Bewertet: "Mord nach Takten"

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Wie bewertet ihr "Mord nach Takten"?

1/5 schlecht
5
9%
2/5 passabel / "na ja"
12
21%
3/5 gut
12
21%
4/5 sehr gut
12
21%
5/5 überragend / ausgezeichnet
16
28%
 
Abstimmungen insgesamt : 57

Re: Bewertet: "Mord nach Takten"

Beitragvon Patrick_B » Fr, 18.10.2019 21:48


Ich fand diese Folge grauslig. Das Hauptproblem Nr. 1: die Hauptdarsteller. Das Opfer wird viel zu überdreht dargestellt, der Mörder Crawford ähnelt mehr einem Zirkusclown als einem Musiker und Peter Falk hatte wohl auch keinen Bock. Das war fast so schlimm wie Der alte Mann und der Tod. Die Nebendarsteller sind größtenteils noch annehmbar, aber das reißt es auch nicht mehr raus.

Ich habe selten eine Ansammlung von so vielen dummen und/oder sinnlosen Szenen gesehen. Ich will die gar nicht alle aufzählen, sonst rege ich mich nur auf. Die Ermittlungen ziehen sich wie Kaugummi.

Das Mordmotiv (objektiv doof, aber subjektiv aus Sicht des Mörders trotzdem halbwegs nachvollziehbar) lasse ich noch durchgehen, aber der Mordplan ist bescheuert. Wie genau hat der alte Mann ungesehen einen bewusstlosen Mann aufs Dach geschleppt, ohne gesehen zu werden? Wie kann er davon ausgehen, dass das Opfer nicht alles seiner Freundin erzählt? Hätte er sonst Rebecca auch umgebracht? Wie weiß er, dass entgegen aller Erwartungen das Gewicht eines Körpers nicht einfach das Öffnen der Klappe verhindert? Wie kann er die Dosis des Betäubungsmittel genau so dosieren, dass das Opfer nicht zwischendurch einfach aufwacht?

Bei der Auflösung muss ich zugeben, dass ich diese nicht verstanden habe. Columbo kann nachweisen, dass es sich um einen Mord handelt (das Opfer hatte Drogen im Blut, der Aufzug ist auf der Aufnahme des Konzerts zu hören, der Taktstock ist durch den Aufzugschacht gefallen), aber ich erkenne nicht einen Fetzen an Beweis gegen Crawford. Und was die Noten auf dem Taktstock aussagen sollen, ist mir schleierhaft.

Tut mir leid, hier kann ich nur einen Punkt geben.
Patrick_B
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Re: Bewertet: "Mord nach Takten"

Beitragvon smeagol » Di, 05.11.2019 19:08


Einer der Punkte, die mir in Columbo so gut gefallen, ist, dass einem ein spezieller Beruf, ein spezielles Umfeld oft realitätsnah vorgestellt wird und man in diese Welt eintauchen kann. Und schon das funktioniert in dieser Folge leider herzlich schlecht. Ein so aufstrebender Komponist und Dirigent, wie es Gabriel McEnery ist, würde keinesfalls so weltfremd sein. Er würde Konzerte geben, Engagements suchen und annehmen, sich als möglichst gut verkaufen. Denn dies muss jeder Profimusiker in diesem Gebiet. Aber er würde nicht devot seine Kompositionen abtreten und heimlich auf dem Dach die Konzerte nachdirigieren. Auch die Welt von Crawford hat so wenig mit einer Wirklichkeit zu tun. Da war die Darstellung des Herr Benedict in Etude in Schwarz um Welten besser, der sich auf Konzerte vorbereitet, tatsächlich Filmmusik einspielt und sich mit den Musikercharakteren herumeifert.
Wieder einmal ist die Berechnung des Täters, dass das Ganze wie ein Unfall aussieht und somit keine weiteren Untersuchungen angestellt würden. Dies ist einerseits sehr naiv (Eine Blutuntersuchung wir auf jeden Fall durchgeführt und wird das Ergebnis anzeigen) andererseits auch ohne Absicherung und somit unvernünftig dünn-häutig. Denn wenn untersucht wird, sind da einfach ein ganzer Haufen an Indizien. Nichts Anderes macht Columbo dann auch. Er erkennt die Punkte, dass der Fahrstuhl erst kürzlich in Betrieb war. Dass der Fahrstuhl auf der Aufnahme zu hören ist (! schon nur dieser Punkt lässt mir die zu wenigen Haare zu Berge stehen), dass die Luke auf dem Dach geöffnet wurde, da der Taktstock im Schacht runtergefallen ist, dass dieser Taktstock eindeutig zu Gabriel McEnery zugeordnet werden kann, schlussendlich auch, dass die preisgekrönte Musik von Gabriel und nicht von Crawford geschrieben wurde, dass sich Gabriel auf ein wichtiges Dirigat vorbereitet obwohl dies verneint wird. Ja, all das findet der Columbo heraus und kann mit der Fülle der Indizien Findlay Crawford "überführen", auch wenn nun nicht ein wirklicher Beweis vorhanden ist. Dies hat man wohl auch im Drehbuch irgendwann gemerkt und hat noch einen "Beweis" kreieren wollen, mit den Liebesnoten, die sich auf dem Taktstock befinden. Selbst die vagen Erklärungen hier im Forum können für mich keine valable Erklärung für diese Theorie bringen. Ich selbst glaube folgendes: Wie bei einem Zaubertrick wird auch im Film manchmal nur Schein als Handfestes gebracht. Es geht um den Effekt, wer den Film einmal sieht, der wird nicht gleich schlussfolgern können, dass das nicht aufgeht, oder er vertraut darauf, dass das schon schlüssig ist (ein geschickter Schachzug, da der Zuschauer sich ja nicht selbst zugestehen will, dass er den Zusammenhang nicht erkennt..). Erst, wenn man das Ganze in Ruhe analysiert, merkt man, dass man da (wie beim Zauberer) getäuscht wurde. Man hat halt wohl nicht damit gerechnet, dass die Folgen mal so detailliert auseinander genommen werden.
Wieder mal hat man bewusst das Karma gross eingebaut. Dies passiert doch sehr oft in den Folgen. Hier erledigt sich Herr Crawford indirekt selbst, indem er seinen begabten Schüler eliminiert. Er selbst bringt die Musik nicht in der Qualität hin und kommt so unweigerlich in grosse Probleme.
Zur Story selbst habe ich wenig anzufügen. Sie ist mehrheitlich etwas langgezogen und holprig aber ohne nennenswerte Fortschritte. Traurig ist, wie hier Columbo dargestellt wird. Man kann ja das Alter sehr wohl einflechten, aber dass er sich so komisch verhält, singen muss, so begriffsstutzig ist und von der Autolangsamfahrt gar nicht zu sprechen, das hat er wahrlich nicht verdient. Zum Glück konnte noch eine abschliessende Folge gedreht werden, wo er doch um einiges Besser rüberkommt.
Zur Bewertung, die Folge stösst mich nun nicht gerade ganz ab, hat aber ansonsten, ausser etwas unterhaltsame Teile, wenig erfreuliches zu bieten. 1.5 Sterne, die ich einfach auf einen abrunden muss..
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Re: Bewertet: "Mord nach Takten"

Beitragvon Tiktaalik » So, 19.09.2021 15:29


Einigen scheint das Finale nicht einzuleuchten. Es ist etwas kompliziert, aber mMn ist die Beweisführung solide. Columbo hat folgende Indizien/Beweise gegen den Mörder:

Wir kennen den genauen Tatzeitpunkt (ca 2 Minuten, bevor Gabriel herunterfällt). Zu dieser Zeit muss der Täter am Aufzug gewesen sein. Dass kaum jemand überhaupt von der Existenz des Aufzugs wusste, engt den Kreis der Verdächtigen enorm ein. Sidney Ritter stand zu dem Zeitpunkt auf der Bühne und hielt die Eröffnungsrede. Nur Crawford hat ein Motiv. Wir wissen, dass der Mörder den Hausschlüssel besitzt UND dass jm. - ohne Einbruchsspuren zu hinterlassen - bei Gabriel eingebrochen ist, um die Noten von "The Killer" zu stehlen. Dass der Aufzug benutzt wurde, beweist Gabriels Taktstock mit den Liebesnoten.

Für mich reichen die Beweise, um Crawford zu verurteilen.
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Re: Bewertet: "Mord nach Takten"

Beitragvon ChryZ » Mo, 01.11.2021 23:14


Wieder mal eine Folge, die ich nicht kannte! ?-/

Kommen wir zunächst einmal zu den poistiven Punkten: Sehr gut hat mir das musikalische Setting gefallen. Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass das Columbo-Musik-Team :oops: in der vorletzten Episode gewürdigt werden sollte. :neig: Wenn es so ist, finde ich es eine sehr schöne Idee, denn die musikalische Untermalung trägt nunmal auch einen erheblichen Teil zum Gesamtkunstwerk bei (diesbzgl. werden wir ja auch in der Folge belehrt). Billy Connolly ist als Darsteller auch hervorragend gewählt, er transportiert das Image des etwas divenhaften Künstlers perfekt rüber. Der Mord ist sicher nicht bis ins letzte Detail geplant (ein wenig Affekt ist schließlich dabei), aber das hat bei Columbo auch keinen Seltenheitswert.

Am Anfang ist der Plot ungemein fesselnd, allerdings wird man durch die Kameraführung bereits früh auf die Indizien gestupst (bspw. die Schnittwunde). Pech hat Crawford natürlich, dass ein Pärchen beim Fall in die Tiefe unmittelbar vor Ort ist und daher der fehlende Schrei erste Zweifel weckt. Auch der fehlende Haustürschlüssel passt nicht ins Bild (den Schlüsselbund hätte man ja problemlos entsorgen können). Ein echter Schnitzer sind jedoch die Schuhe, welche den Verdacht, dass es nicht um einen Unfall handeln kann, erhärten. Nachdem Columbo den Aufzug näher inspiziert und den Taktstock findet, verdichtet sich langsam das Bild. Das Geräusch, welches der Aufzug erzeugt, ist sogar auf den Aufnahmen zu hören, daher hätte Gabriel - wenn er bei vollen Bewusstsein gewesen wäre - auch hören müssen. Damit ist klar, dass Gabriel ermordet wurde. Auch das Motiv kann Columbo klären und somit Crawford überführen.

Nun zu den negativen Punkten: Nach dem guten Intro wird die Folge leider etwas holprig. Belanglose Phasen wechseln sich mit wichtigen Erkenntnissen ab, die Abfolge wirkt nach der ersten halben Stunde unrund. Das mündet in einer sehr gedrängten Überführung, von der man schon fast überfordert wird. Besonders die gezeigten Noten habe ich erst beim Lesen der Forumsbeiträge verstanden. Als der Abspann lief, konnte ich leider nicht sagen, ob die Beweislage wirklich hieb- und stichfest ist (was aber auch auf andere Folgen zutrifft). Über den Humor lässt sich sicherlich streiten. Es wirkte an manchen Stellen aber in der Tat aufgesetzt.

Insgesamt gebe ich 3,5 Punkte, die ich wohlwollend auf 4 aufrunde. :D
ChryZ
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