Flair der alten und neuen Ära

Alles rund um die Columbo-Episoden, ihr könnt Fragen stellen oder einfach nur über die verschiedenen Folgen plaudern.

Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon ChryZ » Mo, 24.06.2013 15:50


Für mich ist es schwierig zu sagen, welche der beiden Ären die bessere ist. Grundsätzlich denke ich bei Columbo sofort an die 70er. Das ist auch kein Wunder, da in der ersten Ära ja etwa doppelt so viele Folgen entstanden sind, wie in der zweiten.

Komischerweise sind mir aber einzelne Folgen der zweiten Ära wesentlich besser in Erinnerung (positiv wie negativ), z.B. Tödliche Tricks, Ruhe sanft, Mrs. Columbo, Luzifers Schüler, Bluthochzeit, Der Tote in der Heizdecke, Zwei Leichen und Columbo in der Lederjacke oder Das Aschenpuzzle. Ich habe den Eindruck, dass in der zweiten Ära mehr "experimentiert" wurde und (zumindest bei mir) diese Folgen besser wegen irgendeiner "Besonderheit"(Mrs. Columbo, Puzzleteile, Hellseher, etc.) im Gedächtnis blieben. Das ist in der ersten Ära (obwohl deutlich mehr Folgen produziert wurden) seltener der Fall. Dafür kann man mit der ersten Ära wesentlich weniger falsch machen. :wink:

Kurzum: Columbo ist und bleibt für mich 70er, aber viele Perlen sind in der zweiten Ära zu finden. :D
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon MrGrady » So, 30.06.2013 23:50


ChryZ hat geschrieben:Komischerweise sind mir aber einzelne Folgen der zweiten Ära wesentlich besser in Erinnerung (positiv wie negativ), z.B. Tödliche Tricks, Ruhe sanft, Mrs. Columbo, Luzifers Schüler, Bluthochzeit, Der Tote in der Heizdecke, Zwei Leichen und Columbo in der Lederjacke oder Das Aschenpuzzle. Ich habe den Eindruck, dass in der zweiten Ära mehr "experimentiert" wurde und (zumindest bei mir) diese Folgen besser wegen irgendeiner "Besonderheit"(Mrs. Columbo, Puzzleteile, Hellseher, etc.) im Gedächtnis blieben. Das ist in der ersten Ära (obwohl deutlich mehr Folgen produziert wurden) seltener der Fall. Dafür kann man mit der ersten Ära wesentlich weniger falsch machen. :wink:

Kurzum: Columbo ist und bleibt für mich 70er, aber viele Perlen sind in der zweiten Ära zu finden. :D


Das typische Columbo-Flair haben für mich vor allem die Cassidy- und Culp-Folgen. Da fühle ich mich sofort im richtigen Programm :)

Besonders viele Erinnerungen habe auch ich, wenn viel experimentiert wird. Das muss aber kein Qualitätsmerkmal sein. Ich denke dabei z.B. an die 8. Staffel mit Tödliche Tricks, Selbstbildnis oder auch Wer zuletzt lacht - alles sehr markante Folgen, die im Gedächtnis bleiben, aber trotzdem keine absoluten Top-Filme und sicherlich kein typisches Columbo-Flair.
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon Howie Munson » Mo, 26.08.2013 20:13


Das typische Columbo-Flair haben für mich vor allem die Cassidy- und Culp-Folgen. Da fühle ich mich sofort im richtigen Programm :)


Da stimme ich voll zu!

Wie die meisten hier sind die 70er-Columbos für mich auch wesentlich besser, was aber nicht nur am "Flair" liegt. Die Darsteller und vor allem die Ausleuchtung der 90er-Folgen liegen mir gar nicht... bei einigen Folgen kommt eher Softpornoflair auf, als dass man sich in einem Krimi wähnt. :(
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon Peugeot403Cabrio » Sa, 31.08.2013 21:53


Ich bin mit der 90er-Ära aufgewachsen, habe die Fälle jede Woche auf RTL geguckt (lief immer mit Quincy). Damals wusste ich noch gar nicht, dass es Columbo schon früher gegeben hatte :?

Erst später habe ich auch allmählich die Fälle der älteren Ära angesehen.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass mir die erste Ära etwas besser gefällt. Vielleicht liegt es u.a. daran, dass Columbo für diese Epoche konzipiert wurde. Die 90er sind nicht mehr ganz seine Zeit, das ist schon das Handy-Zeitalter, da passt er vielleicht nicht mehr so richtig hinein.

Wobei man sagen muss, dass die neuen Fälle wirklich qualitativ gut sind, sicherlich nicht schlechter als die alten Folgen.
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon Cranky » Do, 17.10.2013 15:34


Ich liebe ebenfalls den 70er-Look der alten Folgen. Vor allem mit den Cassidy- und Culp-Episoden verbinde ich das typische Columbo-Feeling

Da kann ich nur zustimmen. Die Atmosphäre, die Charakterköpfe, das Gebaren, vor allem der Kleidungsstil, die hatten Klasse. Sowas könnte es doch auch heute noch, im wahren Leben geben. Durch Columbo habe ich wieder Lust auf Anzüge bekommen, ist aber schwer, etwas ähnliches zu finden. Bei http://www.anzuege.de/digel-anzuege/ habe ich zum Beispiel noch zweifarbige Kombis gefunden. Wenn man sich ein wenig umschaut, wäre die modernere Variante sogar ganz annehmlich. Ich weiß allerdings nicht, ob das gewünschte Gefühl einsetzen würde. Es war halt eine andere Zeit. Naja, und sonst muss ich auch sagen, was den Inhalt angeht, es gibt eben immer wieder gute und weniger auffällige Folgen.
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon zimtspinne » Do, 17.10.2013 19:35


Cassidy trägt aber in zwei Folgen kaum Anzüge, oder? Stattdessen macht er eine sehr gute Figur in Jeans, Pulli und Freizeitjacke.

Die Mode der 70er ist zum Teil wieder angesagt, Hüfthosen, Hüftgürtel, tunikaartige Gewänder, Schuhe, Mäntel und Mützen fallen mir da ein (hab ich auch alles :P )

bei Columbo ging es ja nicht so flippig zu, in einigen Szenen erkennt man aber gut die damalige Zeit.
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon Cranky » Fr, 18.10.2013 15:44


(hab ich auch alles :P )

:D Das müsste man sich doch einmal ansehen. Aber wie fasst die heutige Zeit das auf. In übermäßig bunter Klamotte möchte ich zum Beispeil nicht raus.
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon zimtspinne » Fr, 18.10.2013 18:39


Cranky hat geschrieben:
(hab ich auch alles :P )

:D Das müsste man sich doch einmal ansehen. Aber wie fasst die heutige Zeit das auf. In übermäßig bunter Klamotte möchte ich zum Beispeil nicht raus.


nun ja, die 70er waren schon die Zeit der Rebellion und (sexuellen) Revolution und weiblichen Emanzipation.
Dass es dabei nicht graumäusig bieder zuging, war zu erwarten :wink:

Ich finde jedoch, die modernen Versionen sind nicht so schrill, sondern eher dezent, wenn auch nicht graumäusig. Das kann echt gut auch im Alltag verwertet werden.

Bei Columbo gibts schon auch heftige Modesünden.... wie die hautenge Hose, die einer der Mörder trägt. Alles in allem finde ich es aber unterhaltsam und ganz passend zu den entsprechenden Folgen.
Wenn die Dame aus "Klatsch.." da mit ihren weitschwingenden Schlaghosen und Pelzen angeschwebt kommt, das hat doch was. Sie kann auch wenigstens noch richtig weiblich schreiten und schweben.
Die heutige weibliche Jugend latscht ja eher vor sich hin, hebt dabei kaum die Füße, was bei der Körperfülle auch nicht so einfach sein dürfte und hat null Körperspannung. Selbst Wheeler und Abi haben mehr Schwung und Körperspannung als die Teenies der heutigen Zeit.
Schon deshalb mag ich auch Columbo, weil es dort doch einige anmutige Ladies gibt, denen man gerne zuschaut :)
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon dooger » Fr, 03.04.2015 02:45


Ich finde es ebenfalls sehr bedauerlich, dass Columbo zwischen 1978 und 1989 diese lange Pause hatte.

Nicht bloss deswegen, weil wir, wenn Columbo durchgehend produziert worden wäre, in den Genuss von weit mehr als nur 69 Folgen mit unserem geliebten Inspektor gekommen wären, sondern auch deswegen, weil die Pause durch die 80er hindurch von einem hochinteressanten Zeitabschnitt geprägt wurde, in welchem offenbar ein grosser Wandel und Umbruch stattfand, was persönliche Lebensweisen und die Umwelt betrifft.

Auch wenn ich natürlich längst nicht alle (älteren) Serien kenne, ist dieser krasse Unterschied zwischen diesen nur 11 Jahren Pause gerade bei Columbo sehr beispielhaft. Hätte es die Serie durchgehend gegeben, würde er wohl nur dann auffallen, wenn man ihn sich bewusst vergegenwärtigt, indem man sich eine Zwangspause in eben diesem Abschnitt gedanklich vorstellt und sich die Episoden in der besagten Zeit einfach weg denken würde.

Zumindest ist es mein subjektiver Eindruck, dass ein so krasser Wandel und Modernisierung wie zwischen ca. 1978 und 1989 wohl zukünftig in nur 11 Jahren kaum mehr stattfinden wird. Bei Columbo ist es sehr deutlich in Bezug auf die Schauplätze, die Bekleidung, die Frisuren und die Behausungen der Mörder und in gewisser Weise auch die Technik (wobei Technik bei Columbo ja eigentlich immer schon nur als MIttel zum Zweck eingesetzt wurde, um mit deren Hilfe scheinbar raffinierte Mordpläne oder Alibis auszuarbeiten)

Wenn man die Serie Columbo als Massstab nimmt, dann scheint es wirklich so, als lägen zwischen der langen Pause nicht bloss 11 Jahre, sondern mindestens 25 oder 30. Geht man hingegen als Beispiel weiter 11 Jahre in die Zukunft, dann zeigt sich eigentlich recht deutlich, dass zwischen der ersten Folge der zweiten Ära aus 1989 und der zweitletzten Folge "Mord nach Takten" aus dem Jahr 2000 kaum ein zeitlicher Unterschied zu erkennen ist. Wenn man mal davon absieht, dass Peter Falks Gesicht etwas älter und seine Haare grauer geworden sind, zeichnet sich kaum ab, dass die Zeit um 2000 eine andere war als 1989. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es zwischen 2000 und 2011 so viel anders gewesen wäre, hätte es z.B. zum Zeitpunkt vor 4 Jahren noch einen weiteren Columbo gegeben. Nun könnte man natürlich, gerade was die beiden letzteren Vergleiche betrifft, einwenden, dass der Serie, mal abgesehen von ein paar Ausnahme-Episoden, ganz bewusst ein zeitloses Image verpasst wurde. Was allerdings nur umso mehr für den krassen Umbruch in den 80ern spricht, wenn selbst in einer so zeitlosen Serie wie Columbo in 11 Jahren dieser starke Wandel nicht verborgen bleibt.


Nun ja, sicherlich wird der subjektive Eindruck auch zum einen dadurch verstärkt, weil zwischen der ersten und der zweiten Ära nicht nur die Mode, sondern vor allem auch die Kameraführung und Fernsehtechnik sich bestimmt verändert haben. Und damit geht vor allem auch die Verbesserung der Qualität des Bildes einher.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass meine eigene Zeit, in der ich als kleines Kind meine Umwelt zum ersten Mal bewusst wahrnahm, Anfang der 80er Jahre war. Da ich die 70er nicht mehr bewusst in Erinnerung habe, kenne ich sie nur von Fotos oder aus dem Fernsehen. Damit geht z.B. auch die Wahrnehmung von Farben in der Vergangenheit einher. Die Vergangenheit, in der man noch nicht gelebt hat, wird, je weiter man zurückdenkt, in der Vorstellung immer blasser oder sogar schwarz-weiss, wenn man diese Zeit nur von Film und Fotos kennt. Selbst wenn man sich bewusst ist, dass dies der Realität natürlich nicht entspricht, ist es eben nicht ganz so einfach diese Vorstellung komplett aus dem Kopf zu bekommen.

Nun ja, würde gerne auch noch andere Meinungen zu diesem interessanten Thema lesen, vor allem auch von Usern, die meine krassen Eindrücke in Bezug auf die Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Ära entweder teilen oder aber aus bestimmten Gründen, die mich auch interessieren würden, ganz anderer Meinung sind.
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon zimtspinne » Fr, 03.04.2015 10:40


Herzlich Willkommen im Columboforum erstmal, dooger.

Du machst dir da interessante Gedanken über Raum und Zeit, gefällt mir!

Mein spontaner Erstgedanke dazu ist: Du empfindest die relativ kurze Zeitspanne zwischen Ära I und II deshalb so veränderungsstark, weil sie mit deinen eigenen stärksten Lebensveränderungen korreliert.

Soweit ich verstanden habe, warst du in den 70ern Kind und Ende der 80er junger Erwachsener?

Ich glaube, jeder Mensch ist der Meinung, dass sich die Welt zwischen seiner Kindheit und seinem Eintritt ins Erwachsenenalter um mindestes 360° gedreht hat. Also stark verändert.

Objektiv betrachtet, hat sich zwischen ca 1980 und ca 1990 weder in Mode, noch in Zeitgeist noch in Wissenschaft und Technik soooo wahnsinnig viel ereignet.
Mit einer Ausnahme vielleicht: das Internet ist massenwirksam geworden^^

Da das internet aber bei Columbo keine Rolle spielt (es wird glaube ich nur einmal eine email erwähnt), kann man diesen Faktor unter den Tisch fallen lassen.

Schade eigentlich, dass Columbo nicht in den 20ern estmalig gedreht wurde, dann eine lange Pause und erst nach der Jahrtausendwende fortgesetzt. Also quasi 100 Jahre dazwischen. Das wäre dann wirklich eine krasse Columboweltveränderung geworden!
Aber gut, dazu müsste ein Mensch mit einer Lebenserwartung von 150 Jahren ran, den es zwar theoretisch gibt, aber praktisch an tausend Zivilisationskrankheiten scheitert. Interessant wäre es aber auf jeden Fall gewesen!
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon Doc Brown » Fr, 03.04.2015 19:18


Ich finde die Ausführungen von dooger auch sehr interessant, weil ich mir dazu noch nie so genau Gedanken gemacht habe.

Ich finde den Unterschied zwischen der letzten Folge der 1. Ära und der ersten Folgen der 2. Ära auch sehr krass. Bisher habe ich mir das immer mit den 11 Jahren Pause erklärt, aber der interessante Aspekt aus doogers Beitrag ist, warum man dann den Unterschied zum Jahr 2000 nicht so krass empfindet. Geht mir nämlich auch so. Vielleicht hat in den 80ern tatsächlich ein großer Wandel im Zeitgeist stattgefunden. Anderseits: In den 90ern hat sich meiner Meinung nach auch viel verändert. Immerhin wurde dort der PC und das Internet massenkompatibel. Ich sehe da jedenfalls keinen quantitativen Unterschied zu dem Wandel in den 80ern.

Bei Columbo ist der Wandel in den 80ern jedenfalls deutlicher spürbar als der Wandel in den 90ern.
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon dooger » Sa, 04.04.2015 05:50


zimtspinne hat geschrieben:Herzlich Willkommen im Columboforum erstmal, dooger.

Du machst dir da interessante Gedanken über Raum und Zeit, gefällt mir!

Mein spontaner Erstgedanke dazu ist: Du empfindest die relativ kurze Zeitspanne zwischen Ära I und II deshalb so veränderungsstark, weil sie mit deinen eigenen stärksten Lebensveränderungen korreliert.


Danke für den Beitrag und die Begrüssung.

In gewisser Weise denke ich auch, dass das eine Rolle spielt.

Soweit ich verstanden habe, warst du in den 70ern Kind und Ende der 80er junger Erwachsener?

Ich glaube, jeder Mensch ist der Meinung, dass sich die Welt zwischen seiner Kindheit und seinem Eintritt ins Erwachsenenalter um mindestes 360° gedreht hat. Also stark verändert.


Ganz so alt wie du offenbar meinem Beitrag entnommen hast, bin ich dann wohl nicht. Ich erkläre hiermit noch einmal genauer, dass ich Ende der 70er Jahre noch so klein war, dass es gar nicht möglich für mich war, diese Zeit bewusst schon wahrzunehmen. Folglich hab ich den grössten Teil meiner Kindheit in den 80ern verbracht und meine Jugendzeit in den 90ern.

Da ich also noch gar nicht so alt bin und in den 80ern meine Kindheit verbracht habe und nicht bereits mein Leben als junger Erwachsener, untermauert das eigentlich die von dir angesprochene Theorie, dass ich wahrscheinlich das Gefühl hatte, dass sich die Welt in den 80ern für mich persönlich um 360° gedreht hat.

Seltsamerweise komme ich aber zu dem Schluss, dass ich dieses Gefühl in dieser Zeit hindurch eigentlich kaum verspürte, wenn ich es auf das Leben in meinem kleinen Mikrokosmos beziehe. Vermutlich weil ich selbst in den 80ern kaum mit stets aktuellster Technik oder neumodischen visuellen Reizen in Berührung kam. Meine Beobachtungen des Wandels beziehen sich also eigentlich rein auf Film- und Fernsehen, wo man eben mit anderen Perspektiven auf das Leben konfrontiert wird. Und vor allem mit optischen Eindrücken, die man aus dem realen Leben gar nicht kennt/kannte.

Da ich die 70er nicht real erlebt habe, ist meine Vorstellung davon sicherlich verzerrt und vor allem durch Film- und Fotoaufnahmen geprägt.

Objektiv betrachtet, hat sich zwischen ca 1980 und ca 1990 weder in Mode, noch in Zeitgeist noch in Wissenschaft und Technik soooo wahnsinnig viel ereignet.
Mit einer Ausnahme vielleicht: das Internet ist massenwirksam geworden^^


Objektiv hat sich vermutlich tatsächlich zwischen 1980 und 1990 nicht so viel getan, wie es mir erscheint, wenn ich z.B. Hollywood-Spielfilme anschaue und die frühen 80er mit den Anfängen der 90ern vergleiche. Denn gerade Filme vermitteln ja auch ein verzerrtes Bild der Realität, bzw. zeigen sie oft das was zurzeit gerade besonders cool ist und beim Zuschauer gefragt. Die Filme widerspiegeln also häufig schon einen aktuellen Zeitgeist, der geschönt ist und oft nicht der Realität des Zuschauers entspricht, auch wenn dieser vielleicht genau das gerne hätte.

Mein persönlicher Eindruck ist demnach so, dass sich in Wissenschaft und Technik wohl tatsächlich in dieser Zeit gar nicht so viel mehr getan hat, als in anderen Jahrzehnten. Selbst deine angeführte Ausnahme trifft nicht ganz zu, denn das Internet ist nicht in dieser Zeit, sondern erst zwischen 1990 und 2000 massenwirksam geworden.

Was allerdings gewisse Moden und Strömungen betrifft, da ist mein Eindruck schon so, dass diese in früheren Jahrzehnten viel prägender und einheitlicher gegliedert waren, wohingegen in der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit viel mehr verwischt und miteinander verknüpft wird.

Früher gab es z.B. viel mehr feste Strömungen, die beispielhaft für ein Jahrzehnt waren und dieses mitgeprägt haben. Zum Beispiel die Koteletten in den 70ern, die Föhnwellen oder Punk-Frisuren in den 80ern. Deshalb kann man heute was Mode, Frisuren, Musik oder Filme betrifft, so schön in Nostalgie schwelgen und sagen: Tja, das waren die 60er, die 70er, die 80er oder auch die 90er. Danach wird es allerdings schon schwieriger, denn wie oft hört man jemanden heute sagen, dass dies typisch für die 00er war, wenn er auf das Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende anspricht? Vereinzelte Strömungen und Moden, so scheint es mir, sind heute zu schnelllebig, als dass ich sie für so prägsam halte, dass man auch noch in 30 Jahren nostalgisch daran zurückdenkt. Wenn es um angesagte Musik geht, so zeigt sich dies ebenfalls sehr deutlich. Es ist wesentlich einfacher einen erfolgreichen Song aus den 60ern, 70ern, 80ern oder 90ern dem richtigen Jahrzehnt zuzuordnen, als dies bei aktuellerer Musik der Fall ist. Damals war der Stil der Songs viel unverkennbarer mit dem damaligen Zeitgeist verbunden. Wenn man sich dagegen mal in den aktuellen Hitparaden umguckt, so lässt sich heute vor allem der Trend feststellen, dass in den letzten beiden Jahrzehnten eigentlich keine vollkommen neuen Musikrichtungen mehr entstanden sind, sondern die bisherigen Stile in ein und demselben Song miteinander vermischt sind. So kann man bei vielen angesagten Songs heute gar nicht mehr so eindeutig sagen, ob er nun eher Pop, Dance, House oder Hip-Hop ist.

Ähnlich sehe ich das auch bei Filmen. Vor 20 Jahren konnte ich noch viel öfter auf den ersten Blick erkennen, dass der Film bereits 20 Jahre alt ist, also aus den 70ern stammt. Die Schauplätze, die Bildqualität, die Mode und die Frisuren sprachen meist eine ziemlich eindeutige Sprache. Heute, 20 Jahre später, kann ich oft nur sehr schwer einschätzen, ob ein Film nun aus dem Jahr 1995 oder 2015 stammt. Wenn, dann erkenne ich einen neuen Film daran, wenn es eine HD-Produktion ist oder ich kann anhand des Standes der gezeigten Technik, z.B. bei PCs und Handys, das ungefähre Jahr erraten, sofern diese überhaupt im Film deutlich eingeblendet wird. Dieses interessante Phänomen, dass es mir oft schwer fällt einen Film den 90er, 00er oder 10ern zuzuordnen, hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass ich alle diese Jahrzehnte bewusst erlebt habe und diese für mich quasi eine fortlaufende Einheit bilden. Obwohl ein solches Szenario für mich nur schwer vorstellbar ist, halte ich es trotzdem nicht für unmöglich, dass ein heute 16-jähriger, der die 90er noch nicht bewusst miterlebt hat, bei einem Film aus den 90ern, den ich dem Jahrzehnt nicht eindeutig zuordnen kann, sofort sagen würde „boah ist dieser Film „Retro“ und ihn sofort der richtigen Zeit zuordnen könnte.

Ich halte dennoch an meinen persönlichen Eindrücken, die ich in diesem Beitrag geschildert habe, fest, dass ein Wandel der Zeit heutzutage anders von statten geht, als das noch vor 20 oder 30 Jahren der Fall war. Der die Zukunft prägende Wandel der heutigen Zeit erscheint mir viel subtiler, da er sich eher auf Dinge wie Globalisierung, immer stärker und schneller werdende Vernetzungen und zunehmende Fülle von Informationen bezieht. Viele Dinge, die man auf den ersten Blick gar nicht mit dem Auge erkennen kann.

Ich kann darum auch verstehen, dass Doc Brown es ebenfalls so sieht wie ich, dass er zwischen einem Columbo von 1989 und 2000 keinen so krassen Unterschied sieht. Dass z.B. das Internet in dieser Serie nur marginal eine Rolle spielt, verstärkt diesen Eindruck sicherlich noch mehr.

Speziell bei Columbo gibt es da auch noch andere Punkte. Wie ich schon erwähnte, ist die Serie eher zeitlos konzipiert. Das heisst der Charakter Columbo ist zeitlos, nicht jedoch die Mörder und das Umfeld, in dem er ermittelt. Und das Augenmerk ist in dieser Serie noch stärker als bei anderen Krimis auf den Hauptdarsteller gerichtet, da der Mörder bereits von Anfang an bekannt ist und sozusagen eher als Mittel zum Zweck fungiert. Die Dialoge, das Zusammenspiel zwischen Columbo und Mörder und das Vorgehen, wie er es schafft den Mörder zu überführen, stehen im Vordergrund.

Auch das Ambiente sticht dabei ins Auge, weil Columbo stets mit seinem zerbeulten Auto in die Welt der Reichen eintaucht, in welche er eigentlich gar nicht hineinpasst. Es liegt also in der Natur der Sache, dass die Erfolgreichen in Hollywood nicht nur standesgemäss, sondern auch dem jeweils aktuellen Zeitgeist entsprechend standesgemäss leben und wohnen. Columbo hingegen, der seinem Stil seit den 70ern treu geblieben ist, wird sich wohl auch in seinem persönlichen Umfeld, das wir ja leider so gut wie nie zu Gesicht bekommen, in den 11 Jahren wohl kaum viel anders eingerichtet haben. Darum erwähne ich noch einmal, dass sich die von mir besonders stark wahrgenommene Wandlung vor allem auf die visuellen Gegebenheiten wie z.B. die Villen in der Gegend bezieht, in der Columbo ermittelt. Und dass es mich z.B. besonders erstaunt wie stark die Darstellung im Film von standesgemässem Wohnen in den 70ern von dem Ende der 80er unterscheidet. Es liegen z.B. Welten zwischen dem rustikalen Stil in der Villa von Devlin in der letzten Folge der ersten Ära und dem coolen Ambiente in der Villa von Brantley „Wer zuletzt lacht“, welches auch in der heutigen Zeit noch durchaus modern erscheint.
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon Doc Brown » Sa, 04.04.2015 12:46


Ich denke schon, dass ein heute 16-jähriger einen Film aus den 90ern als Retro bezeichnen würde. Der Kleidungsstil hat sich verändert, auch wenn ein prägendes Element fehlt, wie die von dir genannten aus den 70ern und 80ern, aber anders war sie. Auch in der Technik hat sich viel getan: Anstatt der E-Mail wurde ein Fax versendet, die Mobiltelefone waren riesengroß und konnten nichts außer telefonieren. Die PCs waren nicht mobil und konnten bestenfalls 32 Farben darstellen. Digitalfotografie gab es auch noch nicht, Videos wurden auf Band aufgenommen.

Für uns mag das ein subtiler Wandel sein, weil wir diese Technik bewusst erlebt haben und mit ihr aufgewachsen sind. Ich kann mich auch noch an Zeiten erinnern, als es der letzte Schrei war, ein Fax zu besitzen. Für uns war dieser Wandel ein langsamer Fluss. Jemand, der diese Zeit nicht bewusst erlebt hat, wird das vermutlich als ganz weit weg empfinden. Technik und Kleidung aus einer anderen Welt. Für uns ist eine Zuordnung da schwerer.

Spannend wäre es nun, die Meinung von jemanden zu hören, der die 70er bewusst erlebt hat. Oder von jemanden, der die 90er nicht bewusst erlebt hat.

Vorerst komme ich jedenfalls zu dem Schluss, dass ich den Unterschied zwischen der 1.Ära und der 2.Ära aufgrund meines Alters als stärker empfinde, als die Zeit zwischen 1989 und 2000. Und sicherlich auch, weil die prägendste Veränderung der 90er an der Serie Columbo vorbeigerauscht ist.
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon zimtspinne » Sa, 04.04.2015 13:43


dooger hat geschrieben:Selbst deine angeführte Ausnahme trifft nicht ganz zu, denn das Internet ist nicht in dieser Zeit, sondern erst zwischen 1990 und 2000 massenwirksam geworden.


ups, das stimmt natürlich, hab mich da irgendwie im Jahrzehnt vertan, dachte dabei eigentlich an Ende 90er - 2000.
Mitte der 90er hatten freaks aber sehr wohl schon den pc als Kommunikationsmedium für sich entdeckt.... mein US-Freund hatte um 1995 schon regelmäßig mails verschickt und auch gechattet (zu der Zeit kannten wir uns aber noch nicht, war ich zu jung), das galt aber wahrscheinlich für den Durchschnittsdeutschen noch nicht, zumal die Telekommunikation hier ja eh etwas nachhinkte.

Bei den Amis war das inet zu der Zeit aber schon voll da, sogar etwas früher... und Columbo war ja wie du selbst sagst technisch (also besonders in Sachen Kommunikationsmedien) ganz vorne dabei.
Weshalb man da so wenig draus machte und nur einmal die Übertragung von mail zu Telefon erwähnte... keine Ahnung.

Ich denke auch, dass ein heute 15jähriger die 90er als so retro empfindet, wie es mir mit den 70ern und teilweise 80ern geht...
Bei Alex Brady und in der Playboyfolge kommt diese scheußliche Mode verstärkt vor bei den jungen Leuten, da denk ich immer viel mehr, ich bin im falschen Film als bei den deutlich älteren Folgen, die mir irgnedwie "vertrauter" und heimeliger vorkommen.

Die Verwaschung und Verwischung der Zeitgeistspuren, die mit der ganzen Globalisierung einhergehen, sehe ich genauso und finde das auch sehr schade.
Ich bin froh, dass es in den 90ern noch ganz klar diese und jene Jugendströmungen gab (punk, techno, trance, hiphop etc) und für mich als Alternativmusik-Liebhaber hat sich eh seit den 60ern bis heute kaum was geändert.... da die bands teilweise auf dem alten Zeugs aufbauen und sich dann eine moderne band so ähnlich anhört wie eine aus den 70ern (zB Strokes).

Finde es aber auch sehr interessant, dass die Zeit der "Neuerfindungen" scheinbar vorüber ist. In Filmen und auch in Musik, in Mode sowieso.

Es wäre vielleicht mal interessant, die einzelnen Columboumfelder der jeweiligen Ära mit dem heutigen Umfeld zu vergleichen.
Da gibts sicher Bereiche, wo sich monsterviel verändert hat (Digitalfotografie, Magier etc), andere mit wenig bis gar keinen Änderungen (klassische Musik, Weinanbau, Orchideen :wink: )
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Re: Flair der alten und neuen Ära

Beitragvon martha » Mo, 06.04.2015 19:55


Mich freut vornehmlich, dass Columbo nicht mehr von diesem Handy-Zeitalter ergriffen wurde.
Die letzten Folgen hätten da sicher noch reingepasst, wurden aber Gott sei Dank von dieser mobilen Kommunikation ausgespart.
Columbo wäre da sicher auch dieser Schimanski-Typus gewesen, der nicht fähig gewesen war, eine SMS abzuschicken.
Aber eine zu dick aufgetragene technische Unwissenheit wäre sicher auf Dauer ermüdend gewesen, weil ein bestimmender kommunikativer Status, der von der Mehrheit beherrscht wird, nicht dadurch schon ad absurdum geführt wird, indem man ihn an einer Minderheit scheitern lässt.
Das ist leider so.
Columbo hätte die technische Entwicklung lediglich als Mittel eigener Unfähigkeit begriffen, was auf Dauer aber keinen Unterhaltungswert mehr gehabt hätte.

Ansonsten fand ich die Folgen der zweiten Ära auch sehr unterschiedlich gegenüber denen der ersten.
Bei mir macht sich das aus in Stimmen, Farben und Eindrücken moderner Entwicklung.
Ich bin mir nicht sicher , ob das zwangsläufig so gesehen werden muss.
Ich hatte vor einiger Zeit mal die Dirty Harry-Filme gesehen.
Der erste war von 1971 und der letzte von `88.
Aber da hab ich nicht so diese Diskrepanz erlebt, obwohl im fünften Teil so harte Klänge von Guns'N'Roses angestimmt wurden.
Bei Columbo ist es wohl in der Tat diese Pause von mehr als einem Jahrzehnt, die den Ausschlag gibt.
Denn dieser Gewöhnungseffekt an das 70er -Jahre-Flair ist bei einer von Haus aus eher unmodernen Person wie dem Inspector, der sich dem technischen Fortschritt schon von seiner Rolle her verschließt für meine Begriffe schwieriger zu vollziehen als bei draufgängerischen Charakteren, bei denen die Veränderung des Ambientes weniger schwer ins Gewicht fällt.
Ich denke, dass Columbo wesentlich mehr Arbeit leisten muss, um in ein neues Zeitalter integriert zu werden.
Überrascht hat mich da aber schon, wie gut ihm das gelingt.
"Könnten Sie mir wenigstens sagen, welcher Name es war?
War es Kensington oder Arlington?"
"Genau gesagt:Keiner von beiden. Es war Washington."
"Hatten Sie bei dem auch einen Vornamen?"
"Martha."
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