, dass die Leiche identifiziert wurde und es sich bei dem Toten um Leonard Fisher handelt. Alex berichtet, dass er Leonard kannte und gibt sich sehr betroffen. Columbo sucht alte Zeitungsausschnitte über den Tod von Leonards Schwester heraus, die belegen, dass Alex an diesem Tod keine Schuld trifft. Dann entdeckt der Inspektor am Eisentor den Absatz eines Schuhs. Columbo fragt, warum sich Leonard nicht bei Alex gemeldet hat, wenn er doch offenbar seinetwegen in Los Angeles war. Dann berichtet der Inspektor Alex von dem Absatz, der zum Schuh von Leonard passt. Als sich Alex abends mit Ruth trifft, berichtet sie, wie sie den Hauptdarsteller kennen gelernt hat und sagt ihm auf den Kopf zu, dass Alex die beiden zusammengebracht hat, damit die Liebesszenen realistisch wirkten. Als Columbo auftaucht, berichtet dieser, dass Leonard an seinem Ankunftstag vom Flughafen direkt in die Filmstudios gefahren ist. Am nächsten Tag hört Columbo in der Kantine der Studios zufällig ein Gespräch von zwei Schauspielerinnen mit, wonach Leonard in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein soll. Daraufhin verabschiedet sich der Inspektor offiziell von Alex, da der Fall nun in eine ganz andere Richtung läuft. Am Nachmittag trifft sich Alex mit Rose in einem Restaurant. Alex will seine Sekretärin entlassen, doch diese erpresst ihn mit ihrem Wissen, dass Leonard Fisher vor einigen Tagen angerufen hatte und Alex dies der Polizei verschwiegen hat. Alex steigt auf diese Erpressung ein. Dann trifft Alex auf Mr. Marosco, der ihm mitteilt, dass der geplante Film nicht mehr fertiggestellt werden braucht und die Kosten für die Produktion heruntergefahren werden. In Alex' Studio fährt Columbo dann den Film ab, in dem der Tod von Leonards Schwester zu sehen ist. Columbo beweist, dass Leonard am Mordabend in Alex Wohnung war und dann von diesem am Eisentor ermordet wurde. Die Bestechung von Rose wertet Columbo dabei als Schuldeingeständnis. Die Kellner, die das Gespräch durch ihre Anwesenheit mitgehört haben, waren in Wirklichkeit verkleidete Polizisten. Damit hat Columbo denselben Trick angewandt wie Alex, als er die Schauspieler in der Kantine angeheuert hat. Columbo verhaftet Alex.

zur bewertung:
Wieder einmal ein exzellenter Columbo-Fall, in dem der Inspektor den Täter einmal mehr auf seine unnachahmliche Art zur Verzweiflung treibt. Einfach köstlich! Und am Ende überführt Columbo den Mörder mal wieder mit einem seiner Tricks, wobei er ihn sich dieses Mal vom diesem sogar noch abgeguckt hat.
mein fazit:
ein überragend für diese originelle, wie spannende folge mit toller auflösung (schuhabsatz, eintrittskarte des toten als lesezeichen im buch) einfach eine herrliche folge :D

gruss columvo93
Zuletzt geändert von columbo93 am So, 25.04.2010 20:02, insgesamt 1-mal geändert.
"Meine Frau hat einmal 80 Dollar für eine Fußbank geboten, der auf Kaffeedosen stand. Können Sie sich das vorstellen?"
Benutzeravatar
columbo93
Inspektor
Inspektor
 
Beiträge: 4222
Registriert: Sa, 29.08.2009 14:06

Re:

Beitragvon zimtspinne » Mo, 15.02.2010 14:47


Ich sah die Folge zum ersten Mal oder besser gesagt zum ersten mal in Gänze.

Sie durchwabert schon ein eigenartiges flair... es hat was, keine Frage, war aber auch etwas schrullig. oder so Bild

Das Motiv hätte auch in einen Tatort gepasst, ebenfalls die streckenweise düster-aurige Atmosphäre. So eine spezielle Atmosphäre über eine ganze Filmlänge verdient einen Extrapunkt, auch wenn sie szenenweise etwas verschwurbelt war.
Columbo ist halt nicht irgendwas glatt geschliffenes wohlgefälliges, sondern bewahrt sich seine Ecken, Kanten und Schrulligkeiten :wink:

Die Mörderwahl fand ich klasse, gesetzt-gediegene männlich-dominante Mördererscheinungen hatten wir ja mehr als genug.... zumal ich die Auswahl der jungen Täter immer ziemlich gelungen finde.
Ich finde es auch nachvollziehbar, wie der kleine Brady den ehemaligen Kumpan durch reine psychische Überlegenheit in die Enge treibt und in Panik versetzt. Bei Brady kommt zudem noch eine Portion Wahn hinzu - kein Wunder, dass der andere Mensch, auch wenn körperlich nicht unbedingt unterlegen, dann auf Flucht statt Angriff schaltet. War für mich absolut nachvollziehbar!

Einen Minuspunkt bekommt die Aufbereitung und Darstellung des Motivs. Weshalb ließen zwei Typen das Mädchen damals liegen? Einer, der von seinem Film besessen war, ok... aber warum auch der andere? Der war doch nur randbeteiligt. Wenn man schon so ein Motiv wählt, hätte das ein kleines bisschen mehr beleuchtet werden sollen.

Columbos Recherche-Kommentar dazu verstehe ich auch nicht. Er kannte zwar den Film nicht, aber weshalb spricht er einfach so harmlos von einem Unfall, für den keiner was kann, wenn doch klar sein musste, dass das Mädchen dort nicht allein mit dem Motorrad herumgefahren war. Die Jungs waren ja geflüchtet und hatten ihren Krempel am Unfallort zurück gelassen, oder?

Überflüssig und fand ich die Szenen rund um die Affäre zwischen Brady und dem Mädchen. Ich war ja fast froh, als es klopfte und das Wimperngeklimper und Eisstochern vorüber war.... :wink:

Quer durch die Folge wurde mit Überspitzungen gearbeitet, so auch die Rolle der Sekretärin. Da konnte man ja fast schon ein wenig gesellschaftspolitische Kritik heraushören.

Columbo spielte seine Rolle gut, frisch und fuchsig, ohne dabei lächerlich oder unangemessen zu wirken.
Das einzige, was mir an seiner Rolle missfiel, war das Ende. Ein relativ sympathischer Mörder, der mehr im Affekt gehandelt hatte als zielstrebig berechnend - weshalb wird auf ihn nochmal extra draufgetreten, nachdem er schon am Boden lag, geschlagen mit seinen eigenen Waffen?
Das kam mir nicht mal wie Schadenfreude vor, eher der erhobene Moralfinger "dudu böser Gesellschaftsschädling, ab in Quarantäne!"
Dabei steht dieser Täter doch fast noch unter Welpenschutz... ?-/

Insgesamt war die Folge unterhaltsam, mit kleinen Schwächen, die man über der Gesamtatmosphäre recht schnell vergessen konnte.

martha hat geschrieben:Die Nebenkriegs-Schauplätze fand ich dann allerdings belanglos, zumal mir die dortigen Motive nicht so ganz einleuchteten:
Mir ist weder zwingend klar geworden, warum Alex seine Freundin Ruth mit 'nem anderen verkuppeln wollte, und schon gar nicht, warum Bradys Auftraggeber und Boss plötzlich auf Konfrontationskurs geht. :?

Die Hangeleien zwischen Brady und Boss habe ich auch nicht begriffen. Damit sollte vielleicht Bradys Karrieretollheit unterstrichen werden, und wie ihm ein Dämpfer verpasst wird. So ein tollendes unbekümmert-überhebliches Fohlen sieht man ja selten. Das wurde den Drehbuchautoren dann vielleicht selbst zu bunt.

Mit der Freundin, das verstand ich so: Um die Glaubwürdigkeit der Liebesszenen zu erhöhen, bzw ihnen Echtheit zu verleihen, wurde bei der Verbandelung der beiden von Brady nachgeholfen. Er sagte ja dann ja auch sinngemäß: "die Liebesszenen waren doch toll...", "wir bekamen alle das, was wir wollten..."
Benutzeravatar
zimtspinne
Inspektor
Inspektor
 
Beiträge: 2367
Registriert: Mo, 13.07.2009 12:20

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon Mr. Brimmer » Mo, 15.02.2010 15:50


Hab ich gestern seit langem mal wieder gesehen, ohne
meine Meinung von " Die vergessene Tote " zu ändern.
Ein durchschnittlicher Columbo. 3 Punkte. Jedoch ist
die Besetzung des jungen Regisseurs perfekt und Fisher
Stevens spielt seine Rolle glaubwürdig. Er ist einer der
Mörder für die Columbo keine Symphatie hegt. Wie bei
Colonel Brady und Paul Gerard, macht Columbo daraus
auch keinen Hehl und spätestens am Ende erfährt es immer
auch der Mörder selbst weil Columbo es mehr oder weniger
direkt sagt. Die ganze Ermittlungsarbeit mit Indizien sammeln
und Beweisführung ist diesmal recht ausführlich, lückenlos
und wasserdicht. Wenn einen auch die Indizienfülle und Eindeutig-
keit mit der alles schon sehr früh auf Brady hinweist etwas
seltsam und konstruiert vorkommen mag. Unterhaltsam ist
das alles aber irgendwie schon.
Das und die gute Darstellung des Mörders
sind dann auch schon das Beste an diesem Fall. Die ganzen
Nebenhandlungen mit ehem. Freundin und Alex' Auftraggeber
sind störend und nerven einfach nur. Columbo ist diesmal voll
bei der Sache, sehr interessiert und fleißig, obwohl die berühmten
überraschenden Besuche und Zurückkommer diesmal übertrieben
werden.
Zuletzt geändert von Mr. Brimmer am Mo, 15.02.2010 20:37, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Mr. Brimmer
Inspektor
Inspektor
 
Beiträge: 4119
Registriert: Mo, 30.03.2009 08:51

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon dille » Mo, 15.02.2010 18:18


Also, ich kann mir kaum helfen, aber beim erneuten Betrachten neigt der Zuschauer erneut zur kriminalistischen Unterforderung. Die Indizien, die darauf hinweisen, dass Lenny Fisher auf dem Firmengelände zu Tode kam, spiegeln sich nicht nur alsbald im aus suspekten Gründen bestellten Sprengwagen, der abends mal eben so über's Filmgelände gurkt, am scheinbar festgewachsenen Stromkabel, das den ganzen Film über einfach nicht von seinem Set abrücken will, sondern zu guter Letzt auch am appen Schuhabsatz, der nun wirklich die letzten Zweifel über den Tatort ausräumen muss. Und wer soll Lenny schon ermorden sollen auf einem Filmgelände und dann noch in solch ausgeklügelter Weise? Ein Freund, der am Film was zu sagen hat, der Brady aber angeblich niemals besucht hat, trotz dreijähriger Kontaktabstinenz: An- und Abreise am gleichen Tag. In sich schlüssig, in der Tat. Geht aber eindeutig zu schnell in die richtige Richtung. Da bringt es auch wenig, dass nicht nur Columbo, sondern auch der Zuschauer durch das fingierte Geschnattere zwischen Krankenschwester und Brautjungfer in die Irre geführt werden soll. Dass diese Irreführung für Columbo keine war, erkennt man bereits an seiner Reaktion: Angeblich eine neue Spur, man werde sich einige Zeit nicht sehen - nene, da kennt Brady Columbo aber schlecht. Insofern dramaturgisch auch keine Überraschung.
Aber auch im Vorfeld wird das Tempo zu schnell zu arg angezogen (wie oben bereits beschrieben). Columbos Penetranz im Immer-mal-wieder-eine-Frage-stellen wird am Anfang ja besonders ausgereizt, und Bruchteile von Sekunden, bevor Brady die Black-and-White-Gläser zerdeppert, kommt Columbo zum zweiten "Nach"-Mal 'reingeschneit. Die Bruchteile hätte man sicherlich ausweiten müssen, denn so stand Columbo faktisch ja noch vor der Tür und hat die Zerdepperungsaktion Bradys somit mitbekommen. Und warum sollte Brady die Gläser zerdeppern, auf die er eben noch aufmerksam gemacht wurde und die für Columbo scheinbar Indikator auf die richtige Spur sind? Oder hat man Ende der Achtziger so den Abwasch gemacht?
Auf die Tatsache, dass das Opfer ein Buch bei sich hatte bin ich oben bereits eingegangen, sicher eine der größten filmischen Unzulänglichkeiten der Columbo-Historie, dass dieses Buch da war. Man durchsucht das Opfer gefälligst auf Hinweise, die auf die Spur des Täters führen könnten, wenn es sogar schon ein hochbrisantes Video besitzt, dass den Täter persönlich und beruflich ruinieren könnte. Da hat die Logik einen gewaltigen Hinkefuß. Ich denke, das sind berechtigte Kritikpunkte, die die Folge technisch etwas schlechter darstehen lassen.
dille
Polizeidirektor
Polizeidirektor
 
Beiträge: 240
Registriert: Do, 21.08.2008 17:38

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon martha » Mo, 15.02.2010 21:00


dille hat geschrieben: Columbos Penetranz im Immer-mal-wieder-eine-Frage-stellen wird am Anfang ja besonders ausgereizt, und Bruchteile von Sekunden, bevor Brady die Black-and-White-Gläser zerdeppert, kommt Columbo zum zweiten "Nach"-Mal 'reingeschneit. Die Bruchteile hätte man sicherlich ausweiten müssen, denn so stand Columbo faktisch ja noch vor der Tür und hat die Zerdepperungsaktion Bradys somit mitbekommen.


Na, das ist doch aber eigentlich 'ne alte Film-und vor allem Theatertradition, dass alles, was sich vor einer Tür abspielt(egal in welcher Lautstärke), von demjenigen, der hinter der Tür steht nicht gehört wird.
Filmtüren sind wohl generell schalldicht.
Das führt dann beim routinierten Türbenutzer des gemeinen Alltags natürlich häufig zu einem "Das hätte er doch eigentlich mitbekommen müssen."
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
"Genau gesagt:Keiner von beiden. Es war Washington."
"Hatten Sie bei dem auch einen Vornamen?"
"Martha."
Benutzeravatar
martha
Inspektor
Inspektor
 
Beiträge: 16259
Registriert: Mi, 08.03.2006 00:59
Wohnort: Bochum

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon sagittarius » Sa, 20.11.2010 12:37


Ein Columbo-Film mit Licht und Schatten? Das kommt zuweilen schon vor. Aber hier ist diese Metapher eine Auszeichnung. Licht und Schatten, Schein und Realität ergeben einen filmisch hervorragenden Columbo. Zur Abwechslung agiert ein junger Täter, ein Meisterregisseur, der am Schluss selbst seinen Meister findet. Das Columbo-Mörder-Spiel zeigt, dass Detektivarbeit interessanter sein kann als die Regiearbeit des Alex Brady; mehr noch, Alex wäre ein schlechter Detektiv.

Was die Mordszene angeht, so ist dieser Columbo keine Dokumentation. Brady hätte Lenny besser in seiner Wohnung abgeknallt, aber das wäre langweilig gewesen. Die filmische Inszenierung hat Vorrang vor der Realität. Lenny bleibt brav in Bradys Wohnung, es gibt keine Tatzeugen, Lenny flieht vor dem schmächtigen Alex in Richtung elektrisch geladenen Zaun und berührt ihn. Natürlich ist Alex physisch nicht überlegen, aber doch mental, Lenny hingegen ist ein Nervenbündel und, wie in einem Beitrag schon erwähnt, das dankbarste Opfer der Columbo-Serie.

Am Anfang hat Columbo es schwer, das Opfer ist nicht identifizierbar: das Gesicht ist zerstört, keine Fingerabdrücke, leere Taschen. Aber nahe der Leiche findet sich ein Buch, welches von Brady übersehen wurde. In diesem Buch ist die Durchwahlnummer zu Alex Bradys Büro notiert, was beweist: Das Opfer wollte mit Alex Brady sprechen.

Wie Brady das Buch übersehen konnte, erklärt sich so: Er untersucht die Leiche nicht am Tatort, sondern schafft sie schnell weg. Am Strand holt er die Leiche aus dem Auto, dabei fällt das Buch aus der Kleidung des Toten, was Columbo später nachstellt, Brady aber in der Dunkelheit übersieht. Brady legt die Leiche einige Meter entfernt ab und untersucht sie. Das herausgefallene Buch findet er nicht.

So gelangt Columbo also zu Alex Brady und erklärt ihm, warum es Mord war: "Es wäre schon ein seltsamer Tod durch elektrischen Strom gewesen, wenn das Opfer aufgestanden wäre, seine Taschen ausgeleert hätte, selbst an den Strand gefahren wäre und sich dann noch ins Gesicht geschlagen hätte". Columbos Argumentation ist so herrlich wie banal.

Zwei Gläser in Bradys Wohnung, eines fast gefüllt, eines zur Hälfte gefüllt, verraten Columbo, dass Brady am Tag zuvor einen Gast hatte, mit dem das Zusammensein wenig harmonisch war. Columbo sieht hier schon die Wahrheit. Zwei stehen gelassene Gläser, eigentlich bedeutungslos, werden so zu einem Indiz.

Ein versteckter Reisescheck im Gürtel des Opfers bringt die Identifizierung. Eine Kopie des Films in der Wohnung des Opfers verrät das Motiv. Ein auf dem Filmgelände gefundener Schuhabsatz, der zum Schuh des Opfers passt, beweist, dass der Mord auf dem Filmgelände geschah. So zieht sich die Schlinge um Alex Brady immer enger.

Ausgerechnet in Columbos Anwesenheit ordnet Brady ein Buch in ein Regal ein, in welchem Lenny geblättert hat. Eine an sich nichtssagende Handlung gewinnt an Bedeutung, da Columbo schon vermutet, Lenny sei in Bradys Wohnung gewesen. Tatsächlich findet Columbo in diesem Buch ein Ticket für eine Studiotour mit Datum und Uhrzeit. Ein Taxifahrer bezeugt, dass er Lenny genau zu dieser Zeit an dem Ort abgesetzt hat, wo der Fahrschein zu erwerben war. Columbo zieht so indirekt den Schluss, dass Lenny Brady tatsächlich besucht hat, obwohl Brady behauptet, Lenny zuletzt vor drei Jahren gesehen zu haben.

Das letzte Indiz liefert Brady selbst, der seine Sekretärin feuern wollte, davon aber absieht, weil sie sonst gewisse Dinge wie einen Telefonanruf Lennys bekannt geben würde, da sie nach einer Kündigung nicht mehr an Loyalität gebunden wäre. Brady weiß nicht, dass dieses Gespräch gestellt ist.

So fügen sich alle Indizien zu einem Puzzle zusammen und ergeben das Wort SCHULDIG.
Der Mord an Lenny ist bewiesen, obwohl:
1) Es gibt keinen direkten Beweis für Lennys Aufenthalt in Bradys Wohnung
2) Es gibt keine Tatzeugen
3) Niemand sah Lenny, abgesehen vom Taxifahrer
4) Es gibt keine Fingerabdrücke oder DNA-Spuren, die auf den Gläsern sind wohl zerstört

Brady ist anfangs gelassen gegenüber Columbo, verliert aber zusehends die Fassung, je häufiger Columbo bei ihm auftaucht und bekannt gewordene Fakten präsentiert. Stark, wie Columbo ein Beweisstück, nämlich den Gürtel, mit der Modelleisenbahn zu Brady transportiert. Columbo führt Brady dessen Nachlässigkeit vor: Brady darf den Reisverschluss am Gürtel selbst öffnen.

Am Schluss haben sich alle gegen Brady verschworen (Produzent, Freundin, Sekretärin). Sein berufliches wie privates Leben bricht zusammen, wobei ich nicht verstehe, warum der Produzent ihn fallen lässt. Columbo übernimmt wie selbstverständlich Bradys Studio und erteilt ihm eine Lehrstunde über Regiekunst. Brady ist des Mordes überführt, das ist keine Illusion, sondern Realität. Er wurde auch mit eigenen Waffen geschlagen.

Dieser Columbo ist überragend und verdient 5 Punkte.
"So was wie den perfekten Mord gibt es nicht. Das ist nur eine Illusion."
Benutzeravatar
sagittarius
Inspektor
Inspektor
 
Beiträge: 2536
Registriert: Sa, 30.01.2010 16:11
Wohnort: Rhein-Main Gebiet

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon sagittarius » Sa, 20.11.2010 12:43


Ich möchte hier einige Worte wiedergeben, mit denen Alex sein Opfer Lenny fertigmacht.
Es ist gewissermaßen Alex' Todesrede.


Auszüge von Alex' Worten zu Lenny

Schatten auf der flackernden Leinwand
Hier spielen wir mit dir und hüllen dich ein in Illusionen
Und hier töten wir deine Wirklichkeit, Lenny
Und hier töte ich auch dich



Was zum Teufel weißt du von der Wahrheit?
Was ist Schatten, was ist schon Materie?



(Lenny flieht, Sprengwagen erscheint)



Hey, es ist alles Theater, alles nur Theater
Ich spiele für dich, alter Freund
Ein Netz aus Träumen, nur Illusionen



Nur der Tod bedeutet Wahrheit
Wer von uns beiden ist Illusion?
Du oder ich?
Wer von uns steht im Schatten des Todes?

(Lenny berührt das Gitter und stirbt)
"So was wie den perfekten Mord gibt es nicht. Das ist nur eine Illusion."
Benutzeravatar
sagittarius
Inspektor
Inspektor
 
Beiträge: 2536
Registriert: Sa, 30.01.2010 16:11
Wohnort: Rhein-Main Gebiet

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon columbo93 » So, 21.11.2010 18:18


sagittarius hat geschrieben:Ich möchte hier einige Worte wiedergeben, mit denen Alex sein Opfer Lenny fertigmacht.
Es ist gewissermaßen Alex' Todesrede.


Auszüge von Alex' Worten zu Lenny

Schatten auf der flackernden Leinwand
Hier spielen wir mit dir und hüllen dich ein in Illusionen
Und hier töten wir deine Wirklichkeit, Lenny
Und hier töte ich auch dich



Was zum Teufel weißt du von der Wahrheit?
Was ist Schatten, was ist schon Materie?



(Lenny flieht, Sprengwagen erscheint)



Hey, es ist alles Theater, alles nur Theater
Ich spiele für dich, alter Freund
Ein Netz aus Träumen, nur Illusionen



Nur der Tod bedeutet Wahrheit
Wer von uns beiden ist Illusion?
Du oder ich?
Wer von uns steht im Schatten des Todes?

(Lenny berührt das Gitter und stirbt)



Nun, ich würde sagen, unser Alex ist schon regelrecht "besessen", und hat wohl gehörig einen an der Waffel zu haben. :-))

viewtopic.php?f=2&t=3016&p=34660&hilit=+licht+und+schatten#p34660

viewtopic.php?f=2&t=3518&p=38426&hilit=+luzifers+sch%C3%BCler+umfrage#p38369
"Meine Frau hat einmal 80 Dollar für eine Fußbank geboten, der auf Kaffeedosen stand. Können Sie sich das vorstellen?"
Benutzeravatar
columbo93
Inspektor
Inspektor
 
Beiträge: 4222
Registriert: Sa, 29.08.2009 14:06

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon zimtspinne » Sa, 05.02.2011 09:31


So, nachdem ich das Werk nochmal betrachtet habe, muss noch etwas dazu gesagt werden. Ohne zuvor nachzulesen, was ich beim ersten Mal geschrieben hatte... mal sehen, wie abweichend es wird :wink:

Obwohl das flair eines der originellsten ist und mir auch die Wahl des jungen Mörders sehr gut gefällt, gibt es an allen Ecken und Enden Schwächen.

Das beginnt mit dem "Kinderkacke"-Motiv, das für einen Columbo einfach nicht angemessen ist. Ein paar Teenies bauen Mist, ermittelt wird offenbar auch nur Mist oder gar nicht, Jahre später fällt es einem inzwischen erwachsenen Mann ein, dass der erfolgreiche Jungregisseur seine Schwester auf dem Gewissen hat. Dabei scheint es eher um Neid und Missgunst denn um Rache zu gehen.

In dieser Folge gab es die zwei überflüssigsten Nebenfiguren, deren Sinn nur Lückenfüllerei zu sein scheint.... das wäre einmal das Mädchen und seine kitschige (und unglaubwürdige) Liebestüdelei und zum anderen der Studioboss, der seinen Film unbedingt dem Osterhasen ins Nest legen will.

Je häufiger ich die Folge anschaue, umso mehr nervt die grottenschlechte 80er-Teeniefilm-Einlage samt Vorgeschichte. Ich kann da kaum noch hinschauen, so ein schwülstiger Schmarrn ist das ("küss mich, rette mich..."). 8-o

Diese Folge gehört zu denen, bei denen nicht so recht klar ist, wann der Inspektor den Täter ins Fadenkreuz nimmt; ich hab das Gefühl, er tut es bereits bei seinen ersten Worten. Wohl passend zum Alter des Mörders - so ein Bubi wird doch vom Inspektor zum Frühstück verputzt.

Schade, dass man den Jungspund sich so dumm anstellen ließ. Der Sprengwagen wird lautstark im Büro bestellt, das Jahrgangsbuch wird vor Columbos Augen auffällig blöd ins Regal geordnet, mit der Sekretärin wird in einem vollbesetzten Restaurant verhandelt, genauso auffällig wird der Möchtegernschauspieler als Nebendarsteller angeheuert, immer derselbe natürlich, weil das so schön unverdächtig ist.

Die Gläser finde ich angesichts dieser Kette von Eseleien eigentlich noch am verzeihlichsten, was Schusselei angeht. So schnell war kein Ermittler zu erwarten nach seiner Rechnung, an die Gläser hat er einfach nicht gedacht im Eifer des Gefechts.

Wenn Columbo schon einmal in so einem ungewöhnlichen Umfeld ermittelt, hätte ich mir eine große Portion Neugier gewünscht. Das einzige, das ihn jedoch zu interessieren schien, waren die Bummelbahn und das Wasserbett :?

Nicht einmal für den tödlichen Stromschlag interessierte er sich so wirklich näher... was betreibt er sonst an Tatorten für neugierige Studien!

Der Kranausflug in die Lüfte wirkte dann auch eher wie eine Flugstunde mit schöner Walzeruntermalung als columbotypisches Eintauchen in eine fremde Materie.

Schadeschade, dass man offenbar vermitteln wollte, der Inspektor hat es hier mit einem dummen Kind zu tun statt mit einem Gegenspieler auf Augenhöhe, den er im Laufe der Zeit weich köchelt.

Beim wiederholten Schauen fand ich die Überführung leider auch nicht mehr wirklich überzeugend.
Woher wusste Columbo, dass Brady die Sekretärin genau an dem Tag in der Kantine rausschmeißen will?
Die Exfreundin als Bedienung hätte er doch auch hinter der Perücke sofort erkannt.

Die Idee, den Mörder in seiner eigenen Materie untergehen zu lassen, fand ich ja klasse... nur die Umsetzung war etwas zu patschig.
Hätte nur noch der Möchtegernschauspieler in der Aufreihung der Brady-Vorführer gefehlt, den er ja auch irgendwie für seine Zwecke missbraucht hatte.

Bei fast keinem anderen Mörder wurde nach meinem Gefühl so auffällig der moralische Zeigefinger geschwenkt und die Bestrafung zelebriert.
Junge mordlustige Männer kommen bei Columbo nicht gut weg, im Gegensatz zu jungen (Mit)mörderinnen :wink:

Fazit: trotz aller Schwächen schätze ich diese erfrischende Folge, und ich hab am Ende ein bisschen Mitleid mit dem jungen Mann :smoke: neben all den für die Menschheit sinnlosen Mördern, ist er doch immerhin ein Verlust für die Kreativität. Im Knast kann man ja aber sicher auch Drehbücher schreiben :oops:
Zuletzt geändert von zimtspinne am Sa, 05.02.2011 14:41, insgesamt 2-mal geändert.
Benutzeravatar
zimtspinne
Inspektor
Inspektor
 
Beiträge: 2367
Registriert: Mo, 13.07.2009 12:20

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon sagittarius » Sa, 05.02.2011 11:30


Was Lennys Verhalten angeht, so muss man sagen, dass er erst kurz vorher von seinem verstorbenen Freund Buddy das belastende Video erhalten hat. Buddy hatte offenbar ständig ein schlechtes Gewissen wegen des Unfalls, behielt die Fakten aber für sich.
"So was wie den perfekten Mord gibt es nicht. Das ist nur eine Illusion."
Benutzeravatar
sagittarius
Inspektor
Inspektor
 
Beiträge: 2536
Registriert: Sa, 30.01.2010 16:11
Wohnort: Rhein-Main Gebiet

Re: Bewertet: "Die vergessene Tote"

Beitragvon zimtspinne » Sa, 05.02.2011 11:43


Dann sollte er auf seinen buddy Buddy eigentlich genauso sauer sein wie auf Alex. Indirekt waren die doch alle an dem Unfall beteiligt.
Wie gesagt, gefällt mir das gesamte Motiv und die Aufbereitung nicht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der selbstverliebte Brady nicht erst einmal andere Wege versucht hätte, um an das Video zu gelangen.

Was mir in der Folge auch etwas missfällt - wie jeder bei jedem anderen die Schuld für alles sucht, nur nicht bei sich selbst. Das Mädchen ist auch so eine Spezialistin in Schuldverschiebung.

Das Opfer, Lenny, war auch einer der schwächsten Opferdarsteller.
Benutzeravatar
zimtspinne
Inspektor
Inspektor
 
Beiträge: 2367
Registriert: Mo, 13.07.2009 12:20

VorherigeNächste


Zurück zu Bewertungen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste