Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Alles rund um die Columbo-Episoden, ihr könnt Fragen stellen oder einfach nur über die verschiedenen Folgen plaudern.

Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon martha » Sa, 15.02.2014 17:22


Hallo Gemeinde!

Wir sehen ja häufig Kommissare, die gegenüber den mutmaßlichen Mördern auch mal 'ne härtere Gangart einlegen.
Ausraster sind da nicht selten die Regel.
Columbo dagegen kennen wir als Ermittler, der fast immer ausgeglichen in den Gesprächsduellen mit den Schurken wirkt.
Selbst Beleidigungen nimmt er gelassen zur Kenntnis.
Ihn scheint nichts aus der Ruhe zu bringen.

In mindestens drei Situationen erleben wir ihn aber anders:
Die prominenteste Szene ist sicher, als Columbo Dr.Mayfield die Kaffeekanne auf den Schreibtisch kloppt, weil dieser den Inspector aufgrund des Ermittlungsstands frech auslacht.
Auch im Krankenhaus mit Milo Janus ist Columbo sichtlich angefressen.
Mrs.Stafford hatte einen Zusammenbruch...liegt im Spital...und Columbo führt ein aufreizend angesäuertes Gespräch mit dem Mörder.
Und auch Dr.Collier bekommt sein Fett weg.
In der Hafenszene macht ihm Columbo sehr deutlich, dass Collier der Hauptverdächtige ist.
So hart ging der Inspector selten einen Gegenspieler an.
Überhaupt wirkt mir Columbo nach dem Tod von Nadia Donner sehr angriffslustig.
Schon im Gespräch zuvor mit Colliers Assistentin vergisst er seine höfliche Etikette.

Haltet ihr Columbos aggressiveren Stil gerade gegenüber diesen Mördern für angemessen?
Hättet ihr euch eine härtere Gangart auch bei anderen Schurken gewünscht, so nach dem Motto:Jetzt zeig es dem Schuft mal so richtig, Columbo!
Denn für den Zuschauer ist es ja auch ein Akt der Befreiung und Genugtuung, wenn Schurken sprachlich abgestraft werden.
Oder würde eine zu häufig praktizierte Attacke des Inspectors gegenüber Mördern dem eher liebenswürdigen Naturell Columbos zu sehr widersprechen?
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
"Genau gesagt:Keiner von beiden. Es war Washington."
"Hatten Sie bei dem auch einen Vornamen?"
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon zimtspinne » Sa, 15.02.2014 17:47


ganz schön (grundlos) angeranzt hatte Columbo auch Carsinis Sekretärin.
Und zu Ken Franklin war er zwar nicht extrem ausfallend, aber fast durchgängig sehr unfreundlich mit einem angriffslustigen Unterton.

Hat mir persönlich nicht gefallen.

Er hat eben auch gute und schlechte Zeiten. Und ist auch nicht immer objektiv und neutral. Wenn er einen Mörder so gar nicht mag, kann er das schlecht verbergen.

Andererseits ist er mir in manchen Folgen, den späteren, oft auch wiederum einen Zacken zu devot und beschwichtigend. Das find ich unangenehmer als die härteren Gangarten.

Man ist durch die Tatortkommissare total versaut. Normal ist das ja nicht, wie die sich daneben und unprofessionell benehmen.

Mir gefallen ruhige und ausgeglichene Ermittler allgemein schon besser als die neumodischen dauergestressten labilen Exemplare.
Gerne mit einem Schuss Ironie und Humor, wie Barnaby, Poirot oder eben auch Columbo.
Jesse Stone ist auch so einer der alten Schule, der auch nur ausnahmsweise mal aus der Haut fährt.

Gerade schaue ich nebenher alte Folgen alter deutscher Krimiserien, die ich in letzter Zeit bei ZDF und ZDFneo so gesammelt habe.
Da merkt man den Unterschied des alten und neuen Ermittlertyps ganz deutlich.
Ausnahmen sind der Kriminalist und Kommissar Stolberg.
Und Stubbe sowie Soko Leipzig (ohne Dialekt) fallen mir auch angenehm auf, weil sie auf den Zug der Gestörtheit nicht aufgesprungen sind.
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon martha » Sa, 15.02.2014 20:57


zimtspinne hat geschrieben:Man ist durch die Tatortkommissare total versaut.


Ja, das ist gut. :)
Danke für das feedback, zimtspinne.
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon crocodile » So, 16.02.2014 11:19


Der aggressive Stil kommt nur selten zum Einsatz, was mich persönlich nicht weiter stört. Dafür ist Columbo nicht der Typ. Andererseits hat er es eher selten mit richtig fiesen oder schroffen Killern zu tun. Wenn dann zeigt Columbo auch mal seine härtere Seite, wie beim Faden-Doc.

Fielding Chase hätte er vielleicht mal ein paar Takte sagen können, der nimmt sich ja auch einiges raus. Aber in der späteren Ära ist Columbo eigentlich eh nur noch gutmütig, oder? Da fällt mir auf die Schnelle kein aggressiveres Verhalten gegenüber einem Mörder ein.
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon Mr. Brimmer » So, 16.02.2014 11:48


Finde Columbo ( abgesehen von den letzten 3 Fällen ) in Benehmen und Auftreten glaubwürdig in seiner Art. ( seine Verwandten Stories und Geflunkere muß man halt so hinnehmenr ). Seine Ermittlungen verfolgt er sowieso. Da mach er nie Unterschiede. Und
wenn er jemanden nicht leiden kann, so merkt man das auch. Das ist menschlich
und tut auch der Serie gut. Polterer und Selbstdarsteller bzw. Dummschwätzer
gibt es mittlerweile so viele unter den Kommissaren das man das schon gar nicht
mehr sehen will.
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon zimtspinne » So, 16.02.2014 12:21


Was Columbo und die "alten" Ermittler von dem heutigen Grünzeugs unterscheidet:

Colombo hat nie oder fast nie mit der Moralkeule herumgefuchtelt und seine Mörder als Abschaum hingestellt und ebenso behandelt.

das ist ja inzwischen unter den heutigen Kommissaren schon Normalität. Und es geht mir auch gelegentlich auf den Keks. Nichts dagegen, wenn ein Kommissar hier und da besonders sensibel ist (weil er selbst Kinder hat etc), aber wie da teilweise herummoralisiert und bewertet wird und entsprechend behandelt, das hat oft schon was von Selbstjustiz (oder Kommissarjustiz).
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon MrGrady » So, 16.02.2014 13:16


Die Aktion mit der Kaffeekanne fällt bei Columbo sicher aus dem Rahmen. Ich hab mich beim ersten Mal richtig erschrocken. Es ist aber sehr angemessen, weil zu diesem Zeitpunkt immer noch ein Mensch in Lebensgefahr schwebt und Mayfield sehr überheblich ist.

Ansonsten bin ich froh, dass Columbo so ruhig und besonnen ist. Das ist ein wichtiges stilistisches Merkmal der gesamten Reihe. Ich will bei Columbo kein Geprügel und Geschrei. Das gibt es in den vielen mittelmäßigen Krimis in der Glotze zur Genüge.

Nebenbei bemerkt: Durchgängig am aggressivsten finde ich Columbo im Pilotfilm. Da wirkt sein Blick auf mich sogar wesentlich härter und gereizter als sonst.
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon tina_82 » So, 16.02.2014 17:11


Ja eben. Vergesst das Verhör mit Ms Hudson in der ersten Folge nicht. So einen barschen oder harschen oder strengen Columbo sehen wir doch danach nie wieder.
Also ich muss zugeben, dass ich diese Art ab und zu schon mag. Auch die Szene mit der Kaffeekanne beim Doc. Warum? Mh, ich überleg schon. Vielleicht weil er eigentlich mit seiner schusseligen, bescheidenen, lieben, ruhigen, ausgeglichenen Art die Mörder immer in Sicherheit wiegen möchte. Und in diesen Momenten zeigt er ihnen halt, dass er genau weiß, was Sache ist und er eben nicht der trottelige Polizist ist, wofür ihn die Mörder (zu Beginn) oft halten. Okay, cooler ist es, wenn dieser Schritt subtiler passiert und er durch die Blume zu verstehen gibt, dass er den Fall schon längst durchschaut hat. Aber mich stören diese Auftritte nicht. Er wirkt doch immer noch authentisch. Auf Geprügel und Geschrei kann ich natürlich auch verzichten. Es sind ja auch immer nur ganz kleine Sequenzen.

Und im Pilotfilm muss er Ms Hudson schon so streng angehen, weil sie ja das schwache Glied in der Kette ist. Und es ist ja in diesem Moment eher eine psychologische Strategie, um den Psychologen (oder Psychater?) zu überführen. :wink:
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon Devlin » Di, 25.02.2014 14:53


Für mich ist Columbo nicht zu selten der Bad Cop. Es gibt ja die angesprochenen Szenen, wie mit Hudson, Mayfield oder Janus. Und auch noch andere Beispiele.
Für mich ist das so ok. Es ist eben Columbo, den ich gerade mag, weil Action oder Bad Cop Verhalten eher dezent vorhanden ist. Die Dialoge, und der Spürsinn und manchmal auch die Tricks wie er die Mörder überführt, ist für mich wichtig bei Columbo.
Und auch der Humor.
Es gibt ja viele andere Formate mit Bad Cops.
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon Doc Brown » Di, 25.02.2014 20:00


Im Endeffekt ist die Frage doch, ob es eine Situation gibt, wo Columbo Bad Cop hätte sein müssen, es aber nicht tat, sprich: Gab es eine Situation, die er als Bad Cop besser gelöst hätte? Mir fällt da keine ein. Demnach: Nein, Columbo ist nicht zu selten der Bad Cop. Er kommt auch mit seiner eigenen Art ans Ziel.
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon Tiktaalik » Di, 25.02.2014 21:33


Doc Brown hat geschrieben:Im Endeffekt ist die Frage doch, ob es eine Situation gibt, wo Columbo Bad Cop hätte sein müssen, es aber nicht tat, sprich: Gab es eine Situation, die er als Bad Cop besser gelöst hätte? Mir fällt da keine ein. Demnach: Nein, Columbo ist nicht zu selten der Bad Cop. Er kommt auch mit seiner eigenen Art ans Ziel.

Richtig. Columbo bleibt Columbo und hebt sich dadurch von den modernen Krimis ab. Daher werden die Menschen auch in 20 Jahren noch Columbo schauen. Das ist bei Serien in Massenproduktion, wie z. B. NCIS oder CSI, eher nicht der Fall.

I ♥ Columbo :)
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon TheArrow1987 » Mo, 15.06.2015 16:29


Doc Brown hat geschrieben:Im Endeffekt ist die Frage doch, ob es eine Situation gibt, wo Columbo Bad Cop hätte sein müssen, es aber nicht tat, sprich: Gab es eine Situation, die er als Bad Cop besser gelöst hätte? Mir fällt da keine ein. Demnach: Nein, Columbo ist nicht zu selten der Bad Cop. Er kommt auch mit seiner eigenen Art ans Ziel.


Vielleicht in der Folge Luzifers Schüler. Da muss er ja einiges an Spott durch die beiden Täter und eine Ansage vom Vater von einem der beiden einstecken. In der Folge kommt er mir schon zu zurückhaltend und gutmütig rüber und für mich macht er auch etwas zu viel auf begriffstutzig und inkompetent. Irgendwo hätte er vielleicht mal ein ernstes Wort sagen können.
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon Dr. Bart Kepple » So, 29.11.2015 13:48


Ich finde, dass Columbo im Laufe der Serie zu eindimensional geworden ist. Generell liebe ich seinen Stil, aber hin und wieder muss einfach mal ein aggressives Auftreten im Sinne der Aufklärung des Falls her. Das würde ein echter Cop auch tun. Unterschiedliche Personen und Situationen erfordern unterschiedliche Herangehensweisen.

Ich fand es klasse, wie er in der ersten Episode "Mord nach Rezept" die Komplizin als schwaches Glied identifizierte und wie ein Terrier an ihr zerrte, bis sie zusammenbrach. Das war großartig und hätte im weiteren Serienverlauf häufiger aufgegriffen werden sollen.
Man merkt schon deutlich, dass die erste Episode auf einem Theaterstück basierte und die folgenden Episoden neu geschrieben wurden basierend auf der Person Columbo, nicht einem ausgeklügelten Fall.

Aggressive Herangehensweise kam selten vor und wenn, dann meiner Erinnerung nach nur in den alten Folgen (wie bei Spock im Krankenhaus, als er buchstäblich auf den Tisch haut).
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon rehamann » Do, 21.01.2016 11:39


ich hatte mich zunächst etwas gewundert als ich "Mord nach Rezept" das erste mal sah. Ein aggressiver Columbo ... Das kennt man so gar nicht ?-/
Bisher habe ich das auf die Anfangsphase geschoben, die Figur "Columbo" muss noch entwickelt werden und man war sich noch nicht klar wo es hingehen soll. Der "Ausbruch" bei Dr. Mayfield war dann mit Sicherheit nur weil das Opfer noch lebte und hätte gerettet werden können. Das kommt bei Columbo ja eher selten vor.
Dann liegt es bestimmt auch daran wer gerade das Drehbuch schreibt, unterschiedliche Autoren haben unterschiedliche Vorstellungen über das Vorgehen des Inspektors.
Alles in allem gefällt mir seine zurückhaltende Art sehr gut wobei auch ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht hätte.
Aber wenn man an den einen oder anderen Fall denkt war der Schock der Mörder doch Genugtuung pur das sie dieser "trottelige, tolpatschige" Inspektor mit einem genialen Trick überführt :neig: :-))
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Re: Ist Columbo zu selten der Bad Cop?

Beitragvon Dr. Bart Kepple » Do, 21.01.2016 18:08


rehamann hat geschrieben:ich hatte mich zunächst etwas gewundert als ich "Mord nach Rezept" das erste mal sah. Ein aggressiver Columbo ... Das kennt man so gar nicht ?-/
Bisher habe ich das auf die Anfangsphase geschoben, die Figur "Columbo" muss noch entwickelt werden und man war sich noch nicht klar wo es hingehen soll.


Eigentlich gar nicht. "Mord nach Rezept" war ein ganz normales Theaterstück, das so erfolgreich war, dass man um den Protagonisten eine Serie herumgestrickt hat.
Die Figur in der 1. Episode ist also vollkommen ausgearbeitet und soll einen street-smarten Italo-Cop darstellen, der mit allen Wassern gewaschen ist.
Die Serie macht daraus eine ganz andere Figur, den kauzigen, scheinbar vergesslichen und leicht vertrottelt wirkenden, liebenswerten Columbo.
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